Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 4

Alltagsschnipsel

L und ich schlafen seit Ms Tod nach wie vor im Gästezimmer unserer Vermieter, die im ersten Obergeschoss wohnen. Gestern schlug S, die Tochter unserer Vermieter vor, heute neue Matratzen im IKEA zu kaufen. (Leider sind beide im vergangenen Jahr gekauften Matratzen blutdurchtränkt und somit unbenutzbar.) Da ich gern wieder in meinem Bett in meinem Schlafzimmer schlafen will, stimmte ich zu. (Je länger L und ich warten, umso größer könnten die Hemmungen oder die Ängste vor dem Schlafzimmer werden. Immerhin ist M in unserem Bett im Schlafzimmer gestorben.)

IKEA.
Es war unglaublich voll! Klar, heute ist Samstag. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee, IKEA einen Besuch abzustatten. Circa zehn Minuten mussten S und ich in der Schlange warten, ehe wir das Möbelhaus mit einer Maske betreten durften. Wir erstanden besagte zwei Matratzen, einen Badvorleger, zwei Lampen und einen Spielzeugschrank für L. Ich danke S und R, dass sie diesen Einkauf bezahlt haben. Das kam unerwartet, hilft mir aber sehr! ❤

Was heute schön war:

L-Bespaßung.
Ich bin unglaublich dankbar, dass L so viel Spaß mit T und J hat. Die drei gehen sehr liebevoll miteinander um. R ging mit den Kindern heute auf den Spielplatz auf der EGA.

Grillabend.
Abends wurde gegrillt. Ich aß zwei super leckere vegane Bratwürste und Grillgemüse. 

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 3

Alltagsschnipsel

Heute wachte ich erst kurz vor acht auf. Da L noch schlief, schaute ich mir die Fotos auf Ms Facebook-Profil an. Als ich das Bild von M aus dem Jahr 2011, auf welchem ich ihn damals schon so süß fand, wieder betrachtete, kamen mir die Tränen. Es geht mir zwar von Tag zu Tag „besser“ bzw. wird die Situation „leichter“ oder erträglicher, aber ich vermisse M wirklich sehr. Es ist und bleibt einfach ungerecht.

Gespräch.
Zusammen mit unseren Vermietern C und A und meinem Kollegen M traf ich mich heute mit einem potentiellen Investor. Wir haben einen groben Fahrplan bzw. eine erste Vorgehensweise besprochen. Die Verhandlungen können allmählich beginnen.

Rücksichtslosigkeit.
Wie auch gestern schickte mir der zweite Geschäftsführer eine iMessage mit einem Verweis auf eine dringende E-Mail. Ich verstehe die Dringlichkeit und werde am Wochenende auf seine Mail antworten. Ich verstehe jedoch nicht, weshalb JETZT alles plötzlich so eine Eile hat, wurde doch in den letzten Wochen und Monaten tatenlos zugeschaut. Ich gebe es zu: Ich liebe es, Leute dieses Schlags zu ärgern bzw. bewusst hinzuhalten. (Ich weiß, dass das nicht sehr erwachsen ist.)

Was heute schön war:

Besuch.
Am späten Mittag besuchte mich B, den ich seit Monaten (Jahren?) nicht mehr gesehen habe. Er hat sich sehr verändert und ist erwachsen(er) geworden. Obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben, kam es mir so vor, als sei keine nennenswerte Zeit vergangen. Mit meiner Grundschul-/Orchesterfreundin J geht es mir genauso. Wir haben uns wirklich richtig gut über viele Themen unterhalten. 

L-Bespaßung.
Danke an R, dass er seit seiner Ankunft in Erfurt so viel mit L und seinen beiden Jungs unternimmt. Das verschafft mir die Zeit, mich mit den Firmenangelegenheiten bzw. mit Allem rund um Ms Tod zu beschäftigen.

Zuwachs.
Als R mit den drei Kindern aus der Stadt zurückkehrte, brachten sie S vom Hauptbahnhof mit, die heute Morgen von Irland nach Deutschland flog. Wir unterhielten uns viel. Am Abend bestellten wir bei unserem Vietnamesen des Vertrauens leckeres Essen.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 2

Alltagsschnipsel

Rücksichtslosigkeit.
Auch heute wurde die Richtigkeit meiner Entscheidung, eine weitere Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft abzulehnen, bestätigt. Es wird keine Rücksicht genommen – offensichtlich auch nicht bei einem Todesfall. Am Abend erhielt ich vom zweiten Geschäftsführer eine iMessage auf mein Privattelefon, ich möge doch eine dringende und äußerst wichtige E-Mail lesen. (Zur Erinnerung: M ist erst vor zweieinhalb Tagen gestorben und ich befinde mich in Trauer.) Die E-Mail las ich natürlich allein aus reiner Neugier. Wichtig war der Inhalt, keine Frage. Aber um einen Großteil hatte ich mich bereits heute gekümmert und zu allem anderen sage ich entschieden Nein. Ich werde keine meiner Aufgaben an die Muttergesellschaft „zu meiner Entlastung“ ab- und schon gar nicht die Login-Daten verschiedener Tools weitergeben.

Was heute schön war:

Telefonat mit B.
Am Vormittag rief mich mein Grundschul-/Orchesterfreund B an, den ich ebenso wie J bereits seit sechsundzwanzig Jahren kenne. Er wird morgen zu Besuch kommen. Ich habe mich wirklich sehr über den Anruf gefreut.

Besuch.
Mittags besuchte mich B, die für ein paar Tage in Erfurt ist. Sie brachte L, die sich bereits mit R, T und J auf dem Weg zum Spielplatz befand, ein Conni-Heft und einen Schildkröten-Schlüsselanhänger mit. ❤ Wir unterhielten uns zunächst bei uns im Garten und machten uns später mit einem demotivierten Prinz ebenfalls auf in Richtung Spielplatz.

Telefonat mit meinem Bruder.
Am späten Nachmittag telefonierte ich nochmals für eine Stunde mit meinem Bruder. Die Zeit verging wieder echt schnell.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 1

Alltagsschnipsel

Unsere erste Nacht zu dritt, die wir nicht bei uns unten in der Wohnung, sondern im Gästezimmer bei C und A verbrachten, verlief ruhig und störungsfrei. L schlief vierzehn (!) Stunden, ich um die acht. Als ich 06:30 Uhr rum erstmals erwachte, dachte ich sofort an M und musste wieder weinen.

Wir aßen halb zehn gemeinsam Frühstück. Ich konnte heute bereits schneller/besser essen. Gestern war mir immerzu schlecht. Das war heute zum Glück schon wieder anders.

Noch im Schlafanzug flitzte ich um zehn durchs Treppenhaus und ließ erst Ms Mama, kurz darauf auch Ms Papa in unsere Wohnung herein. Im Bad kleidete ich mich anschließend an. (Ich wählte wieder schwarz. Ich habe noch keine Meinung zu meiner Farbwahl in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten … Die Anzahl meiner schwarzen Kleidungsstücke ist zudem auch überschaubar.) L wollte lieber oben bei C und A bleiben.

Als Ms Schwester mit dem kleinen Baby kam, setzten wir uns im Esszimmer zusammen und klärten vorab die für uns wichtigen Punkte. Viertel vor elf betrat der Bestatter unsere Wohnung. Zweieinhalb Stunden organisierten wir gemeinsam die Trauerfeier und Urnenbeisetzung, die am 22. Juli stattfinden werden. Ms Eltern verloren hin und wieder den Fokus und schweiften thematisch ab. Da ich sie nun allerdings schon über acht Jahre kenne, atmete ich tief ein und ließ es gut sein. Immerhin haben sich die beiden nicht die Köpfe eingeschlagen. 

Wir aßen zu siebt oben Abendbrot. Das war sehr schön, auch wenn ich schauen sollte, dass sich Ls Tischmanieren wieder denen eines vierjährigen Kindes anpassen. Aktuell erinnert sie mich an ein Baby mit ersten eigenständigen Versuchen der Nahrungsaufnahme.

Am späten Abend las R den drei Kindern, darunter auch L, eine Gutenachtgeschichte vor. ❤

Was heute schön war:

Telefonat mit einem Investor.
Ich werde kämpfen! Für meinen M! Als halb elf ein potenzieller Investor anrief und zumindest optimistisch klingende Neuigkeiten verkündete, kullerten bei mir kleine Freudentränen. Auch wenn ich noch nicht weiß, was auf mich zukommt, weiß ich es dennoch sehr zu schätzen, dass er alles daran setzen will, Ms Lebenswerk zu retten. Am Freitag treffen wir uns für mögliche Wege in eine bessere (?), zumindest andere berufliche Zukunft.

Zuwachs.
Am Nachmittag trudelten R und seine zwei Jungs T und J bei uns ein. L war fünf Minuten schüchtern und versteckte sich hinter meinem Rock, taute aber schnell durch den ihr gereichten Smarties-Keks auf und ward dann viele Stunden bis zum Abendessen nicht mehr gesehen. Sie hatte wirklich großen Spaß mit den beiden und spielte/lachte/erzählte viel mit ihnen.

Besuch.
Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J besuchte mich heute Nachmittag wieder. ❤ Wir gingen mit Prinzi spazieren, der sich tatsächlich darüber zu freuen schien, und quatschten anschließend bei uns im Garten über Gott und die Welt. Ich danke ihr sehr!

Telefonat mit M.
Mein lieber Bruder ist immer für mich da. Sowas ist nicht selbstverständlich. Ich danke ihm sehr für das einstündige Telefonat am Abend. Wir haben ausschließlich über meinen M gesprochen bzw. ging es immer um Themen rund um sein Leben.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 0

Alltagsschnipsel

Was für ein merkwürdiger, unfassbar trauriger, ja eigentlich surrealer und schrecklicher Tag!

Die ersten paar Stunden nach der Abholung von Ms Leichnam durch das diensthabende Bestattungsinstitut vergingen im Schneckentempo. Als bei mir der Schock einsetzte und gleichzeitig der Adrenalinspiegel sank, kamen Übelkeit, ein stark gebrochenes Herz (das äußerte sich durch ein krampfartiges Ziehen im Brustbereich) und unendliche/unbeschreibliche Traurigkeit auf. Die vor vielen Tagen schon in meinen Augen spürbaren Tränen, die sich ihren Weg allerdings nicht nach draußen bahnen konnten/wollten, musste ich nun nicht mehr zurückhalten. Ich konnte wieder weinen.

Halb achte schaffte ich es endlich, erst meinen Bruder und kurz darauf Ms Schwester über Ms Tod zu informieren. Ich bat beide darum, es in den Familien zu verkünden. Über den Tag verteilt, verbreitete ich die traurige Nachricht an immer mehr Personen. Bis zum späten Abend erhielt ich zahlreiche Beileidsbekundungen. Ich war ob der vielen lieben Worte sehr gerührt. M hatte einen unglaublich großen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. ❤ Ich bin ihm unendlich dankbar dafür, dass ich Teil dieser Kreise sein darf.

Um neun telefonierte ich mit einem potentiellen Investor, teilte ihm die neue Ausgangslage mit und weinte, als er mitteilte, eine Zusammenarbeit nicht für ausgeschlossen/unmöglich zu halten. Er versprach mir, sich heute die Finger wund zu telefonieren und sich morgen wieder bei mir zu melden.

Am Mittag kamen Ms Schwester, ihr Mann und ihr Baby zu Besuch, am Nachmittag meine Eltern, kurz darauf unser Freund N und schließlich meine Grundschul-/Orchesterfreundin J. J brachte sogar Sushi mit. Ich glaube, ich habe noch nie so wenig Sushi gegessen wie an diesem Abend.

Über den Tag verteilt trudelten drei Päckchen für M ein. Das war ein merkwürdiges Gefühl. Das erste Paket deute ich als Abschiedsgeschenk für L und mich: vier verschiedene Sorten Sirup. (Ich habe in den Supermärkten immer kein Sirup gefunden. L und ich aßen am Mittag Pfann-/Eierkuchen und probierten das Schokoladensirup aus.


Bereits morgens beschlossen L und ich, die Nacht nicht unten in unserer Wohnung zu verbringen, sondern im Gästezimmer unserer Vermieter C und A. L fielen am Abendbrotstisch gegen 19:00 Uhr allmählich die Augen zu, sodass ich sie nur noch ins Bett legen brauchte und sie sofort einschlief.

Das am Abend des 5. Juli 2020 von M zubereitete letzte Abendmahl für L aß ich heute trotz Fleischbeilage auf. Es wird das letzte Mal gewesen sein, dass ich Fleisch aß. (Zuletzt konsumierte ich 2018 an einem Tag des Jahres durch eine dumme Situation etwas Fleisch, davor … puh … 2013?!) Ich tat es für M. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, das Essen verkommen zu lassen und wegzuschmeißen.

Ein letzter Atemzug

Alltagsschnipsel

Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich die folgenden Zeilen für mich (und andere) festhalten will. Vermutlich werde ich mir das Nachfolgende nie oder erst in einigen Jahren wieder durchlesen (können). Ich brauche jedoch diese Art der Befreiung, um in meiner Trauerverarbeitung voranschreiten zu können.

Am Morgen des heutigen Tages rief mich M gegen 03:00 Uhr zu sich ins Wohnzimmer. Wie auch am Tag zuvor erwachte ich bereits beim ersten Ruf meines Namens. Im Wohnzimmer angekommen, stellte ich erleichtert fest, dass M nur meine Hilfe beim Abstöpseln des Schlauchs für die Nahrungsaufnahme benötigte. Ich brachte M ins Bett, deckte ihn zu und legte mich auf meine Seite, um weiterzuschlafen. 

Kurz darauf fiel M ein, dass er noch die Taschentuchbox benötigt. Ich stand auf, brachte ihm besagte Box ins Schlafzimmer und legte mich erneut auf meine Seite des Bettes.

Circa 03:53 Uhr erklangen Ms letzte Worte: „Katja, ich blute!“ Ich stand schnell auf und lief zu ihm, um mir das aus seiner Halswunde herauslaufende Blut anzusehen. Sechsundzwanzig (!) Stunden hatten wir keine Sickerblutung mehr. Die Blutmenge wirkte auf mich auf den ersten Blick okay. (Erst nach seinem Tod begriff ich, dass innerhalb dieser paar Minuten doch recht viel Blut aus der Wunde austrat.) Ich holte ein dunkles Handtuch, wie es die Ärztin des Palliativteams empfohlen hatte, und drückte es als eine Art Druckverband auf die blutende Stelle am Hals. Ms Atmung kam mir jedoch merkwürdig vor. Im Vergleich zu den zwei Sickerblutungen atmete er nun hektisch/panisch, zumindest sehr aufgeregt. Auch sah ich an seinem immer verklärender werdenden Blick, dass ihm vermutlich niemand mehr würde helfen können. In meiner eigenen Panik sagte ich zu ihm: „Scheiße, ich glaube du stirbst!“ (Ich ärgere mich, dass ich diesen Satz, auch wenn er der Wahrheit entsprach, nicht unterdrücken konnte.)

Nur wenige Sekunden später hörte ich ein Grummeln in Ms Magen-/Darmtrakt. Ich dachte zuerst, er hätte sein großes Geschäft im Bett verrichtet. Ich fasste an die Stelle und bemerkte schnell, dass hier alles voller Blut war. Somit muss auch aus einer anderen Körperöffnung Blut herausgelaufen sein. In diesem Moment wusste ich hundertprozentig, dass es vorbei war.

Mit einer Hand auf dem „Druckverband“ versuchte ich, Ms Telefon zu entsperren. Das dauerte mir viel zu lange. Als ich es nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte, rief ich um 03:56 Uhr den Notarzt. Ich missachtete alle Regeln, verzichtete auf die Beantwortung der WWW-Fragen und bombardierte den Mann am anderen Ende der Leitung mit meinen (panischen) Worten. Das Warten auf den Rettungswagen war unerträglich. (Dieser kam „erst“ nach einer Viertelstunde.) Ich streichelte M immer wieder mit meiner freien Hand über den Kopf und sagte ihm mantraartig immer wieder dieselben Worte: „Ich liebe dich! Ich werde dich immer lieben!“ Irgendwann glaubte ich, nur noch meinen Puls zu hören, denn ich spürte unter der Hand, die auf dem „Druckverband“ lag, kein pulsieren mehr. Ms abwesender Blick sprach Bände und seine zuvor panische Atmung war wieder „normal“, falls er überhaupt noch atmete.

Barfuß und im Schlafanzug flitzte ich beim ersten Blaulicht durch den Garten vor zum Tor, um die zwei Rettungssanitäter hereinzulassen. Ich sagte auch ihnen, dass sie zu spät seien. Als die beiden unsere Wohnung betraten, bekam ich erste Anweisungen: Hund aus dem Weg! Kind aus dem Bett! Da Prinz friedlich schlief, hob ich L in meine Arme und trug sie ins Wohnzimmer. Dort erwachte sie. Die beiden Rettungssanitäter bestätigten mir, dass M tot sei. Ich brachte Prinz und L viertel nach vier hoch zu unseren Vermietern, die ich wachklingeln und mit dieser furchtbar schrecklichen Nachricht als erste konfrontieren musste.

Der Notarzt kam wenige Minuten nach dem Eintreffen der Rettungssanitäter. Er stellte den Tod fest. In Ms Totenschein wurde festgehalten, dass er am 7. Juli 2020, 04:00 Uhr, verblutet ist.

Ich unterhielt mich mit einem der beiden Rettungssanitäter und später mit dem Notarzt. Dieser meinte, selbst wenn wir eine Patientenverfügung gehabt hätten, wäre es bereits zu spät gewesen. Selbst für diese schwere Erkrankung sei M nach Meinung des Notarztes zeitig gestorben. (Von der Diagnose bis zu seinem Tod sind „nur“ 13,5 Monate vergangen.)

Das diensthabende Bestattungsinstitut wurde von den Rettungssanitätern informiert, bevor diese gemeinsam mit dem Notarzt gingen. Ich krabbelte zu M ins Bett, setzte mich neben ihn und verabschiedete mich in aller Ruhe von ihm. Die Minuten bis zum Eintreffen des Bestattungsinstituts wartete ich oben bei unseren Vermietern. Ich erzählte L, dass ihr Papa gestorben ist. Sie weinte herzzerreißend, schrie und schlug mit den Armen um sich. (Sie schlug mir mehrfach ins Gesicht. Es war für mich heute okay.) Wir weinten alle zusammen, unterhielten uns und tranken Kaffee.

Das Bestattungsinstitut kümmerte sich nun um M. Wir durften weiterhin in der oberen Wohnung warten. M wurde gesäubert/gewaschen. Ihm wurden die von mir herausgelegten Kleidungsstücke angezogen. (Hätte M mir über die Schulter geschaut, hätte er den Kopf geschüttelt. Er hätte definitiv andere/schickere Kleidung gewählt. Ich legte einen Pullover raus, den ich ihm vor Jahren geschenkt hatte.) Als M im Wohnzimmer aufgebahrt war, durften wir uns ein letztes Mal von ihm verabschieden. Ich instruierte L, was sie nun zu sehen bekäme, und fragte, ob sie ihren Papa noch mal sehen wolle. Sie bejahte. Ich bat sie, mir sofort Bescheid zu sagen, wenn sie den Raum verlassen will. L und ich warfen einen kurzen Blick auf unseren lieben M, ehe L mit mir raus in den Flur gehen wollte. C und A standen noch eine Weile um den Sarg herum.

In ewiger Erinnerung 

letztes Buch: „Kaltblütig“ von Truman Capote
letzter Film: Zwei glorreiche Halunken 
zuletzt gekocht: DDR-Tomatensoße mit Jagdwurstwürfeln und Hochzeitsnudeln
letztes Game: The Last of us Part II für die PS4

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 116

Alltagsschnipsel

Sickerblutung.
Nachts um 02:00 Uhr rief mich M vom Wohnzimmer aus. Wie eine Mama bei ihrem Baby wachte ich sofort auf und ging zu ihm. Beim Anblick seines blutenden Halses stieg leichte Panik in mir auf. Wir stellten allerdings schnell fest, dass die Blutung bereits wieder aufgehört hatte. Ich brachte M ins Bett, deckte ihn zu … und fand selbst kaum Schlaf in dieser Nacht. Meine Sorge um M war zu groß. Außerdem hielt mich seine laute Atmung (sein Schnarchen) vom Einschlafen ab.

Ich stand gegen um sieben auf, ging mit Prinz ein wenig draußen spazieren, weckte anschließend L und fuhr mit ihr kurz nach halb neun zum Kindergarten. L versteckte sich hinter meinem Rücken, als eine Erzieherin die Tür öffnete, und weinte kurz darauf. Sie tat mir leid, jedoch war mein Tag voller Termine. Ich hätte mich heute nicht um meine kleine L kümmern können. Als ich wenig später zu Hause eintraf, hatte Prinz (trotz des Spaziergangs am Morgen) sein großes Geschäft im Flur verrichtet.

Verordnung.
Bereits halb acht morgens rief ich bei unserer Allgemeinmedizinerin an. Ich sprach mein Anliegen (eine rückdatierte Verordnung für Ms Wundreinigung) auf den Anrufbeantworter. Ich nahm am Daily teil und arbeitete bis mittags. Eine Rückmeldung von der Hausärztin erhielt ich nicht. Da Rezepte und Verordnungen montags nur von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr abgeholt werden können, fuhr ich halb eins rum zum Büro. Dort übergab ich meinem Kollegen F ein Smartphone für einen unserer Kunden. Ich lief zum Steuerbüro, übergab einer Mitarbeiterin den von M und ME unterzeichneten Jahresabschluss und machte mich auf den Weg zur Hausärztin. Nach Prüfung der Unterlagen teilte mir die Ärztin mit, dass ich heute keine Verordnung ausgehändigt bekommen würde. Sie schlug jedoch vor, morgen Vormittag auf einen Hausbesuch vorbeizukommen.

Studie.
Auf dem Rückweg zum Auto telefonierte ich lange mit einer Studienärztin der Charité. Wir sprachen über Ms Gesundheitszustand, seine körperliche Verfassung und Organisatorisches. Zu Hause schickte ich den letzten Arztbrief des Helios Klinikums per Mail an einige Charité-Ärzte und brachte die CT-CD zum Briefkasten. (Ich bin immer noch wütend, dass ICH das erledigen musste. Ich verstehe nicht, weshalb das Helios Klinikum die Unterlagen nicht der Charité übermitteln konnte/wollte.)

Besprechung.
Ich holte L gegen viertel nach vier am Nachmittag vom Kindergarten ab. Wir fuhren nach Hause. Ich zog M an, gab Prinz, der allein zu Hause bleiben musste, vorzeitig sein Fressen und fuhr mit M und L zum Büro. Während M und S meinem M die zwei Etagen nach oben halfen, brachte ich L zu meinen Eltern. M und ich nahmen zweieinhalb Stunden an einem beruflichen Termin teil. Da meine Nacht nur so mittel war, wurde ich kurz nach 18:00 Uhr müde und konnte mich kaum noch konzentrieren. M konnte seine Augen kaum offen halten, schloss sie des Öfteren und atmete laut/schnarchte. Er meinte aber, dass er nicht schlief. Ich glaube ihm das. Ihn zu diesem Termin begleitet zu haben, war falsch. Wir hätten ihn absagen, zumindest in einen Call abändern müssen. M ging es nicht gut. Dieser (sinnfreie) Termin war sehr anstrengend für ihn.

Kurz nach 20 Uhr holte ich L bei meinen Eltern ab. M und S blieben solange bei M im Büro und warteten auf unsere Rückkehr. Erst halb neun abends waren M, L und ich wieder zu Hause. Der arme Prinz war viereinhalb (!) Stunden alleine in der Küche. Ein Großteil des Küchenbodens war mit seinem Kot übersät, der restliche Boden war kotverschmiert. Ich half M auf die Couch, schrubbte während eines Schreianfalls von L den Küchenboden, zog ihr anschließend die Schlafsachen an und machte ihr eine Serie auf dem iPad an. Dann hatte ich endlich Zeit für den armen M, der total erschöpft auf der Couch lag. Ich half ihm bei den Medikamenten sowie der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Gegen 21:30 Uhr leierte ich mir eine Tiefkühl-Pizza rein und ging mit L schlafen.

Eckdaten M.
geschlafen: mit Pausen nahezu den ganzen Tag 
gegessen: um die 900 kcal
getrunken: viel 
bewegt: Schritte in der Wohnung, im Garten und im Büro mit zahlreichen Stufen

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 115

Alltagsschnipsel

Gedanken zum Toilettenstuhl.
Ich hasse ihn. Nicht den Stuhl selbst, sondern vielmehr die Tatsache, dass er seit einer halben Woche von M regelmäßig/ausschließlich benutzt wird und natürlich entleert/gesäubert werden muss. Als der Lieferant den Stuhl im Garten abstellte, meinte er, dass ich ihn ja nicht entleeren müsse. (Er dachte vermutlich, dass dies vom Pflegedienst übernommen werden würde.) Mir war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass niemand den vollen Behälter unter dem Stuhl entleeren würde, wenn ich es nicht täte. Meine Methoden wie Luftanhalten oder an etwas Schönes denken haben bisher nicht ausgereicht. Es ist und bleibt einfach super eklig. Bei jedem zweiten oder dritten Mal muss ich erbrechen. M ist nach wie vor nicht in der Lage, es selbst zu tun. (Er würde es aber gern selbst machen.)

Pflegetätigkeiten.
Wenn ich morgens erwache und aufstehe, gehe ich zuerst zum Infusionsständer und schaue, ob Tee gekocht und anschließend in den Flüssigkeitsbeutel umgefüllt werden muss, ob schon ein neuer Nahrungsbeutel angehängt gehört und ob die Schlauchsysteme getauscht werden müssen. Anschließend helfe ich M bei seinen Medikamenten. Ich zerkleinere mithilfe des Mörsers die Tabletten, gebe das Pulver in eine Spritze und fülle diese mit Wasser. M verabreicht sich daraufhin den Inhalt über die Magensonde. Dies wiederholen wir circa zehn Mal. Nun bringe ich M frische Kleidung und helfe ihm beim Anziehen, denn das schafft er aktuell nicht alleine. Zwischendurch säubere ich die Couch/räume seinen Platz auf und bin immer auf Zuruf da, um ihm aufzuhelfen/etwas zu bringen. Denn auch das schafft M derzeit nicht alleine. Am Nachmittag bereite ich ihm im Garten einen gemütlichen Platz vor, gehe mit ihm je nach Tagesform mal mehr, mal weniger Schritte durch den Garten und bringe ihn meist anderthalb oder zwei Stunden später wieder in die Wohnung. Je nachdem wie müde ich am Abend bin, helfe ich ihm erneut bei der Einnahme der Medikamente. An manchen Tagen vertraue ich aber einfach darauf, dass er alle Tabletten ordnungsgemäß einnimmt. Ich gehe jedoch niemals ins Bett, bevor ich nicht nochmals den Infusionsständer überprüft und M mit der Essenseinnahme genervt bzw. ihn daran erinnert habe.

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, bis 06:00 Uhr auf der Couch, danach Wechsel zu uns ins Bett mit kurzer Unterbrechung durch den Pflegedienst (die Pflegerin kam 06:43 Uhr)
gegessen: 835 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Heute litt M wieder unter Kieferschmerzen. Es gibt aktuell so viele offene Baustellen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo wir anfangen sollen, uns Hilfe zu suchen. Ich bewundere M für seinen (Über-)Lebenswillen. Abends kochte er wieder für L und mich. ❤

Gerade als ich L bettfertig machen wollte, stellten wir fest, dass Ms Narbe/Wunde am Hals blutete. Es tropfte bereits aus dem Verband auf sein T-Shirt. Ich rief das Palliativteam an. Gegen viertel nach neun trafen eine Ärztin und ein Pfleger ein. Es handelte sich glücklicherweise „nur“ um eine Sickerblutung, die vermutlich den ganzen Tag über lief. Da kein Blut tropfte oder floss, wurde ein neuer Verband angelegt. Kaum war die Ärztin fertig, war es wieder da: das ungute Gefühl und das Wort „Tod“, das über unseren Köpfen schwebte. Die Ärztin fragte uns, ob wir irgendwann mal zum Thema Verbluten bzw. zur Tumorblutung aufgeklärt wurden. (Nein, wurden wir nicht.) Bei letzterem sei die Hauptschlagader betroffen und niemand könne M dann noch helfen. Ich soll, falls das Blut schwallartig aus seinem Hals spritzt, dunkle Handtücher holen, um bei M nicht noch mehr Panik zu verbreiten, und einen Druckverband anlegen. Ist M dann doch „beunruhigt“, soll ich ihm ein Beruhigungsmittel SPRITZEN. (Ich wurde ausführlich in alle Einzelheiten, den Aufbau der Spritze und in den Vorgang selbst unterwiesen.) Den Notarzt können wir rufen, aber „manchmal ist es auch ausreichend, wenn jemand bis zum Ende da ist.“ Mit diesen beruhigenden und ermutigenden Worten brachte ich schließlich L ins Bett. (M amüsierte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten über die Panikmache. Er hält eine Tumorblutung für ausgeschlossen, da am Hals kein Tumor ist.)

Was heute schön war:

Parkspaziergang.
Am späten Vormittag liefen L, Prinzi und ich zum Briefkasten, um die von M geliehenen und mittlerweile geschauten Blu-rays zurückzuschicken, und anschließend in den Park. Begleitet hatte uns diesmal Ls Puppe Lotta oder Mia (der Name wechselt des Öfteren) im Puppenwagen. Obwohl L auf einem „Geheimweg“ Kontakt zu Brennnesseln hatte und wir wegen des Kühlakkus umgehend nach Hause gehen mussten, war es ein schöner Ausflug.


Entschleunigung.
Es war bis 20:30 Uhr ein schöner, ruhiger und entspannter Sonntag, an dem wir „nichts“ machten.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 114

Alltagsschnipsel

Verordnung.
Ich fühle mich veralbert. Gestern erhielt ich vom Gesundheitsdienst die Information, dass die Verordnung zur Wundreinigung nun erteilt wurde und vorliegt. Am Vormittag erzählte mir der Pflegedienst, dass die Hausärztin zuständig sei. ICH werde mich somit am Montag telefonisch mit unserer Hausärztin in Verbindung setzen, um Ausstellung der Verordnung bitten und diese vermutlich in der Praxis abholen. Ich opfere also schon wieder Arbeitszeit für die Bürokratie. Interessiert aber niemanden.

Fahrradtour.
Unsere Vermieter C und A haben sich über das Wochenende E-Bikes ausgeliehen und starteten am Vormittag ihre erste Testfahrt. (Sie überleg(t)en, sich welche zu kaufen/leasen.) Abends kam C alleine zurück. A ist in der Nähe von Tiefthal vom Fahrrad gestürzt und hat sich sein rechtes Handgelenk gebrochen. Er befand sich seit mittags im Helios Klinikum und wurde gegen 20:00 Uhr operiert. Bei der OP mit örtlicher Betäubung wurde festgestellt, dass es im Handgelenk einiges an Trümmern gab, die erst einsortiert und fixiert werden mussten. Nun befinden sich eine Platte und ein paar Schrauben in seiner Hand. Gute Besserung A!

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, bis 01:00 Uhr auf der Couch, danach Wechsel zu uns ins Bett
gegessen: 1150 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten 

Es hat geklappt: M schaffte 1,75 Nahrungsbeutel. Das ist sehr gut. (Ich habe ihn aber auch den ganzen Tag über mit Essen und Trinken genervt. Leider funktioniert es nicht anders.) Wir müssen es schaffen, dass er dauerhaft genügend Kalorien aufnimmt. Er muss zunehmen! Obwohl er sich tatsächlich besser zu fühlen scheint (er bekochte L und mich am Abend und stand dafür gut zwei Stunden in der Küche), mache ich mir doch große Sorgen um ihn. M hat definitiv weiter abgenommen. Dafür muss er nicht mal auf eine Waage steigen. Vor wenigen Tagen konnten sich mein Daumen und Mittelfinger noch nicht berühren, wenn ich meine Finger um seinen Oberarm legte, heute hingegen schon. Er sieht im Gesicht auch noch mal ein paar Jahre älter aus. Aufstehen, vor allem von der Liege- in die Sitzposition kann er nur mit Hilfe. Heute hatte er dabei erstmals starke Schmerzen im Rücken. (Er hat kaum bis keine nennenswerten Muskeln mehr.) Ich bin mir nicht sicher, wie lange sein Körper diese Strapazen durchhält …

M schickte gestern die Bilder vom CT sowie den Arztbrief digital nach Berlin. Die dortigen Ärzte müssen nun entscheiden, wie es mit der Immunchemotherapie, die seit einigen Wochen pausiert, und auch mit seiner Teilnahme an der Studie weitergehen soll. Ich drücke für M alles, was ich habe. Seine Zellen regenerieren sich bereits. Wir merken das unter anderem am Wachstum seiner Haare. Das ist einerseits natürlich schön für M, bedeutet aber auch, dass die Tumorzellen wieder erstarken.

Was heute schön war:

Kühlschrank.
M ersteigerte/kaufte über die eBay-Kleinanzeigen einen Kühlschrank für uns. Wir haben nun viel mehr Platz, im Inneren sieht er richtig sauber und ordentlich aus und die Größe des Gefrierschrankes ist im Vergleich zum alten ein absoluter Traum. L war auch begeistert. Danke an meinen Schwippschwager und seinen Kumpel fürs Abholen beim Verkäufer, den Transport zu uns nach Hause und das Reintragen in die Küche.


Erdbeer-/Kirschernte.
L und ich ernteten heute Mittag ein paar Walderdbeeren und erste Sauerkirschen. Letztere entkernte und zuckerte ich. Von unserer Vermieterin C werden wir uns den Entkerner leihen. Dann sind die Kirschen schneller und sauberer entkernt als mit dem Messer.


Zeit mit L.
Wochenenden sind wirklich toll! Sobald die Arbeit wegfällt, ist das ganze Drumherum viel besser zu koordinieren und handhaben. Ich hatte heute nicht nur mehr Zeit für M, sondern auch für L. Wir haben viel draußen gespielt. (L war Pikachu und ich Ash.)

Besuch.
Mit leckerem Kuchen, schicken neuen Kleidern und einer Überraschung für L kamen am Nachmittag meine Eltern vorbei. Wir machten es uns draußen bei einer Tasse Kaffee gemütlich.

Sport.
Am Abend konnte ich sogar die beiden Übungen von Tag zwei meines Sportprogramms in mein Spiel mit L integrieren. Das war sooooo toll! Für morgen nehme ich mir Tag drei vor.

Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 113

Alltagsschnipsel

Kinder geben so viel zurück … 
… oder wie das heißt, wenn sie gelegentlich kleine undankbare Wesen sind. 😉 Unter Ignoranz meines Hungergefühls und eine Dreiviertelstunde vor meinem ersten beruflichen Call baute ich L die Autorennbahn auf, mit der sie UNBEDINGT spielen wollte. (Ich wollte zuerst Frühstück machen und mich anziehen.) Das tat sie dann auch – etwa fünf Minuten, dann verlor sie die Lust. Ach ja …


Verordnung.
So ein Heckmeck. Der Pflegedienst kümmerte sich seit Ms Entlassung aus dem Krankenhaus um die Wundreinigung seiner zwei Wunden nebst Verbandswechsel. Eine ärztliche Verordnung hierfür lag bis heute immer noch nicht vor, weshalb der Pflegedienst (richtigerweise) mitteilte, dass morgen kein Pfleger geschickt werde. Es fühlte sich einfach kein Arzt verantwortlich, diese Wundversorgungsverordnung auszustellen. Nach langem Hin und Her und zahlreichen Telefonaten mit dem Gesundheitsdienst, dem Pflegedienst und dem Helios Klinikum lag am Mittag endlich besagte Verordnung vor. Leider hatte ich mich dem Ansprechpartner vom Gesundheitsdienst gegenüber unfair verhalten und meinen Ärger über die Situation an ihm ausgelassen. (Ich hatte mich mehrmals während des Gesprächs dafür entschuldigt.) Vielleicht sollte ich in Zukunft gar nicht mehr ans Telefon gehen – erst vergraule ich unsere Kunden, dann lasse ich meine Wut an den Falschen aus. Das ist keine gute Entwicklung. Morgen ist zum Glück Wochenende, da dürfte das Telefon stillstehen.

Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, aber nur auf der Couch ohne Wechsel zu uns ins Bett
gegessen: 700 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: okaye Menge
bewegt: Schritte in der Wohnung 

M ließ von gestern Abend an einen zweiten Nahrungsbeutel bis heute Morgen 05:00 Uhr laufen – leider ohne Erfolg. Sobald er waagerecht liegt, läuft die Ernährung nicht in den Magen. Der Beutel war somit noch genauso voll wie gestern. Das hat uns beide sehr geärgert.
Aus diesem Grund hatte ich beschlossen, heute härter durchzugreifen. Ich nervte M den ganzen Tag über. Erfolg hatte ich wieder keinen, denn er trank zwar ausreichend, nahm aber wieder nur einen Ernährungsbeutel zu sich. Auf diese zwei Beutel werde ich jetzt trotzdem circa vier bis fünf Tage beharren, ehe wir auf drei erhöhen. An der ganzen Situation ist seine Fatigue nicht ganz unschuldig. 😦

Was heute schön war:

Ordnung und Sauberkeit.
Ich ließ die Arbeit heute größtenteils Arbeit sein und kümmerte mich stattdessen um unsere Wohnung, die das auch bitternötig hatte. L bot mir ihre Hilfe beim Putzen an, schnappte sich nacheinander um die zwanzig Allzwecktücher und säuberte Waschbecken, Tür, Badewannenrand etc. Sie erzählte mir, sie helfe mit, damit unsere Wohnung sauber ist, wenn ihre Freunde K und Y aus dem Kindergarten bei ihr übernachten. So süß! 

Einkauf.
Nach der Reinigung der Wohnung fuhr ich mit L zur Apotheke und holte für M ein Medikament ab, das gestern bestellt wurde. Anschließend gingen wir kurz ins Real und kauften wenige Dinge nach, die ich gestern vergessen hatte. (Wir brauchten unter anderem zwei Liter Öl für die „neue“ bei eBay gekaufte Fritteuse.)

Besuch.
Am späten Nachmittag bekamen L und ich Besuch von meiner Freundin und ehemaligen Kollegin A mitsamt Mann und Baby. ❤ Zu futtern gab es leckere Zimtschnecken. Sogar L flüsterte mir irgendwann ins Ohr, dass sie das Baby süß findet. (Sie erzählte mir von morgens an, dass sie keinen Besuch haben und auch nicht mit dem Baby spielen will. L war entgegen ihrer Ankündigung eine liebe Gastgeberin, ließ das Baby schaukeln und brachte ihr sogar Spielzeug.) Beim nächsten Treffen, dass hoffentlich nicht wieder erst in fünfzehn Monaten stattfindet, besuchen L und ich die drei bei ihnen zu Hause.