Der liebe R kam heute Morgen 08:30 Uhr kurz zu uns nach Hause und brachte mir zwei Sachen für Ms Trauerfeier vorbei. (Wie ich ihm gestern ankündigte, befand ich mich noch im Schlafanzug.)
L und ich frühstückten wieder oben bei C und A und begrüßten die gestern spät abends eingetrudelten Albaner U, E und K.
Um zehn hatte ich meinen ersten Termin mit Ms Schwester und einer ihrer Freundinnen, die sich beruflich um Finanzen kümmert. Es tat gut, einfach miteinander zu sprechen. Leider ist das Thema Erbe antreten – ja/nein zu komplex. Ich brauche für diese Entscheidung die Meinung sämtlicher Berater.
Trauerredner.
Mittags kam der Trauerredner für Ms Trauerfeier zu uns nach Hause. Ms Schwester war bei diesem Treffen mit dabei. (Und ihr kleiner Sohn M, der aber friedlich nach einem Spaziergang schlief.) Gemeinsam schwelgten wir in Erinnerungen und lieferten, denke ich, guten Input für seine Rede. Wir einigten uns auf drei Musiktitel, die M definitiv gefallen würden. Der Trauerredner ist mit Baujahr 1980 noch recht jung, also „in unserem Alter“. Er hinterließ bei uns einen guten Eindruck. Auch seine Ideen hinsichtlich des Aufbaus seiner Rede gefielen Ms Schwester und mir.
Krankenkasse.
Mein letzter Termin war mit (m)einer Versicherungsmaklerin. Durch Ms Tod hat L nun keinen Anspruch mehr, in der privaten Krankenversicherung zu sein. Binnen weniger Minuten stellte ich mit der Maklerin Ls Vertrag ruhend und schloss noch die ein oder andere Zusatzversicherung für sie ab. L ist ab sofort über mich familienversichert. (Es ist nicht unwahrscheinlich, dass L und ich dieses Jahr beide zurück in die private Krankenversicherung wechseln. Das wird sich aber erst in diesem Quartal entscheiden. Warten wir es also ab!)
Erschöpfung.
Meine Motivation, irgendetwas sinnvolles zu tun, war auch heute kaum vorhanden. Immerhin schaffte ich es, einen Anwaltstermin für nächste Woche zu vereinbaren.
Auch die Deutsche Rentenversicherung bzw. ein Ansprechpartner kümmerte sich rührend um uns. Obwohl ich weder mit Witwen- noch Halbwaisenrente rechne, werden in Kürze diese beiden Anträge gestellt und geprüft. Vielleicht hat L Glück …
Etwas geärgert habe ich mich über unseren zweiten (nunmehr alleinigen) Geschäftsführer. Er bat mich um Übersendung von Ms Testament bzw. um den Erbschein. Ich frage mich tatsächlich, für wie blöd ich gehalten werde. Vor einigen Tagen übersandte ich ihm Ms Sterbeurkunde. Mehr steht ihm nicht zu und mehr wird er nicht erhalten.
Nachbarplausch.
Plausch ist das absolut falsche Wort für die traurigen Dinge, die ich von einem unserer Nachbarn erfahren habe. Nach der Beileidsbekundung teilte er mir mit, dass nur ein Haus weiter vergangenen Sonntag der Papa (nach einer Chemotherapie) gestorben sei. Er hinterließ eine Ehefrau und drei (!) Söhne. Die Jungs sind allerdings bereits Teenager. Vermutlich wird die Frau das erst vor einigen Jahren gekaufte Haus alleine nicht mehr halten/finanzieren können. Obwohl diese Familie auch ziemlich nah an unser Grundstück wohnte, wusste ich bis heute Abend nichts von der Erkrankung.Auch dem Vater des Nachbarn, mit dem ich sprach, geht es aufgrund einer Demenzerkrankung zunehmend schlechter. Seine Familie rechnet täglich mit seinem Ableben.
Was heute schön war:
Zeit für L.
Trotz meiner drei Termine hatte ich heute erstmals wieder Zeit, mit L zu spielen. Draußen spielten wir überwiegend Lady Bug. Überraschenderweise war ich Lady Bug, während L in die Rolle des Cat Noir schlüpfte. Drinnen spielten wir Lego. (Ich liebe Lego.)
Media Markt.
Keine Ahnung, wie S das geschafft hat, aber der Media Markt nimmt unser Monstrum von Fernseher tatsächlich zurück. Somit entfällt schon mal ein Kredit. L und ich werden nun erstmal ohne Fernseher auskommen müssen, aber wir haben ja noch den Mac, das iPad …
Autor: Katja
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 8
AlltagsschnipselMs Sparkassenkonten sind nun gesperrt. Davon war früher oder später auszugehen. Zum Glück habe ich bereits letzte Woche sämtliches Guthaben auf mein Privatkonto überwiesen. Gestern bezahlte ich von diesem Geld sämtliche seiner noch offenen Apotheken-/Arztrechnungen. Da waren dann gleich mal sechzehntausend Euro weg.
Ich konnte mich heute nicht motivieren. Meine Liste an noch zu erledigenden Dingen, vor allem im beruflichen Bereich, ist lang und wird immer länger. Ich musste heute trotzdem einen Tag Pause einlegen. Ich überlege, meine Strategie hinsichtlich der Muttergesellschaft etwas zu ändern.
Ich vermisse M so sehr!
Was heute schön war:
Klavierspiel.
M war ein guter bis sehr guter Klavierspieler. Es machte mir immer großen Spaß, ihm zuzuhören. Wenn sich M zu Hause ans Klavier setzte, erklangen in voller Lautstärke regelmäßig die Melodien von „Star Trek“, „Zurück in die Zukunft“, „Star Wars“ … M konnte nicht nur nach Noten, sondern auch super nach Gehör spielen. Mitte 2014 meldete ich mich in der Music Academy an und nahm anderthalb Jahre Klavierunterricht. (Das will ich auch gern wieder fortsetzen.) Heute spielte ich nach langer Zeit eines meiner Lieblingsstücke für Anfänger aus der Zeit meines Unterrichts. Ich bin zwar ganz schön eingerostet, fand mich aber schnell zurecht. Mit ein bisschen Übung kann ich das Stück bald wieder zufriedenstellend spielen. Feststeht: Das Klavier wird nicht verkauft!
Telefonat mit J.
Vor zwei Wochen telefonierten wir zuletzt miteinander. Heute Mittag quatschten wir zwei Stunden. M nahm natürlich auch einen Großteil des Gesprächs ein. Es war aber auch schön, über Normales/Alltägliches zu sprechen. Sogar Prinz konnte ich am Anfang des Telefonats für einen längeren Spaziergang im Regen motivieren.
Telefonat mit meinem Bruder.
Er hat es am Abend geschafft, mich aufzubauen und meine teils grauen Zukunftsgedanken in ein dunkleres weiß zu verwandeln. Vielen Dank dafür!
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 7
AlltagsschnipselDiese Nacht schlief ich besser. Gegen 03:00 Uhr wurde L unruhig und weinte/jammerte ein wenig vor sich hin. Normalerweise war es Ms Aufgabe, L nachts zu beruhigen. (Ich bin nachts eine ganz furchtbare Mama. Ich behaupte, nichts dafür zu können.) Ich riss mich arg am Riemen, sagte mir gedanklich immer wieder, dass L es nicht absichtlich macht … und hatte Erfolg. Sie trank einen großen Schluck Wasser, kuschelte sich an mich und wir schliefen störungsfrei weiter.
Nun ist M seit einer Woche tot. Eine Woche! Es kommt mir vor wie vorgestern. Allerdings ist in den sieben Tagen unglaublich viel passiert und ich habe so viel (organisatorisches) zu erledigen gehabt, dass der Tod schon Wochen her sein könnte. M fehlt mir sehr. Ich stelle mir tagtäglich vor, er sei ständig um mich herum und sieht/hört meine Entscheidungen, beobachtet unseren Alltag und wartet gespannt auf das Ergebnis unserer Bemühungen bezüglich seiner Firma.
Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit. Ich denke, ich werde im August ein verlängertes Wochenende mit L (und Prinz?) an einem See verbringen. Ich könnte mir hierfür den Leipziger Raum gut vorstellen. Einen längeren Urlaub plane ich für September oder Oktober. Das wäre schön.
Meine beruflichen Aufgaben werden eher mehr statt weniger. Ich beiße die Zähne zusammen und erledige, was ich kann. Das letzte, was ich will, ist der völlige Verlust der Kontrolle von Ms Firma. Ich sehe keine Zukunft hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft.
Was heute schön war:
Oma-Tag für L.
Schon morgens acht Uhr holte Ms Mama L ab. Sie fuhren zunächst mit dem Bus zu ihr nach Hause und später zu Ms Schwester. L übernachtete heute auch wieder bei ihrer Oma. Sie hat den Tod ihres Papas bisher sehr gut verkraftet/weggesteckt.
Helferlein.
Trotz der vielen Aufgaben bin ich nicht alleine. Viele (unangenehme) Sachen erledigen andere für mich. Heute kümmerte S sich um die Rückabwicklung des von M ohne meines Wissens angeschafften Fernsehers. Da er diesen über eine Bank hat finanzieren lassen, müsste ich noch über zwei Jahre Raten abbezahlen. Das kann ich mir Stand heute nicht leisten. S besorgte zudem einiges im OBI Baumarkt und setzte ihre Arbeit in unserer Küche und im Bad fort. ❤
Spontanes Treffen.
Heute wären M und ich gemeinsam auf ein einstündiges Klavierkonzert in die Mehlhose gegangen. Es fühlte sich komplett falsch an, die Eintrittskarten verfallen zu lassen. Es fühlte sich zwar auch komisch, trotzdem richtiger an, hinzugehen. Ich behaupte, M hätte es so gewollt. Er freute sich seit Wochen auf diesen Tag. Die beiden Karten waren zudem mein Geburtstagsgeschenk von ihm. Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J sagte spontan zu. So standen wir 18:30 Uhr vor der Mehlhose … und stellten fest, dass das Konzert im Kontor etwa vier Kilometer entfernt stattfindet. Aaaaaaah! Wie ärgerlich! Wir machten uns stattdessen auf den Weg in ein chinesisches Restaurant in der Nähe des Kinos und aßen leckere Sachen zum Abendessen. Anschließend liefen wir gemütlich (zu mir) nach Hause. Auch wenn der Abend anders geplant war, war er doch sehr schön. ❤ (Am Sonntag bekomme ich aber eine zweite Chance: Im Kontor (ich war überzeugt in der Mehlhose) findet ein Klavierkonzert statt, für das M ebenfalls Karten gekauft hatte. Diesmal klappt es ganz sicher!)
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 6
AlltagsschnipselL und ich schliefen die erste Nacht auf neuen Matratzen in unserem Bett in unserem Schlafzimmer. Während L schnell einschlief (es war auch bereits nach 23:00 Uhr), kam ich ewig nicht zur Ruhe. Ich dachte viel an M und ließ seine letzten Lebensminuten Revue passieren. Er tut mir so unendlich leid, auch wenn es ihm jetzt vermutlich besser geht. Ich hätte ihm seine Teilnahme an der Studie, die ihm äußerst wichtig war, so sehr gewünscht. Es ist und bleibt ungerecht!
Am Nachmittag kam der Pfleger vom Gesundheitsdienst vorbei, um zahlreiche Kartons, die M nun nicht mehr benötigt, wieder mitzunehmen. Er wird morgen noch mal kommen müssen, da der Platz in seinem Auto nicht ausreichte. In unserem Arbeitszimmer, in dem wir die Kartons mehrere Monate lagerten, herrscht nun gähnende Leere …
Wie bereits in den letzten Tagen immer mal wieder erwähnt, gehe ich meiner Arbeit trotz Krankschreibung nach. Heute habe ich hauptsächlich am Protokoll der Gesellschafterversammlung gearbeitet. Obwohl ich lieber ein paar Tage einfach mal nichts tun würde, ist meine Wut gegenüber der Muttergesellschaft (m)ein Antrieb. Ich tue es für M, der sein Einzelunternehmen zu dem gemacht hat, was die GmbH heute ist. Und ich tue es für L und mich, um auch in naher Zukunft eine berufliche Perspektive und somit ein Einkommen zu haben.
Was heute schön war:
Daily.
Heute Morgen um 09:45 Uhr habe ich mich erstmals nach einer Woche wieder in unser Daily, das seit Monaten per Call stattfindet, mit eingeklinkt. Es war schön, die Stimmen meiner lieben Kollegen zu hören. ❤
L-Bespaßung.
L hat wieder den Großteil des Tages mit den beiden Jungs gespielt. Mein Dank gilt auch heute wieder R, der um die Mittagszeit mit allen drei Kindern zum Spielplatz ging und uns anderen damit den Rücken für die zahlreichen noch zu erledigenden Aufgaben freihielt.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 5
AlltagsschnipselTrauer.
Der heutige Tag war wieder schwerer für mich. Als ich mittags mit Prinz im Park spazieren ging, blieb mein Blick auf einer Parkbank hängen, auf der ich noch irgendwann im Juni mit M saß. Auch in der Wohnung sehe ich ihn permanent in dem ein oder anderen Raum sitzen. Er fehlt mir wirklich unbeschreiblich doll.
Organisatorisches.
Dank der Iren habe ich in den letzten Tagen sehr viel geschafft. Auch heute konnte ich mich nahezu ungestört um wichtige Korrespondenz kümmern. Zudem habe ich nun wieder einen guten Überblick, was in nächster Zeit noch zu tun ist.
Was heute schön war:
Besuch.
Am Vormittag, das heißt vielmehr um die frühe Mittagszeit kamen meine Eltern zu Besuch. Ich machte ihnen noch im Schlafanzug die Tür auf, bat sie, im Garten Platz zu nehmen und kleidete mich an. Sie brachten L und mir aus eigener Ernte Gurken und Kohlrabi mit. Während des Besuchs schaute L mit den Jungs oben „Die Sendung mit der Maus“.
Telefonat mit O.
Viertel nach eins telefonierte ich mit O. O war ein Schulfreund von M und ging mit ihm in denselben Abiturjahrgang. Ich kenne O auch schon seit über zwanzig Jahren. (Wahnsinn!!!) O und ich hatten bisher (leider) nie engen Kontakt. Umso mehr freute ich mich heute über das Telefonat.
L-Bespaßung.
Ich bin R und unserer Vermieterin C unendlich dankbar, dass sie auch heute wieder die Kinder bespaßten. Die fünf fuhren nach Gebesee zum Erdbeeren pflücken. Ich habe in der Zeit unglaublich viel geschafft.
Heinzelmännchen.
Heinzelfrauchen träfe es vermutlich besser. S war heute so lieb und entekelte unsere Küche und unser Bad. Es blitzt nun wieder vor Sauberkeit. Das ist wirklich super! ❤
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 4
AlltagsschnipselL und ich schlafen seit Ms Tod nach wie vor im Gästezimmer unserer Vermieter, die im ersten Obergeschoss wohnen. Gestern schlug S, die Tochter unserer Vermieter vor, heute neue Matratzen im IKEA zu kaufen. (Leider sind beide im vergangenen Jahr gekauften Matratzen blutdurchtränkt und somit unbenutzbar.) Da ich gern wieder in meinem Bett in meinem Schlafzimmer schlafen will, stimmte ich zu. (Je länger L und ich warten, umso größer könnten die Hemmungen oder die Ängste vor dem Schlafzimmer werden. Immerhin ist M in unserem Bett im Schlafzimmer gestorben.)
IKEA.
Es war unglaublich voll! Klar, heute ist Samstag. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee, IKEA einen Besuch abzustatten. Circa zehn Minuten mussten S und ich in der Schlange warten, ehe wir das Möbelhaus mit einer Maske betreten durften. Wir erstanden besagte zwei Matratzen, einen Badvorleger, zwei Lampen und einen Spielzeugschrank für L. Ich danke S und R, dass sie diesen Einkauf bezahlt haben. Das kam unerwartet, hilft mir aber sehr! ❤
Was heute schön war:
L-Bespaßung.
Ich bin unglaublich dankbar, dass L so viel Spaß mit T und J hat. Die drei gehen sehr liebevoll miteinander um. R ging mit den Kindern heute auf den Spielplatz auf der EGA.
Grillabend.
Abends wurde gegrillt. Ich aß zwei super leckere vegane Bratwürste und Grillgemüse.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 3
AlltagsschnipselHeute wachte ich erst kurz vor acht auf. Da L noch schlief, schaute ich mir die Fotos auf Ms Facebook-Profil an. Als ich das Bild von M aus dem Jahr 2011, auf welchem ich ihn damals schon so süß fand, wieder betrachtete, kamen mir die Tränen. Es geht mir zwar von Tag zu Tag „besser“ bzw. wird die Situation „leichter“ oder erträglicher, aber ich vermisse M wirklich sehr. Es ist und bleibt einfach ungerecht.
Gespräch.
Zusammen mit unseren Vermietern C und A und meinem Kollegen M traf ich mich heute mit einem potentiellen Investor. Wir haben einen groben Fahrplan bzw. eine erste Vorgehensweise besprochen. Die Verhandlungen können allmählich beginnen.
Rücksichtslosigkeit.
Wie auch gestern schickte mir der zweite Geschäftsführer eine iMessage mit einem Verweis auf eine dringende E-Mail. Ich verstehe die Dringlichkeit und werde am Wochenende auf seine Mail antworten. Ich verstehe jedoch nicht, weshalb JETZT alles plötzlich so eine Eile hat, wurde doch in den letzten Wochen und Monaten tatenlos zugeschaut. Ich gebe es zu: Ich liebe es, Leute dieses Schlags zu ärgern bzw. bewusst hinzuhalten. (Ich weiß, dass das nicht sehr erwachsen ist.)
Was heute schön war:
Besuch.
Am späten Mittag besuchte mich B, den ich seit Monaten (Jahren?) nicht mehr gesehen habe. Er hat sich sehr verändert und ist erwachsen(er) geworden. Obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben, kam es mir so vor, als sei keine nennenswerte Zeit vergangen. Mit meiner Grundschul-/Orchesterfreundin J geht es mir genauso. Wir haben uns wirklich richtig gut über viele Themen unterhalten.
L-Bespaßung.
Danke an R, dass er seit seiner Ankunft in Erfurt so viel mit L und seinen beiden Jungs unternimmt. Das verschafft mir die Zeit, mich mit den Firmenangelegenheiten bzw. mit Allem rund um Ms Tod zu beschäftigen.
Zuwachs.
Als R mit den drei Kindern aus der Stadt zurückkehrte, brachten sie S vom Hauptbahnhof mit, die heute Morgen von Irland nach Deutschland flog. Wir unterhielten uns viel. Am Abend bestellten wir bei unserem Vietnamesen des Vertrauens leckeres Essen.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 2
AlltagsschnipselRücksichtslosigkeit.
Auch heute wurde die Richtigkeit meiner Entscheidung, eine weitere Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft abzulehnen, bestätigt. Es wird keine Rücksicht genommen – offensichtlich auch nicht bei einem Todesfall. Am Abend erhielt ich vom zweiten Geschäftsführer eine iMessage auf mein Privattelefon, ich möge doch eine dringende und äußerst wichtige E-Mail lesen. (Zur Erinnerung: M ist erst vor zweieinhalb Tagen gestorben und ich befinde mich in Trauer.) Die E-Mail las ich natürlich allein aus reiner Neugier. Wichtig war der Inhalt, keine Frage. Aber um einen Großteil hatte ich mich bereits heute gekümmert und zu allem anderen sage ich entschieden Nein. Ich werde keine meiner Aufgaben an die Muttergesellschaft „zu meiner Entlastung“ ab- und schon gar nicht die Login-Daten verschiedener Tools weitergeben.
Was heute schön war:
Telefonat mit B.
Am Vormittag rief mich mein Grundschul-/Orchesterfreund B an, den ich ebenso wie J bereits seit sechsundzwanzig Jahren kenne. Er wird morgen zu Besuch kommen. Ich habe mich wirklich sehr über den Anruf gefreut.
Besuch.
Mittags besuchte mich B, die für ein paar Tage in Erfurt ist. Sie brachte L, die sich bereits mit R, T und J auf dem Weg zum Spielplatz befand, ein Conni-Heft und einen Schildkröten-Schlüsselanhänger mit. ❤ Wir unterhielten uns zunächst bei uns im Garten und machten uns später mit einem demotivierten Prinz ebenfalls auf in Richtung Spielplatz.
Telefonat mit meinem Bruder.
Am späten Nachmittag telefonierte ich nochmals für eine Stunde mit meinem Bruder. Die Zeit verging wieder echt schnell.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 1
AlltagsschnipselUnsere erste Nacht zu dritt, die wir nicht bei uns unten in der Wohnung, sondern im Gästezimmer bei C und A verbrachten, verlief ruhig und störungsfrei. L schlief vierzehn (!) Stunden, ich um die acht. Als ich 06:30 Uhr rum erstmals erwachte, dachte ich sofort an M und musste wieder weinen.
Wir aßen halb zehn gemeinsam Frühstück. Ich konnte heute bereits schneller/besser essen. Gestern war mir immerzu schlecht. Das war heute zum Glück schon wieder anders.
Noch im Schlafanzug flitzte ich um zehn durchs Treppenhaus und ließ erst Ms Mama, kurz darauf auch Ms Papa in unsere Wohnung herein. Im Bad kleidete ich mich anschließend an. (Ich wählte wieder schwarz. Ich habe noch keine Meinung zu meiner Farbwahl in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten … Die Anzahl meiner schwarzen Kleidungsstücke ist zudem auch überschaubar.) L wollte lieber oben bei C und A bleiben.
Als Ms Schwester mit dem kleinen Baby kam, setzten wir uns im Esszimmer zusammen und klärten vorab die für uns wichtigen Punkte. Viertel vor elf betrat der Bestatter unsere Wohnung. Zweieinhalb Stunden organisierten wir gemeinsam die Trauerfeier und Urnenbeisetzung, die am 22. Juli stattfinden werden. Ms Eltern verloren hin und wieder den Fokus und schweiften thematisch ab. Da ich sie nun allerdings schon über acht Jahre kenne, atmete ich tief ein und ließ es gut sein. Immerhin haben sich die beiden nicht die Köpfe eingeschlagen.
Wir aßen zu siebt oben Abendbrot. Das war sehr schön, auch wenn ich schauen sollte, dass sich Ls Tischmanieren wieder denen eines vierjährigen Kindes anpassen. Aktuell erinnert sie mich an ein Baby mit ersten eigenständigen Versuchen der Nahrungsaufnahme.
Am späten Abend las R den drei Kindern, darunter auch L, eine Gutenachtgeschichte vor. ❤
Was heute schön war:
Telefonat mit einem Investor.
Ich werde kämpfen! Für meinen M! Als halb elf ein potenzieller Investor anrief und zumindest optimistisch klingende Neuigkeiten verkündete, kullerten bei mir kleine Freudentränen. Auch wenn ich noch nicht weiß, was auf mich zukommt, weiß ich es dennoch sehr zu schätzen, dass er alles daran setzen will, Ms Lebenswerk zu retten. Am Freitag treffen wir uns für mögliche Wege in eine bessere (?), zumindest andere berufliche Zukunft.
Zuwachs.
Am Nachmittag trudelten R und seine zwei Jungs T und J bei uns ein. L war fünf Minuten schüchtern und versteckte sich hinter meinem Rock, taute aber schnell durch den ihr gereichten Smarties-Keks auf und ward dann viele Stunden bis zum Abendessen nicht mehr gesehen. Sie hatte wirklich großen Spaß mit den beiden und spielte/lachte/erzählte viel mit ihnen.
Besuch.
Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J besuchte mich heute Nachmittag wieder. ❤ Wir gingen mit Prinzi spazieren, der sich tatsächlich darüber zu freuen schien, und quatschten anschließend bei uns im Garten über Gott und die Welt. Ich danke ihr sehr!
Telefonat mit M.
Mein lieber Bruder ist immer für mich da. Sowas ist nicht selbstverständlich. Ich danke ihm sehr für das einstündige Telefonat am Abend. Wir haben ausschließlich über meinen M gesprochen bzw. ging es immer um Themen rund um sein Leben.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 0
AlltagsschnipselWas für ein merkwürdiger, unfassbar trauriger, ja eigentlich surrealer und schrecklicher Tag!
Die ersten paar Stunden nach der Abholung von Ms Leichnam durch das diensthabende Bestattungsinstitut vergingen im Schneckentempo. Als bei mir der Schock einsetzte und gleichzeitig der Adrenalinspiegel sank, kamen Übelkeit, ein stark gebrochenes Herz (das äußerte sich durch ein krampfartiges Ziehen im Brustbereich) und unendliche/unbeschreibliche Traurigkeit auf. Die vor vielen Tagen schon in meinen Augen spürbaren Tränen, die sich ihren Weg allerdings nicht nach draußen bahnen konnten/wollten, musste ich nun nicht mehr zurückhalten. Ich konnte wieder weinen.
Halb achte schaffte ich es endlich, erst meinen Bruder und kurz darauf Ms Schwester über Ms Tod zu informieren. Ich bat beide darum, es in den Familien zu verkünden. Über den Tag verteilt, verbreitete ich die traurige Nachricht an immer mehr Personen. Bis zum späten Abend erhielt ich zahlreiche Beileidsbekundungen. Ich war ob der vielen lieben Worte sehr gerührt. M hatte einen unglaublich großen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. ❤ Ich bin ihm unendlich dankbar dafür, dass ich Teil dieser Kreise sein darf.
Um neun telefonierte ich mit einem potentiellen Investor, teilte ihm die neue Ausgangslage mit und weinte, als er mitteilte, eine Zusammenarbeit nicht für ausgeschlossen/unmöglich zu halten. Er versprach mir, sich heute die Finger wund zu telefonieren und sich morgen wieder bei mir zu melden.
Am Mittag kamen Ms Schwester, ihr Mann und ihr Baby zu Besuch, am Nachmittag meine Eltern, kurz darauf unser Freund N und schließlich meine Grundschul-/Orchesterfreundin J. J brachte sogar Sushi mit. Ich glaube, ich habe noch nie so wenig Sushi gegessen wie an diesem Abend.
Über den Tag verteilt trudelten drei Päckchen für M ein. Das war ein merkwürdiges Gefühl. Das erste Paket deute ich als Abschiedsgeschenk für L und mich: vier verschiedene Sorten Sirup. (Ich habe in den Supermärkten immer kein Sirup gefunden. L und ich aßen am Mittag Pfann-/Eierkuchen und probierten das Schokoladensirup aus.

Bereits morgens beschlossen L und ich, die Nacht nicht unten in unserer Wohnung zu verbringen, sondern im Gästezimmer unserer Vermieter C und A. L fielen am Abendbrotstisch gegen 19:00 Uhr allmählich die Augen zu, sodass ich sie nur noch ins Bett legen brauchte und sie sofort einschlief.
Das am Abend des 5. Juli 2020 von M zubereitete letzte Abendmahl für L aß ich heute trotz Fleischbeilage auf. Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass ich Fleisch aß. (Zuletzt konsumierte ich 2018 an einem Tag des Jahres durch eine dumme Situation etwas Fleisch, davor … puh … 2013?!) Ich tat es für M. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, das Essen verkommen zu lassen und wegzuschmeißen.







