Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 79

Alltagsschnipsel

Nachdem ich in den vergangenen Tagen spätestens 06:45 Uhr wach wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen, als das Handy heute morgen 08:07 Uhr anzeigte. Allerdings wachte L nahezu gleichzeitig mit mir auf. Normalerweise habe ich wenigstens eine halbe Stunde nur für mich.

L und ich fuhren vormittags einkaufen. Ich wunderte mich tatsächlich, weshalb es so unglaublich voll war. M teilte mir mit, dass auch Montag die Läden geschlossen haben. Achja, Pfingsten! Seit wir zu Hause sind, habe ich kein Gefühl für Wochentage, Wochenende oder Feiertage mehr.

Was heute schön war:

Kressepark.
Um die Mittagszeit lief ich mit L im Bollerwagen und Prinz neben mir zum Kressepark. Der Spielplatz, der zur Villa Haage gehört, hatte wieder geöffnet. Wenig später trafen mein Bruder und meine Eltern ein. Meine Eltern und ich waren bei L abgeschrieben. Onkel M wurde dafür umso mehr eingespannt. Er durfte mit L in den Streichelzoo und die Kaninchen beobachten. Wir aßen Fischbrötchen, Süßigkeiten und ein Eisteeeis.

Spielzeit mit Onkel M.
Mein Bruder begleitete L, Prinz und mich nach Hause. L und er spielten im Park noch lange Ball und rannten hin und her. Bei uns zu Hause wurden noch Seifenblasen im Garten gejagt und L einige Male in die Luft geworfen, ehe sich mein Bruder verabschiedete und den Rückweg zu unseren Eltern antrat.

Erdbeer-Schoko-Pancakes.
Auch M besuchte uns am Nachmittag für einige Stunden zu Hause. Im neuen Thermomix kreierte er einen leckeren Pfannkuchenteig – dieser reichte allerdings locker für vier oder fünf Personen. L und ich haben die leckeren Pancakes mit Vanillesoße gegessen.

Linda.
Mit L spielte ich bis zum Abend Hund bzw. Hundebesitzer. L schlüpfte in die Rolle der Hündin Linda, ich war L. Für Prinz hatten wir kürzlich eine Rampe bestellt. Diese wurden zweckentfremdet und in unser Spiel mit einbezogen. In einer Schüssel stellte ich L einen Trinknapf zur Verfügung. Prinz’ Leine war nun Lindas Leine. Unsere Hundeleckerlis waren kleine Dinkelkekse. L hatte sich wirklich wieder ein sehr schönes und süßes Spiel ausgedacht.

Little Women.
Gestern Abend beschloss ich spontan, mir den aktuellen Film, der in diesem Jahr in den Kinos lief, zu kaufen. Ich schaute ihn mir gleich über Prime Video an. Mir hat dieser Film sehr sehr gut gefallen. Die Erzählweise ist erstmals eine andere. Ich finde es gut, dass sich die Regisseurin das getraut hat. Diese Version zeigt bisher am deutlichsten, wie unglaublich schwer es Frauen in der damaligen Zeit hatten. Das hat meiner Meinung nach bisher keine der anderen Verfilmungen geschafft.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 78

Alltagsschnipsel

Diagnose.
Ein Jahr ist nun vergangen! Es war ein schwieriges Jahr voller Angst und Trauer, aber auch Hoffnung und Wertschätzung. Das schönste ist aber: M lebt! Heute vor einem Jahr begleitete ich M zu einem Kieferchirurgen, da die Schmerzen im Mundraum einfach nicht besser wurden. Von Januar 2019 an suchte er alle paar Wochen verschiedene Ärzte auf. Doch niemand fand etwas. Der Kieferchirurg schaute jedoch keine zwei Minuten in Ms Mund und sagte: Zungenrandkarzinom. Er vereinbarte für uns für den 31. Mai 2020 einen Behandlungstermin im
Helios. M und ich standen den restlichen Tag unter Schock! Ich erinnere mich, dass ich circa eine Woche lang nach Erhalt dieser Diagnose an einer leichten Form von Amnesie litt.

Was heute schön war:

Fernlehrgang.
Ich nähere mich allmählich dem Ende des Theorieteils in Heft sechs. Im Juni stehen die Einsendeaufgaben für Heft fünf und Heft sechs ganz oben auf der To-Do-Liste, ehe es mit Heft sieben weitergeht.

Rollschuh/Inline Skates fahren.
L und ich holten unsere Rollschuhe bzw. Inline Skates heraus und fuhren heute lange in unserem Garten damit herum. Nebenbei spielten wir Schule.

M und der neue Thermomix.
Am frühen Abend besuchte uns M. Er mietete sich ein Teil-Auto, das direkt auf dem Helios-Gelände zur Verfügung steht. Seit Dienstag steht ein großer Karton aus Frankreich in unserem Flur. M öffnete ihn und holte unseren Thermomix heraus und baute ihn in der Küche auf. (Ich kam bisher nicht dazu.) Er ist ganz begeistert. Kurz nach 20 Uhr machte er sich auf den Rückweg ins Krankenhaus.

Sushi.
Mein Bruder ist das erste Mal seit vier Monaten wieder zu Besuch in Erfurt. L war anfangs zwei Sekunden schüchtern. Dann zauberte er allerdings Seifenblasen aus seinem Rucksack und die Schüchternheit war sofort vergessen. Wir bestellten abends eine große Menge leckeres Sushi, das sogar schneller geliefert wurde als erwartet. 

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 77

Alltagsschnipsel

Was für ein Tag! Es war tatsächlich etwas stressig. So viele Telefonate habe ich schon lange nicht mehr entgegengenommen. Auch zu Hause kam über den ganzen Tag verteilt Besuch. Ab dem Nachmittag hatte ich Rückenschmerzen, die abends auch leichte Bauchkrämpfe hervorriefen.

Kick-off-Call in einem Projekt.
M ist im Krankenhaus, die PO ist seit Montag krankgeschrieben. Obwohl ich weder PO noch Developer bin, sondern lediglich eine Assistentin der Geschäftsführung, bot ich gestern meine Teilnahme am Kick-off-Termin an. Und das war auch gut so. Wir wären der einzige Projektpartner gewesen, der durch Abwesenheit geglänzt hätte. So waren wir der einzige, der keine Präsentation vorbereitet hatte. Der Call begann morgens um neun und endete 13:00 Uhr. Ich habe mir einige Notizen und einhundertzehn Screenshots gemacht, die ich abends neben L auf der Couch sortierte und in sinnvolle PDFs umwandelte.

Fliegender Wechsel.
Während der Call lief, kam der Reparaturservice wegen unseres Geschirrspülers vorbei. Der Monteur fand tatsächlich die Ursache (zwei große Orangenkerne), weshalb der Spüler seit Wochen nicht bzw. nur schlecht abpumpte. Die Rechnung über knapp 82 Euro wies ich direkt an. Nahezu zur gleichen Zeit kam Ms Schwester mit ihrem kleinen Baby vorbei. Sie nahm L, die ich während des Calls ausgehfertig machte, und bespaßte sie bis zum Nachmittag. Am frühen Nachmittag schaute mein Kollege M aus einem Nachbardorf vorbei (wir befinden uns alle nach wie vor im Home Office). Er benötigte für ein Dokument den Firmenstempel. Ich scannte ihm alles ein und wir quatschen nebenbei noch etwas.Der letzte Besucher des Tages war Ms Papa, der abends halb sieben kam und eines unserer Autos mitnahm. Er wird es morgen für uns in die Werkstatt bringen.

Ms Gesundheitszustand.
Die Oberärztin stellte bereits am Morgen fest, dass M viel besser aussieht. Er ist im Helios richtig aufgeblüht. M teilte mir mit, dass er verschiedene Dinge (Cappuccino, Eis, Pudding) trinken/essen konnte – etwas, voran er vor wenigen Monaten nicht zu hoffen gewagt hätte. Vielleicht kommt er eines Tages doch von seiner PEG-Magensonde weg. Lediglich an seinem Ton mir gegenüber müssen wir arbeiten. Der gefällt mir ganz und gar nicht – auch bei allem Verständnis für seine beschissene Krankheit nicht.

Was heute schön war:

Babybesuch.
Ls Cousin besuchte uns nicht nur heute Morgen. Am Nachmittag trafen wir uns mit M beim Spielplatz. Ms Schwester kam mit L und ihrem Baby auch dorthin. Der kleine Mann ist schon wieder dreieinhalb Monate alt. Die Zeit vergeht so schnell.

Feedback zur ersten Kindergeschichte.
Ich habe heute von meiner Dresden-Freundin J das letzte Feedback zur ersten Kindergeschichte erhalten. Nun kann ich alle Anmerkungen/Verbesserungen der vier (sechs) Testleser einarbeiten. An dieser Stelle noch mal Danke an euch. Ihr seid toll!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 76

Alltagsschnipsel

Ms Gesundheitszustand.
Der Krankenhausaufenthalt und die dortige Ruhe tun M ausgesprochen gut. Das ist schön … irgendwie. Aber irgendwie fühlt es sich auch so an, als wäre die häusliche Umgebung und der ständige Kontakt mit L, Prinz und mir Gift für ihn. Diese Erkenntnis tat heute ein wenig weh. Laut den Ärzten hängt Ms Durchfall mit seiner Colitis zusammen und wir hätten lange auf eine Besserung warten können. Er bekommt nun die richtigen Medikamente verabreicht und wird intravenös mit Flüssigkeit UND Nahrung versorgt. 

Normalbetrieb.
Ls Erzieherin S rief vormittags an und teilte mit, dass ab Montag wieder Normalbetrieb im Kindergarten herrscht. Lediglich die Betreuungszeiten wurden minimal verkürzt. Ich habe dazu noch keine Meinung. Nachgewiesene Corona-Infizierte hat die Stadt Erfurt seit Wochen nicht mehr, thüringenweit liegen wir bei unter eintausend bestätigten Fällen. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, L wieder in den Kindergarten zu schicken, wenn nicht die Tatsache bestünde, dass sich M niemals nie und unter keinen Umständen mit dem Virus infizieren darf.

Was heute schön war:

Altglas.
Mit Bollerwagen, einer Kiste voller Altglas und L und Prinz im Schlepptau machte ich mich heute auf den Weg zu den Altglascontainern. Das war längst überfällig. Prinz hatte Schwierigkeiten beim Laufen, sodass wir nur langsam vorwärts kamen. Aber das machte nichts. Ich bin stolz, dass wir diese Aktion meisterten.

Treffen mit M.
Am Nachmittag trafen L und ich uns mit M beim Spielplatz in der Nähe des Krankenhauses. Wir machten es uns im Halbschatten gemütlich. L wippte, fuhr Roller und rutschte. Ich war sogar eine Vorzeige-Mama und hatte ein kleines Picknick bestehend aus Wassermelone, Kuchen und Getränken vorbereitet.

Entspannter Prinz.
Von unserem Altglas-Spaziergang erschöpft, schlief Prinz. Ich beschloss daher, ihn am Nachmittag nicht mit zum Spielplatz mitzunehmen. Wir lassen Prinz nur ungern zu Hause, da ihn das Alleinsein stresst. L und ich konnten uns jedoch aus der Wohnung schleichen und fanden zweieinhalb Stunden später einen entspannten Prinz vor. Wenn es doch immer so sein könnte!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 75

Alltagsschnipsel

Annäherung.
In einem schwachen Moment äußerte ich heute Morgen M gegenüber wieder unbedachte Worte – das Gesagte würde ich natürlich niemals in die Realität umsetzen und sollte lediglich meine Überforderung und Unsicherheit zum Ausdruck bringen. M habe ich damit jedenfalls sehr verletzt. Ich habe mich sofort entschuldigt, ihm versichert, dass ich nie wieder leichtfertig behaupten werde, meine Arbeit zu kündigen. Ich fühle mich jedoch wie ein Parasit, denn ich erhalte monatliches Gehalt für einen Bruchteil an Leistungen. Ich komme beruflich aktuell zu kaum etwas. Das zermürbt mich. M meinte, es geht vielen in dieser Pandemie so und ich stehe nicht alleine da. Er hat mir versichert, dass er mich braucht und ohne mich weder beruflich (wir arbeiten in derselben Firma) noch privat überleben kann. Seine Worte waren gut gewählt und erinnerten mich daran, warum wir gemeinsam kämpfen.

Bürgeramt.
Unser Ende April gekauftes Wohnmobil wurde heute auf M zugelassen. Der ursprüngliche Plan war, dass er diesen Termin beim Bürgeramt selbst wahrnimmt. Allerdings geht es ihm seit Donnerstag nicht gut, so dass ich mit einer Vollmacht die Zulassungsstelle aufsuchte. Die Pandemie hat wirklich alles verändert. Ohne Kontrollen und vorherige Terminvereinbarung über die Website darf niemand das Gebäude betreten. Nach dem Termin ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, denn wir hätten dies schon vor Wochen erledigen müssen – auf Grund von Ms unbeständigem Gesundheitszustand und der Tatsache, dass beim Bürgeramt keine Termine vor dem heutigen Tag zur Verfügung standen, dauerte es viel länger als gedacht.

Arztbesuch.
Seit dem 21. Mai leidet M unter Durchfall. Das Ausmaß bekam ich jedoch erst am Wochenende mit. Da keine Besserung in Aussicht war, suchten wir seine Ärztin in der onkologischen Praxis auf, die sich leider mitten im Tumorboard befand. (Wir hatten vorher nicht angerufen.) Ich habe schon lange nicht mehr bzw. streng genommen sogar nie solch einen Einsatz erlebt. Jeder Mitarbeiter dieser Praxis ist freundlich, empathisch und kennt jeden (!) Patienten beim Namen. Die Schwester versprach uns, schnellstmöglich mit der Ärztin zu sprechen und uns zurückzurufen.Ich befand mich gerade auf dem Weg, um L wieder bei Ms Schwester abzuholen, als der Anruf kam: M soll schleunigst ins Krankenhaus. Ich hielt kurz bei Ms Schwester und L, erklärte die Situation und fuhr ohne L nach Hause, um M beim Packen der Tasche zu helfen.

Helios.
Das Helios ist ein Hochsicherheitstrakt. Alles dreht sich nur um Corona. Die Notaufnahme war gegen 17:30 Uhr menschenleer. Wir schilderten kurz das Problem, füllten Zettel (Corona) aus und setzten uns in den Wartebereich. M wurde schnell aufgerufen. Ich begleitete ihn, wurde aber wieder in den Wartebereich (wegen Corona) geschickt. Über iMessage teilte mir M mit, dass versucht wurde, ihm an fünf Stellen am Körper sowie über den Port Blut abzunehmen – keine Chance, es kam kein Tropfen. Sein Blutdruck war 88 zu 60. M bekam erst mal intravenös Flüssigkeit. Da M aufgrund der vielen Operationen nur eingeschränkt sprechen kann, bin ich zu seinem Sprachrohr geworden. Aus diesem Grund wartete ich getrennt von ihm im Wartebereich auf das Erscheinen des Arztes. Gegen 20:30 Uhr bin ich schweren Herzens und mit schlechtem Gewissen gegangen, denn L kann nicht ewig von ihrer Tante bespaßt werden.M meinte, gegen 21:00 Uhr (er befand sich immer noch in einem der Behandlungszimmer der Notaufnahme) kam ein Arzt, der schlecht deutsch sprach, nicht in Ms Akte schaute und schnell wieder verschwand. Mein schlechtes Gewissen wuchs. M hätte mich wirklich an seiner Seite gebraucht. Ich war zwischenzeitlich bei Ms Schwester angekommen und nahm L in Empfang. Gegen 23:00 Uhr wurde M auf die Station gebracht, nachdem zuvor sein Brustkorb (wegen Corona) geröntgt wurde. Ich hoffe, dass er morgen Gehör findet und aufgepäppelt wird.

Was heute schön war:

Familieneinsatz.
L verbrachte ihren Tag von 13:30 Uhr bis 21:00 Uhr bei ihrer Tante, ihrem Baby-Cousin und der Hündin Maya. Ich bin froh, dass Ms Schwester so super spontan bereit war, L zu bespaßen, während ich mit M in der Arztpraxis und später im Krankenhaus war. Tausend Dank! Das gleiche gilt für unsere Vermieter C und A, die Prinzi zu sich in die Wohnung geholt und ihn mehrere Stunden betreut haben. Ihr seid die Besten!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 74

Alltagsschnipsel

Ms Laune …
… ist unerträglich. Ich hoffe, dass sich dies bald ändert/bessert, denn so macht mir das Zusammenleben keine Freude. Er scheint zu vergessen, dass auch ich unter seiner Krankheit leide und ihm nur das Beste für die Zukunft wünsche. Sein Fußabtreter oder Mülleimer bin ich aber nicht! Ich weiß, dass er es nicht so meint und sein ruppiges Verhalten auch keine böse Absicht ist. Es nervt trotzdem.

Was heute schön war:

Testleser.
Die erste der fünf kurzen Geschichten für Kinder, basierend auf Ls Spielideen, konnte ich heute Morgen in der Testleser-Version fertigstellen. Ich habe sie an zwei Kinder (T und J) und zwei (vier?) Erwachsene (mein Bruder und meine Freundin J, eventuell auch S und R) zum Probelesen verschickt. Ich bin sehr auf das Feedback und die Anregungen gespannt.

Entspannter Einkauf.
Gemeinsam mit L war ich heute ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Mittlerweile ist sie zum Glück aus dem Alter heraus, im Supermarkt herumzurennen und nicht auf mich zu hören. So macht das Einkaufen wirklich großen Spaß und ist super entspannend.

Die Schildkröte hat Geburtstag.
Ich liebe diese Geschichte seit meiner Kindheit. L liebt Schildkröten. Wir haben das Buch heute um die zehnmal zusammen gelesen.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 73

Alltagsschnipsel

Der arme M. Er sieht schrecklich aus. Seine Augen sind gerötet und stark geschwollen, seine Lippe ist immer noch dick und er macht auch generell keinen guten Gesamteindruck. Es würde mich nicht wundern, wenn er schon wieder Gewicht verloren hat. Seit ein paar Tagen kann er nichts großartig im Magen behalten. Die Übelkeit ist zwar besser geworden, aber der Durchfall hält sich hartnäckig. Seit drei Tagen kommt der Pflegedienst wieder zu uns und hängt ihm an seinen Portzugang Flüssigkeit an. So hat er wenigstens einen Liter Wasser sicher. Er wird morgen die onkologische Arztpraxis aufsuchen und sich Blut abnehmen lassen.
Ich bewundere ihn wirklich für seinen Kampfgeist. Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle so stark sein und die zahlreichen (bisher erfolglosen) Therapien über mich ergehen lassen könnte. Ich wünsche ihm so sehr, dass das alles nicht umsonst ist.

Heute vor acht Monaten haben wir spontan von jetzt auf gleich geheiratet. Es war trotz der Spontanität ein wunderschöner Tag. Vielleicht schafft es unsere Liebe sogar, wieder aufzuleben, wenn die Behandlungen Erfolge zeigen und es M dadurch besser geht. 

Was heute schön war:

Fernlehrgang.
Heute Morgen nach dem Aufwachen hatte ich wieder circa dreißig Minuten Zeit, mich demThema vier des sechsten Heftes zu widmen. Bald ist es geschafft. Im Juni bearbeite ich vorrangig zwei Einsendeaufgaben, ehe ich mit Heft sieben fortfahre.

Vorlesezeit.
L erwachte „bereits“ gegen 08:45 Uhr (und somit fast eine Dreiviertelstunde eher als gestern). Wir blieben noch eine Stunde im Bett liegen und lasen aneinander gekuschelt einige Geschichten zusammen. Das war sehr schön. Auch am frühen Abend hatten wir Lust, etwas zu lesen. L setzte sich auf meinen Schoß und ich las ihr die Geschichte „Pippi geht in den Zirkus“ und einige Seiten aus dem Buch „Michel in der Suppenschüssel“ vor.

Aufräumen.
Vor einigen Tagen habe ich mir bereits vorgenommen, den Schuppen im Garten aufzuräumen. Heute habe ich den Plan gemeinsam mit L in die Tat umgesetzt. Wir waren bereits nach fünfundvierzig Minuten fertig! Ich hoffe, dass wir nun wieder leichter an die Spielsachen herankommen und die Ordnung eine Weile bestehen bleibt.

Salzteig.
Weil L das Schlecken und Lutschen daran so liebt, haben wir heute erstmals Salzteig selbst hergestellt. Das ging super schnell und war sehr einfach. Die mit dem Loch werden wir in Kürze bemalen.

Fußball spielen.
L und ich hatten am Nachmittag viel Spaß beim Fußball spielen. L spielte als Mia, ich als L. 

Badewannenzeit.
Abends badeten L und ich zusammen. L traute sich erstmals, mit dem Gesicht und ausgestattet mit ihrer Schwimmbrille wenige Zentimeter unter Wasser zu gehen und die Augen dabei offen zu halten. Bravo L!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 72

Alltagsschnipsel

Was heute schön war:

Regen.
Auch wenn nicht genug Regen viel, um die trockene Erde aufzuweichen oder die Bäume und Pflanzen mit ausreichend Wasser zu versorgen, freute ich mich, dass es über den Tag verteilt hin und wieder regnete.

Langeweile.
Mit diesem Wort verbinde ich seit längerem Spielen mit L, keine Verabredungen und das Lustprinzip. Wir hatten heute nichts vor, mussten nirgendwo hin und haben den ganzen Tag nur das gemacht, was wir wollten. L blieb auf eigenen Wunsch bis zum frühen Nachmittag im Schlafanzug. Ich habe mit ihr draußen, aber auch in ihrem Kinderzimmer viel gespielt. Das war sehr schön.

Erdbeerkuchen und Zupfkuchen.
Heute aßen L und ich die letzten beiden Stücke Erdbeerkuchen, den meine Mama gebacken hatte. Abends buk M einen Zupfkuchen. Der schmeckte umwerfend lecker.

Sport.
Das Trainingsprogramm über dreißig Tage habe ich heute mit einhundert Burpees (ohne Liegestütze) beendet. Ab morgen startet ein neues Training. Ich bin gespannt, was J mir herausgesucht hat.

Leserausch.
Heute beendete ich das Buch „My last hope“ von Kate Summer. Es war eine nette Kurzweile. Obwohl einige Ereignisse vorhersehbar waren, spürte ich während des Lesens zu keiner Zeit Langeweile. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der Geschichten á la „Die Schöne und das Biest“ genauso liebt wie ich.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 71

Alltagsschnipsel

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, kann ich nicht oft genug sagen, wie dankbar ich bin. 

Ich bin dankbar für unsere bezahlbare Wohnung in einer der besten Lagen Erfurts mit riesengroßem Garten. Wir müssen nur die Wohnungstür öffnen und können Prinz und L guten Gewissens draußen schnüffeln bzw. spielen lassen.

Ich bin dankbar für meine positive Einstellung in Zeiten des Zuhausebleibens. Täglich lese ich Berichte und Kommentare von Eltern, überwiegend Müttern, die die Zeit mit ihren Kindern nicht genießen können, da ihre Sorgen die Oberhand haben. Auch bei uns ist selbstverständlich nicht jeden Tag eitel Sonnenschein. Immerhin ist M schwer krank und ich habe inoffiziell auch den Status einer in Vollzeit arbeitenden Alleinerziehenden. Dennoch sind unsere Tage zu Hause stellenweise äußerst entspannend, schön und harmonisch. Mir wurde sozusagen noch einmal etwas Elternzeit geschenkt. Und diese Zeit nutze ich auch und mache das Beste daraus. Ich habe für mich auch wieder gemerkt, dass ich ein äußerst häuslicher Mensch bin und am liebsten für immer von zu Hause aus arbeiten würde. Ich habe sogar schon eins, zwei Ideen dafür im Kopf.

Ich bin dankbar für unsere Familie und unsere Freunde. In der schweren Zeit seit Ms Diagnose hatten und haben wir die beste Unterstützung, die man sich nur vorstellen kann. Dennoch habe ich erst seit ein paar Wochen das Gefühl, die Treffen mit der Familie wieder richtig genießen zu können. Vor Corona empfand ich es eher als eine Zusatzbelastung, eine Pflicht, die es zu erfüllen galt. Nun während Corona ist unser Alltag entschleunigt. Seit circa zwei Wochen ist das Treffen zwischen zwei Haushalten wieder erlaubt. Mittlerweile empfinde ich wieder Vorfreude, wenn wir Besuch bekommen. Auch Freunde treffen wir hin und wieder. L hat schon zweimal mit ihrem besten Freund Y auf dem Spielplatz gespielt. Ich genieße mein wöchentliches Telefonat mit meiner Freundin aus Dresden.

Pflegedienst.
Leider sind Ms Schleimhäute weiterhin angeschwollen. Seine Lippe ist doppelt so dick und seine Augen sind gerötet. Zudem bleibt aktuell weder Flüssigkeit noch Nahrung im Körper. Entweder erbricht er oder hat Durchfall. Aus diesem Grund haben wir heute noch mal den Pflegedienst bestellt, der M wenigstens Flüssigkeit per Infusion zuführen konnte.

Platten.
So viel zum Thema, ich fahre jetzt öfter mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Heute bemerkte ich beim Hinterrad einen Platten. Da fahre ich einmal jährlich Fahrrad und dann passiert sowas. Bin gespannt, wie lange wie brauchen, den Reifen zu wechseln.

Was heute schön war:

Sport.
Heute habe ich Tag 29 meines Sportprogramms vollendet. Vor vier Tagen hatte ich damit begonnen 🙈 Nun steht für morgen nur noch eine Übung aus, dann wechsle ich das Trainingsprogramm, welches mir meine Freundin J netterweise ausgesucht hat. Ich bin schon sehr gespannt. Mein Ziel ist nach wie vor, wenigstens an sechs von sieben Tagen ein bisschen Sport zu treiben.

Erdbeerkuchen.
L und ich futterten heute Nachmittag je ein Stück Erdbeerkuchen, den meine Mama gebacken hatte. Wir lieben Erdbeerkuchen.

Grillfest.
Heute grillten wir noch mal gemeinsam mit unseren Vermietern C & A, die Cs Freundin und ihren Mann eingeladen hatten. Zum Nachtisch gab es sehr zu Ls Freude pikant gewürzte Erdnüsse.

Fledermäuse.
Kurz bevor L ins Bett ging – es war bereits 21:30 Uhr – entdeckte ich beim Nachputzen von Ls Zähnen eine Fledermaus, die draußen direkt vor unserem Fenster hin und her flog. Offenbar wohnt sie beim Fensterrollo. Ich machte M und L darauf aufmerksam und gemeinsam schauten wir den mittlerweile zwei Fledermäusen beim Fliegen/Spielen zu.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 70

Alltagsschnipsel

Neben- und Nachwirkungen der Chemotherapie.
Mein armer M! Seit gestern Morgen sind nahezu alle Schleimhäute des Körpers angeschwollen und entzündet. Seine Augen sind gerötet und seine Lippe ist aufs Doppelte angeschwollen. Er kann kaum trinken und essen und musste sich über den Tag verteilt auch einige Male übergeben. 😕 Ich hoffe, dass es ihm schnell besser geht. Er hatte sich so gefreut, wieder normal trinken zu können und wollte sich zum Vater-/Männertag ein paar Schlucke Bier genehmigen. Daraus wurde vorerst leider nichts.

Was heute schön war:

Schildkröte im Park.
Vormittags war ich mit L und Prinzi im Park. Überrascht war ich, wie schön die Freilauffläche für Hunde geworden ist. Ich meide diese Stelle mit Prinz nun schon seit Jahren. Heute war aber niemand mit seinem Hund dort und wir drei schauten uns um.Wenig später wurden wir von einer älteren Frau angesprochen. Sie trug einen großen Korb mit sich. Den stellte sie genau vor L und fragte, was das für ein Tier sei. L wusste natürlich Bescheid. Die Frau holte die Schildkröte heraus, setzte sie auf die Wiese und wir schauten alle zu, wie sie durch das Gras lief. Als die Frau mit ihrer Schildkröte weiterzog, verriet mir L ein Geheimnis: Sie will unbedingt eine Schildkröte haben! 😉

FKK-Saison.
Es war bereits am späten Vormittag so warm, dass L heute erstmals den ganzen Tag nackt im Garten spielend verbringen konnte. Nun kann sie auch den Wasserhahn, der zu unserem Brunnen gehört, alleine betätigen. L übte es gleich mehrfach, indem sie Eimer voll kaltes Wasser holte und über sich oder meine Füße kippte.

Familienausflug.
Mittags fuhren wir ein paar Meter zu Gartenanlagen in Waldnähe. Wir haben bei unserem kleinen Spaziergang wirklich sehr schöne Gärten gesehen. L wollte unbedingt ihr Fahrrad mitnehmen, allerdings ging es hinwärts stellenweise steil bergauf und rückwärts natürlich steil bergab. Den Rückweg nutzen wir, um Ls Bremstechnik zu verbessern und ihr Selbstvertrauen zu stärken. M lief einige Schritte voraus und L fuhr mit dem Rad den Hang hinab direkt zu ihm. War sie zu schnell oder vergaß zu bremsen, stoppte M sie. Wie er das mit circa vierzig Kilogramm Körpergewicht schaffte, blieb mir ein Rätsel.

Grillnachmittag mit meinen Eltern.
Am Nachmittag kamen meine Eltern zum Grillen vorbei. Wir erzählten viel, spielten mit L und aßen die leckeren Dinge. Obwohl M selbst nichts davon hatte, grillte er für uns. Es war eine sehr entspannte Zeit. Erst am Abend machten sich meine Eltern wieder auf den Heimweg.

Blumen gießen.
Kurz nach sieben kehrten unsere Vermieter von ihrem Fahrradausflug nach Hause. C fragte L, ob sie ihr wieder beim Blumen gießen helfen will. Natürlich wollte L das. 😊

Buchlektüre. 
Ich liebe und hasse die Tage, an denen mich ein Buch so fesselt, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen mag. (Aus mehreren Gründen lese ich meine Bücher nur noch auf dem Kindle.) An solchen Tagen fällt es mir besonders schwer, mich auf Ls Spiele einzulassen, da ich nebenbei (heimlich) weiterlese. Das Buch „Nachtchroniken. Wer will schon ewig leben?“ von Evita Sommer kann ich weiterempfehlen. Es war von der ersten bis zur letzten Seite spannend geschrieben.