Gestern lag Ms Tod bereits vier Monate zurück. Das ist ein Drittel eines Jahres. Völlig unklar!
Was in den letzten zwei Tagen schön war:
Wohnungsputz. Um 10:30 Uhr waren gestern Miro (unser Staubsaugerroboter), L und ich mit dem Saugen, Wischen und Putzen der Wohnung fertig. Damit sich ihr Onkel bei uns zu Hause wohlfühlt, half mir L, das Bad zu reinigen.
Spielplatz. Mit meinem Bruder im Schlepptau gingen L und ich gestern Vormittag auf den kürzlich neu eröffneten Spielplatz im Luisenpark. Wir hatten eine Menge Spaß. L ließ uns (zum Glück) keine Verschnaufpausen, sodass wir die November-Kälte kaum merkten. Wir machten auch einen kurzen Abstecher runter zur Gera, die eher die Bezeichnung Pfützchen statt Fluss verdient, und warfen Steine ins Wasser. Um die Mittagszeit trennten sich unsere Wege. L und ich machten uns auf den Heimweg. Mein Bruder fuhr zurück nach München.
Geburtstag. Gestern Nachmittag feierten wir den 35. Geburtstag meines Schwippschwagers S nach. Baby M war wie immer gut gelaunt und super knuffig. L und ich hatten viel Spaß mit ihrem Cousin und der Hündin Maya. Wir borgten uns ein nachplapperndes Spielzeug-Lama aus und erzählten während der Rückfahrt, abends im Bett und heute den ganzen Tag nur Quatsch.
Sport. An beiden Tagen reichte meine Motivation für ein Krafttraining aus.
Grabpflege. Um die Mittagszeit sammelten L und ich Ms Mama von zu Hause ein und fuhren in Richtung Hohenfelden. In einem kleinen Waldstück suchten und fanden wir eine Stelle, an der viel Moos wuchs. Wir packten eine große Kiste voll und deckten am Nachmittag Ms Grab ein, machten es also schon winterfest.
Wegen meines Wochenendtrips nach Bayern verbrachte ich diese Woche komplett im Home-Office … und war darüber trotz der Tatsache, dass ich mir das freiwillig auferlegt hatte, ein wenig traurig. Dass aber immer alles anders kommt, als man denkt, zeigte sich bereits am Montag Mittag, als mein Kollege/Freund M Home-Office für alle anordnen musste. Meine arme Kollegin S hatte seit dem Wochenende deutliche Covid-19-Symptome. Ihr Testergebnis kam gestern. Trotz Atemnot und Schmerzen in der Lunge ist S’ Test negativ. Ab Montag gehen deshalb einige aus dem Team unter Einhaltung noch strengerer Maßnahmen wieder ins Büro.
M ist seit Dienstag siebzehn Wochen, Prinz drei Wochen tot. Direkt am Vormittag holte ich Prinz’ Urne ab. Mein Hundekind ist nun also wieder bei uns zu Hause. ❤ L und ich einigten uns darauf, dass Prinzi erst mal auf seiner Couch bleibt. Mir ging es an diesem Tag und teilweise auch am Mittwoch nicht gut. Am meisten tat mir L leid. Ich schaffte es erstmals nicht, ihr gegenüber fair und ausgeglichen zu sein. Sie bekam leider einiges von meiner schlechten Stimmung ab. (Der Oma-Tag wurde diese Woche von Dienstag auf Donnerstag verlegt.) Überhaupt bin ich seit Sonntag Nachmittag etwas dünnhäutig. 😦 Zum Glück gibt es den ein oder anderen Menschen, der mir hilft, wenn es mir nicht gutgeht. Tausend Dank dafür. ❤
Gestern Vormittag erschien ich als einzige der dreißig Gläubiger der insolventen Gesellschaft, also meinem vorherigen Arbeitgeber zum Prüfungs- und Berichtstermin beim Amtsgericht Erfurt. Dort traf ich erstmals den Insolvenzverwalter, der entgegen meines bisherigen Eindrucks ziemlich cool zu sein scheint. Wir quatschten vor dem Termin ein paar (private) Worte. Der Rechtspflegerin sagte er im Termin, dass ein Insolvenzantrag zu keinem Zeitpunkt hätte eingereicht werden müssen. Das fand ich sehr interessant. Auch kann er die Handlungen des zweiten Geschäftsführers nicht verstehen. Ernüchternd, aber auch nicht vollkommen überraschend war die Mitteilung an mich, dass ich keinen Cent von meiner Forderung sehen werde, weil ich das Erbe ausgeschlagen habe.
Was in den letzten fünf Tagen schön war:
Sport und Massage/Folter. Gemeinsam mit meinem Bruder holte ich L am Montag Nachmittag aus dem Kindergarten ab. L war etwas überdreht und hatte scheinbar Probleme mit ihren Ohren, denn mein Bruder musste hin und wieder mit ihr schimpfen. Ich nutzte die L-Bespaßung für vier Arm- und vier Beinübungen. Anschließend quälte mich M mit seinem Massagegerät, welches Verspannungen am ganzen Körper löst. Das war schön und schrecklich zugleich.
Telefonat mit J. Dienstag Mittag telefonierte ich anderthalb Stunden mit J. Wir sprachen über die Uni und träumten ein wenig von einer Zukunft ohne Corona.
Geburtstag. Meine Mama hatte am Dienstag Geburtstag. Durch die Einschränkungen war der geplante Restaurantbesuch nicht mehr möglich, weshalb sie L und mich zum Essen einlud. Sie kochte für uns asiatisch.
Sport. Es gibt nun eine neue Motivation für mich, weiterhin fleißig Sport zu treiben. Seit gestern bzw. indirekt vorgestern erwachte unsere Arbeitssportgruppe zu neuem Leben. Alle, die Bock haben, nehmen nun mit einem persönlichen Ziel teil. ich freue mich sehr, dass nahezu alle mitmachen. Das wird super! Mittwoch Abend absolvierte ich nach Ewigkeiten Level 1 von Jillian Michaels Shred. Gestern joggte ich gemeinsam mit meinem Bruder.
Gesellschaftsspiel. Den gestrigen Abend verbrachte ich bei meinen Eltern. (L war bei Ms Mama.) Mein Papa erfand in den 90ern ein eigenes Gesellschaftsspiel, welches wir gestern nach unglaublich vielen Jahren Pause alle gemeinsam spielten. Über drei Stunden kämpften wir um den Sieg. Mein Bruder schaffte es letztendlich, den König zu stürzen, und gewann somit das Spiel.
Schuhkauf. Heute kauften L und ich gemeinsam mit meiner Mama zwei Paar Winterschuhe für L. Ls Füße wurden dafür neu vermessen. Sie hat schon Größe 27! Wir waren keine zehn Minuten in dem Laden. Im Anschluss spielten wir noch mit meinem Bruder auf dem Spielplatz am Hirschgarten.
Mein Bruder hatte Geburtstag. Gleich nachdem ich L viertel vor acht in den Kindergarten brachte, machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof und fuhr in einem komplett leeren Abteil zweieinhalb Stunden nach München.
Kurz nach um elf holte mich mein Bruder vom Münchener Hauptbahnhof ab. Wir besichtigten zuerst sein Office. Dort lernte ich die übrigen Mitglieder seiner Band SHRX (wird Sharks ausgesprochen) kennen … und erhielt zusammen mit der Freundin eines Bandmitglieds ein Privatkonzert. Das war schon ziemlich cool, aber für uns und die Jungs vermutlich auch etwas unangenehm. Denn wir saßen nur knapp zwei Meter von ihnen entfernt. Nach dem Intro und dem ersten Song hatten wir uns allerdings aneinander gewöhnt und es wurde von Song zu Song normaler, so nah beieinander zu sein.
Mit dem Taxi fuhren wir am Mittag aus München raus. Nach einer dreißigminütigen Fahrt hielten wir bei einem super coolen Gasthaus in Baiernrain. Ich bezog mein Einzelzimmer (nachdem ich das mir und dem Sänger angebotene Doppelzimmer ablehnte 😉 ) und warf mich in Schale … oder besser in Tracht.
In der Bauernstube traf ich schließlich auf das Covid-19 negativ getestete Team. (Wir saßen den Nachmittag und Abend über auf vier Tische verteilt, durften den Platz nicht wechseln, trugen beim Verlassen der Stube den Mund-Nasen-Schutz und saßen mit viel Abstand zueinander.)
Das Essen war der Hammer! Ungefähr die Hälfte ernährte sich wie ich vegan/vegetarisch und dementsprechend waren die Mahlzeiten ausgewählt worden.
Am Abend machte mir eine Kollegin meines Bruders ein Kompliment. Sie und die anderen Mädels bewunderten schon die ganze Zeit über meine starke Ausstrahlung. (Ich kann mit Komplimenten noch nicht umgehen, bin aber dabei, das zu lernen.) Nachdem ich zu der Einsicht kam, dass sie das Gesagte ernst meinte und sich nicht über mich lustig machte, freute ich mich den ganzen restlichen Abend, eigentlich seitdem sehr darüber. ❤
Samstag, 31. Oktober 2020
Gegen Mitternacht schlief ich ein und erwachte erst kurz vor acht. Ich konnte also super gut schlafen.
Nach dem ausgiebigen und leckeren Frühstück spazierten wir zu viert in der warmen Sonne zum Nachbarort Lochen. Unterwegs begegneten wir einem Fuchs (ich bin einem Fuchs noch nie so nahe gekommen), einem Dackel, der uns ein Stück des Weges begleitete, und einer Katze.
Als wir um die Mittagszeit wieder zurück bei der Gaststube waren, fuhren zwei Rettungswagen mit Blaulicht und wenig später ein Polizeiwagen und der Notarzt vor. Einer der Gäste sei wohl ohnmächtig geworden. Ich brauchte ein paar Minuten, um das flaue Gefühl in meinem Bauch unter Kontrolle zu bringen. Ich stellte kürzlich fest, dass mich auch Rettungswagen triggern. Mein Bruder hatte als einziger schon wieder Hunger und bestellte sich eine Brotzeit, ehe wir gegen 14:00 Uhr mit dem Taxi zurück nach München fuhren.
Ich stellte meinen Koffer in der Wohnung meines Bruders ab und machte mich mit ihm gleich wieder auf in Richtung Theresienwiese. Um Menschenkontakte auf engstem Raum zu vermeiden, liefen wir mehrere Stunden durch München. Das war wirklich sehr schön, da wir uns dabei auch gut und viel über wichtige Themen unterhalten konnten. Bei einem Thema, das mich schon länger beschäftigt, konnte er mich sogar aufbauen.
Am Abend bestellten wir überteuertes, aber unglaublich leckeres Deluxe-Sushi.
Sonntag, 1. November 2020
Ich schlief auch diese Nacht richtig gut. Wach war ich allerdings schon halb acht rum. Als mein Bruder kurz vor neun kam, stand ich auf.
Am Vormittag fuhren wir gemeinsam mit dem Zug zurück nach Erfurt und wurden von unseren Eltern mit einem leckeren Essen begrüßt. Meine kleine L holte ich gegen 15 Uhr vom größeren Spielplatz im Stadtpark ab. Ms Mama ließ die letzten Tage mit L Revue passieren, berichtete aber über viel Spaß und ein liebes Kind. Als L und ich wieder bei meinen Eltern waren, spielte sie den Rest des Besuchs mit ihrem Onkel oder futterte Kuchen und Kartoffelsalat.
Das ist das erste Mal, dass mich die Zeitumstellung tangiert. Ich erwachte gestern und heute jeweils kurz vor halb sechs. (Mein Wecker klingelt erst um sieben.) Die Zeit bis zum Aufstehen bekam ich glücklicherweise sinnvoll und produktiv herum.
Längst nicht mehr daran geglaubt, deshalb umso überraschter: Die Arbeiten an unserem neuen geplanten Zaun gingen gestern weiter. Nun fehlt streng genommen nur noch der Zaun selbst. Aber ob der in diesem Jahr noch kommt, steht in den Sternen …
Ms roter 540er BMW wurde heute Vormittag aus der Garage beim Büro abgeholt. Und obwohl ich keinen Bezug zu diesem Fahrzeug habe, musste ich (erneut) ein paar Tränen verdrücken – mitten in unserem Management Weekly. Wie unangenehm.
Was in den letzten zwei Tagen schön war:
Spielzeit. Gestern waren L und ich erst kurz nach 17 Uhr zu Hause. Zu tun hatte ich im Haushalt nichts, also setzte ich mich einfach zu L ins Kinderzimmer. Wir spielten Kindergarten (L war die Erzieherin, ich L). Während dieses Spiels war es mir sogar gestattet, Lego zu bauen.
Telefonat mit meinem Bruder. Nach der Pressemitteilung telefonierte ich am Mittwoch Abend mit meinem Bruder. Deutschlandweite Einschränkungen gelten ab 2. November, das heißt NACH meinem geplanten Wochenende in Baiernrain und München. Alle seine Kollegen und mein Bruder selbst wurden negativ auf Covid-19 getestet. Ich werde somit Freitag wie geplant fahren.
Lauftraining. Am Morgen suchte ich meine Laufsachen zusammen und nahm sie mit ins Büro. Kurz vor fünf startete ich heute Abend direkt vom Office aus eine kleine Runde. Die spontan gewählte Laufstrecke war gut. Ich kam heute auf vier Kilometer in siebenundzwanzig Minuten.
Abendessen. Meine Eltern holten am Nachmittag L vom Kindergarten ab. Nach dem Laufen kam ich am Abend hinzu, duschte kurz und futterte die Nudeln mit Tomatensoße mit. Als L und ich kurz nach halb acht wieder zu Hause waren, packte ich meinenKoffer für München und Ls Rucksack für ihr bevorstehendes Oma-Wochenende.
Unser Team-Weekly nutzten wir gestern Vormittag zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Die Zahl der positiv auf Covid-19 getesteten Menschen nimmt nun auch in Thüringen massiv zu. Immer mehr Regionen werden zu Risikogebieten erklärt. Ein Drittel des Teams befindet sich ab heute für unbestimmte Zeit ausschließlich im Homeoffice. Dass wir durch den Neustart einige Mitarbeiter verloren hatten, kommt uns nun zugute. Alle anderen Teammitglieder können sich nun so auf die Büroräume aufteilen, dass jeder alleine sitzt. Auf den Gängen werden wir noch akribischer auf den Mindestabstand achten als bisher. Gemeinsame Pausen und Besprechungen im Konferenzraum werden eingeschränkt, im besten Fall vermieden. Sobald in Erfurt die Warnstufe Rot verkündet wird, müssen mein Kollege/Freund M und ich noch strengere Regeln finden. Mir blutet das Herz! 😦
Wie bereits erwähnt, leide ich seit ein paar Wochen unter Schlafstörungen. Medikamente oder ärztlicher Hilfe bedarf es meines Erachtens noch nicht. Ich liege pro Woche maximal zwei oder drei Nächte wach. Das geht also noch.
Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger kann ich leugnen, dass ich ungefragt/ungewollt/ungeahnt in eine (kleine) Lebenskrise geraten bin. Verständlich ist diese allemal, aber dieser Zustand ist unglaublich lästig/anstrengend. Ich hoffe, ich finde schnell Antworten auf die aufkommenden Fragen, mit denen mich mein Kopf immer wieder überrascht. Ich vermute, diese Krise gehört zur Trauerarbeit dazu?!
M ist heute nun sechzehn und Prinz zwei Wochen tot … einerseits will ich schnell wieder glücklich sein und eine neue Liebe finden, andererseits bin ich genau deswegen voller Schuldgefühle. Solche Gedanken zur jetzigen Zeit sind mit Sicherheit falsch!
Was in den letzten zwei Tagen schön war:
Filzweihnachtsbaum. Ich hatte ihn vor ein paar Tagen auf irgendeiner Website gesehen und fand ihn augenblicklich super toll. Montag Nachmittag hing ich den Filzweihnachtsbaum nun an die Tür. (Ich weiß, es ist zu früh.) L schmückte ihn gleich und hatte dabei viel Spaß. (Dieser Baum kann ohne großen Aufwand so oft neu geschmückt werden, wie man lustig ist.)
Telefonat mit J. Gestern Abend telefonierte ich lange mit meiner Freundin J aus Dresden. Ihr erster Remote-Uni-Tag verlief leider nicht so wie erhofft, denn das Portal stand den Studenten wegen eines Systemausfalls nicht zur Verfügung. Dies war ihrer ohnehin schon kaum vorhandenen Motivation nicht sehr zuträglich.
Laub kehren. Ich liebe den Duft frischen Herbstlaubs. Und ich liebe es, Laub zu kehren und einzusammeln. Das ist ohne Witz meine liebste Tätigkeit bei allen Arbeiten, die ein Garten so mit sich bringt. Die Dämmerung und Dunkelheit hielt mich heute nicht davon ab, den Rasen und den Zufahrtsweg vom Laub zu befreien. (L übernachtete wieder bei ihrer Oma.) Zwischendrin bekam ich sogar Besuch von einer Katze. ❤ (Bei dieser Tätigkeit kann ich meinen Gedanken nachhängen und nebenbei etwas gegen meinen Perfektionismus tun. Denn egal wie blattfrei der Rasen ist, sobald der Wind weht, sieht es aus wie vorher. 😉 ) Selbst belohnt habe ich mich natürlich wieder mit Sushi.
Längst erwartet und nun offiziell da: die neue Allgemeinverfügung zur Corona-Pandemie. In dieser wird unter anderem mitgeteilt, dass Erfurt nun Stufe Gelb erreicht hat und somit auch zu den Risikogebieten zählt, dass Martini und der Weihnachtsmarkt verboten werden und dass sich ab morgen maximal zehn Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Diese Verfügung gilt vorerst bis zum 30. November. Mein Bruder meinte, Erfurt hätte strengere Auflagen als München …
Was in den letzten zwei Tagen schön war:
Staubsaugerroboter. Wieder sorgte unser Miro am Samstag Vormittag dafür, dass der Staub auf den Fußböden unserer Wohnung verschwand. Gäbe es ihn nicht, sähe Ls und meine Welt ziemlich düster aus. Während Miro fleißig in jedem Zimmer saugte, wischte ich den Staub von den Oberflächen, goss die Pflanzen, kümmerte mich um die Wäsche, kehrte Laub im Garten … Es ist schön, wenn jemand im Haushalt hilft. 🙂
Freilichtmuseum. Am Nachmittag des gestrigen Tages brachte ich gemeinsam mit L Pappe weg, tankte das Auto voll, kaufte einige Lebensmittel im Edeka ein und fuhr anschließend zu Ms Mama. Dort gab es Tee und Kuchen. Gegen 16:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Thüringer Freilichtmuseum in Hohenfelden. Wir nahmen an der ersten und zugleich letzten Veranstaltung des Jahres teil: dem Saisonausklang. Wir liefen zuerst alleine umher und schauten uns die alten Häuser an. Als es allmählich dämmerte, nahmen wir mit Laternen an einer Führung teil. L war von den Erzählungen über das damalige Leben der Menschen so gefesselt, dass sie aufmerksam zuhörte und kaum ein Wort sagte. Dass sie dabei auch noch mit einer Laterne umherlaufen durfte, machte sie sehr glücklich und stolz. Es war eine sehr schöne kinderfreundliche Veranstaltung.
Picknick. Durch die Zeitumstellung waren L und ich heute bereits um kurz nach sieben ausgeschlafen. Das passte gut, denn ich war gestern Abend zu faul, Essen für das Picknick mit J und N vorzubereiten. Um elf trafen wir die beiden schließlich auf einer Picknickdecke unter einem Baum beim Spielplatz in der Tettaustraße. Es war eine wunderbare Idee, das angenehme Herbstwetter für ein Picknick zu nutzen. Vielen Dank an euch beide – auch für die L-Bespaßung! ❤
Kaffeekränzchen. Obwohl wir in einem Haus wohnen, haben wir uns ewig nicht mehr gesehen. Deshalb fragte ich unsere Vermieterin C gestern, ob wir heute Nachmittag gemeinsam Kaffee trinken und Kuchen essen wollen. Und das wollten wir. 🙂 L und ich spielten bis kurz nach 18:00 Uhr mit C und A und verkrümelten uns dann wieder in unsere Wohnung.
Heute war es nach monatelanger (jahrelanger?) Pause endlich soweit: Unser erster Fantastic Freaky Fun Open Space Fridays For Future ging an den Start! (Wir denken noch über einen anderen/kürzeren Namen nach 😉 ) Jedes Teammitglied durfte den ganzen Arbeitstag über das tun, worauf er/sie Lust hatte.
Am Vormittag hörten alle unserem Kollegen J zu, der ausführlich und voller Begeisterung über Scrum, Backlogs und sein Projekt, das wir in ein Produkt umwandeln wollen, sprach.
Leider musste ich seinen Vortrag während der ersten Fragerunde gegen halb elf verlassen, weil der Elektriker kam. Mit diesem lief ich nahezu eine (!) Stunde hin und her und hoch und runter … bis er einfach die Sicherung im Hauptverteilungskasten des Hauses umlegte. Sinnlos … Mit Ausnahme einer Kleinigkeit, die immer noch nicht funktioniert, konnte der Elektriker alles wieder instandsetzen. Ich war dennoch noch sehr lange sehr traurig über den Verlauf meines Vormittags.
Der sowohl für den späten Vormittag als auch für den Nachmittag geplante Workshop „Erstellen eines Backlogs“ musste verschoben werden. Zum einen dauerte der Vortrag länger als geplant und zum anderen hatten zwei Kollegen einen einstündigen Termin, der nicht verschoben werden konnte. Zudem wäre die freie Verwendung der Arbeitszeit zu kurz gekommen.
Ich war im Übrigen sehr begeistert von dem Ideenreichtum meiner Kollegen. ❤ Es bildeten sich schnell Gruppen, die gemeinsam über eine Thematik sprachen oder ihre Gedanken direkt umsetzten.
Zum gemeinsamen Mittagessen bestellten wir Burger und Pommes bei Peter Pane, die erst im Frühjahr oder Sommer diesen Jahres in Erfurt eröffnet haben. Mit J machte ich mich nach dem Mittag auf den Weg ins Tegut. Dort holten wir veganes Magnum-Eis für alle.
Als wir zurückkamen, saß unsere Kollegin J bereits in der Küche und ritzte das Firmenlogo in einen großen Kürbis, den sie zuvor ausgehöhlt hatte.
Nachmittags führten mein Kollege/Freund M und ich spontan ein Mitarbeitergespräch, bei dem wir endlich die langersehnte Klarheit über den persönlichen Werdegang und die beruflichen Absichten eines Kollegen erhielten.
Auch wenn heute das ein oder andere des frei zu gestaltenden Arbeitstages anders geplant war, bin ich mit dem Auftakt zufrieden. Die Idee wurde vom Team sehr gut angenommen und schreit nach einer Wiederholung! 🙂
Specht Ruprecht ist wieder da! Oder diesmal vielmehr ein Spechtpärchen. Die beiden haben ein riesengroßes Loch in den Dachstuhl unseres Hauses gehämmert und damit begonnen, einen Teil der Dämmung im Garten zu verteilen. Ich gehe davon aus, dass unsere Vermieter C und A sehr schnell Maßnahmen ergreifen werden, um schlimmeres zu verhindern.
L und ich kommen gut zurecht, auch wenn M seit Dienstag bereits fünfzehn (!) Wochen und Prinz eine Woche tot ist. Mir ist eine Parallele zwischen den beiden aufgefallen. Sowohl M als auch Prinz haben Monate vor ihrem Tod (unbewusst?) damit begonnen, Menschen, die sie lieben, von sich zu stoßen, also nicht mehr allzu nah an sich heranzulassen. Ich war zwar täglich für beide da und half, wo ich nur konnte, doch ich kam vor allem an M nicht mehr heran, egal was ich versuchte (und das war einiges) …
Was in den letzten vier Tagen schön war:
Spaziergang. Am Montag Nachmittag kehrte ich mit L nach dem Kindergarten (das erste Mal in diesem Jahr) das Laub im Garten zusammen und sammelte die Walnüsse auf. (Beides zählt zu meinen liebsten Herbsttätigkeiten.) Bis zum Abend spazierten L und ich mit ihrem Roller dann noch durch den Park und besuchten die Drei Quellen.
Telefonat mit J. Wir schafften es am Montag Abend wieder, anderthalb Stunden miteinander zu telefonieren. Nächste Woche geht in Dresden die Uni remote weiter. Ich bin nun Teil von Js Lernen-Gruppe, die einzig und allein zu ihrer Lernmotivation für das Semester ins Leben gerufen wurde.
Friedhof. S holte mich am Dienstag Nachmittag von zu Hause ab. Wir fuhren gemeinsam zum Erfurter Hauptfriedhof, um Ms Grab zu besuchen. Ich organisierte im Blumenladen eine große (vielleicht etwas zu große) herbstliche Schale. S und ich machten uns anschließend auf den Weg zum Grab. (An dieser Stelle könnte ich mich nun darüber auslassen, wie sehr ich mich schäme. Aber das habe ich bereits zur Genüge getan.) Da ich in dieser Woche für den Friedhofsdienst eingeteilt war, verdrängte ich alle aufkommenden Gedanken und Gefühle, die beim Anblick des Grabes aufkamen, und widmete mich dankbar einzig und allein der Grabpflege. Ich bin S sehr dankbar, dass er mich zum Friedhof begleitet hat!
Laufen. Die aufgestaute und überschüssige Energie vom Friedhofsbesuch ließ ich während eines kleinen Laufs (drei Kilometer in zwanzig Minuten) heraus und fühlte mich sogleich besser. Abends bestellte ich mir eine Portion veganes Sushi.
Bürohund. Olli lernte ich am Mittwoch Vormittag kennen. Mit seinen zehn Monaten ist er zwar noch ein sehr junger Hund, doch er überragt Prinz bereits jetzt um einiges. Und er ist noch im Wachstum! Mein Kollege A wird ihn hoffentlich noch viel öfter mit ins Büro bringen. Als ich L abends davon erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme. Sie will den Hund auch kennenlernen.
Telefonat mit meinem Bruder. Auf dem Rückweg vom Spielplatz rief gestern Abend mein Bruder an. L quatschte ihn circa drei Viertel des Telefonats voll. Das war ein neuer Rekord. Wir tauschten uns über meinen geplanten Besuch in München und die steigenden Infektionszahlen aus. Auch hierfür hatte mein Bruder eine Lösung: Alle Bayern, die an seiner Geburtstagsfeier teilnehmen, also nahezu 95 Prozent der Gäste werden einen aktuellen Corona-Test vorliegen haben. Gespannt bin ich trotzdem, ob ich nächste Woche Freitag im Zug nach München sitzen werde …
Verabredung. Erstmals besuchten L und ich heute Nachmittag M und seine Mama C in ihrer Wohnung. L war von den vielen Spielsachen begeistert, denn es waren für sie komplett unbekannte/neue. Am Abend fuhren wir zur Eisdiele nach Gispersleben und kauften den beiden eine Kugel Schlumpfeis im Waffelbecher mit gaaaaanz vielen bunten Streuseln.
Freitag Mittag war ich im Office mit dem Nachlasspfleger verabredet. Ich übergab ihm einen Schwung Unterlagen und er bestätigte mir, dass ich nichts an niemanden zu zahlen bräuchte und ihn in allen Belangen als Ansprechpartner nennen könnte. Seine Worte und der Beschluss des Familiengerichts Erfurt, der am Tag zuvor mit dem Inhalt zugestellt wurde, dass Ls Erbausschlagung genehmigt ist, erleichterte mich doch sehr. Demnächst wird Ms 540er BMW abgeholt. Der Nachlasspfleger wurde mir direkt sympathisch, als er mir versprach, Ms Autos nicht unter Wert zu verkaufen.
Die beiden letzten Nächte waren großartig und erholsam. Mir geht in letzter Zeit immer so viel durch den Kopf, dass ich die zwei Nächte davor wachlag und kaum Schlaf fand.
Samstag Vormittag und Mittag setzte ich (L und) mich erneut einem (harmlosen) Trigger aus. Ich behaupte, dass wir beide in unserer Trauerbewältigung schon sehr weit vorangekommen sind.
Was in den letzten drei Tagen schön war:
Päckchen. Freitag Mittag gab ich endlich das angekündigte Päckchen für T und J bei der Post auf. Irgendwann zwischen nächster Woche und in einem Monat dürfte es in Irland ankommen.
Mikrofon. Direkt nach dem Kindergarten fuhr ich am Freitag Nachmittag mit L ins Edeka. Wir hatten wirklich gar nichts essbares mehr im Haus. L durfte sich eine Zeitschrift aussuchen. Extra dieser Zeitschrift war ein Mikrofon, dass für zehn Sekunden aufnehmen konnte. Wir alberten das ganze Wochenende damit herum und machten nur Quatsch. 🙂
Herbstwetter. Vor allem der gestrige Tag war regnerisch und grau. L und ich verbrachten ungelogen circa neunzehn Stunden im Schlafanzug. Es wurde viel (vor)gelesen, mit Wasserfarben gemalt und Memory und Go Elsa Go gespielt. Ich nutzte Ls Interesse und zeigte ihr ein paar Buchstaben und die korrekte Haltung des Stifts. (Ich glaube, mein Kind wird groß!)
Sport. Gemeinsam mit L absolvierte ich gestern Mittag (im Schlafanzug) je vier Arm- und Beinübungen. Unterstützung bekamen wir von DJ Bobo, den Backstreet Boys und Rihanna. 😉
Verabredungen. Heute Mittag waren wir bei meinen Eltern zum Essen eingeladen. Vorher besuchte ich mit L den kleineren Spielplatz im Stadtpark. Am Nachmittag holten uns C und M ab. Wir fuhren zum Waldhaus, trafen dort Ms Kindergartenfreundin und ihre Eltern, ließen die Kinder auf dem Spielplatz toben, die Ziegen mit Kastanien füttern und im Wald herumrennen.
Seit Ms Tod sind nun einhundert (!) Tage vergangen. L und ich haben es geschafft, auch ohne ihn klarzukommen, in den Alltag zurückzufinden und unser Leben weiterzuleben. (Auch wenn das hart klingen mag, war das (für mich) abzusehen. Ich war seit Ls Geburt in allen Belangen Hauptansprechpartner, quasi für nahezu alles zuständig. Bis auf die Tatsache, dass M nicht mehr da ist, hat sich für mich am Tagesablauf nichts geändert.) Soviel Verabredungen und Freizeit wie in den letzten Wochen hatte ich allerdings schon lange nicht mehr.
Über Prinzis Verlust bin ich nach wie vor sehr traurig, aber es ist eine ganz andere Art der Trauer als anfangs bei M. Vielleicht liegt es daran, dass Prinzi sehr alt war und auf ein langes Hundeleben zurückblicken konnte. M blieb das ja verwehrt.
L erzählt allen, die es nicht hören wollen, dass ich bald wieder heirate. Ähm ja … da weiß sie wohl mehr als ich. 😉 Vor zig Wochen schrieb ich, dass ich mir nicht vorstellen könnte, in diesem Leben noch mal jemanden zu finden, der zu mir passt und der mich mit all meinen Macken auch haben will. Zumindest bei der ersten Aussage habe ich mich vermutlich geirrt. Die Vorstellung, die nächsten fünfzig (?) Lebensjahre ohne Mann zu verbringen, wird immer gruseliger.
Was in den letzten zwei Tagen schön war:
Telefonat mit meinem Bruder. Es war diese Woche viel einfacher, miteinander zu sprechen. Termine haben definitiv was Gutes. Ich buchte während des Telefonats meine Zugfahrkarte nach München und ignorierte dabei sämtliche Stimmen in meinem Kopf, die mich auf die steigenden Corona-Infektionszahlen hinwiesen.
Bürobesuch. Völlig überraschend besuchte uns, vielmehr mich, heute Mittag der Vermieter unserer Büroräume. (Wir kennen uns privat. Er war der erste potentielle Investor nach Ms Tod.) Er fragte, wie die Zusammenarbeit mit unserem neuen Partner, den er vermittelte, lief und war voller Worte des Lobes.
Kuchen. Heute Abend buk ich nach Ewigkeiten mal wieder einen veganen Kuchen. L fand den Teig super lecker und kratzte die ganze Schüssel mit Teigresten leer. ❤