Ls und meine Zukunft ist ungewisser denn je. L will nicht umziehen. Sie will bei unseren Vermietern bleiben und mit C weiterhin die Blumen gießen. Sie weinte deshalb gestern Abend vor dem Einschlafen ganz doll, obwohl ich das Wort Umzug seit Tagen nicht mehr erwähnt habe. Und obwohl ich allein Prinz wegen am liebsten weiterhin hier in unserer schönen Wohnung mit diesem wunderschönen Garten wohnen bleiben würde, ist das Thema Umzug so präsent wie nie. Meine aktuelle Arbeit hat sich durch die Insolvenz mehr oder weniger von selbst erledigt. (Ich könnte für diese Leute sowieso nicht mehr arbeiten.) Vier Monatsgehälter von M, die mir aufgrund seines Todes zustehen, werde ich höchstwahrscheinlich aus demselben Grund (Insolvenz) niemals sehen. Und die versprochene Rückerstattung vom Finanzamt für 2019 erhalte ich auch nur dann, wenn ich Ms Erbe annehme. (Ich schlage es aber aus.) L und ich gehen somit komplett leer aus und bekommen nichts. Das ist heftig und schmerzt, waren doch auch die Berater vergangene Woche noch so optimistisch. Ich bin es mittlerweile in Bezug auf noch zu erhaltenes Geld nicht mehr. Ich bin traurig, wütend, sauer und habe große (Existenz-)Angst.
Heute war nicht Ls Tag. Am Nachmittag wurde sie zweimal von Wespen gestochen, einmal in die Kniekehle und einmal in den kleinen Zeh. Sie war nach jedem Stich für mindestens eine Stunde unausstehlich, obwohl sie mit mir auf meinem Schoß kuschelte. Die arme J (aus Dresden) kam nur wenige Minuten vor dem ersten Stich und flüchtete kurz nach dem zweiten. Ich wäre gern mitgegangen … 😉
Was heute schön war:
Sommer. Sonne. Badespaß.
Nach dem Frühstück machte ich mich mit L und Prinzi auf den Weg in den Park. Dort trafen wir Ms Mama. Gemeinsam mit L ließ sie zwei selbstgebastelte Boote in den Flutgraben. (Die Idee ist toll, dennoch wünschte ich, dass das Boot nicht aus Müll bestanden hätte. Ich mag es nicht, wenn unsere Flüsse verschmutzt werden.) Wenig später gingen wir wieder runter an den Fluss. L warf Steine ins Wasser und Ms Mama und ich machten es uns auf der Picknickdecke gemütlich. Prinz war auch heute wieder lieb, aber nicht so entspannt wie gestern.
Autor: Katja
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 23
AlltagsschnipselMein Onkel O wurde gestern von der Intensivstation auf die Station Gefäßchirurgie verlegt. Er wird voraussichtlich noch den ganzen August im Helios Klinikum bleiben und weitere Operationen über sich ergehen lassen müssen. Nach diesem langen Krankenhausaufenthalt ist eine Reha geplant. Ich drücke ihm weiterhin fest die Daumen.
Am Nachmittag teilte unser zweiter und nunmehr einziger Geschäftsführer allen Mitarbeitern mit, dass er gestern einen Insolvenzantrag gestellt hat. Obwohl mich diese Information nicht sonderlich überraschte, stieg meine Wut oder vielmehr mein Hass auf die Muttergesellschaft weiter an. Die Muttergesellschaft kann sich auf die Schultern klopfen: Sie hat es geschafft, ein vormals gut laufendes/lukratives Einzelunternehmen binnen sechzehn Monaten in Insolvenz zu bringen. Sie gehen lieber diesen Weg, als L und mir die Anteile anzudienen. Ein Angebot meinerseits, die Anteile der Muttergesellschaft zurückzukaufen, lag vor. Ich glaube ganz ganz fest an ausgleichende Gerechtigkeit. Es rächt sich schließlich alles im Leben. Mit einer Gehaltszahlung brauche ich morgen erst mal nicht rechnen.
Was heute schön war:
Besuch.
Kurz nach dem Aufstehen kamen Ls Kindergartenfreund Y und seine Mama zu uns. Anfangs waren beide Kinder ein wenig schüchtern, doch das legte sich schnell. L führte Y zunächst in ihr Kinderzimmer, veranstaltete später mit ihm ein Wettrennen und zeigte ihm die Kniebombe im Planschbecken. Nach dem gemeinsamen Mittagessen (Nudeln mit viel zu scharfer Tomatensoße) machten wir uns auf den Weg zum Fluss. Dort sammelten und warfen beide Steine, während Ys Mama und ich uns weiter unterhielten und Prinzi seinen Mittagsschlaf fortsetzte. Fünfeinhalb Stunden später machten sich die beiden wieder auf den Heimweg. Das war ein schöner Tag. ❤
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 22
AlltagsschnipselKurz vor halb acht wachte ich heute auf und obwohl ich noch total müde war, konnte ich nicht wieder einschlafen. Ich las ein paar kurze Kapitel meines aktuellen und mittlerweile dreißigsten Buches dieses Jahr und stand eine Stunde später auf.
Gegen 10:00 Uhr verabschiedete ich U, E und K, die sich auf den Rückweg nach Tirana machten. In meinem Zwei-Jahres-Plan habe ich mir einen Besuch vorgemerkt. Zeit wird‘s!
Erinnerungen.
L erzählte mir am Abend, dass M sie einmal aus Versehen angekleidet in die volle Badewanne gehoben hat. Darüber mussten wir beide lachen. Ich erzählte L heute, was ihr Papa am liebsten aß: Pizza Funghi, Pistazien, Erdnussflips, Tortilla-Chips mit warmer Käsesoße, Schweden-Eisbecher, Nudelauflauf.
Wohnzimmer.
Nach der gestrigen Grundreinigung unserer Couch räumte ich heute in der nächsten Ecke des Wohnzimmers auf.
Was heute schön war:
Besuch.
Morgens 09:30 Uhr kam mein Grundschul-/Orchesterfreund B zu Besuch. Kurz darauf klingelte es erneut und meine Grundschul-/Orchesterfreundin J stand überraschend vor der Tür. (Die beiden hatten sich abgesprochen.) Ich freue mich sehr, dass wir uns in den letzten drei Wochen so oft gesehen haben. ❤ Irgendwann in den nächsten Wochen werde ich mit L zu einem Calisthenics-Probetraining gehen. B macht diesen Sport regelmäßig und fragte seinen Trainer, ob es in Ordnung geht, wenn ein vierjähriges Kind am Training teilnimmt. 😉 (Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, auch einige Übungen auszuprobieren.)
Mama-L-Tag.
Nach dem Aufwachen beschloss ich, den heutigen Tag zum Mama-L-Tag zu machen. Schließlich habe ich L zuletzt am Montag Vormittag gesehen. Wir hatten heute eine sehr schöne Zeit zusammen. Wir spielten sechsmal Obstgarten (der Rabe besiegte uns dreimal), lasen Bücher, planschten im Pool (L mit Regenjacke), aßen Eis, gingen abends in die Badewanne und schauten gemeinsam einige Folgen „Little Princess“.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 21
AlltagsschnipselM ist schon drei Wochen (!) nicht mehr bei L und mir. Ich hatte in den vergangenen Tagen bereits erwähnt, dass er mir von Tag zu Tag mehr fehlt. Ich laufe jeden Tag mit einem flauen Gefühl in der Herz- und Magengegend herum. L spricht nun auch wieder häufiger von ihm und erinnert sich vermehrt an ihren Papa. Diesen schönen Gedanken will ich nun aufgreifen und ab und an in meinem Blog festhalten, was M mochte, wie er war, wer er war etc.
Couch.
Eklig! Und das ist immer noch eine absolute Untertreibung. J (aus Dresden) und ich reinigten heute unsere Couch. (M kaufte diese circa 2009/2010 gebraucht.) Wir nahmen sie komplett auseinander und säuberten alles. Dabei machten J und ich eine Entdeckung, die ich noch nicht mal in meinem Blog verewigen will. Ich bin jedenfalls gespannt, ob J nicht doch den Kontakt zu mir abbricht. Es würde mich nicht wundern. Mich beruhigt jedoch die Tatsache, dass die Couch die letzte ranzige Stelle in unserer Wohnung war.
Deutsche Rentenversicherung.
Am Abend kam ein Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung vorbei und stellte für mich einen Antrag auf große Witwenrente und für L auf Halbwaisenrente. (Ich gehe davon aus, dass weder L noch ich etwas bekommen werden, denn M hat keine fünf Jahre eingezahlt.) Gespannt auf das Ergebnis bin ich dennoch.
Was heute schön war:
Oma-Tag für L.
Auch heute befand sich L bei Ms Mama. Sie besuchten Ms Mamas Freundin und L konnte gemeinsam mit einem Mädchen ihres Alters im Planschbecken baden. Obwohl L Heimweh hatte, war sie mutig und schlief noch eine weitete Nacht bei ihrer Oma. L wird allmählich groß …
Fellpflege.
J und ich setzten unser gestern begonnenes Werk fort und verschönerten Prinzi. Sein Fell glänzt und er sieht unglaublich knuffig aus. ❤ Ich bin so froh, wieder Zeit für mein Hundi zu haben. Er hat es verdient.
Sushi.
Nach dem grauenhaften Couch-Schrecken belohnten J und ich uns mit einer Riesenportion Sushi. Es war wie immer super lecker.
Filmabend.
Mein zweiter kinderfreier Abend in Folge ermöglichte es J und mir, den zweiten Film „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ zu schauen. Den dritten und letzten Teil können wir vermutlich erst am 11. August gucken.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 20
AlltagsschnipselHaushalt.
Ich bin nach wie vor krankgeschrieben und L wurde gleich nach dem Aufstehen von ihrer Oma abgeholt. Es war somit an der Zeit, mich dem Haushalt zuzuwenden. Unsere Wohnung sieht bereits viel ordentlicher aus. Ein Zimmer ist derzeit vollends zur Rumpelkammer mutiert, ein zweites zeigt erste Anzeichen. Aber der Rest, der sieht gut/besser aus. 🙂
Verhandlungen.
Um 17:30 Uhr hatte mein Bruder einen Call mit dem Vorstand der Muttergesellschaft. Er nannte ihnen zwei mögliche Varianten. Angeblich wollen sie sich bis morgen für eine entschieden haben und sich wieder bei ihm melden. Ich hoffe immer noch auf ein zeitnahes Ende der Angelegenheit, damit wieder mehr Ruhe in unser Leben einkehrt. Andererseits stimmen mich auch die Worte/Gedanken meines Kollegen M optimistisch. Und mein Bruder ist sowieso der Auffassung, dass alles gut wird.
Was heute schön war:
Oma-Tag für L.
Heute Vormittag holte Ms Mama L ab. L wird erst am Mittwoch wieder nach Hause kommen und bleibt somit erstmals zwei Nächte bei ihrer Oma. Die beiden verbrachten einen schönen Tag auf der EGA.
Fellpflege.
Intensiv um Prinzis Fell kümmerte ich mich zuletzt vor drei oder sogar vier Monaten. J kämmte ihm heute sehr lange und ausgiebig das Fell. Er schien es sogar zu genießen, denn er schlief einfach weiter. Mit dem Trimmer kürzte ich später zusätzlich das sehr lang gewordene Fell. Die Fellpflege ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber Prinzi sieht nun nicht mehr wie ein armes verwahrlostes Hundi aus.
Lembasbrot.
J und ich fuhren heute Mittag gemeinsam ins Real. Dort kaufte ich recht viel ein, denn unser Kühlschrank war komplett leer. Am Abend bereitete J ein super leckeres Abendessen für uns zu – passend zum Film. ❤

Filmabend.
Gegen 20:00 Uhr starteten J und ich den Film „Der Herr der Ringe – Die Gefährten“. Es ist so unglaublich lange her, seit ich den Film das letzte Mal sah. Ich konnte mich zwar noch an einiges erinnern, aber an vieles eben auch nicht mehr. Ich war überrascht, dass wir den Film komplett schauen konnten. (In der Vergangenheit bin ich früher oder später immer eingeschlafen.)
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 19
AlltagsschnipselErst gegen 02:00 Uhr morgens kam ich allmählich zur Ruhe. Dieses Mal lag es an Prinzi. Er lief stundenlang unruhig in der Wohnung umher, erbrach einen Teil seines Futters im Flur (auf dem ich im Dunkeln beinahe ausgerutscht wäre) und war mehrfach (mit mir) im Garten. Irgendwann ging es ihm besser und er legte sich schlafen. Zu meinem Glück erwachte L mit mir erst um viertel nach zehn am Vormittag.
Meinem Onkel O geht es sehr schlecht. Er befindet sich seit Montag Abend im Helios Klinikum in Erfurt und wurde bereits mehrfach operiert. Er liegt nach wie vor auf der Intensivstation. Laut den Ärzten ist er eine tickende Zeitbombe und sein Gesundheitszustand ist sehr besorgniserregend. Wir rechnen bereits mit dem Schlimmsten. 😦
Was heute schön war:
Regen.
In den frühen Morgenstunden, am Vormittag und auch am späten Nachmittag regnete es – teilweise sehr stark. Dieser Regen war längst überfällig. Am Nachmittag saßen wir gemeinsam im Garten unter einem Regenschutz und schauten dem Treiben zu.
Telefonat mit meinem Bruder.
Gegen 12:00 Uhr rief mich spontan mein Bruder an. Wir telefonierten eine gute halbe Stunde. Er besprach mit mir die Strategie für seinen morgigen Call und brachte mich auf den aktuellen Stand bezüglich des Gesundheitszustandes unseres Onkels.
Kino.
Am frühen Nachmittag machten sich L und ich auf den Weg zum Kino. Prinzi ließen wir bei U im Garten. Wir fuhren wie vorgestern wieder mit dem Bus. Vor Ort wartete bereits meine Mama auf uns. Wir hinterließen unsere Kontaktdaten auf einem A4-Zettel und kauften Snacks und Tickets für den Film „Paw Patrol: Mighty Pups“. Der Film lief in Saal 1. Wir saßen diesmal in der dritten Reihe und somit sehr nah an der Leinwand. Das Abenteuer der Fellfreunde war spannend erzählt. L hatte großen Spaß. 🙂

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 18
AlltagsschnipselLagebesprechung.
Gestern Abend gegen 21:00 Uhr beschlossen wir, uns heute Vormittag um elf zusammenzusetzen und weitere Pläne/Möglichkeiten zur Fortführung von Ms Geschäften zu besprechen. Sogar mein Kollege M stimmte diesem spontanen Treffen zu. Tausend Dank dafür! Wir redeten um die drei Stunden und sind ein gutes Stück weitergekommen. M und ich sind uns einig. Nun müssen wir einen potentiellen Investor gewinnen/überzeugen und schließlich die restlichen Mitarbeiter. Deren Wohl liegt sowohl M als auch mir am meisten am Herzen.
Was heute schön war:
Besuch.
Am Vormittag kam mein Bruder zu Besuch. Er unterstützte mich (zum dritten Mal in dieser Woche) bei beruflichen Angelegenheiten. Ich hoffe, dass wir bei seinem nächsten Besuch entspanntere/schönere Sachen machen können.Mittags kam J aus Dresden zu Besuch. Wir hatten Glück und konnten noch eine Weile in Ruhe, das heißt ohne die Kinderleins, quatschen und gingen nachmittags kurz mit Prinzi im Park spazieren. Für Montag und Dienstag schmiedeten wir auch schon Pläne.
Schach.
T fragte mich am Abend, ob wir Schach spielen wollen. (Letzten Sommer spielte ich auch schon gegen ihn.) Wir nutzten unser schönes Star Trek-Schachspiel. Obwohl ich mich aufgrund des Kinderlärms nur schwer konzentrieren konnte, gewann ich das Spiel. (Ich gehe aber davon aus, dass T mich früher oder später schlagen wird. Ich spiele sehr selten bis nie und er regelmäßiger. Außerdem wird T im August auch „erst“ zehn …)

Grillabend.
Gegen 19:30 Uhr aßen L und ich gemeinsam mit unseren Vermietern C und A, T und J sowie U, E und K im Garten Abendbrot. A grillte für uns. Nach dem Essen, als aber noch alle am Tisch saßen, verkündete U nun offiziell, dass sie im Februar 2021 ihr zweites Baby erwartet. ❤
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 17
AlltagsschnipselMein Körper zeigt seit ein paar Tagen wieder Stress an, vorrangig durch Übelkeit und einen verkrampften Brustkorb. Die Situation rund um Ms Erbe belastet und beschäftigt mich sehr. Ich hatte alleine in dieser Woche so viele Termine mit Beratern, dass ich kaum Zeit für meine Bedürfnisse oder gar mein Kind hatte. Ich wünsche mir ein zeitnahes, zufriedenstellendes Ende dieser Angelegenheit und … Ruhe!
Am Mittag lief ich mit meinem Bruder, der zuvor die drei Kinder als Kitzelmonster bespaßte, zum Büro unserer Steuerberater. Wir kamen auch hier schnell zu dem Ergebnis, dass es cleverer wäre, Ms Erbe auszuschlagen. Zudem hatten die beiden Berater noch gute Ideen, wie es für Ms Firma mit weniger Ärger durch die Muttergesellschaft weitergehen könnte. Morgen Vormittag kommt mein Kollege M zu uns nach Hause. Wir besprechen dann in größerer Runde unsere Möglichkeiten.
Was heute schön war:
Kino.
Da es vormittags Probleme mit der Online-Reservierung gab, fuhr ich am Nachmittag mit den drei Kindern T, J und L auf gut Glück ins Kino. Außer uns vieren schaute nur noch eine Mama mit ihrer Tochter den Film „Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau“. Wir hatten somit Saal 1 des Kinos für uns alleine. Nach Kauf der Snacks dachte ich zuerst, ich hätte es ein wenig übertrieben, aber wir leerten sämtliches Popcorn noch vor Ende des Films! Das habe ich nicht erwartet. Der Film war sehr unterhaltsam.

Blumen.
T, J und L haben mir einen schönen Blumenstrauß gepflückt. Der steht nun in unserer Küche. ❤
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 16
AlltagsschnipselDiese Nacht schlief ich um ein Vielfaches besser als die Nacht davor, aber immer noch nicht gut/erholsam genug. In den frühen Morgenstunden wachte ich auf und konnte die Gedanken in meinem Kopf rund um Ms Erbe/die Rettung der Firma nicht mehr beruhigen.
Mittags lief ich mit meinem Bruder zum Büro der Anwälte. (Prinz schlief friedlich im Garten. Ich konnte ihn vorsichtig anleinen und mich dann unbemerkt aus dem Haus schleichen.) Obwohl ich nicht gut vorbereitet war, brachte mir der Termin sehr viel. Sie klärten mich über wichtige Dinge auf und kamen letztendlich zu dem Schluss, dass es besser sei, wenn ich Ms Erbe ausschlage. Mein Bruder stellte zwischendrin auch sehr gute Fragen. Zum Glück hat er mich zu dem Termin begleitet.
Wir waren nach dem Termin bei den Anwälten nur eine halbe Stunde zu Hause, als mein Bruder und ich gemeinsam mit meinem Kollegen M zum Espachcafé aufbrachen. Dort trafen wir uns mit einem potentiellen Investor/Interessenten. Die beiden Männer hinterließen auf der menschlichen Ebene einen sehr guten Eindruck. Wir sind so verblieben, dass wir den Kontakt in den nächsten Wochen intensivieren. Mein Bruder warf während des Gesprächs konkrete Zahlen in den Raum, was die beiden erst mal nicht mit der Wimper zucken ließ.
Was heute schön war:
Ausflug.
L durfte unsere Vermieter C und A, U, E und K sowie T und J auf ihrem Ausflug zum Brocken begleiten. Kurz nach halb zehn am Vormittag startete die Reisegruppe und kehrte erst gegen 19:00 Uhr zurück. So konnte ich heute in Ruhe die wichtigen Termine wahrnehmen.
Unterstützung.
Ich bin froh, dass mich mein Bruder heute zu den Terminen begleitet hatte. Alleine hätte ich sicher nicht so viel herausgefunden oder die Informationen aufgrund meiner Aufregung/Anspannung verdreht. Vier Ohren hören einfach mehr als zwei.
Besuch.
Auch wenn ich die beiden eine gute halbe Stunde warten ließ, freute ich mich am Abend sehr über den Besuch von A und S. Wir werden vermutlich im Herbst M zu Ehren im Luisenpark einen Baum pflanzen. (Ich bin offensichtlich nicht sie einzige mit einer Friedhof-Phobie.) Die Idee ist jedenfalls toll und ich hoffe, dass unser Vorhaben klappt.
Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 15
AlltagsschnipselNull Minuten! Ich habe heute Nacht kein Auge zubekommen und somit keine einzige Minute Schlaf gefunden. Die Gedanken in meinem Kopf waren einfach zu laut. Ich kam nicht zur Ruhe.
Trotz des Schlafmangels fühlte ich mich heute den Tag über nicht müde. Während ich mich für Ms Trauerfeier und Urnenbeisetzung zurechtmachte, meinte L plötzlich, dass sie nun doch nicht mitkommen wolle. Äh … eine andere Wahl hatte sie leider nicht mehr, denn ausnahmslos alle Personen, die sie heute hätten bespaßen können, erschienen heute mit uns auf dem Hauptfriedhof.
Halb zwölf kam Prinz‘ Betreuungsperson bei uns zu Hause an. Da er die arme Frau ohne Unterlass anknurrte, ansprang und nach ihr schnappte, leinte ich ihn im Garten an und stellte seinen Wassernapf in erreichbarer Nähe ab. Mit einem mittelguten Gefühl stieg ich eine halbe Stunde später gemeinsam mit L in S‘ Auto ein. S war so lieb und fuhr uns hoch zum Friedhof.
Viertel vor eins lief ein Großteil der Gesellschaft in Richtung Halle 2. Die traurigen Klänge der Klaviermusik ließen nicht nur mich in Tränen ausbrechen. L, die zuletzt am Todestag ihres Papas weinte/schrie/um sich schlug, zeigte erstmals wieder ihre wahren Emotionen. Auch sie weinte und wollte nicht mit hinein zur Trauerrede in Halle 2. Mein Bruder erklärte sich bereit, mit ihr draußen zu bleiben. (Ich war ihm unendlich dankbar. Es tat mir jedoch auch sehr leid für ihn.) Dass die Trauerrede auch in den Außenbereich übertragen wurde, war ein kleiner Trost für mich. (Durch COVID-19 durften nur dreißig Personen an der Trauerrede in der Halle teilnehmen.)
Der Trauerredner schrieb und hielt eine sehr gute Rede. Er wechselte zwischendrin in die Ich-Perspektive und erzählte Ms Leben aus seiner Sicht. Alle, mit denen ich sprach, glaubten tatsächlich, M hätte diese Worte vor seinem Tod selbst verfasst/zu Papier gebracht. Dem war nicht so. Ich finde, das zeugt von der guten Arbeit des Redners.
Um 13:30 Uhr liefen wir gemeinsam mit circa einhundert (!!!) zur Beerdigung erschienenen Personen zum Grab. Jeder von ihnen stand eine Weile vor dem Grab und hatte Gelegenheit, sich von M zu verabschieden. Diese traurige Situation wurde ein wenig aufgehellt durch einen Stein, der mitten im Weg befestigt war und den ein oder anderen stolpern ließ. Das wäre ganz nach Ms Humor gewesen. Ich stellte mir jedenfalls vor, wie er uns beobachtete und aus dem Lachen nicht mehr herauskam.

Was heute schön war:
Anteilnahme.
Ich bin gerührt und überwältigt, wie viele Menschen sich heute Mittag von M verabschiedet haben. M kannte wirklich unglaublich viele Personen.
Double B.
Um 17:00 Uhr stieß ich zu unseren Freunden in Ms Lieblingslocation dazu. In den nächsten drei Stunden unterhielt ich mich mit vielen und erinnerte mich gemeinsam an lustige/schöne Momente mit M. Die alten Schülerzeitungen und Dutzende Fotos lagen auch zum Stöbern bereit. ❤












