Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 14

Alltagsschnipsel

Nun ist M schon zwei Wochen tot. Zur Ruhe gekommen bin ich jedoch noch nicht. Es ist einfach unglaublich viel zu tun – gerade im Hinblick auf das Erbe. Je mehr Tage vergehen, umso trauriger werde ich. Ich vermisse M so sehr!

Ich nutzte heute Morgen das Mehr an Motivation und übergab einen Teil meiner beruflichen Aufgaben dem zweiten und nunmehr einzigen Geschäftsführer. Das fühlte sich gut an. Eine große Last fiel sogleich von meinem Herzen.

Vielen Dank an alle, die L und mir einen Fernseher angeboten hatten. ❤ Unser „alter“ Fernseher steht jedoch noch bei Ms Mama, die wiederum ihren „alten“ auch noch nicht weggegeben hatte. Mein Schwippschwager brachte uns heute den „alten“ Fernseher zurück.

Was heute schön war:

Backstube.
Da die liebe S in den vergangenen Tagen unseren super ranzigen alten Backofen säuberte und er nun in neuem Glanze erstrahlt, hielt ich mein Versprechen L gegenüber und buk mit ihr heute (vegane) Plätzchen. Statt Zucker probierten wir erstmals Zuckerrübensirup aus. Abgesehen davon, dass wir nach der Backzeit riesige Plätzchen aus dem Ofen holten, schmeckten die ersten Kostproben sehr gut.


Telefonat mit J.
Ich hatte im Laufe des Tages schon nicht mehr daran geglaubt, aber J (aus Dresden) und ich konnten ab 17:30 Uhr für eine Dreiviertelstunde telefonieren. Sie war gerade auf dem Weg zu ihrer Prüfung. Gegen 21:30 Uhr wird sich J heute noch auf den Weg nach Erfurt machen, um morgen bei Ms Beisetzung dabei sein zu können.

Besuch.
Am Nachmittag trudelte mein Bruder mit dem Zug in Erfurt ein. Er kam L und mich am Abend besuchen. Die drei Kinder waren sofort Feuer und Flamme und „baten“ (zwangen) ihn, mit ihnen Monsterjagd (Fangen) zu spielen.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 13

Alltagsschnipsel

Mit nur mäßig guter Laune erwachte L heute Morgen um halb neun. (Ich hätte gern noch ein wenig weitergeschlafen, denn ich bekam meine Augen kaum auf vor Müdigkeit.) Gestern Abend bat ich Ms Mama, L heute erst umdie Mittagszeit herum abzuholen. Ich wollte, dass L ausschlafen, in Ruhe frühstücken und noch etwas mit den drei Jungs spielen kann. Da L seit dem Aufwachen jedoch immer wieder (in nöligem/weinerlichem Ton) nach der Ankunft ihrer Oma fragte, bat ich diese, zeitiger zu kommen. Kurz vor halb elf trudelte diese ein und nahm L mit. Wie man es macht …

Während S und U in unserer Küche weiter werkelten, saß ich (trotz Krankschreibung) vor dem Rechner, um das ein oder andere Organisatorische zu erledigen. Ich erhielt von einem Investor einen Anruf mit einer völlig neuen/anderen Perspektive. Nur wenige Minuten später rief mich die andere Perspektive an. Der Ersteindruck am Telefon war sehr gut. Mein Kollege M und ich werden uns am Donnerstag mit dem Mann treffen, um gemeinsam zu entscheiden, ob eine Zusammenarbeit zustande kommen und wie diese konkret(er) aussehen könnte. Auch wenn natürlich noch gar nichts entschieden ist, hat mich dieser Anruf aufgebaut/motiviert. Unsere Firma scheint wirklich eine Zukunft zu haben! Das Organisatorische habe ich allerdings nicht mehr geschafft. Sei‘s drum!

Ich bin dankbar, aktuell so viele Freiheiten zu haben. Ich war schon lange nicht mehr so oft aus wie in den letzten paar Tagen. Tausend Dank an alle, die mir das bisher ermöglicht und auf L, Prinzi oder sogar beide aufgepasst haben. ❤

Was heute schön war:

Besprechung.
Über eine Stunde habe ich am Vormittag mit meinem Kollegen M telefoniert. Ich merkte erst wieder während des Gesprächs, wie nötig der Austausch war. Ich bin zuversichtlich, dass wir es alle gemeinsam schaffen, Ms Firma eine Zukunft zu geben.

Oma-Tag für L.
Ms Mama besuchte heute mit L das zukünftige Grab ihres Papas. Die beiden säuberten alles noch einmal gründlich. Übermorgen ist bereits die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung. Am Nachmittag waren die beiden auf der EGA. L übernachtete auch wieder bei ihrer Oma.

Besuch.
Nachmittags kam uns J (aus Kassel) besuchen. S war gerade dabei, die letzte Wand in unserer Küche zu streichen. J und ich putzten einige Fenster. Gegen 19:00 Uhr machte ich mich mit J auf den Weg in die Stadt. Wir aßen Abendbrot bei dem Italiener auf der Lange Brücke. Anschließend schlenderten wir noch ewig durch die Altstadt. Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Es war ein toller Abend. ❤

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 12

Alltagsschnipsel

Küche.
Heute Vormittag baute ich den letzten Schrank für die Küche auf, während L und K draußen spielten. E war irgendwann so lieb, schnappte sich beide Kinder und machte mit ihnen einen kleinen Fahrradausflug mit Spielplatzbesuch. U strich Wände und/oder montierte in der Küche herum. Wir sind nun fast fertig.

Was heute schön war:

Grillnachmittag.
Kurz nach 13:00 Uhr fuhr ich mit Prinzi und L zu meinen Eltern. Es gab leckeres Essen vom Grill und Kartoffelsalat, von dem sogar L sehr angetan war. Wir spielten viel mit dem Ball im Planschbecken oder fuhren Skateboard. 


Thüringer Bachwochen.
Nachdem ich am Dienstag in die falsche Location ging, hatte ich heute einen neuen Versuch. Mitte Juni kaufte M für sich und mich zwei Tickets für ein einstündiges Konzert des Organisten Cameron Carpenter. Es fühlte sich genauso falsch an hinzugehen wie die Karten, die Teil meines Geburtstagsgeschenks waren, verfallen zu lassen. J (aus Kassel) begleitete mich. Wir waren gut in der Zeit und fanden das Kontor problemlos. Diese neue Location wertet den Erfurter Norden definitiv auf. Das freut mich sehr. Der Künstler spielte eine Stunde Kompositionen von Johann Sebastian Bach. M liebte Bach sehr. Ich muss gestehen, ich kann seine Begeisterung nur bedingt teilen. Das Konzert war sehr schön, aber eine Stunde Bach ist auch ausreichend …


Sushi.
Das war eine schöne Überraschung. Nach dem Konzert trank ich mit J (aus Kassel) noch ein Glas Rosé. S holte uns vom Kontor ab und wir fuhren in die Stadt. J hatte Plätze in einem Sushirestaurant reserviert. Es war super lecker! ❤

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 11

Alltagsschnipsel

Prinz.
Seit ein paar Tagen läuft Prinzi wieder auffallend schlechter. Er hat vor allem Probleme mit seinen Hinterbeinen. Ich werde noch im Juli mit ihm zum Tierarzt gehen. Vielleicht gibt es ein Medikament, das seine Schmerzen (?) lindert und den Allgemeinzustand verbessert.

Mut.
Ich staune nur. Normalerweise benimmt sich L in Es Gegenwart schüchtern und meidet ein Aufeinandertreffen wo sie nur kann. Heute fuhr sie jedoch mit ihm gemeinsam auf Ms E-Bike durch den Park und suchte immer mal wieder den Kontakt zu ihm. Auch ich sprach in den letzten zwei Tagen mehr mit ihm, als in den vergangenen Jahren zusammen. (E ist Albaner und spricht in Deutschland englisch. Ich kann zwar elf Jahre Englischunterricht vorweisen, habe aber große Hemmungen beim Sprechen. Ich verstehe jedoch nahezu alles Gesagte. Nun da M nicht mehr da ist, muss ich lernen, über meinen Schatten zu springen. Wenn nur der Perfektionismus nicht wäre …)

Was heute schön war:

IKEA.
S und ich holten heute Morgen kurz nach um zehn die Kartons (Oberschränke) für die neue Küche ab. U und S nutzten am Vortag Click & Connect, sodass wir binnen fünf Minuten den Wagen zum Auto schieben und alles einladen konnten.


Produktivität.
Während U in unserer Küche die alten Regale abbaute und anschließend die Wände weiß malerte, baute ich einen Oberschrank nach dem anderen auf. Das fühlte sich sinnvoll und gut an. Um 23:00 Uhr, als K und L schliefen, traf ich mich mit U in unserer Küche und half beim Malern mit.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 10

Alltagsschnipsel

Zehn Tage ist Ms Tod nun schon her. Es ist in dieser kurzen Zeit unglaublich viel passiert. Des Öfteren verspürte ich den Drang, M aufzusuchen und ihm von dem ein oder anderen Ereignis zu erzählen. Wir standen ja über Jahre im ständigen Austausch und teilten nahezu alles miteinander. Dass dies nun nicht mehr möglich ist, schmerzt mich und fehlt mir sehr. Nicht nur mein Ehemann ist fort, sondern eben auch mein bester Freund!

War ich die ersten Tage nach seinem Tod noch voller Tatendrang, merke ich nun immer deutlicher, dass ich mich kaum noch für irgendetwas (berufliches) motivieren kann. Dank meines Bruders bin ich nun zu der Erkenntnis gelangt, dass das auch nicht schlimm ist. Es dankt mir später (vermutlich) sowieso keiner. (Das bedeutet natürlich nicht, dass ich aufgegeben habe. Ich schmiede im Hintergrund weiter an eigenen Plänen – nur etwas langsamer. Lediglich meine Trauer/(Körper-)Gefühle/Gedanken haben mehr Raum zum Atmen erhalten.)

Schlechte Laune.
L war heute ziemlich nölig, und zwar den ganzen Tag über. Das war für uns alle ein wenig anstrengend. 

Was heute schön war:

Gemeinschaft.
Ich bin dankbar, hier zu Hause nicht alleine zu sein, und freue mich jeden Tag sehr über den Besuch. L wird auch in den nächsten Tagen immer jemanden zum Spielen haben und ich jemanden zum Reden.

Telefonat mit meinem Bruder.
Wir telefonierten spontan ab 20:30 Uhr. L schaute in dieser Zeit ein paar Folgen „Peppa Wutz“. Unser „kurzes“ Telefonat endete trotzdem erst nach einer Stunde. Nächste Woche Dienstag kommt M für ein paar Tage nach Erfurt. Darüber freue ich mich sehr!

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 9

Alltagsschnipsel

Der liebe R kam heute Morgen 08:30 Uhr kurz zu uns nach Hause und brachte mir zwei Sachen für Ms Trauerfeier vorbei. (Wie ich ihm gestern ankündigte, befand ich mich noch im Schlafanzug.) 

L und ich frühstückten wieder oben bei C und A und begrüßten die gestern spät abends eingetrudelten Albaner U, E und K.

Um zehn hatte ich meinen ersten Termin mit Ms Schwester und einer ihrer Freundinnen, die sich beruflich um Finanzen kümmert. Es tat gut, einfach miteinander zu sprechen. Leider ist das Thema Erbe antreten – ja/nein zu komplex. Ich brauche für diese Entscheidung die Meinung sämtlicher Berater.

Trauerredner.
Mittags kam der Trauerredner für Ms Trauerfeier zu uns nach Hause. Ms Schwester war bei diesem Treffen mit dabei. (Und ihr kleiner Sohn M, der aber friedlich nach einem Spaziergang schlief.) Gemeinsam schwelgten wir in Erinnerungen und lieferten, denke ich, guten Input für seine Rede. Wir einigten uns auf drei Musiktitel, die M definitiv gefallen würden. Der Trauerredner ist mit Baujahr 1980 noch recht jung, also „in unserem Alter“. Er hinterließ bei uns einen guten Eindruck. Auch seine Ideen hinsichtlich des Aufbaus seiner Rede gefielen Ms Schwester und mir.

Krankenkasse.
Mein letzter Termin war mit (m)einer Versicherungsmaklerin. Durch Ms Tod hat L nun keinen Anspruch mehr, in der privaten Krankenversicherung zu sein. Binnen weniger Minuten stellte ich mit der Maklerin Ls Vertrag ruhend und schloss noch die ein oder andere Zusatzversicherung für sie ab. L ist ab sofort über mich familienversichert. (Es ist nicht unwahrscheinlich, dass L und ich dieses Jahr beide zurück in die private Krankenversicherung wechseln. Das wird sich aber erst in diesem Quartal entscheiden. Warten wir es also ab!)

Erschöpfung.
Meine Motivation, irgendetwas sinnvolles zu tun, war auch heute kaum vorhanden. Immerhin schaffte ich es, einen Anwaltstermin für nächste Woche zu vereinbaren.
Auch die Deutsche Rentenversicherung bzw. ein Ansprechpartner kümmerte sich rührend um uns. Obwohl ich weder mit Witwen- noch Halbwaisenrente rechne, werden in Kürze diese beiden Anträge gestellt und geprüft. Vielleicht hat L Glück … 
Etwas geärgert habe ich mich über unseren zweiten (nunmehr alleinigen) Geschäftsführer. Er bat mich um Übersendung von Ms Testament bzw. um den Erbschein. Ich frage mich tatsächlich, für wie blöd ich gehalten werde. Vor einigen Tagen übersandte ich ihm Ms Sterbeurkunde. Mehr steht ihm nicht zu und mehr wird er nicht erhalten. 

Nachbarplausch.
Plausch ist das absolut falsche Wort für die traurigen Dinge, die ich von einem unserer Nachbarn erfahren habe. Nach der Beileidsbekundung teilte er mir mit, dass nur ein Haus weiter vergangenen Sonntag der Papa (nach einer Chemotherapie) gestorben sei. Er hinterließ eine Ehefrau und drei (!) Söhne. Die Jungs sind allerdings bereits Teenager. Vermutlich wird die Frau das erst vor einigen Jahren gekaufte Haus alleine nicht mehr halten/finanzieren können. Obwohl diese Familie auch ziemlich nah an unser Grundstück wohnte, wusste ich bis heute Abend nichts von der Erkrankung.Auch dem Vater des Nachbarn, mit dem ich sprach, geht es aufgrund einer Demenzerkrankung zunehmend schlechter. Seine Familie rechnet täglich mit seinem Ableben.

Was heute schön war:

Zeit für L.
Trotz meiner drei Termine hatte ich heute erstmals wieder Zeit, mit L zu spielen. Draußen spielten wir überwiegend Lady Bug. Überraschenderweise war ich Lady Bug, während L in die Rolle des Cat Noir schlüpfte. Drinnen spielten wir Lego. (Ich liebe Lego.)

Media Markt.
Keine Ahnung, wie S das geschafft hat, aber der Media Markt nimmt unser Monstrum von Fernseher tatsächlich zurück. Somit entfällt schon mal ein Kredit. L und ich werden nun erstmal ohne Fernseher auskommen müssen, aber wir haben ja noch den Mac, das iPad …

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 8

Alltagsschnipsel

Ms Sparkassenkonten sind nun gesperrt. Davon war früher oder später auszugehen. Zum Glück habe ich bereits letzte Woche sämtliches Guthaben auf mein Privatkonto überwiesen. Gestern bezahlte ich von diesem Geld sämtliche seiner noch offenen Apotheken-/Arztrechnungen. Da waren dann gleich mal sechzehntausend Euro weg.

Ich konnte mich heute nicht motivieren. Meine Liste an noch zu erledigenden Dingen, vor allem im beruflichen Bereich, ist lang und wird immer länger. Ich musste heute trotzdem einen Tag Pause einlegen. Ich überlege, meine Strategie hinsichtlich der Muttergesellschaft etwas zu ändern.

Ich vermisse M so sehr!

Was heute schön war:

Klavierspiel.
M war ein guter bis sehr guter Klavierspieler. Es machte mir immer großen Spaß, ihm zuzuhören. Wenn sich M zu Hause ans Klavier setzte, erklangen in voller Lautstärke regelmäßig die Melodien von „Star Trek“, „Zurück in die Zukunft“, „Star Wars“ … M konnte nicht nur nach Noten, sondern auch super nach Gehör spielen. Mitte 2014 meldete ich mich in der Music Academy an und nahm anderthalb Jahre Klavierunterricht. (Das will ich auch gern wieder fortsetzen.) Heute spielte ich nach langer Zeit eines meiner Lieblingsstücke für Anfänger aus der Zeit meines Unterrichts. Ich bin zwar ganz schön eingerostet, fand mich aber schnell zurecht. Mit ein bisschen Übung kann ich das Stück bald wieder zufriedenstellend spielen. Feststeht: Das Klavier wird nicht verkauft!

Telefonat mit J.
Vor zwei Wochen telefonierten wir zuletzt miteinander. Heute Mittag quatschten wir zwei Stunden. M nahm natürlich auch einen Großteil des Gesprächs ein. Es war aber auch schön, über Normales/Alltägliches zu sprechen. Sogar Prinz konnte ich am Anfang des Telefonats für einen längeren Spaziergang im Regen motivieren.

Telefonat mit meinem Bruder.
Er hat es am Abend geschafft, mich aufzubauen und meine teils grauen Zukunftsgedanken in ein dunkleres weiß zu verwandeln. Vielen Dank dafür!

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 7

Alltagsschnipsel

Diese Nacht schlief ich besser. Gegen 03:00 Uhr wurde L unruhig und weinte/jammerte ein wenig vor sich hin. Normalerweise war es Ms Aufgabe, L nachts zu beruhigen. (Ich bin nachts eine ganz furchtbare Mama. Ich behaupte, nichts dafür zu können.) Ich riss mich arg am Riemen, sagte mir gedanklich immer wieder, dass L es nicht absichtlich macht … und hatte Erfolg. Sie trank einen großen Schluck Wasser, kuschelte sich an mich und wir schliefen störungsfrei weiter.

Nun ist M seit einer Woche tot. Eine Woche! Es kommt mir vor wie vorgestern. Allerdings ist in den sieben Tagen unglaublich viel passiert und ich habe so viel (organisatorisches) zu erledigen gehabt, dass der Tod schon Wochen her sein könnte. M fehlt mir sehr. Ich stelle mir tagtäglich vor, er sei ständig um mich herum und sieht/hört meine Entscheidungen, beobachtet unseren Alltag und wartet gespannt auf das Ergebnis unserer Bemühungen bezüglich seiner Firma.

Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit. Ich denke, ich werde im August ein verlängertes Wochenende mit L (und Prinz?) an einem See verbringen. Ich könnte mir hierfür den Leipziger Raum gut vorstellen. Einen längeren Urlaub plane ich für September oder Oktober. Das wäre schön.

Meine beruflichen Aufgaben werden eher mehr statt weniger. Ich beiße die Zähne zusammen und erledige, was ich kann. Das letzte, was ich will, ist der völlige Verlust der Kontrolle von Ms Firma. Ich sehe keine Zukunft hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft.

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
Schon morgens acht Uhr holte Ms Mama L ab. Sie fuhren zunächst mit dem Bus zu ihr nach Hause und später zu Ms Schwester. L übernachtete heute auch wieder bei ihrer Oma. Sie hat den Tod ihres Papas bisher sehr gut verkraftet/weggesteckt.

Helferlein.
Trotz der vielen Aufgaben bin ich nicht alleine. Viele (unangenehme) Sachen erledigen andere für mich. Heute kümmerte S sich um die Rückabwicklung des von M ohne meines Wissens angeschafften Fernsehers. Da er diesen über eine Bank hat finanzieren lassen, müsste ich noch über zwei Jahre Raten abbezahlen. Das kann ich mir Stand heute nicht leisten. S besorgte zudem einiges im OBI Baumarkt und setzte ihre Arbeit in unserer Küche und im Bad fort. ❤

Spontanes Treffen.
Heute wären M und ich gemeinsam auf ein einstündiges Klavierkonzert in die Mehlhose gegangen. Es fühlte sich komplett falsch an, die Eintrittskarten verfallen zu lassen. Es fühlte sich zwar auch komisch, trotzdem richtiger an, hinzugehen. Ich behaupte, M hätte es so gewollt. Er freute sich seit Wochen auf diesen Tag. Die beiden Karten waren zudem mein Geburtstagsgeschenk von ihm. Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J sagte spontan zu. So standen wir 18:30 Uhr vor der Mehlhose … und stellten fest, dass das Konzert im Kontor etwa vier Kilometer entfernt stattfindet. Aaaaaaah! Wie ärgerlich! Wir machten uns stattdessen auf den Weg in ein chinesisches Restaurant in der Nähe des Kinos und aßen leckere Sachen zum Abendessen. Anschließend liefen wir gemütlich (zu mir) nach Hause. Auch wenn der Abend anders geplant war, war er doch sehr schön. ❤ (Am Sonntag bekomme ich aber eine zweite Chance: Im Kontor (ich war überzeugt in der Mehlhose) findet ein Klavierkonzert statt, für das M ebenfalls Karten gekauft hatte. Diesmal klappt es ganz sicher!)

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 6

Alltagsschnipsel

L und ich schliefen die erste Nacht auf neuen Matratzen in unserem Bett in unserem Schlafzimmer. Während L schnell einschlief (es war auch bereits nach 23:00 Uhr), kam ich ewig nicht zur Ruhe. Ich dachte viel an M und ließ seine letzten Lebensminuten Revue passieren. Er tut mir so unendlich leid, auch wenn es ihm jetzt vermutlich besser geht. Ich hätte ihm seine Teilnahme an der Studie, die ihm äußerst wichtig war, so sehr gewünscht. Es ist und bleibt ungerecht!

Am Nachmittag kam der Pfleger vom Gesundheitsdienst vorbei, um zahlreiche Kartons, die M nun nicht mehr benötigt, wieder mitzunehmen. Er wird morgen noch mal kommen müssen, da der Platz in seinem Auto nicht ausreichte. In unserem Arbeitszimmer, in dem wir die Kartons mehrere Monate lagerten, herrscht nun gähnende Leere …

Wie bereits in den letzten Tagen immer mal wieder erwähnt, gehe ich meiner Arbeit trotz Krankschreibung nach. Heute habe ich hauptsächlich am Protokoll der Gesellschafterversammlung gearbeitet. Obwohl ich lieber ein paar Tage einfach mal nichts tun würde, ist meine Wut gegenüber der Muttergesellschaft (m)ein Antrieb. Ich tue es für M, der sein Einzelunternehmen zu dem gemacht hat, was die GmbH heute ist. Und ich tue es für L und mich, um auch in naher Zukunft eine berufliche Perspektive und somit ein Einkommen zu haben.

Was heute schön war:

Daily.
Heute Morgen um 09:45 Uhr habe ich mich erstmals nach einer Woche wieder in unser Daily, das seit Monaten per Call stattfindet, mit eingeklinkt. Es war schön, die Stimmen meiner lieben Kollegen zu hören. ❤

L-Bespaßung.
L hat wieder den Großteil des Tages mit den beiden Jungs gespielt. Mein Dank gilt auch heute wieder R, der um die Mittagszeit mit allen drei Kindern zum Spielplatz ging und uns anderen damit den Rücken für die zahlreichen noch zu erledigenden Aufgaben freihielt.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 5

Alltagsschnipsel

Trauer.
Der heutige Tag war wieder schwerer für mich. Als ich mittags mit Prinz im Park spazieren ging, blieb mein Blick auf einer Parkbank hängen, auf der ich noch irgendwann im Juni mit M saß. Auch in der Wohnung sehe ich ihn permanent in dem ein oder anderen Raum sitzen. Er fehlt mir wirklich unbeschreiblich doll.

Organisatorisches.
Dank der Iren habe ich in den letzten Tagen sehr viel geschafft. Auch heute konnte ich mich nahezu ungestört um wichtige Korrespondenz kümmern. Zudem habe ich nun wieder einen guten Überblick, was in nächster Zeit noch zu tun ist.

Was heute schön war:

Besuch.
Am Vormittag, das heißt vielmehr um die frühe Mittagszeit kamen meine Eltern zu Besuch. Ich machte ihnen noch im Schlafanzug die Tür auf, bat sie, im Garten Platz zu nehmen und kleidete mich an. Sie brachten L und mir aus eigener Ernte Gurken und Kohlrabi mit. Während des Besuchs schaute L mit den Jungs oben „Die Sendung mit der Maus“.

Telefonat mit O.
Viertel nach eins telefonierte ich mit O. O war ein Schulfreund von M und ging mit ihm in denselben Abiturjahrgang. Ich kenne O auch schon seit über zwanzig Jahren. (Wahnsinn!!!) O und ich hatten bisher (leider) nie engen Kontakt. Umso mehr freute ich mich heute über das Telefonat.

L-Bespaßung.
Ich bin R und unserer Vermieterin C unendlich dankbar, dass sie auch heute wieder die Kinder bespaßten. Die fünf fuhren nach Gebesee zum Erdbeeren pflücken. Ich habe in der Zeit unglaublich viel geschafft.

Heinzelmännchen.
Heinzelfrauchen träfe es vermutlich besser. S war heute so lieb und entekelte unsere Küche und unser Bad. Es blitzt nun wieder vor Sauberkeit. Das ist wirklich super! ❤