Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 43

Alltagsschnipsel

Der Countdown läuft! Heute erfuhr ich, dass der Insolvenzverwalter die Angebotsabgabefrist auf den morgigen Tag, 12:00 Uhr, gelegt hat. Da er das Insolvenzverfahren zum 1. September eröffnen will und dafür noch ein Gutachten schreiben muss, in dem er das von ihm auserwählte Angebot mit einbezieht, dürfte er sich am Freitag oder spätestens Anfang nächster Woche entscheiden. Spannung!

Nach ausführlicher Beratung mit diversen Kollegen entschied ich mich heute Mittag gegen die Kündigung. Diese hätte nur Sinn ergeben, wenn mehrere mitgezogen hätten. Meine Kündigung allein hätte niemanden gejuckt und vor allem im Team Fragen aufgeworfen. Diese hätte ich sicherlich beantworten können, aber das Misstrauen wäre weiter gewachsen. Danke für euren Rat!

Was heute schön war:

Neubeginn.
Allmählich gewöhne ich mich an das Mehr an Gesprächen bzw. die Zunahme der Kommunikation im Allgemeinen. Zunächst telefonierte ich lange mit D, dem Vorstand des neuen Partners. Das lief sehr gut. Ich werde immer zuversichtlicher, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.Mit meinem Kollegen/Freund J sprach ich heute auch viel. Er wird mich in Zukunft vermehrt unterstützen. Gemeinsam mit H und M starteten J und ich einen ersten Anlauf hinsichtlich zukünftiger Strukturen. Wir werden uns nun täglich Zeit nehmen, um am neuen beruflichen Weg zu arbeiten/voranzukommen.

Telefonat mit J.
Nachdem ich die arme J (aus Dresden) gestern in dem ganzen Trubel vergessen habe, führten wir mittags endlich unser wöchentliches Telefonat. J teilte super spannende Neuigkeiten mit mir und wir überlegten uns/kreierten ein entsprechendes Ende zum vorgegebenen Sachverhalt. Ich bin sehr gespannt, ob wir Recht behalten werden. (Aus Rücksicht auf einzelne Personen kann ich leider nicht genauer ins Detail gehen.)

Spontan-Treffen.
Mittags schrieb mich C an und fragte, ob wir für den Nachmittag/Abend schon verplant seien. Ich verneinte. Und so kam es, dass L, Prinzi und ich gegen 16 Uhr Besuch von M und seiner Mama bekamen. Es folgte eine furchtbare Stunde, in der beide Kinder völlig am Rad drehten, sich gegenseitig hochschaukelten/anstachelten und ich mich kurzzeitig sehr weit weg wünschte. Wir schnappten uns den Bollerwagen, den Hund und die Kinder und machten uns auf den Weg runter zum Fluss. Es dauerte nicht lange und die Stimmung der beiden verbesserte sich, sodass die folgenden anderthalb Stunden das komplette Gegenteil zu den ersten waren. Am nächsten Wochenende (Ende August) werden wir einen gemeinsamen Ausflug machen. ❤

Kartoffelbrei mit Eissoße und Sahne

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 42

Alltagsschnipsel

Sechs Wochen oder eben zweiundvierzig Tage ist M nun schon nicht mehr bei uns. In den vergangenen Tagen fiel mir der Verlust leichter, denn ich war rund um die Uhr beschäftigt. Ich hatte schlicht und ergreifend keine Zeit, großartig traurig zu sein.

Während andere ihr (gemeinsames) Leben in gute und schlechte Zeiten einteilen, hatten sich bei M und mir lediglich gute und sehr gute Zeiten etabliert. Ms Diagnose und der damit verbundene Krankheitsverlauf zählten bei uns somit zu den „guten Zeiten“. Unsere Hoffnung galt immer einer Wundertherapie, um schnellstmöglich wieder eine sehr gute Zeit miteinander zu haben. 

Auch die seit acht oder neun Wochen andauernde heikle/verfahrene/ungewisse berufliche Situation betrachte ich – optimistisch wie ich bin – als gute Zeit. Denn ich weiß, ich arbeite aktiv daran, dass meine berufliche Zukunft wieder zu einer sehr guten Zeit wird.

Eine ruhige Nacht ohne Störungen liegt hinter mir. L schlief durch, Prinz schlief durch. ❤

Morgen ist der letzte Tag, an dem ich zum Quartalsende kündigen könnte. Ich glaube, das mache ich auch … 

Was heute schön war:

Planung.
Ich bin voller Energie, Tatendrang und Ideen. Das muss alles dringend raus, sonst platze ich. Und ich habe beschlossen, nicht mehr auf was auch immer zu warten. Mein Kollege/Freund J ist zum Glück ähnlicher Ansicht wie ich. So kam es, dass wir heute (während der Arbeitszeit) begannen, uns allerlei Gedanken zur neuen beruflichen Zukunft zu machen. Das war super. Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit.

Sushi.
Mittags bestellte ich (mal wieder) Sushi für mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Personen. Natürlich war alles nur für mich. 😉 So konnte ich auch am Abend nach der Probe noch eine Portion Sushi genießen.

Orchesterprobe.
Dienstag ist Oma-Tag für L. Seit einigen Wochen sogar mit Übernachtung. Somit habe ich einmal wöchentlich Zeit für (Prinz und) mich. Nach vier Jahren und neun Monaten nahm ich heute Abend erstmals wieder an einer Orchesterprobe teil. Lustigerweise spielten wir zwei Stücke, die ich schon mal gespielt hatte. Das machte es für mich leichter. Es war ein wunderbares Gefühl, wieder Saxophon zu spielen. Prinz war in der Zeit meiner Abwesenheit oben bei unseren Vermietern. Vielen lieben Dank dafür! ❤

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 41

Alltagsschnipsel

Der gestrige Abend endete sehr merkwürdig. Zum einen schämte ich mich wegen unseres Unrats, den andere für mich sortiert hatten. Zum anderen endete das L-Duschen mit vielen Tränen, da sie starke Schmerzen im Intimbereich (?) zu haben schien. Ich dachte zuerst an eine Blasenentzündung. Allerdings war sie wenige Minuten vor dem Duschen auf der Toilette und hatte nichts dergleichen geäußert. (Jeder, der schon mal eine Blasenentzündung hatte, weiß, wie unglaublich schmerzhaft so etwas ist.) Da sie (glaubhaft) viel und laut weinte, zog ich bereits den Gang in die Notaufnahme in Erwägung. Wir kuschelten uns gegen 21:00 Uhr ins Bett und ich las eine Gutenachtgeschichte vor. Nur etwa zehn Minuten, nachdem ich das Licht ausmachte, schlief L. (So etwas kommt vielleicht fünfmal im Jahr vor.) Heute Morgen war von den gestrigen Schmerzen keine Rede mehr. Ich hoffe, dass L gestern Abend einfach nur übermüdet war.

Gerade als ich gegen 22:00 Uhr das Handy zur Seite gelegt und mein Kissen zurechtgerückt hatte, stand Prinz, der bis dato im Flur schlief, auf und tippelte (mal wieder) unruhig durch die Wohnung. Ich stand zweimal für ihn auf und ließ ihn hinaus in den Garten. Irgendwann halb eins am Morgen war endlich Ruhe und wir konnten alle ungestört schlafen.

Was heute schön war:

Kindergarten.
Ich bin sehr stolz auf L. Heute ging sie ohne Tränen mit ihrer Erzieherin C in den Gruppenraum. Ich bin derzeit sehr dankbar für diese Art der Normalität. Als ich nach Hause kam, hatte Prinz zwar sein Fressen nebst Cortisontablette aufgefuttert, jedoch lagen auch zwei Kothaufen in der Wohnung verteilt. (Die einzige Alternative: Ich nehme Prinz morgens im Auto mit zum Kindergarten und wieder zurück nach Hause und habe die Kothaufen in der Autobox.)

Spaziergang.
Nachdem wir am Nachmittag eine Weile im Kinderzimmer spielten (und begannen, Lego Technic aufzubauen), gingen L, Prinz und ich noch mal an die frische Luft. L hatte zunächst überhaupt keine Lust. Sie durfte aber ihr Puky mitnehmen und fuhr mehrmals voller Freude einen kleinen Hang hinab. Trotz des Regens hatten wir drei richtig viel Spaß im Park. Der Spaziergang tat uns allen gut.


Telefonat mit meinem Bruder.
Pünktlich um neunzehn Uhr rief mein Bruder an. Er berichtete einiges von seinem Workshop und seinem kleinen Österreich-Urlaub, aber auch von seinem Geschäftspartner, dem es seit Monaten schon nicht gut zu gehen scheint. Während des knapp anderthalbstündigen Telefonats baute ich weiter das Lego Technic-Fahrzeug auf.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 40

Alltagsschnipsel

Irgendwann kurz nach ein Uhr morgens wachte L auf. Sie schlief zwar recht schnell wieder ein, aber durch ihr Weinen und die Tatsache, dass wir für den Toilettengang aufstehen mussten, wurde auch Prinz wach und lief anschließend laaaaange unruhig in der Wohnung umher. Ich ließ ihn mehrmals in den Garten gehen. Erst halb drei kam er und somit auch endlich ich zur Ruhe und wir konnten schlafen.

Morgen wird unser Sperrmüll abgeholt. Wir trugen um die Mittagszeit zu viert etwa eine Stunde Krempel/Unrat aus Garage und Keller zusammen und stellten diesen vor das Grundstück. Als ich am Abend mit L und Prinz nach Hause kam, waren unsere Vermieter und die Dachgeschoss-Mieter gerade fertiggeworden, den Kram direkt zur Straße zu tragen und (noch viel schlimmer) den Unrat zu sortieren! Ich wünschte mir schnell ein Erdloch herbei, in dem ich verschwinden wollte. Natürlich wurde mein Wunsch ignoriert. Peinlich!!! Ich habe absolut keine Ahnung mehr, was sich alles in den Kisten und Kartons befand. Allein die Vorstellung, was die vier dort für Dinge entdeckt/gesehen haben könnten … Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das sein Zimmer nicht aufgeräumt und heimlich Kram in Kartons gepackt hat. 

Was heute schön war:

Spielende Kinder.
Da der Zug zum Flughafen erst am Nachmittag fuhr, konnte L nach dem Aufstehen noch ein paar Stunden mit T und J spielen (und fernsehen). Wir aßen sogar noch mal oben gemeinsam Frühstück und später auch Kuchen. Hoffentlich können alle um die Weihnachtszeit wieder nach Deutschland kommen.

Playdate.
Halb fünf am Nachmittag trafen wir A, M und ihre Noch-Baby-Tochter A beim Espachcafé. Während es in der Ferne bereits donnerte, aßen wir super leckeres Eis. Ich bin sehr stolz auf L, denn obwohl hin und wieder eine Wespe um ihr Eis schwirrte, blieb sie ruhig sitzen. Da kein Unwetter aufzog, konnten wir bis abends halb acht im Sand spielen, baden oder herumsitzen und quatschen. Prinz war für seine Verhältnisse ein sehr lieber Spielplatzhund. Schade ist es trotzdem, dass er nicht richtig zur Ruhe kommen kann. Aber er hatte kaum (aus lauter Langeweile) gebellt. Das war schon mal ein Anfang.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 39

Alltagsschnipsel

Gestern Abend vor dem Einschlafen steigerte sich L in eine (kleine) Mücken-Hysterie herein. (Die Mücken haben nun also die Wespen abgelöst.) Irgendwann schlief sie glücklicherweise ein. In der Nacht erwachte sie und fing erneut an, wegen möglicher Mücken im Schlafzimmer zu jammern. Nach ein paar Minuten beruhigte sie sich wieder und wir konnten unsere Nachtruhe fortsetzen.
Wenn ich unsere Nächte grob überschlage, sind mindestens fünf von sieben Nächte pro Woche verkorkst/wenig erholsam/nervig. Entweder ist Prinz der Auslöser dafür oder eben L. Das ist unschön und darf sich in Zukunft bitte gern ändern.

Wenn deine Wohnung tagsüber nach Urin riecht …
… bist du vermutlich selbst daran Schuld. Halb acht am Morgen lief Prinz unruhig in der Wohnung umher. Da ich einfach nicht dazulerne, ignorierte ich seine Unruhe. Als seine Schritte plätschernd klangen, ahnte ich nichts Gutes und stand auf. Der komplette Flur und später auch ein Teil des Wohnzimmers waren mit Urin versehen. Obwohl ich diesen mit Küchenrolle beseitigte und mehrmals mit dem Swiffer den Boden wischte, bekam ich den penetranten Geruch nach Urin viele Stunden nicht aus der Wohnung. Immerhin hinterließ Prinz sein großes Geschäft im Garten und ich sammelte die Haufen im strömenden Regen ein. Gern hätte ich mich danach zurück zu L ins Bett gelegt und noch ein wenig in meinem Buch gelesen. Aber wie das Leben so spielt, war sie natürlich bereits munter.

Was heute schön war:

Gesellschaftsspiele.
Am Vormittag spielten L, T und J Wackelturm. (T, J und R sind bis zu ihrem morgigen Rückflug nach Dublin bei uns in Erfurt. <3) Kurz darauf spielten wir gemeinsam mit unserer Vermieterin C eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ und nutzten einen von A selbstgebauten Würfel. (Ich belegte Platz vier.) Nach etwa zehn Minuten hatte L keine Lust mehr mitzuspielen und ließ ihren Unmut so lange an uns aus, bis sich unser Vermieter A erbarmte und sie ein wenig beschäftigte.
Nachmittags kramten wir das „Spiel des Lebens“ hervor. Diesmal hielt L über eine Stunde durch. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß dieses Spiel macht. (Vermutlich lag es daran, dass ich am Ende gewann.) T hatte ziemlich viel Pech und nur wenig Freude am Spiel. Es kullerten sogar ein paar (Frustrations-)Tränen.


Kuchen.
C buk (vermutlich gestern) zwei super leckere Kuchen: einen mit Erdbeeren, einen mit Pflaumen. Und da am Nachmittag die Sonne den Starkregen ablöste, machten wir es uns im Garten bei Kaffee und Kuchen gemütlich.

Grillabend.
Leider wurde das Lichterfest auf der EGA abgesagt. Wir ließen uns die Stimmung dennoch nicht vermiesen und schmissen am Abend den Grill an. Das Wetter meinte es ebenfalls gut mit uns. L aß sehr viel und schaute mutig und ohne Panik den Wespen dabei zu, wie sie sich Stück für Stück Fleisch vom Tisch stibitzten.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 38

Alltagsschnipsel

In der Nacht war Prinz sehr unruhig. Ich versuche immer wieder aufs Neue, sein (nerviges) Getippel eine Weile zu ignorieren, muss dann allerdings jedes Mal resigniert feststellen, dass es nichts bringt. Und obwohl ich nächtliche Störungen wirklich nicht leiden kann, stand ich (seinetwegen/ihm zuliebe) mehrmals auf. Ich öffnete ihm dabei die Wohnungstür, setzte mich auf die Treppe und wartete. Dabei sehnte ich mich nach meinem Bett. Gerechnet hatte ich mit dem kleinen oder sogar großen Geschäft, jedoch schien Prinz einfach nur schrecklich durstig zu sein. Dies ist definitiv eine der Nebenwirkungen der Cortison-Tabletten, die ihm ab sofort die Arthrose-Schmerzen lindern sollen. Irgendwann legte er sich zum Glück wieder schlafen und ich krabbelte zurück in mein Bett.

Was heute schön war:

Sushi.
Am späten Vormittag gelüstete es mir nach Sushi. Also bestellte ich mir ein kleines Mittagsmenü nach Hause. Lecker. 🙂

Hoffnung.
Nachmittags rief mich mein Kollege/Freund M an und teilte mir zum Feierabend noch hoffnungsvolle/positive Neuigkeiten hinsichtlich des neuen beruflichen Weges mit. Auch wenn nicht das gesamte Team mitgehen wird, freue ich mich schonsehr auf den Neubeginn. ❤

Lego.
Als L am frühen Abend von Ms Schwester nach Hause gebracht wurde (die beiden waren mit Baby M Eis essen), spielten wir noch eine Weile gemeinsam im Kinderzimmer. Ich baute wieder Lego. Ich habe riesige Lust, die seit Jahren unaufgebauten Fahrzeuge von Lego Technik hervorzukramen … ich glaube, das mache ich auch.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 37

Alltagsschnipsel

Erbausschlagung ist, wenn man nach wochenlanger Recherche die beste Entscheidung für sich und sein Kind getroffen hat, es sich trotzdem falsch und wie ein Verrat am Verstorbenen anfühlt. 
Kurz nach 09:30 Uhr am Vormittag betrat ich das Justizzentrum in Erfurt, ließ mir Fieber messen, meinen Rucksack durchsuchen und meldete mich anschließend in der Nachlassabteilung. Keine dreißig Minuten später verließ ich das Gebäude wieder.
Es ist gut möglich, dass ich verrückt bin. Aber sowohl in der Geschäftsstelle als auch bei der Rechtspflegerin roch es nach M. Ich kann den Geruch nicht konkret beschreiben, jedenfalls habe ich ihn gelegentlich in der Nase – mal in der Wohnung, mal irgendwo draußen und eben heute im Gerichtsgebäude. (Als ich im Flur auf die Rechtspflegerin wartete, war der Geruch zum Beispiel nicht da.) Sollte M tatsächlich „anwesend“ gewesen sein, will ich nicht wissen, was er nun von mir denkt oder hält. Aber es war die richtige Entscheidung!

Seit Montag hat L ihre Liebe fürs Duschen entdeckt. Sie war in den wenigen Tagen nun schon dreimal unter der Dusche und verlangt regelrecht danach, wieder geduscht zu werden. Ich hätte nichts dagegen, wenn das so bleibt. 🙂

Ich bin traurig über die gestrige Wendung/Erkenntnis. Ich weiß, dass man sich Vertrauen verdienen muss. Und ich bin bereit, mir dieses Vertrauen, das mir sehr offensichtlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht (von allen) entgegengebracht wird, zu verdienen. Traurig und vielleicht enttäuscht bin ich, da genau die Teammitglieder, von denen ich es am allerwenigsten gedacht hätte, nicht bereit sind, für zwei oder drei Monate einen Vertrauensvorschuss zu geben. Niemand von uns hat etwas zu verlieren. Wenn die Zusammenarbeit mit uns oder unserem neuen Partner blöd ist, hat doch jeder das Recht, sich in Ruhe nach etwas anderem umzusehen. Das mache ich doch in diesem Fall ganz genauso. Egal wie oft ich mir darüber den Kopf zerbreche: Ich verstehe es einfach nicht (komplett)! Und deshalb zerbreche ich mir nun auch nicht mehr den Kopf darüber.
Seit gestern stelle ich mir Ms Reaktion diesbezüglich vor. Und er lacht. Ich glaube, er würde mich sogar auslachen, zumindest belächeln. Weil ich so naiv war. Weil ich so bestimmend war. Weil ich meine Interessen über die des Teams gestellt habe. Weil ich das Team falsch eingeschätzt habe. (Ich glaube, diese Liste könnte ich nun endlos fortführen.)

Heute Morgen rutschte mir während der Fahrt zum Kindergarten versehentlich das Schimpfwort „Spacko“ heraus. L schnappte es sofort auf und berichtete mir auf der Hinfahrt und am Nachmittag auf der Rückfahrt freudig von ihrem Freund Spacko, der im Auto vor uns fährt und dies oder jenes tut. Äh … ups.

Um die Mittagszeit trudelten nahezu alle Teammitglieder im Office ein. Der zweite/einzige Geschäftsführer wollte uns alle persönlich sprechen. Was jedoch keiner wusste (einige aber ahnten): Es handelte sich um eine Werbeveranstaltung à la „Kommt doch zur Muttergesellschaft“. Geleitet wurde dies vom Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft. Diese Unverfrorenheit/Unverschämtheit muss ich nun erst mal sacken lassen.

Was heute schön war:

Erinnerung.
Gestern Abend erinnerte sich L daran, wie sie sich gelegentlich gemeinsam mit ihrem Papa (meist unter der Bettdecke) versteckte, um mich kurz darauf zu erschrecken. Diese schöne/lustige Erinnerung teilte sie heute sogar im Kindergarten mit ihren Erzieherinnen. ❤

Besuch.
Am Nachmittag besuchten uns M und seine Mama C. Den ursprünglichen Plan, ins Dreibrunnenbad zu gehen, gaben wir wetterbedingt auf. Stattdessen spielten die Kinder im Kinderzimmer. Gegen 17:30 Uhr schnappten wir uns einen Bollerwagen, liefen zum Spielplatz in der Tettaustraße und später zu dem beim Espachcafé. Der Nachmittag/Abend ging schnell und ohne Langeweile vorbei. Sogar Prinz war ein sehr lieber Spielplatz-Hund.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 36

Alltagsschnipsel

Wow! Ich fühle mich ein wenig … ach ich weiß auch nicht so genau. Es ist ein bisschen wie „Stell dir vor, du veranstaltest eine Party und keiner geht hin“. Heute fand ich heraus, dass unser Team gar nicht gerettet werden will. (Ja, ich hätte die vergangenen fünf Wochen nutzen können, um jeden Einzelnen zu fragen. Habe ich aber nicht. Und das merke ich jetzt beziehungsweise fällt meinem Kollegen M und mir nun auf die Füße.) Diese Option gab es schlicht und ergreifend nicht in meinem Kopf. (Das Problem habe ich öfters: Wenn ich mir manches nicht vorstellen oder gar in Erwägung ziehen kann, dann ploppt so eine einfache Idee wie das Fragen der Mitarbeiter nun mal einfach nicht auf.)
Ein Teil ist vorsichtig optimistisch und gibt dem „neuen Weg“ zumindest eine Chance. Tausend Dank! Ich bin euch dafür sehr dankbar. Der andere Teil ist aus (nachvollziehbaren) Gründen im (persönlichen) Chaos versunken und stellt nunmehr alles infrage.
Ich schäme mich! Ich schäme mich sogar sehr! Wie konnte ich nur so arrogant sein zu glauben, unser Team möchte als Einheit fortbestehen?! Warum, warum hatte ich im Vorfeld nicht einfach gefragt?! 
Ändern kann ich diesen Fehler natürlich nicht mehr, aber ich werde nun umso mehr kämpfen. Ich kämpfe für diejenigen, die uns einen Vertrauensvorschuss geben werden. Ich kämpfe für eine bessere berufliche Zukunft! Ich kämpfe für das Wohl des Teams! Ich kämpfe für den Erhalt von Ms Lebenswerk, nicht für M, sondern für mich. Weil ich es will. Weil ich das Potential sehe. Weil ich an den neuen Partner glaube. Amen.

Was heute schön war:

Gespräche.
Um 11:00 Uhr war ich heute telefonisch mit meinem Kollegen S verabredet. Wir unterhielten uns eine Stunde. S gab mir unglaublich wertvolle Hinweise, die ich aktuell, aber vor allem in Zukunft berücksichtigen werde. Ich danke ihm sehr für seine offenen Worte.
Mittags fragte ich spontan meinen Kollegen A, ob er Zeit für einen Call hätte. Und das hatte er. In ihn konnte ich bisher am wenigsten „hineinschauen“. Sehr zu meiner (positiven) Überraschung sprachen wir fast eineinhalb Stunden miteinander. Auch dieses Gespräch war wirklich sehr hilfreich. Ich wusste schon immer, wie notwendig es ist, Gespräche mit dem Team zu führen, aber wie wichtig es wirklich ist, bemerkte ich erst heute.
Um 13:30 Uhr (verabredet waren wir eine halbe Stunde eher; sorry) sprach ich schließlich mit meinem Kollegen/Freund F. Er radelte extra mit seinem schicken E-Bike zu mir nach Hause. Sein Input war dem von S und R vom Vortag sehr ähnlich. Auch dieses Gespräch war sehr gut. Als dunkle Wolken aufzogen, verabschiedeten wir uns sicherheitshalber. Ich glaube, F kam noch trocken zu Hause an …

Gewitter.
Es donnerte bereits, als ich kurz vor halb vier im Kindergarten ankam. L saß ängstlich auf dem Schoß ihrer Erzieherin C. Kaum saßen L und ich im Auto, begann es leicht zu regnen. Da wir auf dem Rückweg im Stau standen, kamen wir in den Genuss des Gewitters und des Starkregens, der zeitweise dafür sorgte, dass ich nur 30 km/h fuhr. Ich freute mich trotzdem über den vielen Regen.

Lego.
Heute machte es mir großen Spaß, gemeinsam mit L im Kinderzimmer zu spielen. Ich setzte mich auf den Teppich und baute aus Lego Häuser. Das war entspannend. L spielte Kindergarten. Ich war die Erzieherin … beziehungsweise eben auch nicht, da ich Lego baute. L schien das nicht zu stören. Sie war mit meinem „Einsatz“ zufrieden. Mama glücklich, Kind glücklich, was will man mehr?! 😉

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 35

Alltagsschnipsel

Nun sind fünf Wochen seit Ms Tod vergangen. Das Leben ging und geht weiter. Erst seit Kurzem finde ich Zeit zum Trauern. An M denke ich dennoch jeden Tag. Er ist allgegenwärtig, immer präsent und fehlt mir so sehr. In einem verzweifelten Moment kontaktierte ich neulich Dr. Google zum Thema Seelenverwandtschaft/Seelengefährten. M und ich hatten uns immer (zu) gut verstanden und uns prima ergänzt. Deswegen kam ich überhaupt erst auf diese Idee. (Und weil die Vorstellung so romantisch ist.) Ein paar der genannten Punkte auf den seriöser klingenden Seiten passen, aber schlauer bin ich trotzdem nicht.


Wie von mir vom zweiten/einzigen Geschäftsführer erwartet wurde, fanden Prinz und ich uns heute Morgen im Büro ein … und waren ganz allein. Es war zudem unglaublich warm. (Wir müssen dringend (!!!) die Lamellen wechseln.) Und das WLAN war sehr schwach. Ich kam über Slack in keinen Call rein. Frustriert machte ich mich eine Stunde später auf den Weg nach Hause – dort funktionierte wenigstens das Internet. Wieder ein merkwürdiger Start in den Arbeitstag.

Was heute schön war:

Gespräch.
Mittags traf ich meinen Kollegen/Freund R. Wir gingen in das Café, das ich das erste und zugleich letzte Mal mit M besuchte. Ich aß Folienkartoffeln mit Kräuterquark. R und ich unterhielten uns über die berufliche Zukunft.

Tierarzt.
Es ist wirklich so schön, wieder mehr Zeit zu haben: für mich, für L, aber eben auch für Prinz. Zuletzt war Prinz 2018 zu einem Alterscheck beim Tierarzt. Der heutige Besuch war somit überfällig. Wir liefen 15:30 Uhr los, waren die ersten (!) im Wartezimmer (das gab es in den letzten acht Jahren noch nie) und verbrachten dennoch drei Stunden beim Tierarzt. Prinz wurden die Krallen verschnitten. Ihm wurde zudem zweimal Blut abgenommen. Gewogen und untersucht wurde er ebenfalls. Und er bekam (zum Testen) ein Cortison-Medikament mit, das in Zukunft seine Arthrose-Schmerzen erheblich lindern könnte. Es soll ein wahres Wunder-/Zaubermittel sein. ❤ Ob er auch ein Schilddrüsenmedikament benötigt, erfahre ich am Donnerstag.


Treffen mit S.
Am Abend (L hatte heute wieder ihren Oma-Tag mit Übernachtung) traf ich mich mit meiner Kollegin/Freundin S am Domplatz. Ich fuhr mit dem Fahrrad in die Stadt. (M wäre stolz auf mich.) Ganz spontan und rein zufällig (ja, wirklich!) landeten wir bei Koko Sushi, bekamen einen Tisch im Außenbereich und futterten leckeres Essen.
Genau dort trafen wir auf N, der für sich und Grundschul-/Orchester-J vorbestelltes Sushi abholte. J, wenn du das liest: Wir kommen euch am Freitag, 21. August, im Garten besuchen. 😉 Auch mit S sprach ich hin und wieder über die berufliche Zukunft, aber auch viel privat. Wir landeten nach dem Essen auf der Krämerbrücke und waren ob der zahlreichen Menschen verwirrt. Es war Dienstag. Es war fast halb zehn abends. Was also machten all diese Menschen hier?!
Prinz war in der Zeit des Treffens etwa vier Stunden alleine zu Hause … und hat meine Abwesenheit komplett verschlafen. ❤ (Trotzdem danke an unseren Vermieter A, der ein Ohr auf Prinz hatte und ihn zu sich nach oben geholt hätte, hätte er sich bemerkbar gemacht.)

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 34

Alltagsschnipsel

Kurz vor dem Weckerklingeln wachte ich auf. Ich erinnerte mich daran, gut geschlafen zu haben und nur einmal von Ls Weinen, weil sich ein bestimmtes Kuscheltier nicht mit im Bett befand, geweckt worden zu sein. Dieses Kuscheltier hatte ich nachts jedenfalls noch aus ihrem Kinderzimmer geholt (und dabei eine kleine Schimpftirade vom Stapel gelassen.) Im Nachhinein tut mir L deswegen sehr leid. Ich muss wirklich versuchen, in Zukunft entspannter mit nächtlichen Störungen umzugehen. Wenn es nur so einfach wäre …

Etwa eine Viertelstunde später tapste ich ins Bad, putze Zähne und zog mich an. L kam zwischenzeitlich dazu. Prinz schlief weiter. Wir aßen gemeinsam eine Kleinigkeit zum Frühstück, machten L für den ersten Kindergartentag nach der Schließzeit fertig, gingen kurz mit Prinz spazieren und fuhren los.

Um neun hatte ich meinen ersten Termin mit dem zweiten/einzigen Geschäftsführer. Dieser fand vor Ort bei der Muttergesellschaft statt. Als ich ankam, donnerte es in der Ferne. Das Wetter passte super zu meiner Stimmung. 😉 Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, weshalb ich unbedingt in die Räumlichkeiten der Muttergesellschaft fahren sollte. ME quartierte mich in einen Extraraum ein und sprach in den folgenden zweieinhalb Stunden etwa zehn Minuten mit mir. Das war ein sinnloser Start in den ersten Arbeitstag. Einzig positiv war die Information, dass in Kürze unser Insolvenzausfallgeld gezahlt wird.

Was heute schön war:

Kindergarten.
Aufgrund der zahlreichen Baustellen in Erfurt fuhren L und ich heute einen anderen Weg zum Kindergarten. Wir standen nicht einmal im Stau. Ich war positiv überrascht. (Danke an unseren Vermieter A für den Tipp!)Vom Aufwachen bis zum Losfahren war L sehr traurig darüber, wieder in den Kindergarten gehen zu müssen. Es kullerte auch das ein oder andere Tränchen. Als jedoch ihre Erzieherin S die Tür öffnete und ich zudem ein wichtiges Anliegen für L klärte, ging diese freudig mit in den Gruppenraum. Ich freute mich sehr über diesen unkomplizierten Start. ❤

Telefonat mit meinem Bruder.
Da mein Bruder ab morgen für den Rest der Woche unterwegs ist, rief er am späten Nachmittag spontan an. Im September will er wieder zu Besuch kommen.

Telefonat mit J.
Pünktlich 19:00 Uhr telefonierten J (aus Dresden) und ich. Wir quatschten wieder einmal zwei Stunden. Auch J wird voraussichtlich erst im September nach Erfurt kommen.