Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 69

Alltagsschnipsel

Die letzten Tage und Wochen sind bei uns wie im Fluge vergangen. Das schöne und angenehme an dieser Zeit war die sehr gute Stimmung. Ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt. So lässt es sich jedenfalls gut zu Hause aushalten – trotz Home Office, Kind- und Hundbespaßung, M-Pflege, Haushalt und und und.

Eventuell kann L ab Juni wieder wochenweise in den Kindergarten gehen. Gestern habe ich mit der Erzieherin S telefoniert, die so etwas in der Richtung andeutete. Im besten Fall könnte L dann endlich ihren Freund K wiedersehen. Bis auf einen schönen Brief hatten wir zu ihm kaum Kontakt. Mit Ls Freund Y läuft es hingegen besser.

Ms Mama wird vermutlich nächste Woche für ein paar Tage in den Urlaub irgendwo in Deutschland fahren. Das schlimme daran ist, dass sie mit einer elfköpfigen (!!!) Reisegruppe unterwegs sein wird. M und ich sind uns nicht sicher, ob das mit rechten Dingen zugeht und derzeit überhaupt erlaubt ist … Nach ihrem Urlaub werden wir sie wohl oder übel vierzehn Tage von L fernhalten müssen. 

Mit meinem Fernlehrgang und Sportprogramm komme ich aktuell gut und kontinuierlich vorwärts. Ich hoffe sehr, dass es auch in den nächsten Wochen so weitergeht.

Jeden Abend lese ich L eine kleine Geschichte vor, während sie in meinem Arm kuschelt. Das ist seit vielen Jahren ein schönes Ritual. Ich würde ihr gern mehr vorlesen, allerdings verschieben sich unsere Aufwach- und Zubettgehzeiten jede Woche ein kleines bisschen nach hinten. 

Was heute schön war:

Tante-Tag für L.
L durfte heute Zeit mit ihrem kleinen Baby-Cousin, der Hündin Maya und ihrer Tante verbringen. Beim Abholen zeigte sie mir stolz ihre neue Krone, einen Stern-Zauberstab und ein kleines Windrad. Ich nutze die kinderfreien Stunden zum arbeiten, aufräumen und wischen und einen Prinz-Spaziergang.

Besuch von D.
Ls Opa D haben wir nun viele Wochen nicht gesehen. Er hat sich unser kürzlich gekauftes Wohnmobil angesehen und uns beim Tragen der neuen Matratze für den Schlafbereich geholfen. Natürlich hatte er wieder eine Kleinigkeit zu naschen für L dabei 😉

Telefonat mit M.
Am Abend habe ich kurz mit meinem Bruder telefoniert. Nächste Woche kommt er uns für ein paar Tage besuchen. Wir freuen uns schon sehr.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 68

Alltagsschnipsel

Mein Bruder hat heute das Ergebnis seines Antikörpertests erfahren. Wider Erwarten konnten keine Antikörper nachgewiesen werden.

Was heute schön war:

Gemeinsames Duschen.
L mag keine Duschen. Sie badet lieber. Umso begeisterter war ich, dass ich sie heute überreden konnte, mit mir kurz unter die Dusche zu springen.

Fernlehrgang.
Ich konnte heute eine Stunde vor Ls Erwachen und eine halbe Stunde in der Arztpraxis nutzen, um weiter am sechsten Heft Thema vier des Fernlehrgang Kindererziehung zu arbeiten. Sobald ich das vierte und somit letzte Thema dieses Heftes abgeschlossen habe, widme ich mich den beiden offenen Einsendeaufgaben, ehe ich mit Heft sieben weitermache. So der Plan.

Verschiebung der Chemotherapie.
M war heute zur Blutuntersuchung. Seine Werte waren tiptop. Ich habe ihn begleitet, da wir die Ärztin um Verschiebung der Chemotherapie bitten wollten. Sie stimmte sofort zu und verschob den letzten Zyklus sogar um drei Wochen. Nun kann sich M noch länger von den drei bisherigen Chemotherapien erholen. Morgen findet somit nur die Immuntherapie statt.

Treffen mit Ls bestem Freund Y.
L und ich haben heute Nachmittag Ls besten Kindergartenfreund und seine Mama getroffen. Wir waren bis abends auf dem Spielplatz. Zwischendurch gab es Softeis und Kuchen. Am beliebtesten war die Wasserstelle in der Nähe des Espachcafés. L und Y hatten viel Spaß beim Planschen und Hüpfen.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 67

Alltagsschnipsel

Termin für die Reparatur unseres Geschirrspülers.
Heute Morgen stellte ich fest, dass unser Geschirrspüler nicht mehr abpumpt und sich Wasser am Boden angesammelt hat. Die nächsten Tage werden wir abwaschen müssen. Ich erreichte zum Glück einen Reparaturservice in Gotha, der sich Ende nächster Woche unsere Spülmaschine ansieht. Die Familie habe ich gebeten, bis dahin nur das notwendigste an Geschirr zu benutzen 😉

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
Heute Vormittag hat Ms Mama L abgeholt und ist mit ihr in den Egapark gegangen. L war bereits heute Morgen nach dem Aufwachen voller Vorfreude. M und ich haben in der Zeit ein bisschen was im Haushalt gemacht, Prinz bespaßt und gearbeitet.

Zukunftspläne mit M.
Aufgrund Ms Erkrankung ist es für uns natürlich unmöglich, weiter als ein paar Wochen im Voraus zu planen. Aus diesem Grund bin ich ihm sehr dankbar, dass er mich vorhin angehört hat, als ich ihm mitteilte, dass ich mir vorstellen könnte, in den nächsten Jahren ein Pflegekind bei uns aufzunehmen. Er ist der Sache positiv gegenüber eingestellt. (Ein zweites biologisches Kind werden wir nicht mehr bekommen können.) Wir haben so viel Platz im Garten – es wäre schade, könnte nur L ihn nutzen.

Einkaufen mit dem Fahrrad.
Wer mich kennt, weiß, dass ich nur selten Fahrrad fahre. Heute bat mich M, für ihn ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Da es so schön sonnig und warm war, hatte ich absolut keine Lust, mit dem Auto zu fahren. Aus diesem Grund holte ich die Fahrradtaschen aus dem Keller, die mir vor fünf (!!!) Jahren zum Geburtstag geschenkt wurden, und fuhr mit dem Fahrrad ins Dorf. Das werde ich jetzt öfter tun.

Telefonat mit J.
Seit einigen Wochen telefonieren meine Freundin J und ich regelmäßig montags. Auch heute Abend tauschten wir uns wieder über das aktuelle Geschehen aus.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 66

Alltagsschnipsel

Was heute schön war:

Fernlehrgang.
Die halbe Stunde, in der L noch schlief, nutzte ich für meinen Fernlehrgang zum Thema Kindererziehung. Ich befinde mich aktuell in Heft 6 Thema drei von vier. Sobald ich die Einsendeaufgaben des fünften und sechsten Hefts fertiggestellt und eingereicht habe, ist die Hälfte des Lehrgangs geschafft.

Aufräumaktion.
L tanzte heute Morgen zu Ms ausgewähltem Musikmix, der laut durch unsere Wohnung schallte. Anschließend spannte sie M in ihr Rollenspiel mit ein. Das war so ein schöner Anblick, dass mir das Aufräumen in unserer Wohnung leichter fiel.

Sport.
Nach dem Aufräumen hatte ich Zeit, drei verschiedene Plank-Übungen zu absolvieren. Die vierte und letzte machte ich am Abend.

Bauernhof und Tiere.
Bereits gestern spielten L und ich mit den Tieren und dem Bauernhof. Auch heute hatten wir beide wieder Lust, damit zu spielen. L war für die Schafe und Ziegen verantwortlich.

Konditorei.
M und L haben heute Nachmittag gemeinsam einen Papageienkuchen gebacken.

Sandkasten.
L und ich haben am Abend in unserer kleinen Sandkiste Sandkuchen gebacken. Gespielt wurde dabei Feuerwehrmann Sam. L war wie immer Feuerwehrfrau Penny und ich Feuerwehrmann Sam.

Blumenpflege.
L liebt es zu gießen. Am Abend nutzte sie ihre Chance und half unserer Vermieterin C beim Blumen gießen.

Ausflug nach Wallichen.
Unsere Kollegen R und S, die schon länger auf der Suche nach einem eigenen Haus sind, haben ein Inserat gefunden. M, Prinzi, L und ich haben uns am Abend auf den Weg gemacht, um uns das Haus anzusehen. Das haben M und ich früher aus Spaß und zur Entspannung sehr oft getan. Wirkliches Kaufinteresse hatten und haben wir nach wie vor nicht, dennoch macht es uns Spaß, hin und wieder ein bisschen zu spinnen und alternative Zukunftsszenarien zu erschaffen.

Kurzum:
Ein schöner Sonntag mit sehr guter Stimmung bei allen Familienmitgliedern!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Rückblick & Tag 65

Alltagsschnipsel

Wahnsinn! Seit dem 13. März 2020 sind M, Prinz, L und ich zu Hause. Das sind mittlerweile 65 Tage.

Am 13. März 2020 hatte Ls Kindergarten einen Schließtag, da die Erzieherinnen an einer Fortbildung teilnahmen. Morgens war ich mit L zur U8 bei der Kinderärztin. Bereits am Nachmittag wurde bekannt gegeben, dass die Kindergärten in Thüringen ab Dienstag, 17. März 2020, schließen. Wir ließen L auch an dem Montag zu Hause.

Die letzten neun Wochen sind wie im Fluge vergangen. Wir hatten bisher super viele schöne Momente, denn ich habe die zusätzliche Zeit, die mir mit L geschenkt wurde, genossen. Ich bin für dieses Gefühl sehr dankbar, denn ich weiß, dass es vielen Müttern oder Eltern nicht so ergeht. 

Für mich ist viel Druck weggefallen. Ich muss morgens nicht zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen, mit L nicht pünktlich im Kindergarten sein, mit Prinzi, der altersbedingt während der zehnminütigen Fahrt jault und hin und wieder sein großes Geschäft verrichtet, nicht Auto fahren, mit ihm nicht auf Arbeit hetzen, mit ihm nicht zurück in den Kindergarten fahren, um L abzuholen etc.

Stattdessen konnte ich die freie Zeit nutzen und mich in den Morgenstunden, in denen ich bereits wach war und L noch schlief, meinem Fernlehrgang zum Thema Kindererziehung widmen. Ich habe auch nahezu täglich Zeit, ein kleines Sportprogramm zu absolvieren. Des Weiteren konnte ich mich endlich motivieren, fünf Kurzgeschichten zu verfassen, die auf Ls Rollenspielen basieren.

Wir haben das schöne Wetter genutzt und jeden Tag bei uns im großen Garten gespielt. Ich wusste auch vor dem 13. März 2020 bereits zu schätzen, dass wir großes Glück haben, in einem Drei-Familien-Haus mit großem Garten wohnen zu dürfen. Jetzt in der COVID-19 Zeit bin ich für diese Umstände noch dankbarer. Es fühlte sich für uns nicht so an, auf etwas verzichten zu müssen. Auch die Tatsache, dass die Spielplätze für mehrere Wochen geschlossen wurden oder wir Freunde und Familienmitglieder nur aus der Ferne sehen konnten, war anfangs nicht schlimm.

Je mehr Wochen vergingen, desto anstrengender und manchmal auch eintöniger wurde unser Aufenthalt hier zu Hause. L wechselt ihre Rollenspiele nämlich höchstens einmal wöchentlich.

Seit Mitte März arbeite ich im Home-Office. Seit April bin ich in Kurzarbeit. Während meiner Arbeitszeit (täglich zweimal anderthalb Stunden) schaut L ihre Lieblingsserien. Leider gibt es keine andere Möglichkeit, L in dieser Zeit zu beschäftigen. Mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt und freut sich auf ihr Fernsehprogramm. Ich versuche die arbeitsfreie Zeit so intensiv wie möglich mit ihr zu verbringen und ignoriere dabei natürlich meine eigenen Bedürfnisse. Leider habe ich das Gefühl, weder der Arbeit noch dem geliebten Kind gerecht zu werden.

L und Prinz sind jedoch nicht die einzigen, die von mir betreut und bespaßt werden. Auch um M, der letztes Jahr am 29. Mai 2019 die Krebsdiagnose bekam, kümmere ich mich – jedoch leider bei weitem nicht so intensiv wie um L. Ich würde ihm gern in den schlechten Stunden mehr Zeit schenken. Dies ist allerdings nicht möglich.

Während dieser vergangenen neun Wochen hatte M bereits drei von vier Immunchemotherapie-Zyklen. Diese Therapie-Zyklen knocken ihn für mindestens eine, meist aber anderthalb bis zwei Wochen völlig aus. Aktuell beträgt sein Gewicht 42,6 kg. Der letzte Zyklus ist für den 20. Mai 2020 geplant, wir hoffen jedoch, dass wir ihn um eine Woche verschieben können. M geht es nämlich erst seit Anfang dieser Woche wieder besser. In den kurzen Zeiten, in dem es ihm gut geht, ist er meist den ganzen Tag im Arbeitszimmer verschwunden. Einmal wöchentlich bäckt er dann für L und mich Kuchen oder bekocht uns. Nach dem vierten Zyklus wird es ihm hoffentlich dauerhaft „gut“ gehen.

Kurz vor Ostern hatte L eine zweiwöchige Schlechte-Laune-Phase. Diese Zeit war sehr nervenaufreibend und anstrengend für mich. Alles, was ich tat, war falsch. Ich wurde die ganze Zeit beschimpft/kritisiert. Zum Glück ist jetzt seit vielen Wochen gute Stimmung. Das darf gerne auch die nächsten Wochen so bleiben.

Ebenso musste ich feststellen, dass M, sobald es ihm nach einem Zyklus besser ging, ebenfalls mit Kritisieren anfing. Somit wurde und werde ich in regelmäßigen Abständen von zwei Personen für alles, was passiert, verantwortlich gemacht. Das ist nicht schön und sehr kräftezehrend.

Aktuell übe ich folgende Rollen alleine aus: Mutter, Ehefrau, Hundebesitzerin, Haushälterin inkl. Einkaufen, Saubermachen und Wäsche waschen, Köchin, Arbeitnehmerin, Erzieherin, Freundin, Pflegerin, Tochter/Schwiegertochter. Leider kann ich nicht alle Rollen zu meiner vollsten Zufriedenheit ausführen. Das frustriert mich hin und wieder ebenfalls sehr.

Seit Beginn der Schließzeit halten wir mit der Erzieherin S Brief- und E-Mail-Kontakt. Wir haben bereits auch schon zwei beidseitig gestaltete A4-Seiten für Ls Portfolio in den Kindergarten geschickt. Ich bin gespannt, ob L im Juni ab und an wieder den Kindergarten besuchen kann. Ich hoffe auch, dass sie mit ihren besten Freunden Y und K in einer Gruppe sein wird. In Kürze dürften wir das erfahren.

Seit letzter Woche haben nicht nur die Spielplätze geöffnet, sondern die Mitglieder zweier Haushalte dürfen sich wieder treffen. Da es in unserer Stadt Erfurt nur etwas über 100 Fälle gibt und derzeit das Risiko, sich anzustecken, sehr gering ist, habe ich diese Lockerungen für L und mich genutzt. Denn M gehört definitiv zur Risikogruppe und darf unter keinen Umständen COVID-19 bekommen – und L und ich somit auch nicht. 

Wir haben uns bereits mit Ls bestem Kindergartenfreund Y und seiner Mama auf einem Spielplatz getroffen, ebenso kurz darauf mit einer anderen Mama und ihrem Sohn.

Auch der Kontakt zu den Großeltern ist wieder häufiger geworden. Hier muss jedoch festgehalten werden, dass die Großeltern, die stellenweise zur Risikogruppe zählen, sich nicht immer an das Kontaktverbot halten wollten und ihre Sehnsucht nach L über ihre Gesundheit stellten. Der Kontakt ist jedoch trotzdem erst wieder aufgelebt, seit die Lockerungen mitgeteilt wurden. Diese Stunden kinderfrei sind für M und mich wirklich angenehm, auch wenn wir in dieser freien Zeit meist arbeiten.

Angeregt durch andere Blogs versuche ich nun wenigstens in Kurzform unsere täglichen Erlebnisse festzuhalten. Ich beginne somit heute, dem 65. Tag unserer Zeit zu Hause.

Was heute schön war:

Wir retten die Bienen!
L und ich haben für die Bienen heute einen Teller mit Zuckerwasser hingestellt. Das haben wir in den vergangenen Wochen schon sehr oft getan. L hatte gestern und heute nämlich wieder tote Bienen entdeckt. Da war es Zeit für uns zu handeln.

Verabredung zum Grillen.
Meine Eltern haben L und mich gestern spontan zum Grillen eingeladen. Im Anschluss besuchten L und ich drei Spielplätz. Statt des Autos haben L und ich uns für einen Spaziergang mit dem Kinderwagen entschieden.

Rollschuh/Inline Skates fahren.
L und ich sind heute das erste Mal seit vielen Wochen wieder Rollschuhe beziehungsweise Inlineskates gefahren. Unser zum Haus gehörender Garten bietet dafür Platz genug.

Vertrauens-/Bindungsübung.
L hat sich heute erstmals getraut, Prinz Leckerlis aus ihrer Hand fressen zu lassen. Das war für beide ein schönes Erlebnis.

Halbmarathon.
Mein Kollege F hat heute im Erfurter Steigerwald den Rennsteig-Halbmarathon absolviert. Ich bin sehr stolz auf ihn.

Bauernhof und Tiere.
Auch diese Scheune und die Tiere waren für L lange Zeit uninteressant. Heute hatte sie spontan Lust, mit mir und den Tieren zu spielen.

Burger zum Abendessen.
M geht es seit Montag Abend wieder besser. Heute hatte er sogar Lust, ein Computerspiel zu spielen. Mit Prinz war er auch spazieren. Abends hat er für L einen Burger selbst gemacht. Ich war noch vom Grillen satt.

Tagebuch – Samstag, 7. Dezember 2019

Alltagsschnipsel

Zum dritten Mal in dieser Woche fahre ich mit dem Zug von Erfurt nach Berlin, um M nach seiner schweren zehnstündigen OP vor zwei Tagen beizustehen und Gesellschaft zu leisten.

Heute ist Samstag. Ich bin wie unter der Woche 07:00 Uhr aufgestanden, machte mich im Bad zurecht, bereitete für L und mich ein kleines Frühstück zu, ließ Ls Kleidung in der Waschmaschine waschen und hängte sie auf. Morgen sind meine Sachen an der Reihe, denn von Montag bis Mittwoch fahre ich mit L und Ms Mama gemeinsam nach Berlin. Prinz wird entweder von meinem Bruder oder Anna aus der Tierpension bespaßt.
Gerade als ich das letzte Kleidungsstück auf den Wäscheständer hing, wurde L wach. Ich wollte, dass sie heute ausschläft, denn gestern war ihre Nase vom vielen Schnupfen rot. Glücklicherweise bekam sie heute Nacht keine erhöhte Temperatur.

L und ich öffneten gemeinsam ihre drei Adventskalender. Ein kleines Pixi-Minibuch zur Thematik Weihnachtsgeschenke und zwei Stück Schokolade aus dem Feuerwehrmann Sam und Paw Patrol Kalender, waren wie auch in den sechs Tagen zuvor ihre Ausbeute. Beim gemeinsamen Frühstück las ich aus dem kleinem Buch vor, während L nur etwas Schokolade und Pudding aß. Mir ist schon oft aufgefallen, dass sie morgens kaum Appetit hat.

Kurz nach halb zehn brachte ich L und Prinz zu Ms Mama, die so lieb war und die beiden heute bespaßt. Leider musste ich sofort los zum Hauptbahnhof, um den Zug nach Berlin noch zu erwischen.

Ich checkte am Rechner die Arbeitsmails. Sofort bekam ich Bauchschmerzen. Aktuell gibt es zwei/drei Mails, bei denen ich nicht weiß, wie wir die Anforderungen kurzfristig und zur Zufriedenheit aller lösen können. Mein Kollege M ist im wohlverdienten Urlaub. Ihn kann und will ich nicht fragen. Andere Ansprechpartner in der Firma gibt es nicht. Und M kann ich auch nicht fragen. Er hat es verdient, sich voll und ganz auf seine Genesung und Heilung, die wer weiß wie viel Zeit in Anspruch nehmen wird, zu konzentrieren. Also muss ich mir eine Lösung einfallen lassen. Da ich jedoch nächste Woche mindestens drei Tage ausfalle, werde ich noch heute oder morgen agieren müssen. Der Spagat zwischen Krankenbesuch, Kind- und Hundbespaßung, Haushalt und Arbeit ist derzeit eine echte Herausforderung. Auch ich selbst will ungern noch weiter zu kurz kommen. Sonst würde das sorgfältig errichtete Kartenhaus einstürzen.

Sobald der etwas verspätete Zug in Berlin ankommt, belohne ich mich wie auch schon gestern und vorgestern mit einer kleinen Sushi-Box. Dieses Mittagessen tut mir gerade sehr gut und schmeckt obendrein super lecker.

Erfreut bin ich, dass Ms Mama unsere Unterkunft von Montag bis Mittwoch, die nur einen Kilometer von M entfernt liegen wird, bezahlt. Da uns der liebe B am Montag nach Berlin fährt, fallen für die Anreise auch keine Zugkosten an. Wir müssen also lediglich noch eine Zugverbindung für Mittwoch von Berlin nach Erfurt buchen. Für L muss ich zum Glück nur den Sitzplatz bezahlen, da sie unter sechs Jahre alt ist.

M teilte mir heute Morgen mit, dass der Oberarzt ziemlich viel aus seinem Mund herausgeholt hat. Die Zunge ist nun auch wieder kleiner.

Tagebuch – Alltag ohne M – Donnerstag, 4. Juli 2019

Alltagsschnipsel

Heute Nacht habe ich gut geschlafen. Heute Morgen hätte ich am liebsten weitergeschlafen oder wäre später aufgestanden. Motivation zum Aufstehen war letztendlich der nahende Urlaub.

Ich konnte über eine halbe Stunde arbeiten, ehe L wach wurde – ich musste ich sie vielmehr wecken.

ME war noch vor mir da und parkte somit vor der Garage. Ich hatte deshalb kurz Puls.

Unser Daily musste ich zeitiger verlassen, weil um zehn der Steuerberater kam. Das Gespräch war produktiv. Alle wissen, was sie jetzt zu tun haben. Von vielen Vorschlägen/Fragen von ME war er begeistert und würde zu diesen Vorgehensweisen auch raten.

Nach dem Termin habe ich mit ME das weitere Vorgehen hinsichtlich des Einbringungsvertrags besprochen. Viele To Dos habe ich bis morgen bekommen. Ich nutzte die Chance und fragte ME zum Besuch des Vorstandsmitglieds aus. Er meinte, es wird nicht schlimm und ist definitiv gut machbar, jedoch ist morgen noch einiges dafür zu tun.

Halb eins begann mein Arbeitstag. Nahezu alle Rechnungen habe ich überwiesen, weil es frisches Geld gab. Ich hoffe, dass unsere restlichen Rechnungen, die nicht über den Vorfinanzierer laufen, zeitnah bezahlt werden und wir Mitte des Monats noch hohe Rechnungen schreiben können.

Prinz fuhr ich wieder nach Hause und holte L extra eine Viertelstunde später ab.

Mit L habe ich zu Hause gespielt. U war auch im Garten und wir konnten quatschen. Später habe ich etwas Kraftsport gemacht und war anschließend duschen. Das war sehr schön. L wurde zwischenzeitlich von A und dem kleinen K bespaßt.

Abendbrot gab es heute beim Fernsehgucken. Ich hab währenddessen weitergearbeitet. Jetzt liegt L im Bett und ich warte darauf, dass sie einschläft, damit ich weiterarbeiten kann. Das wird heute ein langer Abend.

Gefreut habe ich mich über L. Sie war heute sehr gut drauf. Wir hatten morgens und nachmittags bis abends eine schöne Zeit zusammen.

Etwas erschöpft bin ich und sehr müde, aber meine Zuarbeiten für morgen sind auch wichtig, also Augen auf und weiterarbeiten. Ein Tag noch, dann ist Urlaub!

Sehr glücklich bin ich über Ms Besuch übers Wochenende. Auf das Angebot von Ms Mama, für uns unsere Wohnung steril zu reinigen, habe ich mich tot gestellt.

M hat nur noch 20 Bestrahlungen und 5 Chemotherapien (ohne Medikament 2) vor sich!

Tagebuch – Alltag ohne M – Mittwoch, 3. Juli 2019

Alltagsschnipsel

Die Nacht war gut. Heute Morgen wäre ich gern liegen geblieben und hätte weitergeschlafen.

Da L bis um acht schlief, konnte ich gleich morgens eine halbe Stunde arbeiten.

Mein Arbeitstag im Büro war heute nicht so produktiv. Schock für meinen Kollegen M und mich, als ME die Begehung des Office durch den Vorstand der Muttergesellschaft am Freitag ankündigte. Das Vorstandsmitglied will sich Dutzende Dinge zeigen lassen. Bin gespannt, wie das Freitag wird.

Heute Mittag erledigte ich eine zweite Urlaubseinkaufsrunde im Tegut. Prinz hat wieder komplett geschlafen und nichts mitbekommen.

Nach dem Mittag saß ME plötzlich im Konfi. Zweieinhalb Stunden und einen Besuch im Steuerbüro später war er mit mir für heute fertig. Uff!!! To Do-Liste bis Freitag füllte sich innerhalb von zehn Minuten.

Prinz fuhr ich nach Hause, ehe ich L kurz vor halb fünf aus dem Kindergarten abholte. „Kannst du nicht später kommen?!“ war Ls Begrüßung. Auf der Heimfahrt war L nölig und nervig.

Wir haben U und ihren kleinen K im Garten gesehen und kurz gequatscht, ehe meine ehemalige Kollegin A kam. Halb acht kam ihr Mann mit Pizzen. Da war L bereits mit K baden und hat oben bei unseren Vermietern Abendbrot gegessen.

Als ich L oben eingesammelt habe, war sie völlig überdreht. Es gab ein kurzes Fernsehprogramm und dann ging es ab ins Bett. Wenn sie schläft, muss ich noch arbeiten (obwohl ich dazu keine Lust mehr habe).

Genervt (Untertreibung des Jahrhunderts) von ME und der Gründung. Morgen um 10:00 Uhr kommt der Steuerberater ins Office. ME wird den ganzen Tag anwesend sein.

L ist seit ein paar Tagen entweder in einer Phase, die für mich (und andere) sehr anstrengend ist. Sie hört nicht auf das, was gesagt wird, schreit herum und ist sehr überdreht. Oder ihr Verhalten hängt allmählich wirklich mit ihrem fehlenden Papa zusammen. „Mami, ich bin ganz traurig, dass Papi nicht mehr da ist!“ und „Ich will Papa wieder drücken und im Krankenhaus besuchen!“ erzählt sie jetzt öfter.

M hat nur noch 21 Bestrahlungen und 5 Chemotherapien (ohne Medikament 2) vor sich!

Tagebuch – Alltag ohne M – Dienstag, 2. Juli 2019

Alltagsschnipsel

Sehr gute Nacht gehabt! Offensichtlich habe ich nach dem Einschlafen noch mal auf Ms Nachrichten geantwortet – mit großem Unsinn.

L schlief bis um acht. Ich konnte in Ruhe frühstücken und Arbeits-E-Mails checken.

L habe ich nach dem Aufwachen erzählt, dass Oma M gleich kommt. Es kullerten ein paar Tränen. Zum Trost durfte L auf meinem Schoß sitzend frühstücken. Da war aber schon wieder alles gut.

L und Ms Mama wurden von Prinz und mir zum Eingang der EGA begleitet. Zum Abschied kullerten bei L noch kurz ein paar Tränen.

Viel geschafft auf Arbeit! Der Verwendungsnachweis ist fertig und raus! Frisches Geld dürfte morgen oder übermorgen auf dem Geschäftskonto sein. Damit sind meine Sorgen von jetzt auf gleich wieder viel kleiner.

Heute Mittag mit S und R zum Tegut gelaufen. Erste Urlaubseinkäufe getätigt. Prinz schlief beim Verlassen des Büros und auch beim Wiederkommen. So muss das sein!

Kurz nach vier zu Hause gewesen. Ms Mama und L waren schon da. L ist im Kinderwagen eingeschlafen. Sooo süß! L hat ihrer Oma für ihren Papa einen Brief diktiert. Die beiden haben viel gemacht und hatten wohl auch großen Spaß.

Nachmittags waren L, Prinz und ich bei meinen Eltern zum Grillen eingeladen. Meine Oma war auch da. War ein kurzweiliger Besuch. Als L anfing, Quatsch zu machen aka müde zu werden, machten wir uns auf den Heimweg.

Zu Hause dann Fernsehprogramm und ab ins Bett. Jetzt warte ich, dass L einschläft.

Sehr froh/glücklich/erleichtert, dass es M heute so viel besser ging. Es wirkte zumindest so. Dadurch konnten wir auch viel Arbeitskram zusammen erledigen.

Ich hab Ms Mama spontan zum Urlaub eingeladen. Sie wird uns für ein paar Tage zum Lütschesee begleiten. Eventuell kann ich M an einem Tag in Berlin besuchen. Urlaubsbeginn hängt davon ab, ob M am Wochenende nach Hause kommt, also irgendwann zwischen Samstag und Montag. Dasselbe gilt für die Abreise am darauffolgenden Wochenende – irgendwann zwischen Freitag und Sonntag.

M hat nur noch 22 Bestrahlungen und 5 Chemotherapien (ohne Medikament 2) vor sich!

Tagebuch – Alltag ohne M – Montag, 1. Juli 2019

Alltagsschnipsel

Die Nacht war okay. Ich konnte nicht gut einschlafen, da ich bis halb zwölf mit U gearbeitet und geschwatzt habe. Hab vom Verwendungsnachweis geträumt.

Nach dem Aufstehen habe ich in Ruhe geduscht. Mit L, die wieder nölig erwachte, frühstückte ich bereits 07:45 Uhr. Halb neun waren wir beim Kindergarten. Den Spaziergang mit Prinz verschob ich um zehn Minuten wegen einer plötzlichen Regenhusche. War eine gute Entscheidung. Als wir beim Büro ankamen, war der Regen vorbei.

Am Morakel, Daily und Weekly teilgenommen. Sch wird PO des Förderprojekts und kümmert sich um unsere Leichen im Keller.

Halb elf begann mein Arbeitstag erst richtig. Ich habe die Buchhaltung fertiggestellt für zwei Firmen. Den Verwendungsnachweis habe ich so gut es ging bearbeitet.

Prinz fuhr ich nachmittags wegen der Wärme nach Hause, anschließend holte ich L im Kindergarten ab. (Dort gab ich Bescheid, dass L morgen nicht kommt. Ms Mama bespaßt L morgen auf der EGA. Um meines lieben Seelenfriedens willen habe ich L heute noch nichts davon erzählt.)

Den Nachmittag und Abend mit sämtlichen Bewohnern des Hauses im Garten verbracht – mit Ausnahme natürlich vom Dachgeschoss-Mieter. Ich habe erfahren, dass die Trauerfeier von Cs Mama, die am 29. Juni verstarb, am 8. Juli stattfindet, die Urnenbeisetzung irgendwann die Woche darauf.

L war sehr anstrengend und hat abwechselnd K, Prinz und mich geärgert. (Sie war aber zwischendrin auch fürsorglich und hat K gefüttert.) Wir aßen deshalb nur zu zweit bei uns unten Abendbrot.

Nach dem Fernsehen ging es ab ins Bett. Gleich, wenn L schläft, ist Feierabend!

Geärgert über den ausgebliebenen Zahlungseingang eines Kunden. Bei der dortigen Buchhaltung konnte ich niemanden erreichen.

Geärgert über S-Firm und ME. Über S-Firm, weil alles so steif und hierarchisch ist. Über ME, weil er zwei Zahlungen nicht freigegeben hat und es deshalb zu Verzögerungen kommen wird.

Geärgert über eine Sekretärin der Muttergesellschaft. Die ach so bürokratische Muttergesellschaft hält es offenbar nicht für nötig, ihren Mitarbeitern Bestätigungsschreiben zukommen zu lassen (hier: S’ Kur im Oktober).

Große Sorgen wegen des Verwendungsnachweises. Hoffnung besteht, dass mir jemand diesbezüglich helfen kann.

Ganz schlimmes M-Vermissen. (Bei L sind auch erste Anzeichen erkennbar.)

M hat nur noch 23 Bestrahlungen und 5 Chemotherapien (ohne Medikament 2) vor sich!