Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 83

Alltagsschnipsel

T.E.C.
Dieser Ausflug begann gut, war zwischenzeitlich sehr schlimm und endete okay. Irgendwie ist bei M und mir der Wurm drin. Wir gehen beide wegen jeder Kleinigkeit, die der andere äußert, an die Decke. Stellenweise sind wir schlimm genervt vom anderen. Auf dem Parkplatz vor dem Einkaufscenter krachte es und wir mussten uns kurz sammeln. Für L war das blöd. Ins Decathlon gingen wir drei dann glücklicherweise dennoch und tätigten die ein oder andere Neuanschaffung. (Das war der Sinn unseres Ausflugs.) 

Was heute schön war:

Oma/Opa-Tag für L.
Elf Uhr brachte ich L heute Morgen zu meinen Eltern. Die drei machten sich auch sofort auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. (Da L und ich so getrödelt haben, mussten die beiden leider eine halbe Stunde auf uns warten.) L besuchte heute das erste Mal in diesem Jahr unseren Zoopark. Sie freute sich besonders auf die Schildkröten und die trächtige Elefantendame. Auf dem Wasserspielplatz durfte sie auch spielen.

Büro.
Das Büro befindet sich in der Nähe der Wohnung meiner Eltern. Ich nutzte also die Zeit und verbrachte zweieinhalb Stunden in meinem Büro. Ich hatte ganz vergessen, wie ordentlich aufgeräumt ich es Anfang März hinterließ. Darüber freute ich mich heute sehr. Ich räumte die vor Wochen erledigte Post in die Ablagefächer, füllte meinen Bedarf an Briefumschlägen wieder auf, checkte Mails auf dem Windowsrechner, hing ein wichtiges Plakat auf und fotografierte dieses und entleerte den Briefkasten. Nach einem Schwatz mit meinen Kollegen S und F machte ich mich auf den Heimweg zu Prinzi und M. (Danke an S für das leckere belegte Brötchen und den Erdbeerkuchen <3)

Regen und Gewitter.
Gegen Mittag zogen immer dunklere Wolken auf. Schwül war es bereits seit dem Morgen. Ich habe mich sehr gefreut, als es wie vorhergesagt regnete und gewitterte. Nach dem heftigen Regenschauer holten M und ich L bei meinen Eltern ab.

Arbeit.
So viel wie heute schaffte ich schon lange nicht mehr. Das war ziemlich befriedigend. Ich fühlte mich gleich viel nützlicher für die Firma.

Years and Years.
M und ich begannen 23:00 Uhr mit Folge eins dieser für uns neuen Serie. (Ich quälte mich trotz Müdigkeit aus dem Bett.) Und weil sie so gut war, schauten wir direkt im Anschluss Folge zwei. Schon lange ist in einer Folge nicht mehr so viel passiert wie hier. Ich bin sehr gespannt, was in den restlichen vier Episoden noch alles passiert. Schön war, dass M und ich nun abends wieder Zeit zusammen verbrachten.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 82

Alltagsschnipsel

Regelbetrieb.
Ab heute dürfte L wieder in den Kindergarten gehen. Die Erzieherinnen und die Leitung haben ein Hygienekonzept erstellt, das sich laut M gut liest. Leider findet das zweiwöchige Wechselmodell mit kleinen Gruppen um die zehn Kinder nicht statt. Der Kindergarten hat von jetzt auf gleich von der Notbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb mit etwas verkürzten Betreuungszeiten umgestellt. Und das ist M und mir im Moment zu heikel. Auch wenn Erfurt keine Neuinfizierten hat und es sich thüringenweit ebenfalls in Grenzen hält, zählt M zur Risikogruppe und darf sich unter keinen Umständen mit dem Virus anstecken. Ob L in den verbleibenden sechs Wochen bis zur dreiwöchigen Schließzeit den Kindergarten besucht, wissen wir auch noch nicht. Es ist und bleibt kompliziert.

Fahrradtour.
M und ich … das ist aktuell ebenfalls kompliziert. Dennoch nutzten wir den Nachmittag und fuhren gemeinsam 10,5 Kilometer mit dem Fahrrad. (M hatte im Helios sein iPad vergessen.) Da mein Fahrrad einen Platten hat und ich mir noch keinen Ersatzreifen besorgt habe, fuhr ich mit dem E-Bike von Ms Mama. (Das mache ich ungern. Lieber hätte ich mein Fahrrad genommen.) Im Park nahmen wir gemeinsam am letzten Call des Tages teil (Leitungsmeeting) und fuhren anschließend in Richtung Krankenhaus. Fahrradfahren im Park ist schön, auf den Radwegen okay, aber auf den geflickten Straßen im Berufsverkehr nicht so meins. Zudem war das Rad von Ms Mama etwas zu groß für mich. M meinte abends, er hätte keinen Spaß gehabt, da ich auch keinen hatte. Was soll ich schon groß dazu sagen?! 

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
L erwachte heute erst 09:15 Uhr. Mit Ms Mama vereinbarte ich gestern, dass sie halb zehn bei uns sein soll (sie wollte mi L in den Egapark gehen). In der Viertelstunde, die uns verblieb, schafften wir es tatsächlich, L anzuziehen, ihre Zähne zu putzen sowie Spielsachen und ein kleines Picknick vorzubereiten. Zehn Minuten nach halb zehn machten sich Ms Mama und L mit einem Toast in der Hand auf den Weg. Das ist doch prima gelaufen!

Aussprache mit M.
M meinte, seine Griesgrämigkeit liege nicht an mir. Sein ganzes mürrisches Verhalten hätte auch nichts mit mir zu tun. Er vermutet, dass ihm die Sozialkontakte fehlen. Ich hoffe, dass wir bald B und S zu uns einladen können – das wäre ein schöner Anfang. Und dann würde M hoffentlich merken, dass er sich vor seinen Freunden, die er über zwanzig Jahre kennt, nicht zu schämen braucht. Unsere Freunde sind toll. Nicht einen einzigen würde ich so einschätzen, dass er sich über Ms Krankheit/Befinden/Zustand lustig macht. Mit unseren Freunden aus Köln haben wir auch lange nicht telefoniert.Wir haben auch über die Fahrradtour gesprochen. Dabei ist mir erneut aufgefallen, dass ich komisch bin – immerhin merke ich es (noch). Es war für mich eine große Überwindung mit dem Fahrrad von Ms Mama zu fahren, denn es ist mir unbekannt/nicht vertraut, etwas zu groß, ziemlich schwer und ein E-Bike. Ich kann mich innerhalb kürzester Zeit in die Situation hineinsteigern und ein Drama daraus machen. Ich frage mich, ob es an mangelndem Selbstvertrauen liegt, Neues/Unbekanntes auszuprobieren?! Oder ob da noch eine andere Komponente beachtet werden muss?! Dieses „Verhalten“ ist jedenfalls tagesformabhängig. An anderen Tagen wäre ich ohne zu Murren auf ein unbekanntes Rad gestiegen und losgefahren.

Telefonat mit J.
Zwei Stunden habe ich mit meiner Freundin aus Dresden telefoniert. Ihr Freund J befindet sich berufsbedingt immer noch in Österreich. Wir konnten heute wieder viele Themen besprechen. Das war schön.

Vorlesezeit.
Zum gestrigen Kindertag bekam L von unseren Vermietern C und A unter anderem das Buch „Pippi feiert Geburtstag“ geschenkt. Die Geschichte las ich L gestern zweimal und heute einmal vor dem Einschlafen vor. Das Buch ist wirklich toll, da es auf jeder Seite tolle Zeichnungen passend zur Textpassage gibt. L mag das Buch auch sehr.

Blue Thunder.
Obwohl ich schon sehr müde war, bin ich am Abend um viertel nach zehn noch mal aus dem Bett gekrabbelt. M und ich haben eine Stunde des Films Blue Thunder geschaut. Ich weiß gar nicht, wann wir das letzte Mal einen Film zusammen geschaut haben. Vielleicht schaffen wir das noch ein paar Mal, ehe nächste Woche die letzte Chemotherapie startet.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 81

Alltagsschnipsel

Entlassung aus dem Krankenhaus.
M wurde heute Nachmittag aus dem Helios entlassen. Wir werden im Laufe der Woche seinen Facharzt aufsuchen, um das weitere Vorgehen/die medikamentöse Behandlung zu besprechen. M kam am Abend spontan bei meinen Eltern vorbei. Keine fünf Minuten später war ich von seiner Art der Kommunikation mit mir schon wieder genervt.

Was heute schön war:

Drei Quellen Brunnen.
Am Vormittag kam Ms Mama zu Besuch und überreichte L ein kleines Geschenk zum Kindertag. Nachdem die beiden ein wenig zusammen gespielt haben, spazierten wir gemeinsam zum Drei Quellen Brunnen und tranken etwas von dem Salzwasser. L hatte großen Spaß daran, unsere mitgebrachten Becher mit frischem Brunnenwasser zu befüllen.

Grillfest.
Fünf Stunden verbrachten wir unten im Hof bei meinen Eltern. Es gab wieder viel leckeres Essen vom Grill. L beschäftigte vor allem ihren Onkel M. Jede Minute Pause musste er sich hart erkämpfen. M kam später kurz mit dem Fahrrad vorbei.

Blogerneuerung.
Heute ist mein seit Ende 2014 bestehender Blog umgezogen. In den nächsten Tagen ist die neue Domain verfügbar. Ich werde diesmal dem ein oder anderen den Link mitteilen. Das ist ein großer Schritt für mich.

Hallo Juni!

Dies & Das

Im Juni werde ich …

… fünf Telefonate mit meiner Dresden-Freundin J führen
… wegen eines neuen Sessels und einer neuen Küche mit M und L ins Möbelhaus Höffner fahren
… den Theorieteil des sechsten Heftes meines Fernlehrgangs Kindererziehung beenden
… zwei Einsendeaufgaben an die ILS schicken
… L eventuell ab und an in den Kindergarten bringen
… Spielverabredungen mit anderen Mamas und ihren Kindern wahrnehmen
… M während seines letzten Chemotherapie-Zyklus‘ zur Seite stehen (indem ich L und Prinz bespaße)
… meinen zweiunddreißigsten Geburtstag feiern
… ein eigenes Depot eröffnen (die Altersvorsorge kann beginnen)

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 80

Alltagsschnipsel

Ms Gesundheitszustand.
M teilte mir heute Morgen mit, dass er eine schlimme Nacht hinter sich hat. Er musste nahezu stündlich auf die Toilette und fand keine Erholung. Die für heute angedachte Entlassung aus dem Krankenhaus wird somit nicht erfolgen. Auch seinem Rücken geht es nicht gut. Das Krankenhausbett trägt sein Übriges dazu bei.

Was heute schön war:

Etwas Zeit für mich.
Es kommt noch nicht allzu oft vor, jedoch in letzter Zeit immer häufiger. L hat sich direkt nach dem Frühstück in ihr Zimmer verzogen und selbstständig mit ihren Spielsachen gespielt – eine Stunde lang! So hatte ich Zeit, in Ruhe meinen Schoko-Cappuccino auszutrinken, meinen Gedanken nachzuhängen und einfach mal nichts zu tun.

Kindergeschichte.
Die Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge meiner Dresden-Freundin J arbeitete ich heute Vormittag in die Geschichte ein. Anschließend bat ich sie und M nochmals um ein Feedback. Beide teilten mir ihre Meinung innerhalb kürzester Zeit mit. Ich bin überglücklich: Die erste Kindergeschichte mit rund eintausendzweihundert Wörtern ist fertig! Tausend Dank an alle Testleser!

Ms Besuch.
Trotz seines holprigen Starts in den Tag besuchte M uns für ein paar Stunden zu Hause. Er konnte sich sogar ein wenig mit unseren Vermietern unterhalten. Morgen wird im Krankenhaus eine Blutanalyse gemacht. Eventuell darf er am Dienstag wieder nach Hause.

Spielzeit mit Onkel M.
Auch heute Nachmittag kam mein Bruder zu Besuch zu uns. L erzählte mir kurz vor seinem Eintreffen, sie habe Herzklopfen, weil sie so aufgeregt ist, dass Onkel M gleich kommt. Soooo süß! L spannte M komplett ein und beanspruchte ihn für sich. Großartig unterhalten konnten mein Bruder und ich uns somit nicht. 😉

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 79

Alltagsschnipsel

Nachdem ich in den vergangenen Tagen spätestens 06:45 Uhr wach wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen, als das Handy heute morgen 08:07 Uhr anzeigte. Allerdings wachte L nahezu gleichzeitig mit mir auf. Normalerweise habe ich wenigstens eine halbe Stunde nur für mich.

L und ich fuhren vormittags einkaufen. Ich wunderte mich tatsächlich, weshalb es so unglaublich voll war. M teilte mir mit, dass auch Montag die Läden geschlossen haben. Achja, Pfingsten! Seit wir zu Hause sind, habe ich kein Gefühl für Wochentage, Wochenende oder Feiertage mehr.

Was heute schön war:

Kressepark.
Um die Mittagszeit lief ich mit L im Bollerwagen und Prinz neben mir zum Kressepark. Der Spielplatz, der zur Villa Haage gehört, hatte wieder geöffnet. Wenig später trafen mein Bruder und meine Eltern ein. Meine Eltern und ich waren bei L abgeschrieben. Onkel M wurde dafür umso mehr eingespannt. Er durfte mit L in den Streichelzoo und die Kaninchen beobachten. Wir aßen Fischbrötchen, Süßigkeiten und ein Eisteeeis.

Spielzeit mit Onkel M.
Mein Bruder begleitete L, Prinz und mich nach Hause. L und er spielten im Park noch lange Ball und rannten hin und her. Bei uns zu Hause wurden noch Seifenblasen im Garten gejagt und L einige Male in die Luft geworfen, ehe sich mein Bruder verabschiedete und den Rückweg zu unseren Eltern antrat.

Erdbeer-Schoko-Pancakes.
Auch M besuchte uns am Nachmittag für einige Stunden zu Hause. Im neuen Thermomix kreierte er einen leckeren Pfannkuchenteig – dieser reichte allerdings locker für vier oder fünf Personen. L und ich haben die leckeren Pancakes mit Vanillesoße gegessen.

Linda.
Mit L spielte ich bis zum Abend Hund bzw. Hundebesitzer. L schlüpfte in die Rolle der Hündin Linda, ich war L. Für Prinz hatten wir kürzlich eine Rampe bestellt. Diese wurden zweckentfremdet und in unser Spiel mit einbezogen. In einer Schüssel stellte ich L einen Trinknapf zur Verfügung. Prinz’ Leine war nun Lindas Leine. Unsere Hundeleckerlis waren kleine Dinkelkekse. L hatte sich wirklich wieder ein sehr schönes und süßes Spiel ausgedacht.

Little Women.
Gestern Abend beschloss ich spontan, mir den aktuellen Film, der in diesem Jahr in den Kinos lief, zu kaufen. Ich schaute ihn mir gleich über Prime Video an. Mir hat dieser Film sehr sehr gut gefallen. Die Erzählweise ist erstmals eine andere. Ich finde es gut, dass sich die Regisseurin das getraut hat. Diese Version zeigt bisher am deutlichsten, wie unglaublich schwer es Frauen in der damaligen Zeit hatten. Das hat meiner Meinung nach bisher keine der anderen Verfilmungen geschafft.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 78

Alltagsschnipsel

Diagnose.
Ein Jahr ist nun vergangen! Es war ein schwieriges Jahr voller Angst und Trauer, aber auch Hoffnung und Wertschätzung. Das schönste ist aber: M lebt! Heute vor einem Jahr begleitete ich M zu einem Kieferchirurgen, da die Schmerzen im Mundraum einfach nicht besser wurden. Von Januar 2019 an suchte er alle paar Wochen verschiedene Ärzte auf. Doch niemand fand etwas. Der Kieferchirurg schaute jedoch keine zwei Minuten in Ms Mund und sagte: Zungenrandkarzinom. Er vereinbarte für uns für den 31. Mai 2020 einen Behandlungstermin im
Helios. M und ich standen den restlichen Tag unter Schock! Ich erinnere mich, dass ich circa eine Woche lang nach Erhalt dieser Diagnose an einer leichten Form von Amnesie litt.

Was heute schön war:

Fernlehrgang.
Ich nähere mich allmählich dem Ende des Theorieteils in Heft sechs. Im Juni stehen die Einsendeaufgaben für Heft fünf und Heft sechs ganz oben auf der To-Do-Liste, ehe es mit Heft sieben weitergeht.

Rollschuh/Inline Skates fahren.
L und ich holten unsere Rollschuhe bzw. Inline Skates heraus und fuhren heute lange in unserem Garten damit herum. Nebenbei spielten wir Schule.

M und der neue Thermomix.
Am frühen Abend besuchte uns M. Er mietete sich ein Teil-Auto, das direkt auf dem Helios-Gelände zur Verfügung steht. Seit Dienstag steht ein großer Karton aus Frankreich in unserem Flur. M öffnete ihn und holte unseren Thermomix heraus und baute ihn in der Küche auf. (Ich kam bisher nicht dazu.) Er ist ganz begeistert. Kurz nach 20 Uhr machte er sich auf den Rückweg ins Krankenhaus.

Sushi.
Mein Bruder ist das erste Mal seit vier Monaten wieder zu Besuch in Erfurt. L war anfangs zwei Sekunden schüchtern. Dann zauberte er allerdings Seifenblasen aus seinem Rucksack und die Schüchternheit war sofort vergessen. Wir bestellten abends eine große Menge leckeres Sushi, das sogar schneller geliefert wurde als erwartet. 

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 77

Alltagsschnipsel

Was für ein Tag! Es war tatsächlich etwas stressig. So viele Telefonate habe ich schon lange nicht mehr entgegengenommen. Auch zu Hause kam über den ganzen Tag verteilt Besuch. Ab dem Nachmittag hatte ich Rückenschmerzen, die abends auch leichte Bauchkrämpfe hervorriefen.

Kick-off-Call in einem Projekt.
M ist im Krankenhaus, die PO ist seit Montag krankgeschrieben. Obwohl ich weder PO noch Developer bin, sondern lediglich eine Assistentin der Geschäftsführung, bot ich gestern meine Teilnahme am Kick-off-Termin an. Und das war auch gut so. Wir wären der einzige Projektpartner gewesen, der durch Abwesenheit geglänzt hätte. So waren wir der einzige, der keine Präsentation vorbereitet hatte. Der Call begann morgens um neun und endete 13:00 Uhr. Ich habe mir einige Notizen und einhundertzehn Screenshots gemacht, die ich abends neben L auf der Couch sortierte und in sinnvolle PDFs umwandelte.

Fliegender Wechsel.
Während der Call lief, kam der Reparaturservice wegen unseres Geschirrspülers vorbei. Der Monteur fand tatsächlich die Ursache (zwei große Orangenkerne), weshalb der Spüler seit Wochen nicht bzw. nur schlecht abpumpte. Die Rechnung über knapp 82 Euro wies ich direkt an. Nahezu zur gleichen Zeit kam Ms Schwester mit ihrem kleinen Baby vorbei. Sie nahm L, die ich während des Calls ausgehfertig machte, und bespaßte sie bis zum Nachmittag. Am frühen Nachmittag schaute mein Kollege M aus einem Nachbardorf vorbei (wir befinden uns alle nach wie vor im Home Office). Er benötigte für ein Dokument den Firmenstempel. Ich scannte ihm alles ein und wir quatschen nebenbei noch etwas.Der letzte Besucher des Tages war Ms Papa, der abends halb sieben kam und eines unserer Autos mitnahm. Er wird es morgen für uns in die Werkstatt bringen.

Ms Gesundheitszustand.
Die Oberärztin stellte bereits am Morgen fest, dass M viel besser aussieht. Er ist im Helios richtig aufgeblüht. M teilte mir mit, dass er verschiedene Dinge (Cappuccino, Eis, Pudding) trinken/essen konnte – etwas, voran er vor wenigen Monaten nicht zu hoffen gewagt hätte. Vielleicht kommt er eines Tages doch von seiner PEG-Magensonde weg. Lediglich an seinem Ton mir gegenüber müssen wir arbeiten. Der gefällt mir ganz und gar nicht – auch bei allem Verständnis für seine beschissene Krankheit nicht.

Was heute schön war:

Babybesuch.
Ls Cousin besuchte uns nicht nur heute Morgen. Am Nachmittag trafen wir uns mit M beim Spielplatz. Ms Schwester kam mit L und ihrem Baby auch dorthin. Der kleine Mann ist schon wieder dreieinhalb Monate alt. Die Zeit vergeht so schnell.

Feedback zur ersten Kindergeschichte.
Ich habe heute von meiner Dresden-Freundin J das letzte Feedback zur ersten Kindergeschichte erhalten. Nun kann ich alle Anmerkungen/Verbesserungen der vier (sechs) Testleser einarbeiten. An dieser Stelle noch mal Danke an euch. Ihr seid toll!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 76

Alltagsschnipsel

Ms Gesundheitszustand.
Der Krankenhausaufenthalt und die dortige Ruhe tun M ausgesprochen gut. Das ist schön … irgendwie. Aber irgendwie fühlt es sich auch so an, als wäre die häusliche Umgebung und der ständige Kontakt mit L, Prinz und mir Gift für ihn. Diese Erkenntnis tat heute ein wenig weh. Laut den Ärzten hängt Ms Durchfall mit seiner Colitis zusammen und wir hätten lange auf eine Besserung warten können. Er bekommt nun die richtigen Medikamente verabreicht und wird intravenös mit Flüssigkeit UND Nahrung versorgt. 

Normalbetrieb.
Ls Erzieherin S rief vormittags an und teilte mit, dass ab Montag wieder Normalbetrieb im Kindergarten herrscht. Lediglich die Betreuungszeiten wurden minimal verkürzt. Ich habe dazu noch keine Meinung. Nachgewiesene Corona-Infizierte hat die Stadt Erfurt seit Wochen nicht mehr, thüringenweit liegen wir bei unter eintausend bestätigten Fällen. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, L wieder in den Kindergarten zu schicken, wenn nicht die Tatsache bestünde, dass sich M niemals nie und unter keinen Umständen mit dem Virus infizieren darf.

Was heute schön war:

Altglas.
Mit Bollerwagen, einer Kiste voller Altglas und L und Prinz im Schlepptau machte ich mich heute auf den Weg zu den Altglascontainern. Das war längst überfällig. Prinz hatte Schwierigkeiten beim Laufen, sodass wir nur langsam vorwärts kamen. Aber das machte nichts. Ich bin stolz, dass wir diese Aktion meisterten.

Treffen mit M.
Am Nachmittag trafen L und ich uns mit M beim Spielplatz in der Nähe des Krankenhauses. Wir machten es uns im Halbschatten gemütlich. L wippte, fuhr Roller und rutschte. Ich war sogar eine Vorzeige-Mama und hatte ein kleines Picknick bestehend aus Wassermelone, Kuchen und Getränken vorbereitet.

Entspannter Prinz.
Von unserem Altglas-Spaziergang erschöpft, schlief Prinz. Ich beschloss daher, ihn am Nachmittag nicht mit zum Spielplatz mitzunehmen. Wir lassen Prinz nur ungern zu Hause, da ihn das Alleinsein stresst. L und ich konnten uns jedoch aus der Wohnung schleichen und fanden zweieinhalb Stunden später einen entspannten Prinz vor. Wenn es doch immer so sein könnte!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 75

Alltagsschnipsel

Annäherung.
In einem schwachen Moment äußerte ich heute Morgen M gegenüber wieder unbedachte Worte – das Gesagte würde ich natürlich niemals in die Realität umsetzen und sollte lediglich meine Überforderung und Unsicherheit zum Ausdruck bringen. M habe ich damit jedenfalls sehr verletzt. Ich habe mich sofort entschuldigt, ihm versichert, dass ich nie wieder leichtfertig behaupten werde, meine Arbeit zu kündigen. Ich fühle mich jedoch wie ein Parasit, denn ich erhalte monatliches Gehalt für einen Bruchteil an Leistungen. Ich komme beruflich aktuell zu kaum etwas. Das zermürbt mich. M meinte, es geht vielen in dieser Pandemie so und ich stehe nicht alleine da. Er hat mir versichert, dass er mich braucht und ohne mich weder beruflich (wir arbeiten in derselben Firma) noch privat überleben kann. Seine Worte waren gut gewählt und erinnerten mich daran, warum wir gemeinsam kämpfen.

Bürgeramt.
Unser Ende April gekauftes Wohnmobil wurde heute auf M zugelassen. Der ursprüngliche Plan war, dass er diesen Termin beim Bürgeramt selbst wahrnimmt. Allerdings geht es ihm seit Donnerstag nicht gut, so dass ich mit einer Vollmacht die Zulassungsstelle aufsuchte. Die Pandemie hat wirklich alles verändert. Ohne Kontrollen und vorherige Terminvereinbarung über die Website darf niemand das Gebäude betreten. Nach dem Termin ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, denn wir hätten dies schon vor Wochen erledigen müssen – auf Grund von Ms unbeständigem Gesundheitszustand und der Tatsache, dass beim Bürgeramt keine Termine vor dem heutigen Tag zur Verfügung standen, dauerte es viel länger als gedacht.

Arztbesuch.
Seit dem 21. Mai leidet M unter Durchfall. Das Ausmaß bekam ich jedoch erst am Wochenende mit. Da keine Besserung in Aussicht war, suchten wir seine Ärztin in der onkologischen Praxis auf, die sich leider mitten im Tumorboard befand. (Wir hatten vorher nicht angerufen.) Ich habe schon lange nicht mehr bzw. streng genommen sogar nie solch einen Einsatz erlebt. Jeder Mitarbeiter dieser Praxis ist freundlich, empathisch und kennt jeden (!) Patienten beim Namen. Die Schwester versprach uns, schnellstmöglich mit der Ärztin zu sprechen und uns zurückzurufen.Ich befand mich gerade auf dem Weg, um L wieder bei Ms Schwester abzuholen, als der Anruf kam: M soll schleunigst ins Krankenhaus. Ich hielt kurz bei Ms Schwester und L, erklärte die Situation und fuhr ohne L nach Hause, um M beim Packen der Tasche zu helfen.

Helios.
Das Helios ist ein Hochsicherheitstrakt. Alles dreht sich nur um Corona. Die Notaufnahme war gegen 17:30 Uhr menschenleer. Wir schilderten kurz das Problem, füllten Zettel (Corona) aus und setzten uns in den Wartebereich. M wurde schnell aufgerufen. Ich begleitete ihn, wurde aber wieder in den Wartebereich (wegen Corona) geschickt. Über iMessage teilte mir M mit, dass versucht wurde, ihm an fünf Stellen am Körper sowie über den Port Blut abzunehmen – keine Chance, es kam kein Tropfen. Sein Blutdruck war 88 zu 60. M bekam erst mal intravenös Flüssigkeit. Da M aufgrund der vielen Operationen nur eingeschränkt sprechen kann, bin ich zu seinem Sprachrohr geworden. Aus diesem Grund wartete ich getrennt von ihm im Wartebereich auf das Erscheinen des Arztes. Gegen 20:30 Uhr bin ich schweren Herzens und mit schlechtem Gewissen gegangen, denn L kann nicht ewig von ihrer Tante bespaßt werden.M meinte, gegen 21:00 Uhr (er befand sich immer noch in einem der Behandlungszimmer der Notaufnahme) kam ein Arzt, der schlecht deutsch sprach, nicht in Ms Akte schaute und schnell wieder verschwand. Mein schlechtes Gewissen wuchs. M hätte mich wirklich an seiner Seite gebraucht. Ich war zwischenzeitlich bei Ms Schwester angekommen und nahm L in Empfang. Gegen 23:00 Uhr wurde M auf die Station gebracht, nachdem zuvor sein Brustkorb (wegen Corona) geröntgt wurde. Ich hoffe, dass er morgen Gehör findet und aufgepäppelt wird.

Was heute schön war:

Familieneinsatz.
L verbrachte ihren Tag von 13:30 Uhr bis 21:00 Uhr bei ihrer Tante, ihrem Baby-Cousin und der Hündin Maya. Ich bin froh, dass Ms Schwester so super spontan bereit war, L zu bespaßen, während ich mit M in der Arztpraxis und später im Krankenhaus war. Tausend Dank! Das gleiche gilt für unsere Vermieter C und A, die Prinzi zu sich in die Wohnung geholt und ihn mehrere Stunden betreut haben. Ihr seid die Besten!