Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 103

Alltagsschnipsel

Als ich heute Morgen erwachte, spürte ich immer noch die Schmerzen beim Schulterblatt. Vormittags saß ich für mehrere Stunden in ungesunder, soll heißen nicht ergonomischer Haltung am Esstisch aka Schreibtisch und arbeitete. Gegen Mittag stellte ich fest, dass die Schmerzen so gut wie komplett weg sind. Und was lerne ich daraus? Der ergonomische Arbeitsplatz wird überbewertet und ich sollte öfter arbeiten. 😉

Tränen.
Ich brachte L kurz vor neun in den Kindergarten. In Empfang genommen wurde sie heute von ihrer Lieblingserzieherin. L schaute sie schüchtern an, dann wieder mich, dann wieder C … und dann kullerten die Tränen. Ich nahm mein kleines, liebes Mädchen in den Arm, knuddelte sie ganz fest und sprach ihr Mut zu. Im Auto kamen mir dann auch ein paar Tränen. Solche Momente sind immer etwas zu viel für mein Mamaherz.

Vergessene Visite.
M meldet sich über den Tag verteilt sehr wenig bei mir. (Natürlich höre ich schon drei oder vier Mal täglich kurz von ihm, aber für seine Verhältnisse schreibt er auffallend selten.) Ich machte mir deshalb seit ein paar Tagen etwas Sorgen, doch M meinte, er spüre, dass es wieder bergauf geht. Ich war erleichtert … bis ich ihn nachmittags im Krankenhaus sah. Ich weiß nicht so recht, was ich erwartet habe. Vielleicht dass er häufiger zu Fuß geht anstatt den Rollstuhl zu benutzen? Vielleicht dass die Wassereinlagerungen in den Füßen zurückgegangen sind? Vielleicht dass er zwei Nahrungsbeutel täglich schafft und gut verträgt? Vielleicht dass er allmählich wieder zunimmt? Leider trifft nichts von alledem zu. (In dem Moment war ich doch erleichtert, dass er gestern nicht beurlaubt worden ist.)
Als ich am Nachmittag zu Besuch kam, hatte er die mühevoll über die Magensonde aufgenommene Nahrung erbrochen und musste sich ein paar Minuten lang davon erholen. Ich wusch ihn kurz darauf und zog ihm frische Kleidung an. Auch als ich kurz vor 18:00 Uhr das Krankenhaus verließ, war noch kein Arzt bei ihm. Das sollte für den Rest des Abends auch so bleiben. M fasste es später in seiner Nachricht an mich gut zusammen: Er gilt im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie als austherapiert und ist somit bei diesen Ärzten abgeschrieben. Morgen muss allerdings ein Arzt mit ihm reden, denn wir kennen das aktuelle Ergebnis der Blutkultur (Portbereich) immer noch nicht. Ohne dieses Ergebnis DARF M nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden. (Was ist eigentlich aus den Tests bei der Darmuntersuchung geworden? Hat die Charité das CT erhalten? Wann wird es ausgewertet? Wann wird uns dieses Ergebnis mitgeteilt?)

Ich bin wirklich froh und dankbar, dass sich unsere Familien so sehr um uns kümmern und uns unterstützen. Dennoch wäre es schön, nicht mehrmals pro Woche Beleidigungen und Merkwürdigkeiten an den Kopf geknallt zu bekommen. Das kostet mich nur unnötig Kraft. Ich habe keine Lust auf solche Spielchen!

Was heute schön war:

Vorlesezeit.
L und ich starteten den Tag sehr angenehm. Bei einem Stück Benjamin-Blümchen-Torte lasen wir zwei Geschichten aus ihrem neuen Vorlesebuch. ❤

Arbeit.
Ich habe viel geschafft. Vor allen Dingen konnte ich heute endlich eine wichtige Aufgabe zum Abschluss bringen. Diese nahm im Juni leider mehr Zeit in Anspruch als sonst. Ich freue mich!

Krankenbesuch.
Zweieinhalb Stunden verbrachte ich heute Nachmittag bei M. Wir erkundeten zu Fuß bzw. mit dem Rollstuhl das Helios-Gelände und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Ein paar organisatorische Dinge – sowohl beruflich als auch privat – konnte ich mit M ebenfalls klären.


Telefonat mit J.
Kaum zu Hause angekommen, schnappte ich mir Prinz, Leckerlies, Tüten und die Leine und machte mich auf den Weg zum Sparkassenfinanzzentrum. Unterwegs telefonierte ich mit J. (Leider gibt es in der Filiale keinen Einzahlungsautomaten. Das war … blöd.) J und ich schmiedeten unter anderem Pläne für meinen nächsten Dresden-Aufenthalt … im Jahr 2099 …?!

Sushi.
Weil L die Nacht wieder bei ihrer Oma verbringt, ich somit nicht teilen muss, und J erwähnte, vorgestern Sushi gegessen zu haben, dachte ich mir: Sushi?! Klar, warum nicht! Zum Abendbrot aß ich also mal wieder mein Lieblingsessen.

Danke an die vier Iren! ❤

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 102

Alltagsschnipsel

Mein gestriger Wunsch ging nur teilweise in Erfüllung: Die Schmerzen beim Schulterblatt waren tagsüber auszuhalten (ich konnte also ohne stechenden Schmerz einatmen), wurden gegen Abend jedoch immer unangenehmer. Ich werde den Rat meines Bruders befolgen und für einige Tage eine Sportpause einlegen. Wenn es die Zeit erlaubt, lasse ich mich wegen eines neuen Kissens beraten. Ich erhoffe mir dadurch eine dauerhafte Besserung.

Abgelehnte Beurlaubung.
Ms Nächte werden wieder besser und ruhiger. Er verbringt immer mehr Zeit im Bett statt auf der Toilette im Bad. Dennoch ist er tagsüber noch sehr viel müde. Da heute Morgen die negative Blutkultur aus dem Portbereich noch nicht bestätigt wurde, DURFTE M nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden. Auch eine Beurlaubung für zwei oder drei Stunden am Nachmittag war nicht möglich. So lief ich den restlichen Tag mit einem gebrochenen Herzen (ähnlich wie nach einem heftigen Streit oder einer Trennung) durch die Gegend. M hat mir heute wirklich sehr gefehlt! Ich hatte tatsächlich etwas Liebeskummer.

Was heute schön war:

Geburtstag.
Tausend Dank an alle Gratulanten, die mir über den ganzen Tag verteilt nette, aufmunternde und rührende Worte hinterließen. Ich habe mich unglaublich doll über jede einzelne Nachricht gefreut. Unsere Wohnung duftete bereits am Vormittag nach frischen Blumen. An den zahlreichen Sträußen werde ich mich noch die nächsten Tage erfreuen. Wundervolle Geschenke bekam ich natürlich auch. ❤ Und einen ersten Schritt in Richtung Altersvorsorge bin ich Dank meines Bruder nun auch gegangen – juhu!

Kleine Feier im Familienkreis.
Am Nachmittag trudelten allmählich die Gäste ein. Neben einem selbstgebackenen Erdbeerkuchen, mit dem mich unsere Vermieterin C am Morgen überraschte, gab es zwei Benjamin-Blümchen-Torten – zwei deshalb, weil mein Bruder meinte, eine sei zu wenig. Dummerweise setzte bei ihm dann doch schneller als gedacht die Sättigung ein. 😉 Am Abend wurde gegrillt. Dies übernahm unser Vermieter A, der sogar das Grillgut besorgte. 


Es war ein wirklich schöner Geburtstag – auch wenn M so sehr fehlte!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 101

Alltagsschnipsel

Was für ein schöner Tag! L, Prinzi und ich haben viel erlebt und hatten von morgens bis abends großen Spaß!

Schulterblatt.
Tat mir bis vor Kurzem mein Nacken weh, meldete sich heute Morgen mein rechtes Schulterblatt. Vor zwei Jahren ließ ich mich deswegen schon von einem Orthopäden (mit einer vor Angst schreienden L auf dem Schoß) behandeln. Damals verschaffte mir nur eine Spritze Linderung. So schlimm wird es diesmal sicher nicht werden … Ich wünsche mir für morgen, dass ich beim Einatmen keinen stechenden Schmerz verspüre. M scheint nämlich die halbe Welt zu uns nach Hause eingeladen zu haben. Da wäre das doch sehr hinderlich.

Ms Gesundheitszustand.
Die Nacht war ruhig und M konnte etwas Schlaf finden. Einer morgigen Entlassung aus dem Krankenhaus stehe ich aber verhalten gegenüber. Ja, die Durchfälle sind seit Tagen vorbei, M konnte nun die dritte Nacht in Folge besser schlafen und auch die Nahrung bekommt ihm. Dennoch macht er einen schwachen Eindruck. Zum Vergleich: Beim letzten Krankenhausaufenthalt Ende Mai/Anfang Juni konnte M täglich (!) das Krankenhaus für einen Spaziergang verlassen. Das ist derzeit absolut undenkbar. Er verbringt 95 Prozent des Tages im Bett. Ich fände es gut, würde M noch eine halbe Woche länger zur Beobachtung im Helios Klinikum verbleiben. Er will es jedenfalls heute Abend oder morgen bei den Ärzten nochmal ansprechen. 

Was heute schön war:

Entspannter Morgen.
Noch bevor L erwachte, investierte ich etwas Zeit in meinen Fernlehrgang. Der kam leider in den letzten Tagen viel zu kurz. Die beiden Einsendeaufgaben werde ich im Juni wohl nicht mehr schaffen. Das macht aber nichts. Als L aufwachte, kuschelten wir uns aneinander und lasen das Märchen „Aschenputtel“. Weil wir abends fast nie dazu kommen, gingen L und ich direkt nach dem Aufstehen in die Badewanne. Auch heute frühstückten wir in aller Ruhe im Esszimmer und ohne fernzusehen. Nach dem Essen spazierten wir mit Prinz im Wohnviertel herum. Ls neue Puppe Mia durfte uns natürlich begleiten.

Waldhaus.
Mittags fuhren wir mit dem Familienauto, das seit Donnerstag mit neuem TÜV aus der Werkstatt zurück ist, in Richtung Waldhaus. Auf dem Weg dorthin hielten wir kurz beim Büro, um den Briefkasten zu leeren, und bei der Tankstelle. Dummerweise hatte ich meine Maske bzw. meinen Loop vergessen, weshalb ich mir kurzerhand eine Warnweste vor das Gesicht hielt, ehe ich die Tankstelle betrat. Wir waren gegen halb eins beim Waldhaus und liefen meinem Bruder und meinen Eltern entgegen. Dabei sahen wir eine Schnecke und eine Zauneidechse. Der Biergarten war unglaublich voll. So viele Menschen habe ich dort noch nie gesehen. Corona, wer oder was ist das?! Wir setzten uns an einen Tisch im Schatten in der Ecke. L und ich tranken eine Himbeerbrause und teilten uns eine Pizza Funghi.


Krankenbesuch.
Mein Bruder begleitete uns nach dem Waldhaus nach Hause. Er war (mal wieder) so lieb, auf Prinz aufzupassen, während L und ich M im Krankenhaus besuchten. Wir fuhren wieder das Familienauto, das mir erneut keinerlei Probleme bereitete. (Ich erwähne es deshalb so oft, weil es mir in der Vergangenheit beim Anfahren des Öfteren einfach ausging. Und wir reden hier von einer Automatikschaltung.) Die erste halbe Stunde unseres Besuchs verbrachte M auf der Toilette, die restliche Zeit wach im Bett. Ich packte die mitgebrachte Reisetasche voll und nahm einen ersten Schwung Kleidung und Kram mit nach Hause. Immerhin steht für morgen die Entlassung aus dem Krankenhaus im Raum …

Badespaß.
Erst am Abend waren wir vom Krankenbesuch zurück. Ich befüllte L das Planschbecken mit Wasser, denn es war immer noch sonnig und warm. L badete und planschte mit ihrer Puppe. Ich machte derweil endlich mal wieder Sport mit fünf verschiedenen Übungen.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 100

Alltagsschnipsel

Gegen acht Uhr wachten L und ich heute gemeinsam auf. Wir lasen das Märchen „Dornröschen“ und krabbelten kurz darauf aus dem Bett. Noch im Schlafanzug begleiteten wir Prinz in den Garten zum Verrichten seines kleinen Geschäfts. Ich machte uns danach Frühstück, welches wir in Ruhe im Esszimmer und somit ohne Fernsehen einnahmen. (Es ist jeden Tag aufs Neue eklig, L beim Essen zuzuschauen.)

Während des Frühstücks gab auch M ein Lebenszeichen von sich. Er hat nicht ganz so gut geschlafen wie die Nacht davor, aber bei Weitem besser als in den vergangenen Nächten. Die Arztvisite ergab nicht viel Neues. Wir gehen somit davon aus, dass die Ärzte zufrieden sind. Um zu schauen, ob der Portbereich noch mit Staphylokokken besiedelt ist, wurde heute erneut Blut genommen. M macht laut eigenen Angaben große Fortschritte beim Laufen. Das gestrige „Lauftraining“ mit der Physiotherapeutin hat sehr viel gebracht.

Während ich mit meinem Bruder per iMessage den Tag plante, räumte ich die Wohnung auf und wischte auch mal hier, mal da. Auch wenn es jedes Mal eine Überwindung ist, freue ich mich hinterher über die Ordnung und Sauberkeit. Ls Zimmer wurde heute sehr gründlich aufgeräumt. Das sah wirklich wirklich schlimm aus!

Was heute schön war:

Einkaufen.
Dank meines Bruders, der sich heute ab 11:30 Uhr mit L (und Prinzi) beschäftigte, konnte ich in Ruhe zum Einkaufen fahren. Ich besorgte eine Menge Getränke für Montag und ein kleines Geschenk für L, das sie sich gewünscht und ich ihr versprochen hatte. Für insgesamt zehn Euro gab ich unser Leergut ab. (Ich hasse diese Aufgabe und bin wirklich stolz auf mich, nicht nur daran gedacht, sondern es auch realisiert zu haben.)


Krankenbesuch.
Mittags fuhr ich ins Krankenhaus zu M. Mein Bruder und meine Eltern beschäftigten während dieser Zeit gemeinsam die Kinder. Vielen lieben Dank dafür! M sah besser aus als gestern. Wir unterhielten uns knapp eine Stunde über verschiedene Themen. Ich futterte nebenbei etwas Kuchen und trank eine Heiße Schokolade. Irgendwann ist M dann wieder eingeschlafen, weil er so müde war. Montag oder Dienstag kommt er schon nach Hause. Für Dienstag versprach er mir einen Star Wars-Filmabend. (Diesmal wird zumindest kein neuer Fernseher dazwischen kommen.) Er hat sogar extra Popcorn für mich organisiert. ❤


Sushi.
Weil es einfach soooo lecker schmeckt, gab es heute Abend wieder Sushi. L bekam Edamame und Kappa Hoso Maki. Mein Bruder aß eine Bowl.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 99

Alltagsschnipsel

Ich habe wieder sehr gut geschlafen. Aufgrund der Helligkeit wachte ich bereits 05:37 Uhr auf und war tatsächlich nicht mehr müde. Ich ahne schon, wer heute Abend als erste einschläft …

Die Gefühle von 2018 sind zurück. Vor zwei Jahren sorgte ich mich sehr um unseren Hund Prinz und rechnete beinahe monatlich mit seinem Ableben. Letztes Jahr hingegen war ich mir sicher, dass er noch eine Weile bei uns bleiben würde. Nun ist Prinz zwölf Jahre alt. Das Alter hat Spuren hinterlassen: er ist auf einem Auge nahezu blind, das andere hat Grauer Star, er ist auf einem Ohr taub, der Geruchssinn hat stark nachgelassen, er hat nur an wenigen Tagen Lust auf „große“ Spaziergänge und gibt sich eher mit zehn Metern rechts und zehn Metern links um unsere Haustür herum zufrieden, er verträgt kein rohes Fleisch mehr, er leidet öfter als sonst unter Durchfällen, er kann seinen Kot (und gelegentlich Urin) nicht mehr halten und hat nur noch wenig Kraft in seinen Hinterbeinen. Vergangenes Wochenende schlief er selbst für seine Verhältnisse sehr viel und sehr tief, sodass ich hin und wieder seine Atmung kontrollierte, weil ich mir so unsicher war, ob er überhaupt noch lebt. Ich wünsche mir, dass er noch eine Weile bei uns bleibt. Für ihn hoffe ich, dass er irgendwann einfach friedlich einschläft. (Ich weiß, dass das nur wenigen Hunden vergönnt ist. Prinz hätte es aber wirklich verdient. Vermutlich waren seine ersten vier Jahre sehr hart für ihn.

Gemeinsam mit der Physiotherapeutin konnte M heute wieder erste Schritte gehen. Es lief gut. M läuft nun wieder in seinem Zimmer umher. Der Rollstuhl steht dennoch in der Ecke bereit.

Was heute schön war:

Ms Nacht.
M schlief von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr in seinem Krankenhausbett. Ohne Unterbrechung! Wie wunderbar ist das denn?! Er bekam somit das erste Mal seit circa zwei Wochen acht Stunden Schlaf am Stück UND verspürte keinen (unnötigen) Drang, auf die Toilette zu gehen. Er meinte, dass dies heute Morgen sogar DAS Stationsgespräch bei den Schwestern war.

Gespräche.
Um zehn Uhr war ich bereits bei M im Krankenhaus. Wir hatten ein Gespräch mit dem Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie mit einer Ärztin und Schwester der Palliativstation. Es ging darum, wie M und ich in Zukunft besser unterstützt werden und an wen wir uns wenden können, wenn es M zu Hause wieder schlecht(er) geht. Uns wird nun ein Palliativteam zur Seite gestellt, das auch ärztliche Hausbesuche durchführt. So können wir uns zukünftig den Gang zur Notaufnahme sparen.Mit der Sozialarbeiterin haben wir am längsten geredet. Sie hat uns beraten, Tipps gegeben und versichert, dass wir sie jederzeit kontaktieren dürfen, wenn wir Hilfe benötigen. M hat nun eine Vorsorgevollmacht.

Krankenbesuch.
Unter Anwendung einiger Tricks und in Absprache mit den Stationsschwestern durften L und ich M am Nachmittag gemeinsam besuchen. (Normalerweise darf nur ein Besucher für zwei Stunden pro Tag pro Patient auf die Station kommen und ich war ja am Vormittag schon da.) L und ich tranken Heiße Schokolade und aßen Kuchen. L durfte eine Folge Pippi Langstrumpf und Yakari schauen. M war leider sehr müde und hat den Großteil unseres Besuchs verschlafen.


Telefonat mit J.
Seit mittlerweile sechsundzwanzig Jahren kennen wir uns. Ich freue mich so sehr, dass der Kontakt nie eingeschlafen ist. ❤ J erzählte mir heute alles über das Blutspenden.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 98

Alltagsschnipsel

Ms Krankenhaustag.
Gegen ein Uhr nachts – ich befand mich schon im Land der Träume – schrieb mir M, dass er Angst vor seinem Bett hat. Zu dieser Zeit saß er bereits seit zwei Stunden auf der Toilette. Sobald er liegt, verspürt er den Drang, wieder ins Bad zu müssen, obwohl die Durchfälle seit Tagen nachgelassen haben, ja fast schon verschwunden sind. Am frühen Morgen teilte er mir mit, dass er erst 06:37 Uhr im Bett saß. Er war sehr enttäuscht von sich, dass er über fünf Stunden gebraucht hat, das Bad zu verlassen. Aktuell leidet er wieder stärker unter einer Fatigue, die für diese Antriebslosigkeit mit verantwortlich ist. 
Die Ergebnisse der Darmuntersuchung wurden ihm heute nicht mitgeteilt. Eine Auswertung des CT erfolgte zwar, war aber so schwammig/nichtssagend, dass wir abwarten müssen, bis die Charité die Bilder mit denen des vorherigen CT verglichen hat. Erst dann wissen wir, ob seine Metastasen gewachsen sind, ob es neue gibt etc. 
Die neue Nahrung verträgt M nach wie vor sehr gut.

Kindergarten.
Die ersten drei Tage sind schon wieder vorüber. Morgen und auch Montag bleibt L zu Hause. Sie hatte laut eigener Aussage Spaß im Kindergarten, hat viel mit ihren beiden besten Freunden Y und K gespielt und während der Mittagsschlafenszeit „gelauscht“ anstatt geschlafen. Nächste Woche besucht sie den Kindergarten von Dienstag bis Freitag.

Was heute schön war:

Krankenbesuch.
Um 13:00 Uhr hatten M und ich einen Termin bei einer Psychologin, den er gestern oder vorgestern vereinbarte. Wir sprachen unter anderem über den Arzt der Palliativstation und Ms Fatigue. Eine Stunde später kam eine Physiotherapeutin ins Krankenzimmer und machte mit M (und mir) leichte (Dehn-)Übungen. Morgen wird er mit Unterstützung versuchen, wieder langsam zu gehen. In seinen Füßen hat sich Wasser eingelagert. Entsprechend sehen diese auch aus. In der letzten halben Stunde, bevor ich aufbrechen musste, um L aus dem Kindergarten abzuholen, ging ich mit M, der im Rollstuhl saß, nach draußen an die frische Luft.

Fangen.
Obwohl es nachmittags in Strömen regnete, wollte L mit mir draußen spielen. Anfangs hatte ich nur mittel viel Lust darauf. Allerdings musste der arme Prinz vier Stunden alleine zu Hause bleiben und war entsprechend gestresst. Draußen konnte er allmählich wieder zur Ruhe kommen. L verarbeitete in ihrem Spiel die drei Tage Kindergarten. Darin kam auch Fangen vor.


Spiel des Jahres.
Vor einigen Jahren hatten M und ich die Idee, unsere Spielesammlung zu erweitern. Offenbar hat sich M wieder daran erinnert, denn am Abend trudelte das Spiel des Jahres von 1987 ein. ❤

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 97

Alltagsschnipsel

Ms Krankenhaustag.
Ms Nacht war ein absoluter Negativrekord. Er hat nicht eine Minute im Bett verbracht. Er schlief größtenteils auf der Toilette oder auf einem Stuhl ganz in der Nähe. Bei der morgendlichen Chefarzt-Visite beschwerte er sich über den Arzt der Palliativstation. Der MKG-Arzt versprach M, seiner Chefin Bescheid zu geben. Sie wird sich um die Angelegenheit kümmern. Mittags fand heute das CT statt. Nach nur fünf Minuten war M fertig. Er meinte, das war das kürzeste CT aller Zeiten. Im Portgebiet wurden Staphylokokken nachgewiesen. M bekam abends ein Antibiotikum, damit diese sich nicht im Körper ausbreiten.

Ameisen.
Ich mag Ameisen. Ameisen sind nützlich. Ich bin mir nur nicht sicher, welchen Nutzen sie in unserer Wohnung haben. Ich verbrachte heute einige Zeit kniend im Flur, um mit Klebeband Ritzen und kleine Löcher zu verschließen. Seit dem späten Abend habe ich allerdings die Vermutung, dass das nicht reichen wird.

Was heute schön war:

Arbeit.
Sieben (!) Stunden habe ich heute gearbeitet und dabei wirklich viel geschafft. So kann es in den nächsten Wochen gern bleiben.

Krankenbesuch.
Gemeinsam mit L besuchte ich heute Nachmittag M im Krankenhaus. Wirkte er gestern noch überraschend fit auf mich, war ich heute doch etwas geschockt. Laufen ist für ihn so anstrengend geworden, dass er lieber mit dem Rollstuhl umhergefahren ist. Dennoch war es ein schöner Besuch – mit leckerem Kuchen, den M für uns organisiert hatte. (Zwischendurch hatte L ihre „fünf Minuten“, fing sich aber schnell wieder.)

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 96

Alltagsschnipsel

Ms Nacht war furchtbar. Mittlerweile überrascht mich diese Mitteilung morgens schon gar nicht mehr. Er lag eine Stunde im Bett und verbrachte die restliche Zeit überwiegend schlafend auf der Toilette.

Nachdem sich gestern das Palliativteam bei M vorgestellt hatte und alles äußerst verlockend klang, bekam die Fassade heute erste Risse. Es begann damit, dass der Arzt dieser Station scheinbar genügend Zeit zu haben scheint, um M mehrmals täglich aufzusuchen. Auflauern trifft es womöglich sogar besser. M verglich das Vorgehen bereits mit dem von Sekten. (Wir haben mittlerweile genug Erfahrungen gesammelt, um zu wissen, dass Ärzte normalerweise nicht darauf warten, mit dem Patienten zu sprechen. Oft haben wir stundenlang gewartet, um ein kurzes Gespräch mit einem Arzt führen zu können.)
Der Arzt der Palliativstation schoss den Vogel heute ab. Er machte alles mies, was seine Kollegen im Helios Klinikum in den letzten Tagen für M in die Wege geleitet haben. Er knallte M an den Kopf, dass aus seiner Therapie in Berlin sowieso nichts mehr wird, er diese „Zaubertherapie“ sowieso vergessen kann, er sehr krank ist und auch immer sehr krank bleiben wird, und es auch mit der Ernährung und den Medikamente, die M aktuell bekommt, nicht richtig funktioniert. Zum Schluss bat er M, auf die Palliativstation zu wechseln. (Auf diese Station gehen viele schwer kranke Menschen, um den Angehörigen nicht zu sehr zur Last zu fallen und um dort zu sterben.) 
Zum Glück ist M psychisch stabil genug, um diese krassen Worte des Arztes nicht an sich heranzulassen. Im Gespräch konnte M feststellen, dass sich dieser Arzt nicht mit seinem Krankheitsverlauf, den Therapiemöglichkeiten und dem aktuellen Grund seines Aufenthalts befasst hatte. Er wirkte absolut inkompetent.
Wer Langeweile hat, kann sich die Negativbewertungen über die Palliativstation des Helios Klinikums Erfurt bei Google durchlesen. Das spricht für sich.    

Ansonsten war der heutige Tag im Krankenhaus eher ruhig. Mittags wurde die PEG-Magensonde gewechselt. Bei der Gelegenheit wurde gleich eine Rektoskopie durchgeführt. Morgen Mittag findet das CT statt.

Der Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie 99 Prozent der Schwestern der Privatstation, auf der M liegt, sind wirklich unglaublich einfühlsam, zuvorkommend und lieb. Sie kümmern sich wirklich sehr intensiv um M. Morgen darf ich sogar L zur Besuchszeit mitbringen. Sollte ich beim Sicherheitsdienst Stress bekommen, würde der Arzt L und mich sogar persönlich (!) abholen und auf die Station bringen. Das gab es auch noch nie! 

Was heute schön war:

Mut.
Ich bin sehr stolz auf unsere L. Sie war zuletzt am 12. März im Kindergarten. Ich habe mich somit für den heutigen ersten Tag nach einem Vierteljahr Pause auf alles eingestellt. Sie schaute ihre Lieblingserzieherin zwar schüchtern an, ging jedoch ohne Tränen mit ihr in das Gebäude hinein. (Die Eltern müssen die Kinder an der Tür abgegeben und dürfen den Kindergarten nicht betreten.) 
Abgeholt wurde L heute Nachmittag von Ms Mama. Die beiden hatten sich am Wochenende ausgemacht, dass L auch bei ihr übernachtet. Somit hatte ich heute das erste Mal seit meiner Schwangerschaft sturmfreie Bude. (Wenn man davon absieht, dass Prinz bei mir war.)

Arbeitstag.
Heute war mein erster normaler Arbeitstag seit einem Vierteljahr. Ich nahm an zwei längeren Calls teil, schaffte zwar nicht das mir Vorgenommene, dafür aber unzählige kleinere Aufgaben und fühlte mich trotzdem nützlich und wichtig. Am schönsten war tatsächlich, dass ich viele Stunden am Stück ohne Störung arbeiten konnte. Ich freue mich darauf, in Zukunft wieder häufiger solche Arbeitstage zu haben.

Sushi.
Ich liebe Sushi. Heute Mittag bestellte ich eine große Menge (ungefähr für drei Personen) veganes und vegetarisches Sushi, und zwar ganz für mich allein. 😉 Trotz guten Appetits schaffte ich nicht alles und habe somit für morgen noch ein leckeres Mittagessen.

Krankenbesuch.
Am frühen Abend besuchte ich M im Krankenhaus. Obwohl er seit gut zwei Tagen nichts mehr über die Magensonde zu essen bekommen hat, sah er überraschend gut aus. Wir luden uns gemeinsam die Corona-Warn-App herunter (das ging super schnell), schauten uns ein paar Cottages in Österreich an (M überlegt, mit uns über Neujahr Urlaub zu machen), lästerten über diesen unverschämten Arzt der Palliativstation und arbeiteten weniger schöne Erinnerungen aus der Zeit des Aufenthalts auf der HNO-Station der Charité auf.

Telefonat mit J.
Unsere Telefonate werden von Woche zu Woche länger. Gestern quatschten wir fast zweieinhalb Stunden über verschiedenste Themen. Ich freue mich für sie, dass ihr das Schwedischlernen so viel Spaß macht.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 95

Alltagsschnipsel

Gestern Abend musste ich mich arg zusammenreißen, um nicht zu lachen. Ich will ja auch in Zukunft, dass L sich ernst genommen fühlt und mir ihre Probleme/Gedanken erzählt. Gerade als das Biest in „Die Schöne und das Biest“ scheinbar tot war, kullerten bei ihr die Tränen. Verständlich, dachte ich, es geht sehr vielen Menschen so. L hingegen weinte jedoch nicht deswegen, sondern weil „der Prinz so hässliche Haare hat.“ Einfach nur süß. ❤

War die Nacht von Samstag auf Sonntag schon schlimm für M, war die vergangene die Hölle für ihn. Er musste zweimal pro Stunde aufstehen (bisher war es „nur“ einmal) und verbrachte viel Zeit auf der Toilette. Teilweise schlief er sogar dort. Ich wünsche ihm/uns so sehr, dass die Fachärzte helfen und die Durchfälle zunächst eindämmen und schließlich stoppen können. Der arme arme M! (L, Prinzi und ich schliefen hingegen die zweite Nacht ohne Störungen durch.)

Ich habe eine Blutgruppe, die nahezu jeder hat. Das war bisher meine Ausrede, weshalb ich niemals Blut spenden war (und weil ich etwas Angst davor habe). Seit ein paar Tagen lese und höre ich jedoch immer öfter, dass die Blutkonserven zur Neige gehen. Vielleicht ist es langsam doch an der Zeit, über seinen Schatten zu springen und anderen Menschen zu helfen.

Mich gruselt es, von den zahlreichen vollgelaufenen Kellern und den Unwettern zu lesen. Mit Blick in die Wetter-App bleibt es regnerisch. Auch Gewitter werden hin und wieder vorausgesagt. Hatten wir jahrelang zu wenig bis gar keinen Regen, fällt jetzt in kürzester Zeit viel zu viel. Ich hoffe, wir erleben dieses Jahr kein zweites 2013 …

Was heute schön war:

Regenspaziergang.
Mittags waren wir endlich soweit, für einen kurzen Spaziergang zum Briefkasten das Haus zu verlassen. Ich brachte gerade Ls Zahnbürste zurück ins Bad, schaute aus dem Fenster und sah … Regen! Natürlich. Auch wenn es ziemlich stark regnete, war es mir egal. Wir zogen Regensachen an und machten uns gemeinsam mit Prinzi auf den kurzen Weg. Im Park entdeckten wir an einer versteckten Stelle ein paar reife Erdbeeren. Die waren sehr lecker. 🙂

Badewannenzeit.
Bevor L morgen nach über einem Vierteljahr Pause wieder den Kindergarten besucht, musste heute noch die ein oder andere Vorbereitung getroffen werden. Dazu gehörte auch die Körperhygiene. Nachmittags ließ ich uns Badewasser mit gaaaanz viel Schaum ein. L wusch sich sogar freiwillig ihre Haare.

Spaziergang mit Prinzi.
Schon gestern fiel mir auf, dass Prinz ungewöhnlich viel schläft. Auch heute regte er sich über mehrere Stunden kaum vom Fleck. (Ich schaute hin und wieder nach, ob er überhaupt noch atmete.) Ich begann, mir wirklich große Sorgen um ihn zu machen. Auch auf den Regenspaziergang am Mittag hatte er keine Lust und trottete gemächlich hinter L und mir hinterher. 
Nachdem mein für den frühen Abend geplanter Krankenbesuch bei M ins Wasser fiel, zwang ich ihn erneut zu seinem Glück. Ich brauchte dringend frische Luft, um durchatmen zu können und auf andere Gedanken zu kommen. Und siehe da! Wir liefen eine recht große Runde – ungefähr in einem Tempo von 1 km/h. Zu Hause rannte er sogar noch herum und bellte munter vor sich hin. Offensichtlich waren meine Sorgen unbegründet!

Und der Wahnsinn kommt zum Schluss …

Was. Für. Ein. Tag.
Ich habe immer noch Herzklopfen und leichte Übelkeit. Meine stundenlange Anspannung und die Angst um M lassen aber allmählich nach. Dabei begann Ms Tag im Krankenhaus abgesehen von der furchtbaren Nacht sehr gut. Es schauten heute unter anderem Ärzte der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Thoraxchirurgie bei ihm vorbei. Ebenso wurde er von Internisten, einer Ernährungsberaterin, dem Palliativteam und dem Patientenmanagement aufgesucht. Reicht doch für einen Tag, möchte man meinen, doch dem war leider nicht so.

Morgens gegen acht Uhr war die Chefarzt-Visite. M erhielt die Info, dass heute ein Ganzkörper-CT gemacht werden soll. Wenig später wurde das CT für 15:00 Uhr anberaumt. M steht dem Ergebnis generell offen gegenüber. Er ist auf alles vorbereitet und kann mit jedem Ergebnis umgehen (ich im Übrigen nicht). Das CT soll zeigen, ob die Zyklen der Immunchemotherapie bisher Erfolge zeigen und/oder ob es weitere Metastasen im Körper gibt.

Kurz nach dem Arztbesuch der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie klopfte auch schon das Palliativteam an Ms Zimmertür. Sie teilten ihm mit, dass sie im Helios eine eigene Station mit Einzelzimmern haben. M kann nun immer, wenn es ihm zu Hause nicht gutgeht, auf diese Station kommen. Ab sofort können wir uns also den Weg über die Notaufnahme sparen. Auf dieser Station ist auch jederzeit ein Arzt erreich- und sprechbar.

Morgen Vormittag wird Ms PEG-Magensonde getauscht/erneuert. Das ist schon längst fällig gewesen, jedoch hat es sich bisher nicht ergeben, diesen kleinen Eingriff vornehmen zu lassen.

Um die Mittagszeit schaute eine Ernährungsberaterin bei M vorbei. Er bekommt ab sofort Flohsamenschalen und etwas für den Aufbau des Darms. Schon seit längerer Zeit verträgt M die Fresubin-Nahrung nicht. Umso glücklicher sind wir, dass er nun eine neue Nahrung erhält. Die Beraterin geht davon aus, dass M pro Monat ein oder zwei Kilogramm zunehmen kann, wenn er täglich drei dieser Nahrungsbeutel schafft. Über den Port wird die Nahrungsaufnahme nicht mehr laufen.

Halb zwei wurde deshalb die Nadel des Ports gezogen. Die Haut darüber war schon länger gerötet. Seit gestern klagte M auch über Schmerzen im Port, weshalb er nachts nicht mehr auf dieser Seite liegen konnte. Auch seine Wunde am Hals wurde über die am Samstag gelegte Lasche gespült und von außen gereinigt. Morgen oder übermorgen wird auch eine Darmuntersuchung erfolgen.

Nur wenige Minuten nach 14:00 Uhr erschien ein Arzt im Krankenzimmer und teilte M mit, dass der Port umgehend entfernt werden müsse, da dieser sich mit einem Keim infiziert hat. Diese OP ist nicht ohne und stellt ein erhöhtes Risiko dar, weil die Ärzte rund um die Herzvene arbeiten müssen. Nach dem CT sollte die OP stattfinden. Ich wollte mich kurz nach vier Uhr auf den Weg zu M ins Krankenhaus machen, damit ich ihn vor der riskanten OP noch mal sehen kann. Leider wurde daraus aber nichts. Das CT wurde kurzerhand verschoben und M musste direkt in den OP.

Halb sieben am Abend meldete sich M bei mir. Aus Sicherheitsgründen bekam er keine Narkose. Die entsprechende Stelle wurde lediglich lokal betäubt. Der Port war schnell entfernt, jedoch musste die Wunde gereinigt werden. M meinte, dass das OP-Team super war und ihn akustisch auch gut verstanden hat. Nun liegt in der Wunde ein Schwamm, der mit einer elektrischen Pumpe verbunden ist, die bewirkt, dass das Wundsekret direkt abgesaugt wird. Der Port hatte sich tatsächlich mit einem Keim infiziert. Es waren wohl schwarze Punkte sichtbar. Die Bakterien feierten somit bereits eine Party!

Ich bin sehr erleichtert, dass M wohlauf ist und diese OP gut überstanden hat! Ich wünsche mir morgen einen langweiligen Tag – bitte!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 94

Alltagsschnipsel

Ms Gesundheitszustand.
Die erste Krankenhausnacht war sehr schlimm. M meinte, er hatte Durchfälle ohne Ende. Gegen ein Uhr morgens musste er die Ernährung stoppen. Erst drei Stunden später beruhigte sich alles ein wenig. Doch dann betrat ausgerechnet die Schwester sein Zimmer, die auch während seines letzten Aufenthalts schon so unfreundlich war. Sie fragte ihn entsetzt, was er hier denn mache und stellte ihm unter Ignorieren seiner Schilderungen das Essen wieder an. M wird sich vermutlich beschweren, es zumindest aber ansprechen.
Der Arzt, der am Vormittag nach M sah, leidet selbst unter Morbus Crohn, kann sich also gut in Ms Lage hineinversetzen. Oberste Priorität hat nun die Behandlung des Schubs der Colitis ulcerosa. Dennoch wird ab morgen geschaut, wie M Gewicht zulegen und wieder aufgebaut werden kann. Er hat auch nochmals versichert, dass nun alle Fachärzte zusammenarbeiten und eine Linie fahren werden.

Hochsicherheitstrakt.
Am Nachmittag machte ich mich auf den Weg zu M ins Krankenhaus. Ich parkte wieder auf dem Parkplatz in der Nähe der Universitätssporthalle und lief die wenigen Meter zu Fuß. Ich betrat das Gebäude, in welchem M stationär untergebracht wurde, und erhielt vom Sicherheitsdienst den Hinweis, dass ich einen Besucherschein benötige. Der entsprechende Zettel sei bei der Pförtnerei direkt gegenüber erhältlich. Ich lief hinüber und wurde zum Haupthaus bzw. zur ehemaligen Cafeteria geschickt. Schon aus der Ferne erkannte ich die lange Warteschlange. Uff! Zum Glück ging es schnell voran. Ein kleiner Teil der Cafeteria wurde (provisorisch) zum Besucherzentrum umgebaut. Es dürfen sich maximal vier Personen gleichzeitig in diesem Bereich aufhalten. Nach dem Desinfizieren der Hände füllte ich einen Zettel aus, in dem ich angab, wen ich wo besuchen möchte, und versicherte, nicht an Corona erkrankt zu sein. Dieser Zettel muss bei jedem Besuch ausgefüllt werden. Sprich: Wenn ich M morgen wieder besuchen will, begebe ich mich zuerst in das Besucherzentrum. Interessant war für mich die Info, dass nur eine Person pro Tag zum Patienten auf die Station darf!

Was heute schön war:

Täglich grüßt das Murmeltier.
L ist im „Die Schöne und das Biest“-Fieber. Heute Morgen frühstückten wir gemeinsam auf der Couch und schauten das vierte Mal in drei Tagen den alten Disneyfilmklassiker. L mag die Haare des Prinzen nicht. Am liebsten wäre es ihr, würde das Biest für immer ein Biest bleiben und der Fluch nie gebrochen werden.

Krankenbesuch.
In den zweieinhalb Stunden meines Besuchs ist M hin und wieder eingeschlafen. Dennoch war es schön ihn zu sehen, auch wenn er recht schwach wirkte. Wir schauten eine Folge aus Staffel eins von der Serie „Die Dinos“. ❤ Ich brachte ihm wie gewünscht unsere alte Waage mit, die L und ich zuvor säuberten und mit neuen Batterien bestückten.

Falafel.
Auf dem Rückweg holte ich für Ms Mama, L und mich Abendessen. Ich ging zum Döner gegenüber dem Helios. Die Falafel war sehr lecker. Auch L lobte den Geschmack ihres Fladenbrotes. (Die mitgebrachten Pommes wurden verschmäht.)

Telefonat mit J.
Heute Abend telefonierte ich mit J aus Kassel. Ich freue mich, dass wir es alle paar Monate schaffen, uns auszutauschen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Und was machte L während des Telefonats? Richtig: Sie schaute ein fünftes (und sechstes) Mal „Die Schöne und das Biest“. 😉

In Prinz‘ Transportbox schlief heute die Bulldogge Rubble von Paw Patrol.