L schlief gestern ewig nicht ein, obwohl sie am Abendbrotstisch schon sehr müde war. Durch das stundenlange Gezappel und Anschmiegen fiel es auch mir sehr schwer, in den Schlaf zu finden. Dennoch oder vielmehr zum Glück war die Nacht erholsam.
Es war heute wieder unglaublich warm, sodass J, L und ich die Ishults Badplats wenige Kilometer von unserem Ferienhaus entfernt ansteuerten. An diesem Badesee trafen wir die Entenfrau. Sie ist im August (letzten Jahres?) von Hamburg nach Schweden gezogen und kann jedem Auswanderer nur empfehlen, im März oder April herzuziehen. Der Frühling und Sommer macht es leichter, im neuen Land anzukommen. Diese Information gab ich direkt weiter an meine Freundin J.
Ich sah heute lebendige Muscheln, eine Wasserschnecke, acht Entenküken, (tote) Hirschkäfer(überreste), einen Hasen und eine Blindschleiche.
Wir hatten einen schönen letzten Urlaubstag. Morgen Mittag fahren wir zur Fähre, die uns über Nacht zurück nach Deutschland bringt.
Was heute schön war:
– ausschlafen – lesen – Vorlesen aus Band 6 der Kinderbuchreihe “Die Schule der magischen Tiere” – barfuß laufen – Federball spielen mit L, meiner Freundin J und J – Zimtschnecken essen – Ausflug zum Badesee bei Ishults – zwei Stunden kindfrei (Js Freund J ging mit L angeln, die sogar einen kleinen Fisch fing) – Abendspaziergang mit J – Tacos zum Abendbrot – ganztägiger Sonnenschein
Das Wetter war heute genauso schön sonnig und warm wie am ersten Tag nach unserer Ankunft. Meine Freundin J und ihr Freund J gingen am späten Vormittag wandern. J, L und ich blieben den ganzen Tag über beim Ferienhaus und fuhren am späten Nachmittag lediglich ein paar Kleinigkeiten einkaufen.
Was heute schön war:
– ausschlafen – Vorlesen aus Band 5 und 6 der Kinderbuchreihe “Die Schule der magischen Tiere” – barfuß laufen – Zimtschnecken essen – Wikingerschach in Unterwäsche (Ich hab das noch nie zuvor gespielt. Auch wenn ich dreimal gegen J verloren habe, macht das Spiel echt Spaß. Dass wir uns nebenbei sonnen konnten, war ebenfalls sehr erfreulich.) – viel Sonnenschein – selbstgemachte Pizza essen
Ich habe in Astrid Lindgrens Welt heute zwei Dinge gelernt: Karlsson vom Dach hat einen Vornamen, nämlich Nils. Karlsson ist somit sein Nachname. Und Michel aus Lönneberga heißt im Original Emil. Für uns Deutsche wurde der Name Michel verwendet, um keine Verwirrung mit der Buchreihe “Emil und die Detektive” zu stiften.
Ich habe festgestellt, dass ich so einige Geschichten von Astrid Lindgren nicht kenne. Die Brüder Löwenherz zum Beispiel. Oder auch Madita oder Rasmus und der Landstreicher. Das möchte und werde ich ändern.
Der Park oder vielmehr der Waldbereich ist sehr liebevoll aufgebaut. Es gibt einige Tiere und es wurde sehr viel angepflanzt (Blumen und Gemüse). An Spiel-, Picknick-, Ess- und Erholungsbereichen mangelt es ebenfalls nicht. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn einige zwei oder sogar drei Tage infolge hierher kommen.
Ich war zwar noch nie im Disneyland Paris, stelle es mir dort aber wesentlich anstrengender hinsichtlich der Reizüberflutung vor als in Astrid Lindgrens Welt.
Meinen Körper zieren zahlreiche Mückenstiche. Alleine an jeder meiner Waden befinden sich vierzehn Stiche. Und da fehlen ja noch ein paar Körperteile …
Was heute schön war:
– ausschlafen – Besuch und Erkunden der Astrid Lindgrens Värld in Vimmerby – Zuschauen bei Theateraufführungen von Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und Pipi Langstrumpf – Vorlesen aus Band 5 der Kinderbuchreihe “Die Schule der magischen Tiere” – erster Angelversuch am späteren Abend mit L (wir haben keinen Fisch gefangen, aber unser Mais wurde vom Angelhaken gefuttert)
Eindrücke des Tages:
Michel aus Lönneberga
Pipi Langstrumpf
Ronja Räubertochter
Die Brüder LöwenherzKlein KrachmacherstraßeWir Kinder aus Bullerbü
Beim Frühstück googelten wir nach den Öffnungszeiten der beiden in der Nähe befindlichen Elchparks. Der Park, durch den wir mit dem Auto hätten fahren sollen, hatte gestern geöffnet und öffnet erst wieder am Sonntag, wenn wir bereits auf der Rückfahrt sind. Der Park, durch den wir laufen können (was uns auch lieber ist), hat nur heute und dann erst wieder am Samstag, wenn wir auf dem Weg zur Fähre sind, geöffnet. Somit war Js, Ls und mein Ausflugsziel klar. Meine Freundin J und ihr Freund J wollten einkaufen und anschließend mit dem Boot zum Angeln auf den See hinausfahren.
Der Elchpark in Målilla ist wunderschön. Die Bilder können leider nicht die Größe und somit den Platz, der den Tieren zur Verfügung steht, einfangen. Ich bin kein großer Freund von eingesperrten Tieren, aber diesen Elchen ging es wirklich gut. L hatte zwischendurch zweimal schlechte Laune, einmal weil sie stolperte und niemand ihr groß Beachtung schenkte, einmal weil sie das teure Hasenkuscheltier nicht haben durfte (zu Hause warten über 170 Kuscheltiere auf sie und beim letzten Einkauf hier in Schweden bekam sie einen pinken Affen). J und ich waren bemüht, uns den Ausflug nicht vermiesen zu lassen.
Auf der Rückfahrt zur Unterkunft musste ich tanken. In Schweden gibt es kaum bis nie Menschen, die bei einer Tankstelle arbeiten. Meine Tankkarte wurde tatsächlich problemlos akzeptiert, was mich überraschte und freute. Ich ließ das Auto für 860 Schwedische Kronen volltanken, was ungefähr 86 Euro entspricht. Das dürfte trotz unserer noch geplanten Ausflüge und der langen Fahrt bis zur Fähre locker reichen, bis wir wieder in Travemünde sind.
Die von Js Freund J gefangenen Plötze wurden am Abend zusammen mit zahlreichem Gemüse und Tofu-Spießen gegrillt. Während wir beim späten Abendessen saßen, zog Nebel auf, der unserer Umgebung etwas mystisches verlieh.
Was heute schön war:
– ausschlafen – lesen – Besuch des Målilla Älgparks – Elche, einen Hund, Hühner und einen Hahn, Kaninchen und Ziegen sehen – unkompliziertes Tanken mit meiner Tankkarte (nach dieser Erfahrung bin ich der Meinung, dass wir in Deutschland ein ganz schönes Heckmeck veranstalten) – Zimtschnecken essen – eine eigene Angelrute für L (meine Freundin J und ihr Freund J haben sie gekauft) – Vorlesen aus Band 5 der Kinderbuchreihe “Die Schule der magischen Tiere” – grillen – Nebel am Abend
Eindrücke des Tages:
Elche ❤
Der Elchpark
Tankstelle mit KartenzahlungJ und J im Boot auf dem SeeLs AngelEinweihung des offenbar neuen Grills
Aufgewacht bin ich heute als Erste um kurz vor neun. Die Nacht war wieder sehr erholsam. Anderthalb Stunden später frühstückten wir zu fünft und beschlossen, ans Meer zu fahren.
Meine Freundin J suchte einen Ort heraus, an dem sowohl gebadet als auch geangelt werden kann. Wir packten ein paar Kleinigkeiten zusammen und fuhren nur etwa dreißig Minuten bis Vånevik. Auf der kurzen Autofahrt hörten wir unser aktuelles Hörspiel von Die drei ??? zu Ende. L gefallen die Geschichten genauso gut wie J und mir.
Der Erholungsbereich war unglaublich schön. Es gab Sand, kleine Felsen (große Steine) zum Klettern, Miniinseln zum Entdecken und natürlich das Meer. Wir sahen Möwen, Schwäne und einen Wasserreiher. Erfolg beim Angeln hatten meine Freundin J und ihr Freund J allerdings nicht.
Auf der Rückfahrt zum Ferienhaus hielten wir nochmals beim Supermarkt ICA Maxi. Das Knäckebrot schmeckt so lecker, dass wir unbedingt welches nachkaufen wollten.
Was heute schön war:
– ausschlafen – der Bade- und Erholungsbereich bei Vånevik mit vielen Klettermöglichkeiten – der Geruch und die Geräusche des Meeres – Ls Phantasie – lesen – Vorlesen aus Band 5 der Kinderbuchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ – Zimtschnecken essen
Die erste Nacht war super und wir schliefen alle tief und fest. L und ich waren zuerst wach und machten noch in Schlafsachen einen kurzen Spaziergang zum See, ehe wir gemeinsam mit den anderen frühstückten.
Zahlreiche Mückenstiche zieren unsere Körper. Beim heutigen Einkauf organisierten wir deshalb Mückenschutz, der vor allem am Abend seinen Einsatz fand. Es juckt trotzdem überall.
Meine Freundin J und ihr Freund J angelten am Nachmittag und am späteren Abend im See, der nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt liegt. L lief begeistert zwischen den beiden hin und her, half ihnen und verhielt sich sehr ruhig, um die Fische nicht zu verschrecken. Ein paar kleinere Fische (Rotaugen aka Plötze) wurden gefangen.
Wir haben sehr oft den Kuckuck gehört und wieder ein Reh gesehen. ❤
Was heute schön war:
– ausschlafen – barfuß laufen – Morgenspaziergang zum See mit L – Einkauf im riesengroßen Supermarkt ICA Maxi in Oskarshamn mit sehr großer Produktauswahl – Zimtschnecken essen – Chillen am See – Vorlesen aus Band 5 der Kinderbuchreihe “Die Schule der magischen Tiere” – dreißig Minuten joggen – Abendspaziergang zu den von J gefundenen Tierschädeln (Dachsschädeln?) – ganztägiger Sonnenschein – Ls gute Laune (die war in den letzten Tagen wirklich selten vorhanden) und Begeisterung für alles rund ums Angeln
Eindrücke des Tages:
Unser FerienhausHolzschuppenLeerstehendes WohnhausScheune am SeeUnser Ferienhaus und andere Gebäude im Umkreis
Nähere Umgebung
PlötzeJ beim AngelnUnsere Zeit am See
Ich habe eindeutig zu viele Horrorfilme geschaut …
Wir sind am heutigen Abend in Schweden angekommen! Es ist ruhig und grün und wunderbar. Wir haben Rehe, Hasen, Kühe, Schafe, Pferde, Nacktschnecken, Libellen und einen Frosch gesehen.
Unser Ferienhaus liegt mitten im Nirgendwo und ist wunderschön. In hundert Metern Entfernung liegt ein See. Das Boot und die Sauna dürfen wir mitbenutzen.
Ich bin mir sehr sicher, dass wir hier eine tolle Zeit haben werden.
Was gestern und heute schön war:
– pünktliche Ankunft am Skandinavienkai in Travemünde – sehr guter Spritverbrauch – Ls Begeisterung auf der Fähre, als sie einen kleinen Indoorspielplatz entdeckte (ihre tagelange Angst, die Fähre könne sinken, war innerhalb von Sekunden nach unserer Ankunft in Travemünde verschwunden) – erholsame Nacht auf der Fähre TT-Line Akka – entspannte Autofahrt auf den Straßen Südschwedens – Frühstück in der Crêperiet in Lund – Spaziergang durch Kalmar und Mittagsbuffet im asiatischen Restaurant E.A.T – Spaziergang in Oskarshamn – Besichtigung unseres Ferienhauses in der Nähe von Kristdala und Abendspaziergang – Wiedersehensfreude (ich telefoniere zwar regelmäßig mit meiner Freundin J, habe sie aber seit mehr als anderthalb Jahren nicht mehr gesehen) – sehr gutes Internet und WLAN – ganztägiger Sonnenschein
Eindrücke der letzten zwei Tage:
SkandinavienkaiTravemünde bei NachtLand in Sicht!Unsere Zeit auf der Fähre TT-Line AkkaLundKalmarOskarshamnUnsere Aufenthalte in Lund, Kalmar und Oskarshamn
… L eine Kleinigkeit zum Kindertag schenken … dreimal zur Physiotherapie gehen … erste Kisten und Kleinigkeiten in die neue Wohnung fahren … mit der Fähre von Travemünde nach Trelleborg fahren (und zurück) … mit meiner Freundin J, ihrem Freund J, L und J Schweden unsicher machen … gemeinsam mit meiner Kollegin M zu einer Weiterbildung nach Berlin fahren … L zum Schwimmkurs schicken … mit anderen Kindergarteneltern eine Zuckertüte für die Kinder basteln … einen (letzten) Termin bei der Kinderpsychologin wahrnehmen … einen Großteil des Kellerinhaltes über den Sperrmüll entsorgen lassen … endlich Sommerräder auf mein Fahrzeug montiert bekommen und einen Fahrzeugsaisoncheck erhalten … meinen 34. Geburtstag feiern … fünf Kilometer beim Thüringer Unternehmenslauf laufen … mit meinem Kollegen R an einer Recruiting-Messe teilnehmen … mit L zum Kennenlernsamstag für Schulanfänger gehen … öfter das Fahrrad statt das Auto wählen … Sport- und Sprachübungen in den Alltag integrieren
… begann für L und mich bereits am Mittwochnachmittag. Wir fuhren nach dem Kindergarten spontan mit dem Fahrrad zum Petersberg, den wir im letzten Jahr mindestens einmal wöchentlich besuchten. Ich wollte mir unbedingt anschauen, was aus einer der beiden Hauptattraktionen der Bundesgartenschau 2021 geworden ist.
Wie ich es vermutet hatte, ist alles weg. Einfach alles! Die Rutschen wurden abmontiert (und verkauft), der Kreativgarten ist verschwunden und von den gemütlichen kinderfreundlichen Orten zum Verweilen und Entspannen ist nichts mehr zu sehen. Einzig der Klimapavillon existiert noch. In diesem waren L und ich eine Weile und lasen gemeinsam ein Buch zum Thema Umweltschutz, ehe wir für den Rest unseres Aufenthalts auf dem Spielplatz verweilten.
Donnerstag, 26. Mai 2022
Weil ich abends zu müde war, um eine Einschlafbegleitung im Kinderzimmer durchzuführen, durfte L die Nacht mit in meinem Bett schlafen. Nach dem Aufwachen kuschelten wir noch ein wenig und lasen ein Kapitel im aktuellen Kinderbuch.
Zum Frühstück fuhren wir zu meinen Eltern. Zum Vatertag überreichten wir meinem Papa eine kleine Aufmerksamkeit, über die er sich sehr freute, und saßen anschließend etwas über eine Stunde gemütlich am Frühstückstisch.
Wieder zu Hause angekommen, durfte L eine Stunde fernsehen. Ich war trotz einer sehr guten Nacht unglaublich müde und nutzte die Zeit, um zu schlafen. (Im Verlauf des Tages leuchtete mir ein, dass mein Körper mit der seit Tagen bestehenden Müdigkeit erneut darauf hinweisen will, dass er eine Pause braucht und ich kürzertreten sollte. Wie gut, dass nun ein paar Tage Urlaub vor mir lagen.)
Nachdem L und ich unsere Taschen gepackt hatten, fuhren wir am frühen Nachmittag los in Richtung Leipzig. Es war nichts los auf den Autobahnen und wir kamen trotz anhaltender Müdigkeit meinerseits schnell auf dem KNAUS Campingpark Leipzig-Auensee an. Wir bezogen unseren bis Sonntag gemieteten Bungalow … und stellten fest, dass es dort an einer kleinen Küchenzeile fehlte. Wenig später trudelte J auf seinem Fahrrad ein.
Für den Nachmittag waren wir mit H und D verabredet. Diese baten wir vorab, uns Besteck und etwas Geschirr mitzubringen. H war zudem so nett, uns seinen Campingkocher auszuleihen. So ließ es sich die nächsten Tage wunderbar aushalten.
Mit H und D spazierten wir am frühen Abend zum Auensee, spielten mit L auf dem Spielplatz und nahmen die überwiegend jugendlichen Jungsgruppen, die den Männertag laut und mit reichlich Alkohol feierten, interessiert (und belustigt) wahr. Später besuchten wir das zum Campingpark gehörende Restaurant und aßen Burger und/oder (Süßkartoffel-)Pommes.
Kurz nach 21 Uhr lagen wir drei in unseren Betten. Ich las weitere Kapitel aus Band vier der Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ vor. Eine Stunde später schliefen wir.
Freitag, 27. Mai 2022
Aufgewacht sind wir erst kurz vor um neun. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so lange geschlafen habe. Es regnete. Wir blieben noch über zwei Stunden liegen und lasen in Ls Kinderbuch weiter. Die Geschichte ist wirklich sehr spannend.
Nach dem Aufstehen duschte ich, während J und L unser Porridge mit Obst zubereiteten. Mittlerweile schien die Sonne und wir konnten gemütlich vor unserem Bungalow frühstücken. Während J zum Einkaufen fuhr, sich anschließend in seine Laufkleidung schmiss und davonrannte, gingen L und ich auf den schönen Spielplatz auf dem Campingplatz. L fand schnell Freunde und spielte mit diesen. So konnte ich entspannt auf der Bank in der Sonne sitzen und mir den Wind um die Ohren wehen lassen. Zwischendrin absolvierte ich ein paar Sportübungen.
Am Nachmittag liefen wir zu dritt eine Runde um den Auensee und fuhren mit der Parkeisenbahn. Das machte uns allen viel Spaß. Es war eine sehr schöne Fahrt.
Abends saßen wir vor dem Bungalow und aßen gemeinsam das von J eingekaufte Essen. L und ich gingen nochmals zum Campingplatz-Spielplatz und spielten mit zwei Jungs Fußball. Das war sehr lustig. Wie bereits am Vortag lagen wir kurz nach 21 Uhr in unseren Betten, ich las weiter in dem Kinderbuch vor und wir schliefen früh ein.
Samstag, 28. Mai 2022
Auch am Samstagmorgen erwachten wir erst kurz vor neun Uhr. Ich fühlte mich herrlich ausgeschlafen. Da niemand aufstehen wollte, las ich das Kinderbuch zu Ende vor. Schade, dachte ich mir. Was machen wir denn am Abend?!
Zum Frühstück gab es Porridge mit Obst. Es regnete nicht, war jedoch deutlich bewölkter und kälter als die letzten Tage.
Ls Laune war nur so mittelgut. Hin und wieder dachte ich in den letzten Tagen bei mir, dass sie vielleicht gar nicht soooo die krassen psychischen Probleme hat, sondern einfach nur ein kleiner nölender und nörgelnder Mensch ist. Ich kenne ein paar solcher Leute. Vielleicht gehört L einfach zu dieser Sorte Mensch. Ich werde das über einen längeren Zeitraum mal beobachten.
Nach dem Abwasch gingen L und ich zum Spielplatz auf dem Campingplatz. J fuhr nochmals mit dem Fahrrad einkaufen. (Wir hatten tatsächlich alles aufgefuttert.) Es war sehr windig, sodass wir es nicht allzu lange draußen aushielten. Gerade als J zurückkam, verkrümelten wir uns in den Bungalow.
Nach einem späten Mittagessen zogen J und ich unsere Laufsachen an. Gemeinsam mit L, die auf ihrem Fahrrad neben bzw. eher hinter uns herfuhr, liefen wir drei Runden um den Auensee. L und ich gingen nach diesen fünf Kilometern zurück in den Bungalow, J lief noch ein paar Runden weiter. Sehr zu meiner Überraschung und Freude wollte L duschen. (Sie mag es normalerweise nicht und versucht es zu vermeiden.) Diesen Tag kann ich somit wieder rot im Kalender markieren. Ich hatte den Eindruck, dass ihr das Duschen sogar Spaß machte.
Am frühen Abend spazierten wir nochmals um den See herum und nahmen sowohl Sonnenschein, Regenschauer als auch Wind mit. Unser Abendprogramm lief ähnlich ab wie in den letzten beiden Tagen. Wir aßen Abendbrot vor dem Bungalow, wuschen das Geschirr und Besteck ab, machten uns bettfertig und lasen. (Ich las noch mal die ersten zwei Kapitel von Ls Kinderbuch vor.) Kurz nach 22 Uhr war Ruhe in unserem Bungalow.
Sonntag, 29. Mai 2022
Geschlafen haben wir wieder bis kurz vor neun. Herrlich! Wir standen diesmal zeitnah auf, zogen uns an, packten unsere Sachen, frühstückten, wuschen ab und räumten das Gepäck ins Auto. Pünktlich um halb elf verließen wir den Bungalow und den Campingpark.
Als wir bei J in der Wohnung ankamen, machte ich es mir auf der Couch gemütlich (wie immer), während J am Rechner saß und L ihre Spielzeugkiste durchsah. Mittags fuhr J mit H Fahrrad. L und ich fanden den zweiten Band der Petronella Apfelmus-Kinderbuchreihe und lasen daraus vor.
Um vierzehn Uhr machten wir drei uns gemeinsam mit Js Mitbewohner J und einer Bekannten auf den Weg nach Dölitz zum Dorffußball. Es spielte der Rote Stern Leipzig gegen Zwenkau. (Die letztgenannte Mannschaft gewann mit zwei Toren.) Es war eine andere (bessere und entspanntere) Atmosphäre als beim letzten Fußballspiel. Ich würde sogar behaupten, L hatte Spaß. Sie stellte interessiert ihre Fragen zum Geschehen auf dem Spielfeld und stand mutig neben uns am Rand. Wir aßen ein unglaublich leckeres Sojasteak und tranken Fassbrause. Es war ein wunderbares Ereignis.
Auf dem Rückweg machten wir einen kurzen Abstecher zu Ls Grundschule, die unmittelbar auf dem Heimweg lag. Leider hatte L sehr schlechte Laune (diese wechselt bei ihr wie das Wetter und ich weiß nicht, woran es liegt, da ihr niemand etwas tut), sodass sie nur halbherzig hinsah. Sie äußerte mir gegenüber ein paar abfällige und gemeine Kommentare über ihre neue Schule, die mich sehr traurig machten. Ich wünsche ihr (und mir), dass sie sich im Herbst schnell in der neuen Stadt und im Schulalltag zurechtfindet.
Erst halb sechs waren wir wieder in Js Wohnung und taten dasselbe wie vor dem Fußballspiel. Zum Abendessen gab es für jeden eine leckere (vegane) Pizza von der Pizzeria Kruste. Anschließend spielten wir ein Abenteuer des Robin Hood-Brettspiels. L, die Gesellschaftsspiele eher langweilig findet, hatte großen Spaß. J und J spielten bis 22 Uhr weiter, während ich L schon eine Stunde eher ins Bett brachte. Ich selbst war auch unglaublich müde und schlief nur kurze Zeit nach ihr ein.
Seit dem 2. Mai nutzen L und ich das Fahrrad für den Weg zum Kindergarten bzw. zur Arbeit. Ausnahmen hiervon stellen lediglich Schlechtwettervorhersagen (Gewitter) oder Termine und Verabredungen, für deren Wahrnehmung die Verwendung eines Autos angenehmer ist, dar.
Schon nach wenigen Tagen konnte ich erfreut feststellen, dass L von Fahrt zu Fahrt geschickter, mutiger und sicherer wird. Ihre Angst vor der langen Abfahrt, mit der jeden Morgen unsere Reise zum Kindergarten beginnt, schwindet allmählich. (Auch wenn ich diese Angst gut nachvollziehen kann.) Sie lernt mehr und mehr, dass sie ihrer Fahrradbremse vertrauen kann. Spaß am Fahren hat sie obendrein auch.
Mir tun die frische Luft und die Bewegung am Morgen sehr gut. Ich merke während der Fahrt, wie Stress abgebaut wird. Ich würde Erfurt zwar nicht als fahrradfreundliche Stadt bezeichnen, dennoch kommen L und ich sowohl morgens als auch nachmittags gut voran. Ein großer Vorteil am Fahrradfahren ist, dass wir nachmittags bequem von Spielplatz zu Spielplatz fahren können.
Ich möchte Ls Schulweg ab Ende August in unserer neuen Heimat überwiegend mit dem Fahrrad zurücklegen und nur selten das Auto oder die S-Bahn nutzen. Ich bin mittlerweile sehr optimistisch, dass wir dieses Vorhaben problemlos schaffen werden.
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L und ich besuchten in diesem Monat zwei Vorstellungen im Kino. Wir schauten bei Unmengen an Popcorn den neuen Biene Maja Film und ein anderes Mal den Dokumentarfilm Willi und die Wunderkröte. Gerade letzterer war sehr informativ und die Thematik/Problematik kindgerecht umgesetzt.
In den nächsten Wochen und Monaten laufen noch etliche Filme, die uns interessieren und die wir uns im Kino anschauen wollen. Zum Glück habe ich noch einige Kinogutscheine, die nun nach und nach zum Einsatz kommen werden.
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Ursprünglich wollte ich L für das Kinderradrennen „Fette Reifen“ anmelden, bei dem sie zwei Runden (circa fünfhundert Meter) hätte zurücklegen müssen. Der Gedanke an die Zuschauer, die ihr Augenmerk mit auf sie gerichtet hätten, schreckte sie allerdings ab.
Jedoch erzählte sie mir einige Tage vor dem Rennen immer wieder, dass ihr Freund K an dem Rennen teilnimmt und sie ihn unbedingt anfeuern möchte. So kam es, dass L und ich Mitte Mai direkt nach dem Kindergarten mit den Fahrrädern zur Radrennbahn Andreasried fuhren. K und sein Papa waren tatsächlich da, allerdings – so wie wir – auch nur als Zuschauer. 😉
Die beiden Kinder spielten bzw. rauften mehr miteinander als sie tatsächlich den Kinderradrennen oder den sich anschließenden Rennen des Steher Grand Prix folgten. Mich störte es anfangs ein wenig, da sie kaum Rücksicht auf die anderen Zuschauer nahmen. Als sie ihr Spiel auf einer hinter den Rängen befindlichen Wiese fortsetzten, wurde ich zusehends entspannter.
Das erste Rennen des Steher Grand Prix fand ich unglaublich spannend. Es machte mir richtig Freude, den acht Motorrad- und Rennradfahrern dabei zuzusehen, an die Spitze zu kommen und das Rennen für sich zu entscheiden.
Eine Woche später fuhren L und ich erneut zur Radrennbahn Andreasried. Dort fand ein Radsportaktionstag mit Fokus auf Nachwuchsgewinnung statt. Neben einer Hüpfburg, auf der L viel Spaß hatte, und einigen Geräten für Koordinationstraining, auf denen wir beide viel Freude hatten, konnte sie in drei Disziplinen ihr Können unter Beweis stellen. Sie absolvierte die Stationen Schnelle Runde, Geschicklichkeitsfahren und Ergometer. Besonders freute sich L über ihre erste Medaille, die es zur Belohnung für die absolvierten Übungen gab.
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Mit meiner Sportroutine und -motivation bin ich immer noch nicht zufrieden. Mittlerweile erhalte ich einmal wöchentlich einen Trainingsplan mit drei oder vier Übungen, die maximal zehn Minuten meiner Zeit in Anspruch nehmen. Dieser Plan hilft mir sehr, um dranzubleiben. Ich bin froh, dass L sich auf unser Fahrradexperiment eingelassen hat und oft den Wunsch äußert, mit mir in die Boulder- oder Schwimmhalle zu gehen.
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Apropos Schwimmhalle. Ab Mitte Juni nimmt L über den Kindergarten an einem Schwimmkurs teil. Ich bin gespannt, ob sie es innerhalb der vierzehn Schwimmstunden schafft, schwimmen zu lernen. Ob gleich das Seepferdchen-Abzeichen herausspringt, ist mir persönlich nicht so wichtig. Ich fände es jedenfalls unglaublich toll, könnte sie im Juli bereits schwimmen, denn in unserem Mama-L-Urlaub wird es einen Swimmingpool direkt bei der Unterkunft geben.
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In einem Fachcenter durfte sich L vor einigen Tagen ihren Schulranzen, der sie die nächsten vier Jahre ihrer Grundschulzeit begleiten soll, aussuchen. Die Beratung ging schnell und unkompliziert von statten. Ich bin froh, dass wir einen Schulranzen, der unter einem Kilo wiegt, finden konnten. Dieser passt zudem perfekt auf Ls Rücken. Wider Erwarten ist der von ihr gewählte Rucksack nicht rosa oder pink, sondern fliederfarben bis bläulich.