Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 108

Alltagsschnipsel

Unlust/demotiviert.
Durch den Stress auf Arbeit ist meine Lust auf Arbeitskram seit Donnerstag völlig verschwunden. Das ist sehr schade. Ich warte erst mal den morgigen Nachmittag ab. Ich habe große Angst vor diesem Termin. M bewundere ich. Er beklagt sich kaum über diese Situation, sondern arbeitet an mehreren (teils genialen) Lösungen. Vielleicht wird alles gut … oder sogar besser. 

Aufmerksamkeit.
Auch heute wieder: Die Pflegerin betritt unsere Wohnung, um Ms Wunden zu reinigen, und L bekommt einen Wutanfall und schmeißt die Tür. Einfach so! Ohne ersichtlichen Grund. Ich bin mit ihr und Prinz in den Garten zum Lüften gegangen. Da war dann schnell wieder alles gut. L bekommt definitiv genügend Aufmerksamkeit von uns. Ich hoffe, dass es nur eine Phase ist. (Ich will nicht, dass sie ihre Trauer/Wut über Ms Krankheit auf diese Weise zum Ausdruck bringt.)

Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend; Wachphase von 04:00 Uhr bis 05:30 Uhr; Wechsel zu uns ins Bett gegen 05:45 Uhr 
gegessen: 288 kcal Müller Milch Banane, 665 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend 
bewegt: doppelt so viele Schritte in der Wohnung und im Garten in doppelt so schneller Geschwindigkeit (im Vergleich zu gestern und vorgestern) ❤

Vorwarnung. 
Ich habe es am Nachmittag an dem entsetzten Blick von Ms Papa gesehen. Kommende Woche werden drei unserer Kollegen/Freunde M persönlich bzw. per Videocall sehen. Es ist mir sehr wichtig, euch ein wenig darauf vorzubereiten. M wiegt aktuell 39,5 kg, hat also starkes Untergewicht. Er ist optisch um Jahre (!!!) gealtert. Ich schätze ihn auf Anfang/Mitte fünfzig. Er sieht ausgemergelt und schwach aus, geht am Stock und läuft sehr langsam. Da er aktuell leiser spricht, ist er auch nicht mehr so gut zu verstehen.
Aber: Er sagt, er fühlt und spürt Tag für Tag, dass sein Zustand besser wird. Und solange er das sagt, ist es auch so!

Was heute schön war:

Neue Kleidung für L.
R ist wieder aus einigen ihrer Kindersachen herausgewachsen. Da ich es in dieser Woche dann doch nicht ins Büro schaffte, brachten meine Kollegen/Freunde S und R gemeinsam mit ihren Kindern die Kleidung am Nachmittag vorbei. (L bedachte alle vier die ganze Zeit über mit bösen Blicken. Ich hoffe, es ist nur eine Phase. Es wäre schon schade, wenn uns irgendwann niemand mehr besuchen kommt, weil L alle vergrault.) Danke für die (alkoholhaltigen) Pralinen. ❤ Die werde ich morgen Nachmittag brauchen! L stellte sich gleich nach dem Besuch ihr neues Outfit zusammen:


Sport.
Ich habe heute beschlossen, das letzte Trainingsprogramm über dreißig Tage zu wiederholen. Die Übungen und der Aufbau hatten mir beim letzten/ersten Durchlauf sehr gut gefallen. Los ging es heute also wieder mit Tag 1.


Rollschuh/Inline Skates.
L und ich fuhren mittags und abends mit unseren Skates durch die Gegend. Heute verließen wir erstmals unser Grundstück und fuhren auf der asphaltierten Straße vor unserem Tor entlang. Das hat sehr großen Spaß gemacht (mit Ausnahme von Ls kurzem Ausraster am Mittag).

Besuch.
Kurz nach dem Besuch von R, S, R und P kamen Ms Schwester und Ms Papa zu uns nach Hause. Auch Ls kleiner Baby-Cousin war dabei. (Leider war ich nicht die perfekte Gastgeberin. Ich hatte vergessen, den beiden etwas zu trinken anzubieten. Allerdings hat M mich zuvor circa zehn Mal gebeten, Dinge aus der Wohnung in den Garten zu holen, sodass ich froh war, endlich zu sitzen.) Ein von M neu bestelltes manuell verstellbares Lattenrost werde ich nächste Woche nun doch nicht mit Ms Papa aufbauen, da IKEA wieder ferngesteuerte auf Lager hat. Unser Wohnmobil werden wir nächste Woche Freitag auch noch nicht in die Werkstatt zur Durchsicht fahren. Ms Papa hatte da etwas missverstanden.

Indisches Essen.
Am Abend hatte M die Idee, für L und mich Abendessen zu bestellen. Für mich gab es ein europäisch mild gewürztes (es war scharf!) indisches Essen. Super lecker! L aß lieber Reis von meinem Gericht als ihr Essen. Wie man es macht … 😉

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 107

Alltagsschnipsel

Was für ein anstrengender Vormittag! Dabei begann der Tag alles andere als stressig. 

Aufgewacht sind L und ich gegen acht Uhr. Wir alberten noch eine halbe Stunde im Bett herum, ehe wir aufstanden und M weiterschlafen ließen. Noch im Schlafanzug räumte ich im Wohnzimmer Ms Platz auf, stellte fest, dass er das einhundertste Mal in Folge vergessen hatte, das Heizkissen auszuschalten, wischte über den Tisch, die Couch und den Fußboden und hängte einen neuen Nahrungsbeutel nebst Schlauchsystem an den Infusionsständer. Ein frisches Handtuch legte ich ihm auch bereit. Bevor ich unter die Dusche hüpfte, putze ich das Waschbecken und reinigte die Toilette. Ich hatte mich nach dem Duschen gerade angekleidet, als die Post klingelte. Ich riss mir das Handtuch vom Kopf und lief der Postbotin barfuß und mit ungekämmten Haaren entgegen. (Das passiert mir öfter. Ich habe hier keinen Lerneffekt.) Anschließend bereitete ich für L und mich das Frühstück vor, das wir draußen im Garten einnahmen. 

Wir erfreuten uns gerade am Katzenbesuch, als der Pflegedienst klingelte. Ms Verbände am Hals und im Portbereich müssen täglich gewechselt und die Wunden fachmännisch gesäubert werden. Als die Pflegerin zwanzig Minuten später ging, baute ich für M den Liegestuhl im Garten auf und stellte den Infusionsständer dazu. Ich wollte mit Prinzi gerade spazieren gehen, als M meinte, dass er noch seine Medikamente einnehmen muss. Es war bereits mittags halb eins. Gut, dachte ich, erst die Medikamente, dann Prinz. (Leider muss ich auch die Einnahme der Medikamente zur vom Krankenhaus vorgegebenen Zeit überwachen und M bei der Einnahme unterstützen. Viele Tabletten müssen im Mörser zerkleinert werden, damit sie über die PEG-Magensonde aufgenommen werden können, ohne dass der Schlauch dabei verstopft.) Während ich mich durch den Arztbrief mit den zig angegebenen Medikamenten kämpfte, war L sehr wütend, weil ihr keiner genügend Aufmerksamkeit schenkte. Sie schrie lautstark und knallte in unserer Wohnung die Türen. (Mich um die rechtzeitige Einnahme von Ms Medikamenten zu kümmern, hatte dennoch Vorrang.) 

Eine halbe Stunde später waren (fast) alle Medikamente eingenommen. Ich kochte M eine Kanne Tee. Gerade als ich das Salz hinzufügen wollte, rutschte mir der Salzstreuer aus der Hand, knallte auf die Kanne und ließ diese dabei zu Bruch gehen. Der heiße Tee verteilte sich auf der Arbeitsplatte, lief die Küchenschränke herunter und tropfte auf den Fußboden. Ich wischte alles auf und setzte erneut Teewasser auf. Währenddessen konnte Prinz sein großes Geschäft nicht mehr halten und hinterließ drei Haufen im Wohnzimmer und Flur. Nachdem ich dieses Missgeschick beseitigt und die Böden gesäubert hatte, begann es draußen zu tröpfeln. Also stellte ich den Liegestuhl unter das Vordach und räumte den Infusionsständer zurück in die Wohnung. L erinnerte mich daran, dass sie hungrig sei. Ich kochte uns Nudeln mit Tomatensoße und stellte fest, dass der Regen schon wieder vorbei war. Ich baute für M erneut den Liegestuhl auf und holte den Infusionsständer aus dem Wohnzimmer.

Dann war der Wahnsinn endlich vorbei und der restliche Tag sehr viel besser. L und ich aßen im Garten unser Mittagessen und M gesellte sich ebenfalls zu uns nach draußen. Er ließ erst Flüssigkeit und später den Nahrungsbeutel laufen.


Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend; auf der Couch eingeschlafen; um 04:00 Uhr zu uns ins Bett gewechselt
gegessen: 665 kcal Nahrungsbeutel, Eis
getrunken: ausreichend, aber deutlich weniger als gestern
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

M geht es nach eigener Aussage von Tag zu Tag besser. Das freut mich wirklich sehr! 

Was heute schön war:

Katzenbesuch.
Als L und ich heute Morgen gemütlich draußen frühstückten, hörten wir eine Katze miauen. Natürlich machten wir uns gleich auf die Suche, woher diese Geräusche kamen. Es dauerte nicht lange, bis L und ich die süße Katze fanden. Was für eine Freude! L war ganz aus dem Häuschen. (Sie wünscht sich selbst eine eigene Katze.) Anfangs bekam Prinzi den Gast auf seinem Grundstück nicht mit. Ihm entging jedoch nicht, dass wir anderen uns merkwürdig verhielten. Er entdeckte die Katze, durfte sie allerdings nicht jagen. (Ich hielt ihn am Geschirr fest.) Ich wollte L den Spaß nicht verderben.


Besuch im Juli.
Wahrscheinlich kommen uns T und J (mit ihren Eltern?) im Juli besuchen, und zwar genau in der Kitaschließzeit. L (und uns) wird somit nicht langweilig werden. ❤

Spielplatz.
Da der angekündigte Regen und das Gewitter auf sich warten ließen, machten sich L und ich am Nachmittag auf den Weg zum Spielplatz. Leider stand der Eiswagen der Bäckerei Rüger nicht am Parkeingang. (Ich hatte heute extra ein wenig Geld eingesteckt.) Wir besuchten den Spielplatz in der Elisabethstraße. Spontan schaute auch mein Bruder vorbei, der bis morgen wegen einer Geburtstagsfeier in Erfurt ist. Er konnte L bei der „Feuerwehrstange“ behilflich sein. Beim ersten Donnergrollen mussten wir uns aber gleich auf den Heimweg machen, da L Angst hatte. Wir waren kaum zu Hause, als es zu regnen begann. Glück gehabt!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 106

Alltagsschnipsel

Heute Morgen wachte ich mit leichten Kopfschmerzen auf. Diese blieben auch den ganzen Tag über hartnäckig bestehen. Mein Körper zeigt zwar schon seit Wochen auf die ein oder andere Art an, dass ihm die Ereignisse/mein Alltag allmählich zu viel werden, doch in den letzten achtundvierzig Stunden ist alles um ein Vielfaches stärker geworden. Ich spüre, dass ich mich allmählich dem Ende meiner Kräfte nähere. (Leider kann mir niemand unter die Arme greifen, da es sich aktuell überwiegend um beruflichen Stress handelt.) Ich bin so froh, dass Wochenende ist!

Doch mein Mitleid gilt nicht mir, da ich weiß, dass es auch wieder ruhigere Zeiten geben wird. Mein Mitleid und Mitgefühl gilt M. Am liebsten hätte ich ihn gleich heute Vormittag raus in den Garten begleitet, ihn in eine Decke eingekuschelt und mit seinem aktuellen Buch auf den gemütlichen Liegestuhl gelegt und zu den von mir vorgegebenen Zeiten für Nahrung und Flüssigkeit gesorgt. Stattdessen musste M ab 09:30 Uhr für drei Stunden im dunklen Arbeitszimmer sitzen und arbeiten. Sein Arbeitstag ging bis zum frühen Nachmittag. In unserer Gesellschaft darf niemand krank sein und am besten auch keine Kinder haben! Das habe ich in den vergangenen Tagen wieder überdeutlich zu spüren bekommen. (Im Liegestuhl im Garten saß M trotzdem noch, wenn auch erst kurz 17:00 Uhr.)

Seit 08:30 Uhr hing ich heute am Telefon. Es musste privat sehr viel organisiert werden. Hinzu kamen unzählig viele (wichtige) berufliche Telefonate. Ich habe zwar viel gemacht, aber nichts sinnvolles/produktives. Von (beruflichem) Telefonat zu Telefonat wurde es immer frustrierender. Die schlechten Nachrichten rissen einfach nicht ab. Und wieder einmal konnte M eine Lösung hervorzaubern. Er ist wirklich genial.

Sehr enttäuscht war ich über den Verlauf des Vormittags. Ich wollte drei Stunden in zwei Blöcken arbeiten und in den Pausen dazwischen mit L im Garten spielen. Stattdessen musste sie fünf Stunden am Stück fernsehen. Ich hatte keine freie Minute. Ich fühle mich deswegen sehr schlecht. Hätte ich das gestern geahnt, hätte ich sie heute in den Kindergarten gebracht. Dort wäre sie wenigstens gut aufgehoben gewesen.

Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend; allerdings viel im Sitzen; ein Umzug ins Bett erfolgte erst 06:00 Uhr morgens
gegessen: 268 kcal Müller Milch Erdbeere, 665 kcal Nahrungsbeutel, mit einem zweiten Nahrungsbeutel begonnen
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Was heute schön war:

Netzwerk.
Ich freue mich, dass wir ab sofort nicht mehr in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen müssen, wenn es M schlecht(er) geht. Wir können bei Bedarf rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche einen Arzt des Palliativteams anfordern. Dieser würde einen Hausbesuch machen und entscheiden, ob M ambulant behandelt werden kann oder ob er in ein Krankenhaus muss.

Gesundheitsdienst.
Ich bin mit dem Service von Anfang an sehr zufrieden und wurde auch heute nicht enttäuscht. Erst am Morgen schickte ich an unseren zuständigen Ansprechpartner unsere „Wunschliste“ bestehend aus Nahrung, Schlauchsysteme, Flüssigkeitsbeutel etc. Bereits vier Stunden später stand alles einsatzbereit in unserer Wohnung.

Oma/Opa-Tag für L.
Am Nachmittag fuhr ich mit L zu meinen Eltern. Diese hatten ein Planschbecken aufgebaut, Kuchen organisiert und uns für das Abendessen eingeplant. Ich aß ein Stück Kuchen und fuhr zurück nach Hause zu M. Gegen halb sieben am Abend war ich zum Essen wieder bei meinen Eltern.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 105

Alltagsschnipsel

Meine Nacht war nur so mittel. Ich habe gestern Abend erst kurz vor Mitternacht das Telefon beiseite gelegt und konnte dann nicht gleich einschlafen. (So etwas kommt selten bis nie vor.) Der Tag war einfach zu stressig. Die Gedanken drehten und drehten sich im Kreise. Irgendwann hörte ich Prinz durch die Wohnung tippeln. Als es nach fünf Minuten nicht besser wurde, stand ich auf und öffnete ihm die Wohnungstür. (Ich bin immer wieder dankbar, dass er nachts einfach raus in den Garten kann, ohne dass wir mitgehen müssen.) Ein paar Stunden später wachte ich nassgeschwitzt auf, schloss die Tür (Prinz schlief derweil im Wohnzimmer) und sah, dass es allmählich hell wurde. Da war es kurz vor vier Uhr. Zum Umziehen war ich zu faul. Um sieben klingelte der Wecker. Ich quälte mich kurz vor halb acht aus dem Bett. L war auch schon wach. Überraschenderweise störte mich die Müdigkeit heute nicht.

Gegen 13:30 Uhr erfuhren wir endlich, dass M heute entlassen wird. Ich ließ zu Hause alles stehen und liegen, machte dem schlafenden Prinz einen Film an, damit er glaubt, ich sei noch da, und fuhr ins Helios Klinikum. Ich packte Ms Sachen zusammen und nahm das Gepäck mit zum Auto. M fuhr nach Erhalt des Arztbriefes, auf den er ZWINGEND warten musste, mit dem Taxi nach Hause, ich holte L aus dem Kindergarten ab. Sowohl die dritte Blutkultur (Portbereich) als auch die Herzsonographie waren unauffällig. Wir bekamen etwas Nahrung und Medikamente mit, sodass wir nun in Ruhe alles organisieren und für zu Hause liefern lassen können. Einen groben Tagesplan bzw. -ablauf habe ich für M erstellt, damit wir schnell Routine bekommen.


Ls Euphorie von vergangener Woche ist wieder vorbei. Sie will lieber zu Hause bleiben. Kindergarten ist okay, aber mehr auch nicht. Ich kann sie verstehen. Das Autofahren im Berufsverkehr mit den zig Baustellen stresst und nervt mich. Ich kann zwar mittlerweile konzentrierter und mehrere Stunden am Stück arbeiten, hab aber gefühlt viel weniger Zeit (für mich). Ich habe die Zeit zu Hause mit Prinzi, L und M wirklich sehr genossen. Ich wusste auch vor der Pandemie schon, dass ich zu Hause am glücklichsten bin, doch jetzt merke ich es noch viel deutlicher. Meine Gedanken und Lebenspläne drehen sich auch um ein zukünftiges Arbeiten – in welcher Form, Art und Weise auch immer – von zu Hause aus. L darf morgen jedenfalls zu Hause bleiben.

M war keine zehn Minuten (!) nach seinem zwölftägigen Krankenhausaufenthalt zu Hause, als wir um 18:00 Uhr ein wichtiges berufliches Telefonat führen mussten. Zum Glück führte einer der drei am anderen Ende einen einstündigen Monolog, sodass meine unglaubliche Wut auf diese Menschen unentdeckt blieb. Die Krönung des heutigen Abends war die kurze Info von ME, dass wir gegen 21:00 Uhr weiter telefonieren müssen. Ja, dachte ich mir, und wer bringt L ins Bett, die gern erst gegen 22:00 Uhr einschläft? Wann darf sich M ausruhen? Wann habe ich Feierabend und eine Pause? Soll ich ernsthaft mit einem erschöpften M und selbst am Rande des Nervenzusammenbruchs um 22:00 Uhr ein produktives Gespräch führen?!

Was heute schön war:

Ls Liebe.
Es ist so schön zu hören, dass L mich lieb hat. (Natürlich behauptet sie an manchen Tagen, wenn sie wütend ist, das Gegenteil, aber ich weiß, dass es nicht stimmt.) Sie zeigt mir dafür einfach viel zu oft, dass sie mich mag. Ich hoffe, dass sie ebenfalls weiß, wie lieb ich sie habe.

Prinz.
Als ich mittags überstürzt die Wohnung verließ, schlief Prinz. Er bekam mein Fortgehen nicht mit – vermutlich Dank des Films. Als L, Ms Gepäck und ich drei Stunden später wieder zu Hause waren, schlief Prinzi immer noch an derselben Stelle. ❤

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 104

Alltagsschnipsel

Ms Krankenhaustag.
M schläft weiterhin gut. Heute Morgen fand wieder eine Arztvisite statt. Das Ergebnis der Blutkultur vom Donnerstag lag nun vor und ist negativ. (Das ist gut.) Die Probe vom Samstag steht allerdings noch aus. (Eine Auswertung kann bis zu fünf Tage dauern.) Bei den Untersuchungen/Tests bezüglich der Colitis ulcerosa wurde etwas gefunden. Morgen wird die Ärztin mit M sprechen und ihm Therapievorschläge machen. Vermutlich kann das meiste ambulant erfolgen. Heute oder morgen soll ein Gesamtpaket an Diagnosen/Ergebnissen fertig gemacht und zur Charité nach Berlin geschickt werden. Morgen früh wird noch eine Herzsonographie durchgeführt, um auszuschließen, ob es vom Keim im Portbereich eine Absiedelung gibt. Die Ärzte gehen allerdings nicht davon aus. Ist das Ergebnis negativ, kann M nach Hause.
M war heute (gezwungenermaßen) viel aktiver als die letzten Tage. Wir hatten regen (beruflichen) Austausch per iMessage oder Slack. Auch beim Krankenbesuch am Nachmittag machte er einen besseren Eindruck auf mich als gestern. Den am Vormittag gelieferten fahrbaren Toilettenstuhl wird M zum Glück (vorerst) nicht benötigen.


Arbeit.
Als wäre unser Privatleben nicht schon aufregend genug, haben M und ich auch beruflich viel um die Ohren. So auch heute. Während ich mich dem Rande der Verzweiflung näherte, behielt M einen kühlen Kopf und schaffte es innerhalb kürzester Zeit, mich zu beruhigen und zahlreiche Optionen aufzuzeigen. Ich bewundere ihn wirklich sehr! Ich frage mich, wie er es schafft, sich neben seiner schweren Krankheit noch mit diesen unschönen Themen zu beschäftigen.

Was heute schön war:

Morgenspaziergang.
Da L bei ihrer Oma übernachtete, konnte ich heute ausschlafen (ich war bereits 07:30 Uhr wach), denn ich musste nicht zum Kindergarten fahren. Nach der Körperhygiene ging ich mit Prinz spazieren. „Wir“ begutachteten unter anderem den „Fortschritt“ eines neuen EGA-Eingangs, der nächstes Jahr zur BUGA fertig sein soll.


Wichtige Aufgabe.
Der Arbeitstag war heute echt heftig! Hinzu kamen zahlreiche Unterbrechungen. Dennoch freue ich mich wie ein Schnitzel, dass ich eine seeeehr wichtige Aufgabe, die seit einem Vierteljahr liegt, beenden konnte. Darüber waren vermutlich um die fünf Firmen glücklich.

Krankenbesuch.
Nachdem ich L kurz nach 15:00 Uhr aus dem Kindergarten abholte, fuhren wir ein paar Kleinigkeiten (auch für M) einkaufen und anschließend zu ihm ins Krankenhaus. Wir gingen zu dritt kurz auf die MKG-Station, da M Blut abgenommen werden sollte, und danach auf den zum Helios Klinikum gehörenden Spielplatz. Es war ein schöner Besuch. Einziger Wermutstropfen: Mein armer Prinz war vier Stunden (!!!) alleine zu Hause. Das tut mir immer unglaublich leid. (Prinz leidet unter einer unglaublichen Verlust-/Trennungsangst. M und ich haben in den vergangenen Jahren wirklich alles versucht, ihm das Alleinsein so angenehm wie möglich zu machen, mussten aber kapitulieren. Bei Prinz ist vermutlich zu viel Negatives geschehen.)

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 103

Alltagsschnipsel

Als ich heute Morgen erwachte, spürte ich immer noch die Schmerzen beim Schulterblatt. Vormittags saß ich für mehrere Stunden in ungesunder, soll heißen nicht ergonomischer Haltung am Esstisch aka Schreibtisch und arbeitete. Gegen Mittag stellte ich fest, dass die Schmerzen so gut wie komplett weg sind. Und was lerne ich daraus? Der ergonomische Arbeitsplatz wird überbewertet und ich sollte öfter arbeiten. 😉

Tränen.
Ich brachte L kurz vor neun in den Kindergarten. In Empfang genommen wurde sie heute von ihrer Lieblingserzieherin. L schaute sie schüchtern an, dann wieder mich, dann wieder C … und dann kullerten die Tränen. Ich nahm mein kleines, liebes Mädchen in den Arm, knuddelte sie ganz fest und sprach ihr Mut zu. Im Auto kamen mir dann auch ein paar Tränen. Solche Momente sind immer etwas zu viel für mein Mamaherz.

Vergessene Visite.
M meldet sich über den Tag verteilt sehr wenig bei mir. (Natürlich höre ich schon drei oder vier Mal täglich kurz von ihm, aber für seine Verhältnisse schreibt er auffallend selten.) Ich machte mir deshalb seit ein paar Tagen etwas Sorgen, doch M meinte, er spüre, dass es wieder bergauf geht. Ich war erleichtert … bis ich ihn nachmittags im Krankenhaus sah. Ich weiß nicht so recht, was ich erwartet habe. Vielleicht dass er häufiger zu Fuß geht anstatt den Rollstuhl zu benutzen? Vielleicht dass die Wassereinlagerungen in den Füßen zurückgegangen sind? Vielleicht dass er zwei Nahrungsbeutel täglich schafft und gut verträgt? Vielleicht dass er allmählich wieder zunimmt? Leider trifft nichts von alledem zu. (In dem Moment war ich doch erleichtert, dass er gestern nicht beurlaubt worden ist.)
Als ich am Nachmittag zu Besuch kam, hatte er die mühevoll über die Magensonde aufgenommene Nahrung erbrochen und musste sich ein paar Minuten lang davon erholen. Ich wusch ihn kurz darauf und zog ihm frische Kleidung an. Auch als ich kurz vor 18:00 Uhr das Krankenhaus verließ, war noch kein Arzt bei ihm. Das sollte für den Rest des Abends auch so bleiben. M fasste es später in seiner Nachricht an mich gut zusammen: Er gilt im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie als austherapiert und ist somit bei diesen Ärzten abgeschrieben. Morgen muss allerdings ein Arzt mit ihm reden, denn wir kennen das aktuelle Ergebnis der Blutkultur (Portbereich) immer noch nicht. Ohne dieses Ergebnis DARF M nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden. (Was ist eigentlich aus den Tests bei der Darmuntersuchung geworden? Hat die Charité das CT erhalten? Wann wird es ausgewertet? Wann wird uns dieses Ergebnis mitgeteilt?)

Ich bin wirklich froh und dankbar, dass sich unsere Familien so sehr um uns kümmern und uns unterstützen. Dennoch wäre es schön, nicht mehrmals pro Woche Beleidigungen und Merkwürdigkeiten an den Kopf geknallt zu bekommen. Das kostet mich nur unnötig Kraft. Ich habe keine Lust auf solche Spielchen!

Was heute schön war:

Vorlesezeit.
L und ich starteten den Tag sehr angenehm. Bei einem Stück Benjamin-Blümchen-Torte lasen wir zwei Geschichten aus ihrem neuen Vorlesebuch. ❤

Arbeit.
Ich habe viel geschafft. Vor allen Dingen konnte ich heute endlich eine wichtige Aufgabe zum Abschluss bringen. Diese nahm im Juni leider mehr Zeit in Anspruch als sonst. Ich freue mich!

Krankenbesuch.
Zweieinhalb Stunden verbrachte ich heute Nachmittag bei M. Wir erkundeten zu Fuß bzw. mit dem Rollstuhl das Helios-Gelände und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Ein paar organisatorische Dinge – sowohl beruflich als auch privat – konnte ich mit M ebenfalls klären.


Telefonat mit J.
Kaum zu Hause angekommen, schnappte ich mir Prinz, Leckerlies, Tüten und die Leine und machte mich auf den Weg zum Sparkassenfinanzzentrum. Unterwegs telefonierte ich mit J. (Leider gibt es in der Filiale keinen Einzahlungsautomaten. Das war … blöd.) J und ich schmiedeten unter anderem Pläne für meinen nächsten Dresden-Aufenthalt … im Jahr 2099 …?!

Sushi.
Weil L die Nacht wieder bei ihrer Oma verbringt, ich somit nicht teilen muss, und J erwähnte, vorgestern Sushi gegessen zu haben, dachte ich mir: Sushi?! Klar, warum nicht! Zum Abendbrot aß ich also mal wieder mein Lieblingsessen.

Danke an die vier Iren! ❤

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 102

Alltagsschnipsel

Mein gestriger Wunsch ging nur teilweise in Erfüllung: Die Schmerzen beim Schulterblatt waren tagsüber auszuhalten (ich konnte also ohne stechenden Schmerz einatmen), wurden gegen Abend jedoch immer unangenehmer. Ich werde den Rat meines Bruders befolgen und für einige Tage eine Sportpause einlegen. Wenn es die Zeit erlaubt, lasse ich mich wegen eines neuen Kissens beraten. Ich erhoffe mir dadurch eine dauerhafte Besserung.

Abgelehnte Beurlaubung.
Ms Nächte werden wieder besser und ruhiger. Er verbringt immer mehr Zeit im Bett statt auf der Toilette im Bad. Dennoch ist er tagsüber noch sehr viel müde. Da heute Morgen die negative Blutkultur aus dem Portbereich noch nicht bestätigt wurde, DURFTE M nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden. Auch eine Beurlaubung für zwei oder drei Stunden am Nachmittag war nicht möglich. So lief ich den restlichen Tag mit einem gebrochenen Herzen (ähnlich wie nach einem heftigen Streit oder einer Trennung) durch die Gegend. M hat mir heute wirklich sehr gefehlt! Ich hatte tatsächlich etwas Liebeskummer.

Was heute schön war:

Geburtstag.
Tausend Dank an alle Gratulanten, die mir über den ganzen Tag verteilt nette, aufmunternde und rührende Worte hinterließen. Ich habe mich unglaublich doll über jede einzelne Nachricht gefreut. Unsere Wohnung duftete bereits am Vormittag nach frischen Blumen. An den zahlreichen Sträußen werde ich mich noch die nächsten Tage erfreuen. Wundervolle Geschenke bekam ich natürlich auch. ❤ Und einen ersten Schritt in Richtung Altersvorsorge bin ich Dank meines Bruder nun auch gegangen – juhu!

Kleine Feier im Familienkreis.
Am Nachmittag trudelten allmählich die Gäste ein. Neben einem selbstgebackenen Erdbeerkuchen, mit dem mich unsere Vermieterin C am Morgen überraschte, gab es zwei Benjamin-Blümchen-Torten – zwei deshalb, weil mein Bruder meinte, eine sei zu wenig. Dummerweise setzte bei ihm dann doch schneller als gedacht die Sättigung ein. 😉 Am Abend wurde gegrillt. Dies übernahm unser Vermieter A, der sogar das Grillgut besorgte. 


Es war ein wirklich schöner Geburtstag – auch wenn M so sehr fehlte!

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 101

Alltagsschnipsel

Was für ein schöner Tag! L, Prinzi und ich haben viel erlebt und hatten von morgens bis abends großen Spaß!

Schulterblatt.
Tat mir bis vor Kurzem mein Nacken weh, meldete sich heute Morgen mein rechtes Schulterblatt. Vor zwei Jahren ließ ich mich deswegen schon von einem Orthopäden (mit einer vor Angst schreienden L auf dem Schoß) behandeln. Damals verschaffte mir nur eine Spritze Linderung. So schlimm wird es diesmal sicher nicht werden … Ich wünsche mir für morgen, dass ich beim Einatmen keinen stechenden Schmerz verspüre. M scheint nämlich die halbe Welt zu uns nach Hause eingeladen zu haben. Da wäre das doch sehr hinderlich.

Ms Gesundheitszustand.
Die Nacht war ruhig und M konnte etwas Schlaf finden. Einer morgigen Entlassung aus dem Krankenhaus stehe ich aber verhalten gegenüber. Ja, die Durchfälle sind seit Tagen vorbei, M konnte nun die dritte Nacht in Folge besser schlafen und auch die Nahrung bekommt ihm. Dennoch macht er einen schwachen Eindruck. Zum Vergleich: Beim letzten Krankenhausaufenthalt Ende Mai/Anfang Juni konnte M täglich (!) das Krankenhaus für einen Spaziergang verlassen. Das ist derzeit absolut undenkbar. Er verbringt 95 Prozent des Tages im Bett. Ich fände es gut, würde M noch eine halbe Woche länger zur Beobachtung im Helios Klinikum verbleiben. Er will es jedenfalls heute Abend oder morgen bei den Ärzten nochmal ansprechen. 

Was heute schön war:

Entspannter Morgen.
Noch bevor L erwachte, investierte ich etwas Zeit in meinen Fernlehrgang. Der kam leider in den letzten Tagen viel zu kurz. Die beiden Einsendeaufgaben werde ich im Juni wohl nicht mehr schaffen. Das macht aber nichts. Als L aufwachte, kuschelten wir uns aneinander und lasen das Märchen „Aschenputtel“. Weil wir abends fast nie dazu kommen, gingen L und ich direkt nach dem Aufstehen in die Badewanne. Auch heute frühstückten wir in aller Ruhe im Esszimmer und ohne fernzusehen. Nach dem Essen spazierten wir mit Prinz im Wohnviertel herum. Ls neue Puppe Mia durfte uns natürlich begleiten.

Waldhaus.
Mittags fuhren wir mit dem Familienauto, das seit Donnerstag mit neuem TÜV aus der Werkstatt zurück ist, in Richtung Waldhaus. Auf dem Weg dorthin hielten wir kurz beim Büro, um den Briefkasten zu leeren, und bei der Tankstelle. Dummerweise hatte ich meine Maske bzw. meinen Loop vergessen, weshalb ich mir kurzerhand eine Warnweste vor das Gesicht hielt, ehe ich die Tankstelle betrat. Wir waren gegen halb eins beim Waldhaus und liefen meinem Bruder und meinen Eltern entgegen. Dabei sahen wir eine Schnecke und eine Zauneidechse. Der Biergarten war unglaublich voll. So viele Menschen habe ich dort noch nie gesehen. Corona, wer oder was ist das?! Wir setzten uns an einen Tisch im Schatten in der Ecke. L und ich tranken eine Himbeerbrause und teilten uns eine Pizza Funghi.


Krankenbesuch.
Mein Bruder begleitete uns nach dem Waldhaus nach Hause. Er war (mal wieder) so lieb, auf Prinz aufzupassen, während L und ich M im Krankenhaus besuchten. Wir fuhren wieder das Familienauto, das mir erneut keinerlei Probleme bereitete. (Ich erwähne es deshalb so oft, weil es mir in der Vergangenheit beim Anfahren des Öfteren einfach ausging. Und wir reden hier von einer Automatikschaltung.) Die erste halbe Stunde unseres Besuchs verbrachte M auf der Toilette, die restliche Zeit wach im Bett. Ich packte die mitgebrachte Reisetasche voll und nahm einen ersten Schwung Kleidung und Kram mit nach Hause. Immerhin steht für morgen die Entlassung aus dem Krankenhaus im Raum …

Badespaß.
Erst am Abend waren wir vom Krankenbesuch zurück. Ich befüllte L das Planschbecken mit Wasser, denn es war immer noch sonnig und warm. L badete und planschte mit ihrer Puppe. Ich machte derweil endlich mal wieder Sport mit fünf verschiedenen Übungen.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 100

Alltagsschnipsel

Gegen acht Uhr wachten L und ich heute gemeinsam auf. Wir lasen das Märchen „Dornröschen“ und krabbelten kurz darauf aus dem Bett. Noch im Schlafanzug begleiteten wir Prinz in den Garten zum Verrichten seines kleinen Geschäfts. Ich machte uns danach Frühstück, welches wir in Ruhe im Esszimmer und somit ohne Fernsehen einnahmen. (Es ist jeden Tag aufs Neue eklig, L beim Essen zuzuschauen.)

Während des Frühstücks gab auch M ein Lebenszeichen von sich. Er hat nicht ganz so gut geschlafen wie die Nacht davor, aber bei Weitem besser als in den vergangenen Nächten. Die Arztvisite ergab nicht viel Neues. Wir gehen somit davon aus, dass die Ärzte zufrieden sind. Um zu schauen, ob der Portbereich noch mit Staphylokokken besiedelt ist, wurde heute erneut Blut genommen. M macht laut eigenen Angaben große Fortschritte beim Laufen. Das gestrige „Lauftraining“ mit der Physiotherapeutin hat sehr viel gebracht.

Während ich mit meinem Bruder per iMessage den Tag plante, räumte ich die Wohnung auf und wischte auch mal hier, mal da. Auch wenn es jedes Mal eine Überwindung ist, freue ich mich hinterher über die Ordnung und Sauberkeit. Ls Zimmer wurde heute sehr gründlich aufgeräumt. Das sah wirklich wirklich schlimm aus!

Was heute schön war:

Einkaufen.
Dank meines Bruders, der sich heute ab 11:30 Uhr mit L (und Prinzi) beschäftigte, konnte ich in Ruhe zum Einkaufen fahren. Ich besorgte eine Menge Getränke für Montag und ein kleines Geschenk für L, das sie sich gewünscht und ich ihr versprochen hatte. Für insgesamt zehn Euro gab ich unser Leergut ab. (Ich hasse diese Aufgabe und bin wirklich stolz auf mich, nicht nur daran gedacht, sondern es auch realisiert zu haben.)


Krankenbesuch.
Mittags fuhr ich ins Krankenhaus zu M. Mein Bruder und meine Eltern beschäftigten während dieser Zeit gemeinsam die Kinder. Vielen lieben Dank dafür! M sah besser aus als gestern. Wir unterhielten uns knapp eine Stunde über verschiedene Themen. Ich futterte nebenbei etwas Kuchen und trank eine Heiße Schokolade. Irgendwann ist M dann wieder eingeschlafen, weil er so müde war. Montag oder Dienstag kommt er schon nach Hause. Für Dienstag versprach er mir einen Star Wars-Filmabend. (Diesmal wird zumindest kein neuer Fernseher dazwischen kommen.) Er hat sogar extra Popcorn für mich organisiert. ❤


Sushi.
Weil es einfach soooo lecker schmeckt, gab es heute Abend wieder Sushi. L bekam Edamame und Kappa Hoso Maki. Mein Bruder aß eine Bowl.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 99

Alltagsschnipsel

Ich habe wieder sehr gut geschlafen. Aufgrund der Helligkeit wachte ich bereits 05:37 Uhr auf und war tatsächlich nicht mehr müde. Ich ahne schon, wer heute Abend als erste einschläft …

Die Gefühle von 2018 sind zurück. Vor zwei Jahren sorgte ich mich sehr um unseren Hund Prinz und rechnete beinahe monatlich mit seinem Ableben. Letztes Jahr hingegen war ich mir sicher, dass er noch eine Weile bei uns bleiben würde. Nun ist Prinz zwölf Jahre alt. Das Alter hat Spuren hinterlassen: er ist auf einem Auge nahezu blind, das andere hat Grauer Star, er ist auf einem Ohr taub, der Geruchssinn hat stark nachgelassen, er hat nur an wenigen Tagen Lust auf „große“ Spaziergänge und gibt sich eher mit zehn Metern rechts und zehn Metern links um unsere Haustür herum zufrieden, er verträgt kein rohes Fleisch mehr, er leidet öfter als sonst unter Durchfällen, er kann seinen Kot (und gelegentlich Urin) nicht mehr halten und hat nur noch wenig Kraft in seinen Hinterbeinen. Vergangenes Wochenende schlief er selbst für seine Verhältnisse sehr viel und sehr tief, sodass ich hin und wieder seine Atmung kontrollierte, weil ich mir so unsicher war, ob er überhaupt noch lebt. Ich wünsche mir, dass er noch eine Weile bei uns bleibt. Für ihn hoffe ich, dass er irgendwann einfach friedlich einschläft. (Ich weiß, dass das nur wenigen Hunden vergönnt ist. Prinz hätte es aber wirklich verdient. Vermutlich waren seine ersten vier Jahre sehr hart für ihn.

Gemeinsam mit der Physiotherapeutin konnte M heute wieder erste Schritte gehen. Es lief gut. M läuft nun wieder in seinem Zimmer umher. Der Rollstuhl steht dennoch in der Ecke bereit.

Was heute schön war:

Ms Nacht.
M schlief von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr in seinem Krankenhausbett. Ohne Unterbrechung! Wie wunderbar ist das denn?! Er bekam somit das erste Mal seit circa zwei Wochen acht Stunden Schlaf am Stück UND verspürte keinen (unnötigen) Drang, auf die Toilette zu gehen. Er meinte, dass dies heute Morgen sogar DAS Stationsgespräch bei den Schwestern war.

Gespräche.
Um zehn Uhr war ich bereits bei M im Krankenhaus. Wir hatten ein Gespräch mit dem Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie mit einer Ärztin und Schwester der Palliativstation. Es ging darum, wie M und ich in Zukunft besser unterstützt werden und an wen wir uns wenden können, wenn es M zu Hause wieder schlecht(er) geht. Uns wird nun ein Palliativteam zur Seite gestellt, das auch ärztliche Hausbesuche durchführt. So können wir uns zukünftig den Gang zur Notaufnahme sparen.Mit der Sozialarbeiterin haben wir am längsten geredet. Sie hat uns beraten, Tipps gegeben und versichert, dass wir sie jederzeit kontaktieren dürfen, wenn wir Hilfe benötigen. M hat nun eine Vorsorgevollmacht.

Krankenbesuch.
Unter Anwendung einiger Tricks und in Absprache mit den Stationsschwestern durften L und ich M am Nachmittag gemeinsam besuchen. (Normalerweise darf nur ein Besucher für zwei Stunden pro Tag pro Patient auf die Station kommen und ich war ja am Vormittag schon da.) L und ich tranken Heiße Schokolade und aßen Kuchen. L durfte eine Folge Pippi Langstrumpf und Yakari schauen. M war leider sehr müde und hat den Großteil unseres Besuchs verschlafen.


Telefonat mit J.
Seit mittlerweile sechsundzwanzig Jahren kennen wir uns. Ich freue mich so sehr, dass der Kontakt nie eingeschlafen ist. ❤ J erzählte mir heute alles über das Blutspenden.