Ein letzter Atemzug

Alltagsschnipsel

Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich die folgenden Zeilen für mich (und andere) festhalten will. Vermutlich werde ich mir das Nachfolgende nie oder erst in einigen Jahren wieder durchlesen (können). Ich brauche jedoch diese Art der Befreiung, um in meiner Trauerverarbeitung voranschreiten zu können.

Am Morgen des heutigen Tages rief mich M gegen 03:00 Uhr zu sich ins Wohnzimmer. Wie auch am Tag zuvor erwachte ich bereits beim ersten Ruf meines Namens. Im Wohnzimmer angekommen, stellte ich erleichtert fest, dass M nur meine Hilfe beim Abstöpseln des Schlauchs für die Nahrungsaufnahme benötigte. Ich brachte M ins Bett, deckte ihn zu und legte mich auf meine Seite, um weiterzuschlafen. 

Kurz darauf fiel M ein, dass er noch die Taschentuchbox benötigt. Ich stand auf, brachte ihm besagte Box ins Schlafzimmer und legte mich erneut auf meine Seite des Bettes.

Circa 03:53 Uhr erklangen Ms letzte Worte: „Katja, ich blute!“ Ich stand schnell auf und lief zu ihm, um mir das aus seiner Halswunde herauslaufende Blut anzusehen. Sechsundzwanzig (!) Stunden hatten wir keine Sickerblutung mehr. Die Blutmenge wirkte auf mich auf den ersten Blick okay. (Erst nach seinem Tod begriff ich, dass innerhalb dieser paar Minuten doch recht viel Blut aus der Wunde austrat.) Ich holte ein dunkles Handtuch, wie es die Ärztin des Palliativteams empfohlen hatte, und drückte es als eine Art Druckverband auf die blutende Stelle am Hals. Ms Atmung kam mir jedoch merkwürdig vor. Im Vergleich zu den zwei Sickerblutungen atmete er nun hektisch/panisch, zumindest sehr aufgeregt. Auch sah ich an seinem immer verklärender werdenden Blick, dass ihm vermutlich niemand mehr würde helfen können. In meiner eigenen Panik sagte ich zu ihm: „Scheiße, ich glaube du stirbst!“ (Ich ärgere mich, dass ich diesen Satz, auch wenn er der Wahrheit entsprach, nicht unterdrücken konnte.)

Nur wenige Sekunden später hörte ich ein Grummeln in Ms Magen-/Darmtrakt. Ich dachte zuerst, er hätte sein großes Geschäft im Bett verrichtet. Ich fasste an die Stelle und bemerkte schnell, dass hier alles voller Blut war. Somit muss auch aus einer anderen Körperöffnung Blut herausgelaufen sein. In diesem Moment wusste ich hundertprozentig, dass es vorbei war.

Mit einer Hand auf dem „Druckverband“ versuchte ich, Ms Telefon zu entsperren. Das dauerte mir viel zu lange. Als ich es nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte, rief ich um 03:56 Uhr den Notarzt. Ich missachtete alle Regeln, verzichtete auf die Beantwortung der WWW-Fragen und bombardierte den Mann am anderen Ende der Leitung mit meinen (panischen) Worten. Das Warten auf den Rettungswagen war unerträglich. (Dieser kam „erst“ nach einer Viertelstunde.) Ich streichelte M immer wieder mit meiner freien Hand über den Kopf und sagte ihm mantraartig immer wieder dieselben Worte: „Ich liebe dich! Ich werde dich immer lieben!“ Irgendwann glaubte ich, nur noch meinen Puls zu hören, denn ich spürte unter der Hand, die auf dem „Druckverband“ lag, kein pulsieren mehr. Ms abwesender Blick sprach Bände und seine zuvor panische Atmung war wieder „normal“, falls er überhaupt noch atmete.

Barfuß und im Schlafanzug flitzte ich beim ersten Blaulicht durch den Garten vor zum Tor, um die zwei Rettungssanitäter hereinzulassen. Ich sagte auch ihnen, dass sie zu spät seien. Als die beiden unsere Wohnung betraten, bekam ich erste Anweisungen: Hund aus dem Weg! Kind aus dem Bett! Da Prinz friedlich schlief, hob ich L in meine Arme und trug sie ins Wohnzimmer. Dort erwachte sie. Die beiden Rettungssanitäter bestätigten mir, dass M tot sei. Ich brachte Prinz und L viertel nach vier hoch zu unseren Vermietern, die ich wachklingeln und mit dieser furchtbar schrecklichen Nachricht als erste konfrontieren musste.

Der Notarzt kam wenige Minuten nach dem Eintreffen der Rettungssanitäter. Er stellte den Tod fest. In Ms Totenschein wurde festgehalten, dass er am 7. Juli 2020, 04:00 Uhr, verblutet ist.

Ich unterhielt mich mit einem der beiden Rettungssanitäter und später mit dem Notarzt. Dieser meinte, selbst wenn wir eine Patientenverfügung gehabt hätten, wäre es bereits zu spät gewesen. Selbst für diese schwere Erkrankung sei M nach Meinung des Notarztes zeitig gestorben. (Von der Diagnose bis zu seinem Tod sind „nur“ 13,5 Monate vergangen.)

Das diensthabende Bestattungsinstitut wurde von den Rettungssanitätern informiert, bevor diese gemeinsam mit dem Notarzt gingen. Ich krabbelte zu M ins Bett, setzte mich neben ihn und verabschiedete mich in aller Ruhe von ihm. Die Minuten bis zum Eintreffen des Bestattungsinstituts wartete ich oben bei unseren Vermietern. Ich erzählte L, dass ihr Papa gestorben ist. Sie weinte herzzerreißend, schrie und schlug mit den Armen um sich. (Sie schlug mir mehrfach ins Gesicht. Es war für mich heute okay.) Wir weinten alle zusammen, unterhielten uns und tranken Kaffee.

Das Bestattungsinstitut kümmerte sich nun um M. Wir durften weiterhin in der oberen Wohnung warten. M wurde gesäubert/gewaschen. Ihm wurden die von mir herausgelegten Kleidungsstücke angezogen. (Hätte M mir über die Schulter geschaut, hätte er den Kopf geschüttelt. Er hätte definitiv andere/schickere Kleidung gewählt. Ich legte einen Pullover raus, den ich ihm vor Jahren geschenkt hatte.) Als M im Wohnzimmer aufgebahrt war, durften wir uns ein letztes Mal von ihm verabschieden. Ich instruierte L, was sie nun zu sehen bekäme, und fragte, ob sie ihren Papa noch mal sehen wolle. Sie bejahte. Ich bat sie, mir sofort Bescheid zu sagen, wenn sie den Raum verlassen will. L und ich warfen einen kurzen Blick auf unseren lieben M, ehe L mit mir raus in den Flur gehen wollte. C und A standen noch eine Weile um den Sarg herum.

In ewiger Erinnerung 

letztes Buch: „Kaltblütig“ von Truman Capote
letzter Film: Zwei glorreiche Halunken 
zuletzt gekocht: DDR-Tomatensoße mit Jagdwurstwürfeln und Hochzeitsnudeln
letztes Game: The Last of us Part II für die PS4

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 116

Alltagsschnipsel

Sickerblutung.
Nachts um 02:00 Uhr rief mich M vom Wohnzimmer aus. Wie eine Mama bei ihrem Baby wachte ich sofort auf und ging zu ihm. Beim Anblick seines blutenden Halses stieg leichte Panik in mir auf. Wir stellten allerdings schnell fest, dass die Blutung bereits wieder aufgehört hatte. Ich brachte M ins Bett, deckte ihn zu … und fand selbst kaum Schlaf in dieser Nacht. Meine Sorge um M war zu groß. Außerdem hielt mich seine laute Atmung (sein Schnarchen) vom Einschlafen ab.

Ich stand gegen um sieben auf, ging mit Prinz ein wenig draußen spazieren, weckte anschließend L und fuhr mit ihr kurz nach halb neun zum Kindergarten. L versteckte sich hinter meinem Rücken, als eine Erzieherin die Tür öffnete, und weinte kurz darauf. Sie tat mir leid, jedoch war mein Tag voller Termine. Ich hätte mich heute nicht um meine kleine L kümmern können. Als ich wenig später zu Hause eintraf, hatte Prinz (trotz des Spaziergangs am Morgen) sein großes Geschäft im Flur verrichtet.

Verordnung.
Bereits halb acht morgens rief ich bei unserer Allgemeinmedizinerin an. Ich sprach mein Anliegen (eine rückdatierte Verordnung für Ms Wundreinigung) auf den Anrufbeantworter. Ich nahm am Daily teil und arbeitete bis mittags. Eine Rückmeldung von der Hausärztin erhielt ich nicht. Da Rezepte und Verordnungen montags nur von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr abgeholt werden können, fuhr ich halb eins rum zum Büro. Dort übergab ich meinem Kollegen F ein Smartphone für einen unserer Kunden. Ich lief zum Steuerbüro, übergab einer Mitarbeiterin den von M und ME unterzeichneten Jahresabschluss und machte mich auf den Weg zur Hausärztin. Nach Prüfung der Unterlagen teilte mir die Ärztin mit, dass ich heute keine Verordnung ausgehändigt bekommen würde. Sie schlug jedoch vor, morgen Vormittag auf einen Hausbesuch vorbeizukommen.

Studie.
Auf dem Rückweg zum Auto telefonierte ich lange mit einer Studienärztin der Charité. Wir sprachen über Ms Gesundheitszustand, seine körperliche Verfassung und Organisatorisches. Zu Hause schickte ich den letzten Arztbrief des Helios Klinikums per Mail an einige Charité-Ärzte und brachte die CT-CD zum Briefkasten. (Ich bin immer noch wütend, dass ICH das erledigen musste. Ich verstehe nicht, weshalb das Helios Klinikum die Unterlagen nicht der Charité übermitteln konnte/wollte.)

Besprechung.
Ich holte L gegen viertel nach vier am Nachmittag vom Kindergarten ab. Wir fuhren nach Hause. Ich zog M an, gab Prinz, der allein zu Hause bleiben musste, vorzeitig sein Fressen und fuhr mit M und L zum Büro. Während M und S meinem M die zwei Etagen nach oben halfen, brachte ich L zu meinen Eltern. M und ich nahmen zweieinhalb Stunden an einem beruflichen Termin teil. Da meine Nacht nur so mittel war, wurde ich kurz nach 18:00 Uhr müde und konnte mich kaum noch konzentrieren. M konnte seine Augen kaum offen halten, schloss sie des Öfteren und atmete laut/schnarchte. Er meinte aber, dass er nicht schlief. Ich glaube ihm das. Ihn zu diesem Termin begleitet zu haben, war falsch. Wir hätten ihn absagen, zumindest in einen Call abändern müssen. M ging es nicht gut. Dieser (sinnfreie) Termin war sehr anstrengend für ihn.

Kurz nach 20 Uhr holte ich L bei meinen Eltern ab. M und S blieben solange bei M im Büro und warteten auf unsere Rückkehr. Erst halb neun abends waren M, L und ich wieder zu Hause. Der arme Prinz war viereinhalb (!) Stunden alleine in der Küche. Ein Großteil des Küchenbodens war mit seinem Kot übersät, der restliche Boden war kotverschmiert. Ich half M auf die Couch, schrubbte während eines Schreianfalls von L den Küchenboden, zog ihr anschließend die Schlafsachen an und machte ihr eine Serie auf dem iPad an. Dann hatte ich endlich Zeit für den armen M, der total erschöpft auf der Couch lag. Ich half ihm bei den Medikamenten sowie der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Gegen 21:30 Uhr leierte ich mir eine Tiefkühl-Pizza rein und ging mit L schlafen.

Eckdaten M.
geschlafen: mit Pausen nahezu den ganzen Tag 
gegessen: um die 900 kcal
getrunken: viel 
bewegt: Schritte in der Wohnung, im Garten und im Büro mit zahlreichen Stufen

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 115

Alltagsschnipsel

Gedanken zum Toilettenstuhl.
Ich hasse ihn. Nicht den Stuhl selbst, sondern vielmehr die Tatsache, dass er seit einer halben Woche von M regelmäßig/ausschließlich benutzt wird und natürlich entleert/gesäubert werden muss. Als der Lieferant den Stuhl im Garten abstellte, meinte er, dass ich ihn ja nicht entleeren müsse. (Er dachte vermutlich, dass dies vom Pflegedienst übernommen werden würde.) Mir war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass niemand den vollen Behälter unter dem Stuhl entleeren würde, wenn ich es nicht täte. Meine Methoden wie Luftanhalten oder an etwas Schönes denken haben bisher nicht ausgereicht. Es ist und bleibt einfach super eklig. Bei jedem zweiten oder dritten Mal muss ich erbrechen. M ist nach wie vor nicht in der Lage, es selbst zu tun. (Er würde es aber gern selbst machen.)

Pflegetätigkeiten.
Wenn ich morgens erwache und aufstehe, gehe ich zuerst zum Infusionsständer und schaue, ob Tee gekocht und anschließend in den Flüssigkeitsbeutel umgefüllt werden muss, ob schon ein neuer Nahrungsbeutel angehängt gehört und ob die Schlauchsysteme getauscht werden müssen. Anschließend helfe ich M bei seinen Medikamenten. Ich zerkleinere mithilfe des Mörsers die Tabletten, gebe das Pulver in eine Spritze und fülle diese mit Wasser. M verabreicht sich daraufhin den Inhalt über die Magensonde. Dies wiederholen wir circa zehn Mal. Nun bringe ich M frische Kleidung und helfe ihm beim Anziehen, denn das schafft er aktuell nicht alleine. Zwischendurch säubere ich die Couch/räume seinen Platz auf und bin immer auf Zuruf da, um ihm aufzuhelfen/etwas zu bringen. Denn auch das schafft M derzeit nicht alleine. Am Nachmittag bereite ich ihm im Garten einen gemütlichen Platz vor, gehe mit ihm je nach Tagesform mal mehr, mal weniger Schritte durch den Garten und bringe ihn meist anderthalb oder zwei Stunden später wieder in die Wohnung. Je nachdem wie müde ich am Abend bin, helfe ich ihm erneut bei der Einnahme der Medikamente. An manchen Tagen vertraue ich aber einfach darauf, dass er alle Tabletten ordnungsgemäß einnimmt. Ich gehe jedoch niemals ins Bett, bevor ich nicht nochmals den Infusionsständer überprüft und M mit der Essenseinnahme genervt bzw. ihn daran erinnert habe.

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, bis 06:00 Uhr auf der Couch, danach Wechsel zu uns ins Bett mit kurzer Unterbrechung durch den Pflegedienst (die Pflegerin kam 06:43 Uhr)
gegessen: 835 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Heute litt M wieder unter Kieferschmerzen. Es gibt aktuell so viele offene Baustellen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo wir anfangen sollen, uns Hilfe zu suchen. Ich bewundere M für seinen (Über-)Lebenswillen. Abends kochte er wieder für L und mich. ❤

Gerade als ich L bettfertig machen wollte, stellten wir fest, dass Ms Narbe/Wunde am Hals blutete. Es tropfte bereits aus dem Verband auf sein T-Shirt. Ich rief das Palliativteam an. Gegen viertel nach neun trafen eine Ärztin und ein Pfleger ein. Es handelte sich glücklicherweise „nur“ um eine Sickerblutung, die vermutlich den ganzen Tag über lief. Da kein Blut tropfte oder floss, wurde ein neuer Verband angelegt. Kaum war die Ärztin fertig, war es wieder da: das ungute Gefühl und das Wort „Tod“, das über unseren Köpfen schwebte. Die Ärztin fragte uns, ob wir irgendwann mal zum Thema Verbluten bzw. zur Tumorblutung aufgeklärt wurden. (Nein, wurden wir nicht.) Bei letzterem sei die Hauptschlagader betroffen und niemand könne M dann noch helfen. Ich soll, falls das Blut schwallartig aus seinem Hals spritzt, dunkle Handtücher holen, um bei M nicht noch mehr Panik zu verbreiten, und einen Druckverband anlegen. Ist M dann doch „beunruhigt“, soll ich ihm ein Beruhigungsmittel SPRITZEN. (Ich wurde ausführlich in alle Einzelheiten, den Aufbau der Spritze und in den Vorgang selbst unterwiesen.) Den Notarzt können wir rufen, aber „manchmal ist es auch ausreichend, wenn jemand bis zum Ende da ist.“ Mit diesen beruhigenden und ermutigenden Worten brachte ich schließlich L ins Bett. (M amüsierte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten über die Panikmache. Er hält eine Tumorblutung für ausgeschlossen, da am Hals kein Tumor ist.)

Was heute schön war:

Parkspaziergang.
Am späten Vormittag liefen L, Prinzi und ich zum Briefkasten, um die von M geliehenen und mittlerweile geschauten Blu-rays zurückzuschicken, und anschließend in den Park. Begleitet hatte uns diesmal Ls Puppe Lotta oder Mia (der Name wechselt des Öfteren) im Puppenwagen. Obwohl L auf einem „Geheimweg“ Kontakt zu Brennnesseln hatte und wir wegen des Kühlakkus umgehend nach Hause gehen mussten, war es ein schöner Ausflug.


Entschleunigung.
Es war bis 20:30 Uhr ein schöner, ruhiger und entspannter Sonntag, an dem wir „nichts“ machten.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 114

Alltagsschnipsel

Verordnung.
Ich fühle mich veralbert. Gestern erhielt ich vom Gesundheitsdienst die Information, dass die Verordnung zur Wundreinigung nun erteilt wurde und vorliegt. Am Vormittag erzählte mir der Pflegedienst, dass die Hausärztin zuständig sei. ICH werde mich somit am Montag telefonisch mit unserer Hausärztin in Verbindung setzen, um Ausstellung der Verordnung bitten und diese vermutlich in der Praxis abholen. Ich opfere also schon wieder Arbeitszeit für die Bürokratie. Interessiert aber niemanden.

Fahrradtour.
Unsere Vermieter C und A haben sich über das Wochenende E-Bikes ausgeliehen und starteten am Vormittag ihre erste Testfahrt. (Sie überleg(t)en, sich welche zu kaufen/leasen.) Abends kam C alleine zurück. A ist in der Nähe von Tiefthal vom Fahrrad gestürzt und hat sich sein rechtes Handgelenk gebrochen. Er befand sich seit mittags im Helios Klinikum und wurde gegen 20:00 Uhr operiert. Bei der OP mit örtlicher Betäubung wurde festgestellt, dass es im Handgelenk einiges an Trümmern gab, die erst einsortiert und fixiert werden mussten. Nun befinden sich eine Platte und ein paar Schrauben in seiner Hand. Gute Besserung A!

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, bis 01:00 Uhr auf der Couch, danach Wechsel zu uns ins Bett
gegessen: 1150 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Es hat geklappt: M schaffte 1,75 Nahrungsbeutel. Das ist sehr gut. (Ich habe ihn aber auch den ganzen Tag über mit Essen und Trinken genervt. Leider funktioniert es nicht anders.) Wir müssen es schaffen, dass er dauerhaft genügend Kalorien aufnimmt. Er muss zunehmen! Obwohl er sich tatsächlich besser zu fühlen scheint (er bekochte L und mich am Abend und stand dafür gut zwei Stunden in der Küche), mache ich mir doch große Sorgen um ihn. M hat definitiv weiter abgenommen. Dafür muss er nicht mal auf eine Waage steigen. Vor wenigen Tagen konnten sich mein Daumen und Mittelfinger noch nicht berühren, wenn ich meine Finger um seinen Oberarm legte, heute hingegen schon. Er sieht im Gesicht auch noch mal ein paar Jahre älter aus. Aufstehen, vor allem von der Liege- in die Sitzposition kann er nur mit Hilfe. Heute hatte er dabei erstmals starke Schmerzen im Rücken. (Er hat kaum bis keine nennenswerten Muskeln mehr.) Ich bin mir nicht sicher, wie lange sein Körper diese Strapazen durchhält …

M schickte gestern die Bilder vom CT sowie den Arztbrief digital nach Berlin. Die dortigen Ärzte müssen nun entscheiden, wie es mit der Immunchemotherapie, die seit einigen Wochen pausiert, und auch mit seiner Teilnahme an der Studie weitergehen soll. Ich drücke für M alles, was ich habe. Seine Zellen regenerieren sich bereits. Wir merken das unter anderem am Wachstum seiner Haare. Das ist einerseits natürlich schön für M, bedeutet aber auch, dass die Tumorzellen wieder erstarken.

Was heute schön war:

Kühlschrank.
M ersteigerte/kaufte über die eBay-Kleinanzeigen einen Kühlschrank für uns. Wir haben nun viel mehr Platz, im Inneren sieht er richtig sauber und ordentlich aus und die Größe des Gefrierschrankes ist im Vergleich zum alten ein absoluter Traum. L war auch begeistert. Danke an meinen Schwippschwager und seinen Kumpel fürs Abholen beim Verkäufer, den Transport zu uns nach Hause und das Reintragen in die Küche.


Erdbeer-/Kirschernte.
L und ich ernteten heute Mittag ein paar Walderdbeeren und erste Sauerkirschen. Letztere entkernte und zuckerte ich. Von unserer Vermieterin C werden wir uns den Entkerner leihen. Dann sind die Kirschen schneller und sauberer entkernt als mit dem Messer.


Zeit mit L.
Wochenenden sind wirklich toll! Sobald die Arbeit wegfällt, ist das ganze Drumherum viel besser zu koordinieren und handhaben. Ich hatte heute nicht nur mehr Zeit für M, sondern auch für L. Wir haben viel draußen gespielt. (L war Pikachu und ich Ash.)

Besuch.
Mit leckerem Kuchen, schicken neuen Kleidern und einer Überraschung für L kamen am Nachmittag meine Eltern vorbei. Wir machten es uns draußen bei einer Tasse Kaffee gemütlich.

Sport.
Am Abend konnte ich sogar die beiden Übungen von Tag zwei meines Sportprogramms in mein Spiel mit L integrieren. Das war sooooo toll! Für morgen nehme ich mir Tag drei vor.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 113

Alltagsschnipsel

Kinder geben so viel zurück … 
… oder wie das heißt, wenn sie gelegentlich kleine undankbare Wesen sind. 😉 Unter Ignoranz meines Hungergefühls und eine Dreiviertelstunde vor meinem ersten beruflichen Call baute ich L die Autorennbahn auf, mit der sie UNBEDINGT spielen wollte. (Ich wollte zuerst Frühstück machen und mich anziehen.) Das tat sie dann auch – etwa fünf Minuten, dann verlor sie die Lust. Ach ja …


Verordnung.
So ein Heckmeck. Der Pflegedienst kümmerte sich seit Ms Entlassung aus dem Krankenhaus um die Wundreinigung seiner zwei Wunden nebst Verbandswechsel. Eine ärztliche Verordnung hierfür lag bis heute immer noch nicht vor, weshalb der Pflegedienst (richtigerweise) mitteilte, dass morgen kein Pfleger geschickt werde. Es fühlte sich einfach kein Arzt verantwortlich, diese Wundversorgungsverordnung auszustellen. Nach langem Hin und Her und zahlreichen Telefonaten mit dem Gesundheitsdienst, dem Pflegedienst und dem Helios Klinikum lag am Mittag endlich besagte Verordnung vor. Leider hatte ich mich dem Ansprechpartner vom Gesundheitsdienst gegenüber unfair verhalten und meinen Ärger über die Situation an ihm ausgelassen. (Ich hatte mich mehrmals während des Gesprächs dafür entschuldigt.) Vielleicht sollte ich in Zukunft gar nicht mehr ans Telefon gehen – erst vergraule ich unsere Kunden, dann lasse ich meine Wut an den Falschen aus. Das ist keine gute Entwicklung. Morgen ist zum Glück Wochenende, da dürfte das Telefon stillstehen.

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, aber nur auf der Couch ohne Wechsel zu uns ins Bett
gegessen: 700 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: okaye Menge
bewegt: Schritte in der Wohnung 

M ließ von gestern Abend an einen zweiten Nahrungsbeutel bis heute Morgen 05:00 Uhr laufen – leider ohne Erfolg. Sobald er waagerecht liegt, läuft die Ernährung nicht in den Magen. Der Beutel war somit noch genauso voll wie gestern. Das hat uns beide sehr geärgert.
Aus diesem Grund hatte ich beschlossen, heute härter durchzugreifen. Ich nervte M den ganzen Tag über. Erfolg hatte ich wieder keinen, denn er trank zwar ausreichend, nahm aber wieder nur einen Ernährungsbeutel zu sich. Auf diese zwei Beutel werde ich jetzt trotzdem circa vier bis fünf Tage beharren, ehe wir auf drei erhöhen. An der ganzen Situation ist seine Fatigue nicht ganz unschuldig. 😦

Was heute schön war:

Ordnung und Sauberkeit.
Ich ließ die Arbeit heute größtenteils Arbeit sein und kümmerte mich stattdessen um unsere Wohnung, die das auch bitternötig hatte. L bot mir ihre Hilfe beim Putzen an, schnappte sich nacheinander um die zwanzig Allzwecktücher und säuberte Waschbecken, Tür, Badewannenrand etc. Sie erzählte mir, sie helfe mit, damit unsere Wohnung sauber ist, wenn ihre Freunde K und Y aus dem Kindergarten bei ihr übernachten. So süß! 

Einkauf.
Nach der Reinigung der Wohnung fuhr ich mit L zur Apotheke und holte für M ein Medikament ab, das gestern bestellt wurde. Anschließend gingen wir kurz ins Real und kauften wenige Dinge nach, die ich gestern vergessen hatte. (Wir brauchten unter anderem zwei Liter Öl für die „neue“ bei eBay gekaufte Fritteuse.)

Besuch.
Am späten Nachmittag bekamen L und ich Besuch von meiner Freundin und ehemaligen Kollegin A mitsamt Mann und Baby. ❤ Zu futtern gab es leckere Zimtschnecken. Sogar L flüsterte mir irgendwann ins Ohr, dass sie das Baby süß findet. (Sie erzählte mir von morgens an, dass sie keinen Besuch haben und auch nicht mit dem Baby spielen will. L war entgegen ihrer Ankündigung eine liebe Gastgeberin, ließ das Baby schaukeln und brachte ihr sogar Spielzeug.) Beim nächsten Treffen, dass hoffentlich nicht wieder erst in fünfzehn Monaten stattfindet, besuchen L und ich die drei bei ihnen zu Hause. 

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 112

Alltagsschnipsel

Auch heute Morgen hielt sich Ls Begeisterung, in den Kindergarten zu gehen, in Grenzen. Gemeinsam mit mir frühstücken wollte sie auch nicht. Also saß ich allein am Esstisch aka Arbeitsplatz, aß eine Scheibe Toast, trank eine große Tasse Cappuccino Schoko und lud die letzten Belege für die Buchhaltung hoch. L ließ sich etwas später dazu überreden, aufzustehen und sich anzuziehen. Kurz nach halb neun saßen wir im Auto. L aß auf der Fahrt eine Scheibe Toast. Im Kindergarten angekommen, versteckte sie sich hinter mir, als die Erzieherin der Nachbargruppe die Tür öffnete, und brach schließlich in Tränen aus. Mein armes kleines Mädchen. Todunglücklich verließ ich den Kindergarten und machte mich auf den Heimweg zu M.

Abstimmung.
Ms und mein zweiter Termin am Vormittag war ein Call mit unserem Rechtsanwalt. Nach dem langen Telefonat war das Hochgefühl vom ersten Termin etwas gedämpft. Die abgeschlossenen Verträge mit der Muttergesellschaft sind laut Anwalt Knebelverträge und mit einem Gefängnis vergleichbar. Als wir zweieinhalb Stunden später wieder zu Hause waren, hatte Prinz sein großes Geschäft in der Küche verteilt und es breitgetreten. Die Küche musste aber sowieso gewischt werden, von daher nahm ich es einigermaßen gelassen.

Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend, aber nur auf der Couch ohne Wechsel zu uns ins Bett
gegessen: 665 kcal Nahrungsbeutel; ein zweiter Nahrungsbeutel wurde spät abends angehängt
getrunken: zu wenig
bewegt: Schritte in der Wohnung, im Garten und im Büro mit zahlreichen Stufen

M und ich werden die Ernährung bzw. die Kalorien hochfahren (müssen). Siebenhundert Kalorien pro Tag sind auf Dauer zu wenig und würden ihn früher oder später umbringen. Wir probieren nun, anderthalb bis zwei Nahrungsbeutel über die PEG-Magensonde über den Tag verteilt anzuhängen. Zusätzlich probieren wir, weitere Kalorien über die Huel-Getränke aufzunehmen. (Sein vom Helios Klinikum errechneter Bedarf liegt bei circa zweitausend Kalorien pro Tag.) Hoffen wir, dass es klappt!

Was heute schön war:

Büro.
M und ich hatten vormittags zwei berufliche Termine und fuhren nach langer Zeit wieder ins Büro. (Den Briefkasten habe ich bei der Gelegenheit gleich geleert. Nach knapp vier Monaten schaffte ich es auch, meinem Kollegen F den Briefkastenschlüssel zu geben. Yeah!) Im Büro trafen wir unsere Kollegen F und S, die sogar so lieb waren, M die Stufen hinaufzuhelfen. Leider blieb heute keine Zeit zum Quatschen. Beim nächsten Mal klappt es aber bestimmt wieder.

Aussichten.
Mit einer sehr wichtigen Person sprachen M und ich über die berufliche Zukunft und das weitere Vorgehen. Uns wurde die volle Unterstützung zugesichert. Weitere Ideen und Möglichkeiten erfuhren wir auch, die M selbst noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Nun warten wir den morgigen Tag ab und schauen, ob es neue Ergebnisse von der Muttergesellschaft gibt. Es bleibt somit weiterhin (nervenaufreibend) spannend.

Mittagskind.
L verbrachte heute nur drei Stunden im Kindergarten. Ms Mama holte sie bereits nach dem Mittagessen ab. Am Nachmittag ging L mit ihrer Oma, ihrer Tante und ihrem Baby-Cousin in die Stadt. Sie kauften für M ein Paar Sandalen, die sich an mehreren Stellen verstellen lassen und M sicherlich trotz seiner Wassereinlagerungen in den Füßen passen dürften. Abends gab es super leckeres Essen, das M für L, seine Mama und mich bestellte. ❤

Spaziergang.
Ich nutzte das schöne Wetter und spazierte mit Prinz am Nachmittag in Richtung Sparkassenfinanzzentrum, um aktuelle Kontoauszüge für die Firma zu holen. (Es liest sich entspannter als es letztendlich war. Ich musste den armen Prinz stellenweise trotz seeeehr gemächlichem Tempo hinter mir herziehen.)

Telefonat mit U.
Abends saßen M und ich gemeinsam auf der Couch und sprachen mit U überwiegend über unsere berufliche Situation bzw. die Geschehnisse. Mit viel Glück können uns U, E und K in Kürze in Erfurt besuchen. Das wäre schön.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 111

Alltagsschnipsel

M und ich haben (unbeabsichtigt) die Nacht durchgemacht. Erst gegen ein Uhr morgens war unser Filmabend beendet. Diesmal schlief M nicht auf der Couch weiter, sondern begleitete mich ins Bett. (Wir hatten schließlich Unmengen an Platz, da L bei Ms Mama schlief.) Wie im Ferienlager oder auf Klassenfahrt quatschten M und ich im Dunkeln weiter. Als wir die Gespräche schließlich einstellten, war es schon halb drei. Beim Aufwachen fünf Stunden später merkte ich deutlich, dass ich noch müde war. Schön war unser gestriger Abend trotzdem. ❤

Tag der Rettung.
Heute wurde Prinz wieder ein (Menschen-)Jahr älter. Vor exakt acht Jahren holten wir unser Alf-Double mehr oder weniger spontan aus dem Erfurter Tierheim zu uns. (Das Zubehör, eine gut gefüllte Kiste mit Dingen, die ein Hund brauchen könnte, kauften wir immerhin schon am Tag zuvor bei Fressnapf.) Wir (Ich) beschlossen damals, diesen Tag der Rettung/Befreiung zukünftig zu seinem Geburtstag zu machen. Prinz ist nun ungefähr zwölf Jahre alt. (Sein Alter wurde vor acht Jahren anhand des Zustands seiner Zähne von einem Tierarzt geschätzt.) Alles Gute und weiterhin eine schöne Zeit bei uns, lieber Prinz! (Wir wissen, dass du es nicht immer leicht mit uns hattest.)


Ms Mama brachte L am Morgen in den Kindergarten. Der Schnupfen bzw. die Vorstufe davon ist seit gestern wieder verschwunden. L machte auch zu keiner Zeit einen kränkelnden Eindruck – im Gegenteil. 😉 Bevor ich L kurz nach 15:00 Uhr vom Kindergarten abholte, hielt ich kurz beim Helios Klinikum und holte Ms CT-CD ab. Diese bzw. den darauf befindlichen Inhalt schicken wir noch diese Woche zu unserem Charité-Arzt.

Bluttransfusion.
M hatte die Anweisung, bis zur Bluttransfusion am Mittag genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ich bin sehr stolz auf ihn, denn er nahm über die PEG-Magensonde einen Liter auf. Leider konnte ich ihn heute nicht in die onkologische Praxis begleiten. Er fuhr mit dem Taxi hin (und am Nachmittag auch wieder zurück). Blöderweise war der Aufzug, der ihn in den ersten Stock, in dem sich die Praxis befindet, fahren sollte, defekt. (Gestern funktionierte er noch problemlos.) Verzweifelt teilte M mir dies per iMessage mit. Ich rief daraufhin in der Praxis an und erklärte, dass M es nicht alleine die Treppe hinauf schafft. Ich bin immer wieder von dem Einsatz dieses Teams begeistert. Mit einem Rollstuhl bewaffnet, hievten Ms Ärztin und eine Schwester M Stufe für Stufe die Treppe hoch. Unglaublich! 

Auf dem Weg zum Helios Klinikum rief mich eine Kundin an und fragte nach dem Sachstand bezüglich eines Projektes. (Ich wollte zunächst den Anruf nicht entgegennehmen. Da es allerdings auch ein wichtiges Telefonat M betreffend hätte sein können, nahm ich den Anruf entgegen.) Zuständig für die Beantwortung der Frage der Kundin, die einen recht schroffen/zickigen Tonfall an den Tag legte, ist mein Kollege M, der sich diese Woche im Urlaub befindet. Ich hatte bereits am gestrigen Tag zwei Kollegen des Teams um Informationen gebeten, doch auch diese waren nicht up to date. Dies teilte ich der Kundin mit. Mit dieser Antwort gab sie sich absolut nicht zufrieden. Alles in mir sträubte sich, M in seinem wohlverdienten Urlaub mit solch einer Lappalie zu belästigen. (Ich tat es letztendlich trotzdem.) Leider ist das Telefonat eskaliert. Ich bin mir nicht sicher, ob es alleine meine Schuld ist. Die Kundin hat mich definitiv auf dem falschen Fuß erwischt. Ich mache mir seit dem Nachmittag jedenfalls große Vorwürfe, die Geschäftsbeziehung zum Kunden zerstört zu haben. (Die Kundin äußerte sich sehr eindeutig in diese Richtung.) Ich werde mir das Gespräch auf jeden Fall noch mal durch den Kopf gehen lassen und schauen, wie es für mich beruflich weitergehen kann. Kunden zu vergraulen ist ein absolutes No-Go!

Seit diesem schlimmen Telefonat wurden der Nachmittag und Abend noch enttäuschender/stressiger. Ich hätte bei diesem schönen Wetter so gern zusammen mit L gespielt. Sie wollte unbedingt auf einen Spielplatz gehen. Leider musste ich sie schon wieder enttäuschen und zurückweisen. Unsere Muttergesellschaft verlangte vom Steuerbüro bis morgen die aktuelle Buchhaltung. Ich arbeitete bis 21:30 Uhr, damit dem Steuerbüro die Belege schnellstmöglich zur Verfügung stehen und diese morgen die Buchungen vornehmen können. (Ich weigerte mich zunächst, mich nach einem anstrengenden Tag, an dem ich bereits gearbeitet hatte, nochmals für mehrere Stunden hinzusetzen. Als M schließlich meinte, dann müsse er es machen, knickte ich ein. Die Buchhaltung ist auch nicht sein Aufgabengebiet.)

Neben der Zeit, die mir mit L verloren ging, blieb auch wieder keine Minute übrig für ein paar Sportübungen. Dabei wäre es so wichtig. 

Ich gebe es zu: Ich habe mich heute eine zeitlang selbst bemitleidet. Ein paar Tränen sind auch geflossen. Das Gefühl, niemandem gerecht werden zu können, bleibt hartnäckig bestehen.

Eckdaten M.
geschlafen: auf der Couch während des Großteils unseres Filmabends; von 02:30 Uhr bis 09:30 Uhr im Bett
gegessen: 665 kcal Nahrungsbeutel 
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung, im Garten und in der Arztpraxis

Was heute schön war:

Sushi.
Heute Mittag aß ich den Rest des am gestrigen Abend bestellten Sushis. Das war super!

Hallo Juli!

Dies & Das

Im Juli werde ich …

… mit L den Film „Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau“ im Kino sehen
… eventuell auch mit M ins Kino gehen
… Spielverabredungen mit anderen Mamas und ihren Kindern wahrnehmen 
… vier Telefonate mit meiner Dresden-Freundin J führen
… um die fünf Telefonate mit meinem Bruder führen
… zwei Einsendeaufgaben an die ILS schicken
… Urlaub haben
… eventuell mit M zu zwei Konzerten in die Mehlhose gehen (die Tickets haben wir jedenfalls)
… mich über den Besuch der Iren freuen
… mich eventuell auch über den Besuch aus Albanien freuen

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 110

Alltagsschnipsel

Mein Tag begann gegen acht Uhr. Aufgestanden bin ich zeitnah nach dem Aufwachen, weil L mit schlechter Laune erwachte und anfing, mich zu hauen. (Ich weiß nicht, was in solchen Momenten in ihrem Kopf vorgeht.) Sie weiß allerdings, dass ich das nicht will und schon gar nicht toleriere. Ich flüchtete also aus der Situation. Ich duschte, bereitete das Frühstück für L und mich vor und ließ Prinz kurz für sein kleines Geschäft in den Garten. L war wieder die Alte und so konnten wir in Ruhe frühstücken und uns dabei unterhalten – so als ob nie etwas gewesen wäre. Verstehe einer die Kinder!

Nach dem Frühstück zog ich L an und flocht ihr einen Zopf. Sie spielte anschließend eine gute Stunde alleine (!) mit ihrer Puppenstube in ihrem Zimmer. Solche Momente sind noch sehr selten. Ich freue mich jedenfalls, dass sie statt fernzusehen eine andere Beschäftigung wählte. M lag währenddessen auf der Couch und schlief bei laufendem Fernseher. Darauf konnte ich wegen des bevorstehenden Termins leider keine Rücksicht nehmen. Ich half ihm beim Mörsern und der Einnahme der Medikamente. Unterbrechen musste ich diese Tätigkeit für ein berufliches Daily.

Ehe wir eine Dreiviertelstunde später alle (außer Prinz) im Auto auf dem Weg zu Ms Mama, die mittlerweile seit genau einem Jahr krankgeschrieben ist, saßen, war es noch recht turbulent. L und ich spazierten mit Prinz ein paar Meter durch die Gegend in der Hoffnung, er würde noch sein großes Geschäft verrichten. Fehlanzeige! Ich betete stumm, dass er es während unserer Abwesenheit nicht in der Wohnung hinterlässt. (Spoiler: Ich hatte Glück!) M zu motivieren, von der Couch aufzustehen, frische Kleidung anzuziehen und zwanzig (dreißig?) Meter zum Auto zu laufen, war auch mit einiger Anstrengung verbunden.

Wir hielten kurz bei Ms Mama, verabschiedeten uns von L und fuhren zur onkologischen Praxis weiter, die sich in der Parallelstraße befindet. Wir hatten sehr großes Glück und ergatterten den letzten Parkplatz. Mit nur zehn Minuten Verspätung betraten wir 11:10 Uhr die Praxis. (Das ist wirklich gut. Wir kamen aus Gründen schon mal über eine Stunde zu spät.) Wir mussten nicht lange im Wartezimmer sitzen, als wir zur Ärztin gerufen wurden. Viel Neues konnte sie leider zur Wiederaufnahme der Immunchemotherapie nicht sagen, da sie DRINGEND die Meinung/Einschätzung der Charité-Ärzte und die Auswertung des CT benötigt. Während M Blut abgenommen wurde, klemmte ich mich hinters Telefon und kontaktierte das Helios Klinikum. Die Mitarbeiterin war sehr nett und kompetent und sorgte dafür, dass ich am Nachmittag die CD mit dem CT hätte abholen können, hätte ich denn Zeit dafür gehabt. Morgen fahre ich gleich vormittags/mittags ins Krankenhaus. Ms Blutergebnisse lagen zwischenzeitlich auch vor: Er bekommt morgen Mittag eine Bluttransfusion.

Eckdaten M.
geschlafen: durchgeschlafen von 22:00 Uhr bis 04:30 Uhr 
gegessen: etwas mehr als gestern
getrunken: okay, hätte aber mehr sein können
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
L ist immer noch leicht verschnupft, kann aber (nach Einschätzung der Oma) eventuell morgen wieder in den Kindergarten gehen. Ms Mama erklärte sich trotzdem bereit, Zeit mit ihr zu verbringen. Die beiden statteten den Tieren im Zoopark einen Besuch ab. L durfte auch wieder bei ihrer Oma übernachten. So hatte ich heute mehr Zeit für M und Prinzi.

Zukunftspläne.
Am frühen Nachmittag kamen unsere Kollegen/Freunde M und S zu uns nach Hause. Den urlaubsbedingt ortsabwesenden M schalteten wir per Videocall hinzu. Bei Muffins, Kaffee und Bier sprachen wir über das vergangene Geschäftsjahr und diskutieren über die gestern in der Versammlung vorgeschlagenen Varianten und somit über die Zukunft der Firma. Dieses Treffen bzw. Gespräch war trotz des nervenaufreibenden Themas zur Abwechslung entspannt und frei von jeglichem Druck.


Schierke Feuerstein.
Bevor M und S uns am Abend wieder verließen, stießen wir gemeinsam mit einem Schnaps an. Ich trank einen doppelten. Die nächste Stunde war sehr lustig (für mich). Ich hatte zuletzt etwas Sekt und Fruchtsecco zu meinem Geburtstag in der letzten Woche getrunken und diese Getränke kaum gemerkt. Der auf Ex konsumierte Schnaps hingegen versetzte mir einen ordentlichen Schwips. Das war schön und nötig. Wiederholen werde ich das so schnell trotzdem nicht.


Sushi.
Ich bin süchtig. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Die letzten Tage waren aber auch so stressig und anstrengend, dass ich mich auch heute mit leckerem Sushi belohnen musste.

Telefonat mit meinem Bruder.
Wir zogen das morgige Telefonat spontan vor und redeten über anderthalb Stunden nahezu ausschließlich über Berufliches. M nahm hin und wieder auch an dem Gespräch teil. (Es betrifft ihn ja genauso wie mich.) Ich denke, mein Bruder kann unsere Situation nun besser verstehen.

Filmabend.
Gegen 22:30 Uhr schafften M und ich es endlich, den Film „Star Wars Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers“ zu schauen. Vor drei Wochen hatten wir uns das bereits vorgenommen. Dazu gab es karamellisiertes Popcorn (für mich). Leider verschlief M nahezu den gesamten Film. (Normalerweise ist es immer andersherum.)

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 109

Alltagsschnipsel

Es kommt immer anders.
Obwohl ich noch sooo müde war, stand ich heute viertel nach sieben auf und ging duschen. Ich bereitete für L und mich Frühstück vor und hing für M einen neuen Nahrungs- und Flüssigkeitsbeutel an den Infusionsständer. Es war mittlerweile kurz vor acht und ich weckte L, denn spätestens zehn Minuten nach halb neun wollte ich mit ihr im Auto auf dem Weg zum Kindergarten sitzen. Doch ich habe die Rechnung ohne L gemacht. Sie wollte nicht. Ich versuchte, mit Engelszungen auf sie einzureden. Keine zwei Minuten später saßen wir weinend beieinander. L weinte, weil sie wegen ihrer verstopften Nase lieber zu Hause bleiben und im Allgemeinen sowieso nicht in den Kindergarten gehen wollte. Ich weinte, weil L wegen ihrer verstopften Nase vermutlich sowieso nach Hause geschickt werden würde (sobald Kinder erste Erkältungssymptome zeigen, dürfen sie nicht mehr in den Kindergarten), es mir immer das Herz bricht, sie so unglücklich zu sehen, und heute der denkbar ungünstigste Tag der Woche für kindergartenfrei war. Wir telefonierten wenig später mit Ms Schwester, die L heute wegen eines wichtigen Termins bei M und mir vom Kindergarten abgeholt hätte. Sie half uns aus der Misere, indem sie L bereits 11:00 Uhr von zu Hause abholte. Tausend Dank!!!

Palliativteam.
Noch während die Pflegerin Ms zwei Verbände wechselte und die darunter befindlichen Wunden reinigte, klingelte es erneut bei uns. Zwischen elf und ein Uhr wollte sich heute eine Ärztin des Palliativteams vorstellen. Sie kam pünktlich und in Begleitung einer Schwester. Leider mussten die beiden circa zehn Minuten auf mich warten, weil L in demselben Moment auch von ihrer Tante abgeholt wurde. Die Ärztin und die Schwester erzählten uns, dass das Palliativteam jederzeit telefonisch kontaktiert werden kann – bei kleinen Fragen, im Notfall und sogar für das Ausstellen von Rezepten. Sie hinterließen uns eine Reihe an Medikamenten für „den Fall der Fälle“ und einen Plan, bei welchen Symptomen was wie eingenommen werden kann/sollte. M und ich freuen uns über die Rufbereitschaft. Dennoch fand ich das Gespräch irgendwie merkwürdig. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, als würde das Wort „baldiger Tod/baldiges Ableben“ unausgesprochen über unseren Köpfen schweben. M sah das glücklicherweise anders.

Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend, aber überwiegend außerhalb unseres Bettes
gegessen: nicht der Rede wert 😦
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung, kleiner Spaziergang außerhalb unseres Grundstücks

Am Abend hatte M Durchfall. Bitte bitte lass es nur eine einmalige Sache sein!

Was heute schön war:

Tante-Tag für L.
Heute Vormittag holte Ms Schwester L ab und fuhr mit ihr zu sich nach Hause. Dort erschien dann auch Ms Mama, sodass L gut bespaßt wurde und der Tag ohne Kindergarten für M und mich nicht weiter ins Gewicht fiel. ❤

Cleverer Schachzug.
Dass ich M für seine Kraft und Aufopferung der Firma gegenüber bewundere, habe ich in den letzten Tagen schon öfter erwähnt. Hatte ich meist den Kopf schon in Richtung Sand bewegt, blieb M äußerlich cool und arbeitete an Lösungen/weiteren Plänen. Während des Calls ließ M schließlich die Bombe platzen und unterbreitete den Vertretern der Gesellschafterin ein Angebot. Erst dachte ich, es gäbe Verbindungsprobleme, weil keiner etwas sagte oder anderweitig reagierte. Die berühmt berüchtigte Stecknadel konnte jeder fallen hören. Wie clever Ms Vorschlag/Angebot tatsächlich war, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Ich bin sehr auf die Meinung des Aufsichtsrates der Gesellschafterin gespannt. Es bleibt weiterhin spannend. 

Spaziergang mit M.
Nach unserem wichtigen Call machten Prinz, M und ich einen kleinen Spaziergang. Ich zog M zwei Paar Socken an, da er wegen der Wassereinlagerungen in den Füßen derzeit in keine Schuhe passt. M wird täglich schneller und auch das Treppensteigen fällt ihm immer leichter. Heute verließen wir sogar für ein paar Meter unser Grundstück. Ich freue mich sehr!

Telefonat mit J.
Montag ist Telefontag. Ich schnappte mir abends um sieben Prinz und nahm ihn auf einen kleinen Spaziergang mit. Mit J sprach ich heute vor allem über die Vergangenheit, aber auch über zwei aktuellere Themen. Das war echt schön.