Tagebuch – Unser Wochenende 24./25. Oktober 2020

Alltagsschnipsel

Längst erwartet und nun offiziell da: die neue Allgemeinverfügung zur Corona-Pandemie. In dieser wird unter anderem mitgeteilt, dass Erfurt nun Stufe Gelb erreicht hat und somit auch zu den Risikogebieten zählt, dass Martini und der Weihnachtsmarkt verboten werden und dass sich ab morgen maximal zehn Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Diese Verfügung gilt vorerst bis zum 30. November. Mein Bruder meinte, Erfurt hätte strengere Auflagen als München …

Was in den letzten zwei Tagen schön war:

Staubsaugerroboter.
Wieder sorgte unser Miro am Samstag Vormittag dafür, dass der Staub auf den Fußböden unserer Wohnung verschwand. Gäbe es ihn nicht, sähe Ls und meine Welt ziemlich düster aus. Während Miro fleißig in jedem Zimmer saugte, wischte ich den Staub von den Oberflächen, goss die Pflanzen, kümmerte mich um die Wäsche, kehrte Laub im Garten … Es ist schön, wenn jemand im Haushalt hilft. 🙂

Freilichtmuseum.
Am Nachmittag des gestrigen Tages brachte ich gemeinsam mit L Pappe weg, tankte das Auto voll, kaufte einige Lebensmittel im Edeka ein und fuhr anschließend zu Ms Mama. Dort gab es Tee und Kuchen. Gegen 16:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Thüringer Freilichtmuseum in Hohenfelden. Wir nahmen an der ersten und zugleich letzten Veranstaltung des Jahres teil: dem Saisonausklang. Wir liefen zuerst alleine umher und schauten uns die alten Häuser an. Als es allmählich dämmerte, nahmen wir mit Laternen an einer Führung teil. L war von den Erzählungen über das damalige Leben der Menschen so gefesselt, dass sie aufmerksam zuhörte und kaum ein Wort sagte. Dass sie dabei auch noch mit einer Laterne umherlaufen durfte, machte sie sehr glücklich und stolz. Es war eine sehr schöne kinderfreundliche Veranstaltung.


Picknick.
Durch die Zeitumstellung waren L und ich heute bereits um kurz nach sieben ausgeschlafen. Das passte gut, denn ich war gestern Abend zu faul, Essen für das Picknick mit J und N vorzubereiten. Um elf trafen wir die beiden schließlich auf einer Picknickdecke unter einem Baum beim Spielplatz in der Tettaustraße. Es war eine wunderbare Idee, das angenehme Herbstwetter für ein Picknick zu nutzen. Vielen Dank an euch beide – auch für die L-Bespaßung! ❤


Kaffeekränzchen.
Obwohl wir in einem Haus wohnen, haben wir uns ewig nicht mehr gesehen. Deshalb fragte ich unsere Vermieterin C gestern, ob wir heute Nachmittag gemeinsam Kaffee trinken und Kuchen essen wollen. Und das wollten wir. 🙂 L und ich spielten bis kurz nach 18:00 Uhr mit C und A und verkrümelten uns dann wieder in unsere Wohnung.

Tagebuch – Open Space Friday

Alltagsschnipsel

Heute war es nach monatelanger (jahrelanger?) Pause endlich soweit: Unser erster Fantastic Freaky Fun Open Space Fridays For Future ging an den Start! (Wir denken noch über einen anderen/kürzeren Namen nach 😉 ) Jedes Teammitglied durfte den ganzen Arbeitstag über das tun, worauf er/sie Lust hatte.

Am Vormittag hörten alle unserem Kollegen J zu, der ausführlich und voller Begeisterung über Scrum, Backlogs und sein Projekt, das wir in ein Produkt umwandeln wollen, sprach.

Leider musste ich seinen Vortrag während der ersten Fragerunde gegen halb elf verlassen, weil der Elektriker kam. Mit diesem lief ich nahezu eine (!) Stunde hin und her und hoch und runter … bis er einfach die Sicherung im Hauptverteilungskasten des Hauses umlegte. Sinnlos … Mit Ausnahme einer Kleinigkeit, die immer noch nicht funktioniert, konnte der Elektriker alles wieder instandsetzen. Ich war dennoch noch sehr lange sehr traurig über den Verlauf meines Vormittags.

Der sowohl für den späten Vormittag als auch für den Nachmittag geplante Workshop „Erstellen eines Backlogs“ musste verschoben werden. Zum einen dauerte der Vortrag länger als geplant und zum anderen hatten zwei Kollegen einen einstündigen Termin, der nicht verschoben werden konnte. Zudem wäre die freie Verwendung der Arbeitszeit zu kurz gekommen.

Ich war im Übrigen sehr begeistert von dem Ideenreichtum meiner Kollegen. ❤ Es bildeten sich schnell Gruppen, die gemeinsam über eine Thematik sprachen oder ihre Gedanken direkt umsetzten.

Zum gemeinsamen Mittagessen bestellten wir Burger und Pommes bei Peter Pane, die erst im Frühjahr oder Sommer diesen Jahres in Erfurt eröffnet haben. Mit J machte ich mich nach dem Mittag auf den Weg ins Tegut. Dort holten wir veganes Magnum-Eis für alle.

Als wir zurückkamen, saß unsere Kollegin J bereits in der Küche und ritzte das Firmenlogo in einen großen Kürbis, den sie zuvor ausgehöhlt hatte.


Nachmittags führten mein Kollege/Freund M und ich spontan ein Mitarbeitergespräch, bei dem wir endlich die langersehnte Klarheit über den persönlichen Werdegang und die beruflichen Absichten eines Kollegen erhielten.

Auch wenn heute das ein oder andere des frei zu gestaltenden Arbeitstages anders geplant war, bin ich mit dem Auftakt zufrieden. Die Idee wurde vom Team sehr gut angenommen und schreit nach einer Wiederholung! 🙂

Tagebuch – Unsere Woche vom 19. bis 22. Oktober 2020

Alltagsschnipsel

Specht Ruprecht ist wieder da! Oder diesmal vielmehr ein Spechtpärchen. Die beiden haben ein riesengroßes Loch in den Dachstuhl unseres Hauses gehämmert und damit begonnen, einen Teil der Dämmung im Garten zu verteilen. Ich gehe davon aus, dass unsere Vermieter C und A sehr schnell Maßnahmen ergreifen werden, um schlimmeres zu verhindern.


L und ich kommen gut zurecht, auch wenn M seit Dienstag bereits fünfzehn (!) Wochen und Prinz eine Woche tot ist. Mir ist eine Parallele zwischen den beiden aufgefallen. Sowohl M als auch Prinz haben Monate vor ihrem Tod (unbewusst?) damit begonnen, Menschen, die sie lieben, von sich zu stoßen, also nicht mehr allzu nah an sich heranzulassen. Ich war zwar täglich für beide da und half, wo ich nur konnte, doch ich kam vor allem an M nicht mehr heran, egal was ich versuchte (und das war einiges) …

Was in den letzten vier Tagen schön war:

Spaziergang.
Am Montag Nachmittag kehrte ich mit L nach dem Kindergarten (das erste Mal in diesem Jahr) das Laub im Garten zusammen und sammelte die Walnüsse auf. (Beides zählt zu meinen liebsten Herbsttätigkeiten.) Bis zum Abend spazierten L und ich mit ihrem Roller dann noch durch den Park und besuchten die Drei Quellen.


Telefonat mit J.
Wir schafften es am Montag Abend wieder, anderthalb Stunden miteinander zu telefonieren. Nächste Woche geht in Dresden die Uni remote weiter. Ich bin nun Teil von Js Lernen-Gruppe, die einzig und allein zu ihrer Lernmotivation für das Semester ins Leben gerufen wurde.

Friedhof.
S holte mich am Dienstag Nachmittag von zu Hause ab. Wir fuhren gemeinsam zum Erfurter Hauptfriedhof, um Ms Grab zu besuchen. Ich organisierte im Blumenladen eine große (vielleicht etwas zu große) herbstliche Schale. S und ich machten uns anschließend auf den Weg zum Grab. (An dieser Stelle könnte ich mich nun darüber auslassen, wie sehr ich mich schäme. Aber das habe ich bereits zur Genüge getan.) Da ich in dieser Woche für den Friedhofsdienst eingeteilt war, verdrängte ich alle aufkommenden Gedanken und Gefühle, die beim Anblick des Grabes aufkamen, und widmete mich dankbar einzig und allein der Grabpflege. Ich bin S sehr dankbar, dass er mich zum Friedhof begleitet hat!

Laufen.
Die aufgestaute und überschüssige Energie vom Friedhofsbesuch ließ ich während eines kleinen Laufs (drei Kilometer in zwanzig Minuten) heraus und fühlte mich sogleich besser. Abends bestellte ich mir eine Portion veganes Sushi.

Bürohund.
Olli lernte ich am Mittwoch Vormittag kennen. Mit seinen zehn Monaten ist er zwar noch ein sehr junger Hund, doch er überragt Prinz bereits jetzt um einiges. Und er ist noch im Wachstum! Mein Kollege A wird ihn hoffentlich noch viel öfter mit ins Büro bringen. Als ich L abends davon erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme. Sie will den Hund auch kennenlernen.

Telefonat mit meinem Bruder.
Auf dem Rückweg vom Spielplatz rief gestern Abend mein Bruder an. L quatschte ihn circa drei Viertel des Telefonats voll. Das war ein neuer Rekord. Wir tauschten uns über meinen geplanten Besuch in München und die steigenden Infektionszahlen aus. Auch hierfür hatte mein Bruder eine Lösung: Alle Bayern, die an seiner Geburtstagsfeier teilnehmen, also nahezu 95 Prozent der Gäste werden einen aktuellen Corona-Test vorliegen haben. Gespannt bin ich trotzdem, ob ich nächste Woche Freitag im Zug nach München sitzen werde …

Verabredung.
Erstmals besuchten L und ich heute Nachmittag M und seine Mama C in ihrer Wohnung. L war von den vielen Spielsachen begeistert, denn es waren für sie komplett unbekannte/neue. Am Abend fuhren wir zur Eisdiele nach Gispersleben und kauften den beiden eine Kugel Schlumpfeis im Waffelbecher mit gaaaaanz vielen bunten Streuseln.

Tagebuch – Unser Wochenende vom 16. bis 18. Oktober 2020

Alltagsschnipsel

Freitag Mittag war ich im Office mit dem Nachlasspfleger verabredet. Ich übergab ihm einen Schwung Unterlagen und er bestätigte mir, dass ich nichts an niemanden zu zahlen bräuchte und ihn in allen Belangen als Ansprechpartner nennen könnte. Seine Worte und der Beschluss des Familiengerichts Erfurt, der am Tag zuvor mit dem Inhalt zugestellt wurde, dass Ls Erbausschlagung genehmigt ist, erleichterte mich doch sehr. Demnächst wird Ms 540er BMW abgeholt. Der Nachlasspfleger wurde mir direkt sympathisch, als er mir versprach, Ms Autos nicht unter Wert zu verkaufen.

Die beiden letzten Nächte waren großartig und erholsam. Mir geht in letzter Zeit immer so viel durch den Kopf, dass ich die zwei Nächte davor wachlag und kaum Schlaf fand.

Samstag Vormittag und Mittag setzte ich (L und) mich erneut einem (harmlosen) Trigger aus. Ich behaupte, dass wir beide in unserer Trauerbewältigung schon sehr weit vorangekommen sind.

Was in den letzten drei Tagen schön war:

Päckchen.
Freitag Mittag gab ich endlich das angekündigte Päckchen für T und J bei der Post auf. Irgendwann zwischen nächster Woche und in einem Monat dürfte es in Irland ankommen.

Mikrofon. 
Direkt nach dem Kindergarten fuhr ich am Freitag Nachmittag mit L ins Edeka. Wir hatten wirklich gar nichts essbares mehr im Haus. L durfte sich eine Zeitschrift aussuchen. Extra dieser Zeitschrift war ein Mikrofon, dass für zehn Sekunden aufnehmen konnte. Wir alberten das ganze Wochenende damit herum und machten nur Quatsch. 🙂

Herbstwetter.
Vor allem der gestrige Tag war regnerisch und grau. L und ich verbrachten ungelogen circa neunzehn Stunden im Schlafanzug. Es wurde viel (vor)gelesen, mit Wasserfarben gemalt und Memory und Go Elsa Go gespielt. Ich nutzte Ls Interesse und zeigte ihr ein paar Buchstaben und die korrekte Haltung des Stifts. (Ich glaube, mein Kind wird groß!)

Sport.
Gemeinsam mit L absolvierte ich gestern Mittag (im Schlafanzug) je vier Arm- und Beinübungen. Unterstützung bekamen wir von DJ Bobo, den Backstreet Boys und Rihanna. 😉

Verabredungen.
Heute Mittag waren wir bei meinen Eltern zum Essen eingeladen. Vorher besuchte ich mit L den kleineren Spielplatz im Stadtpark. Am Nachmittag holten uns C und M ab. Wir fuhren zum Waldhaus, trafen dort Ms Kindergartenfreundin und ihre Eltern, ließen die Kinder auf dem Spielplatz toben, die Ziegen mit Kastanien füttern und im Wald herumrennen.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tage 99 bis 100

Alltagsschnipsel

Seit Ms Tod sind nun einhundert (!) Tage vergangen. L und ich haben es geschafft, auch ohne ihn klarzukommen, in den Alltag zurückzufinden und unser Leben weiterzuleben. (Auch wenn das hart klingen mag, war das (für mich) abzusehen. Ich war seit Ls Geburt in allen Belangen Hauptansprechpartner, quasi für nahezu alles zuständig. Bis auf die Tatsache, dass M nicht mehr da ist, hat sich für mich am Tagesablauf nichts geändert.) Soviel Verabredungen und Freizeit wie in den letzten Wochen hatte ich allerdings schon lange nicht mehr.

Über Prinzis Verlust bin ich nach wie vor sehr traurig, aber es ist eine ganz andere Art der Trauer als anfangs bei M. Vielleicht liegt es daran, dass Prinzi sehr alt war und auf ein langes Hundeleben zurückblicken konnte. M blieb das ja verwehrt.

L erzählt allen, die es nicht hören wollen, dass ich bald wieder heirate. Ähm ja … da weiß sie wohl mehr als ich. 😉 Vor zig Wochen schrieb ich, dass ich mir nicht vorstellen könnte, in diesem Leben noch mal jemanden zu finden, der zu mir passt und der mich mit all meinen Macken auch haben will. Zumindest bei der ersten Aussage habe ich mich vermutlich geirrt. Die Vorstellung, die nächsten fünfzig (?) Lebensjahre ohne Mann zu verbringen, wird immer gruseliger.

Was in den letzten zwei Tagen schön war:

Telefonat mit meinem Bruder.
Es war diese Woche viel einfacher, miteinander zu sprechen. Termine haben definitiv was Gutes. Ich buchte während des Telefonats meine Zugfahrkarte nach München und ignorierte dabei sämtliche Stimmen in meinem Kopf, die mich auf die steigenden Corona-Infektionszahlen hinwiesen. 

Bürobesuch.
Völlig überraschend besuchte uns, vielmehr mich, heute Mittag der Vermieter unserer Büroräume. (Wir kennen uns privat. Er war der erste potentielle Investor nach Ms Tod.) Er fragte, wie die Zusammenarbeit mit unserem neuen Partner, den er vermittelte, lief und war voller Worte des Lobes.

Kuchen.
Heute Abend buk ich nach Ewigkeiten mal wieder einen veganen Kuchen. L fand den Teig super lecker und kratzte die ganze Schüssel mit Teigresten leer. ❤

Hinzu kamen noch Mandelstückchen und Heidelbeeren

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 98

Alltagsschnipsel

Exakt vierzehn Wochen nach Ms Tod musste ich heute meinen geliebten Prinz, mit dem ich bis auf drei Monate genauso lange zusammen war wie mit M, auf seinem letzten Weg begleiten. Seine letzte Nacht war nicht gut und er signalisierte mir, dass er erlöst werden will. (Das mag komisch klingen, aber das war tatsächlich mein Eindruck.) 

Prinzi fand sehr sanft in den Tod. Ich war die ganze Zeit bei ihm, habe ihn gestreichelt, liebe Worte gesagt und geküsst. Und dabei ist mein Herz gebrochen – erneut in diesem Jahr. Bei meinem Hundekind beruhigt mich allerdings die Tatsache, dass er wirklich alt (laut Tierärztin definitiv älter als die geschätzten zwölf Jahre) geworden ist. Ich denke, er hatte ein gutes Leben bei uns. (Besser geht natürlich allemal, aber es hätte ihn auch schlechter treffen können.) 

Mach‘s gut, mein Freund, wir sehen uns eines Tages wieder! Ich werde dich nie vergessen! Du warst der beste Hund der Welt! ❤


Was heute schön war:

C.
Mitten in der Nacht schrieb ich C, Mama von M, dass es eine Planänderung gibt und ich bereits vormittags mit Prinzi zum Tierarzt gehe, um ihn zu erlösen. Und C begleitete mich. Das war wirklich total lieb von ihr. Tausend Dank! Nachdem ich mich in Ruhe von meinem Hundekind verabschiedet hatte, wärmten wir uns bei einer Tasse Heiße Schokolade im nahegelegenen Cafe auf und liefen anschließend nach Hause zurück.

Laufen.
Seit Tagen meckern meine Beine, dass sie nicht genug Auslauf erhalten. Und Recht haben sie. Ich nutzte den kinderfreien Tag und schmiss mich nach über einem halben Jahr in meine Laufsachen. Drei Kilometer und zwanzig Minuten später war ich zwar bereits zurück, aber ich bin stolz, dass ich mich motivieren konnte. Der Lauf tat nach diesem traurigen Vormittag sehr gut.

Double B.
Spontan verabredete ich mich am Nachmittag mit S und S für den Abend. Da ich unglaublich großen Hunger hatte, schwebte mir ein Besuch in Ms Stammkneipe vor, denn dort gibt es richtig leckere Burger. S war so lieb, rief dort an und konnte den letzten freien Tisch für uns reservieren. Ich aß den Vegan Burger mit Pommes. (So gute Pommes hatte ich schon lange nicht mehr.) Es war ein wunderbarer Abend, den wir hoffentlich bald wiederholen.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 97

Alltagsschnipsel

Die von unseren Nachbarn empfohlene Tierärztin war sehr einfühlsam. Sie hatte sich Prinz angeschaut und mir gesagt, dass sie ihn guten Gewissens (heute) einschläfern würde. Leider arbeitet sie mit einem empathielosen Tierarzt, der in allen Belangen das letzte Wort zu haben scheint, zusammen. Seine Worte, sein Auftreten und seine Einstellung führten dazu, dass Ms Schwester und ich am Mittag fluchtartig mit einem lebenden Prinz die Tierarztpraxis verlassen haben, obwohl ich nach einem kleinen Spaziergang emotional so weit war, mich für immer von ihm zu verabschieden. Morgen Nachmittag gehe ich mit Prinz zu unserem Stamm-Tierarzt, um mir einen zweiten Rat einzuholen.

Was heute schön war:

Ms Schwester.
Ich bin Ms Schwester wirklich sehr dankbar, dass sie mich heute zum Tierarzt begleitet hat. Ich hoffe, dass ich ihr in den nächsten Jahren auch nur ansatzweise das zurückgeben kann, was sie L und mir in den vergangenen Wochen an Unterstützung und Liebe gegeben hat. ❤

Besuch.
Am späten Nachmittag besuchte uns Ms Mama. Wir spielten zu dritt Memory. (Ich gewann jedes Mal und fand es echt cool, dass L das wieder sehr gelassen nahm.) Der Besuch brachte mir Abwechslung, die ich bitter nötig hatte.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tage 94 bis 96

Alltagsschnipsel

Was für ein Schock! Ich war bisher wirklich nicht sauer auf M. Doch als ich am Donnerstag Abend feststellte, dass er im Mai 2019 einen nicht unerheblichen Betrag von Ls Depot, bei dem sie Kontoinhaberin ist, auf ein mir unbekanntes Konto auf seinen Namen überwiesen hat, überkam mich große Wut. Mein Puls schnellte auf einhundertachtzig. Es war Ls Geld. Er hätte es mir sagen müssen. (Die Überweisung fand vor dem Erhalt seiner Diagnose statt, was es für mich noch mal schlimmer macht.)

Die Nacht von Samstag zu heute war schlimm. Prinz fiepste und jaulte mehrmals in der Nacht. Ich eilte aufgrund der neuen Geräusche jedesmal herbei. Er schaffte es aus eigenem Antrieb nicht mehr von der Liege- in die Stehposition. Auch so wirkte er ängstlich und ganz anders als noch am Freitag. Morgen werde ich die Tierärztin kontaktieren und um Rat bitten. Vielleicht kann sie Prinz helfen. Ich habe Angst.

Was in den letzten drei Tagen schön war:

Rummel.
Zum fünften und letzten Mal besuchten L und ich trotz Regenwetters zusammen mit Y und seiner Mama am Freitag den Erfurter Altstadtherbst. Anschließend trafen wir meine Eltern bei einem chinesischen Restaurant und aßen leckere Dinge zum Abendbrot.

Umtopfen.
Die beiden Dresden-Js waren Samstag Mittag so lieb und brachten einen (für mich) neuen Backofen nebst Herdplatte vorbei und tauschten die Geräte aus. Beides ist zwar gebraucht, aber deutlich neuer als mein Backofen und meine Herdplatte bisher.
Meine Freundin J blieb bis zum späten Abend bei uns. Wir fuhren zusammen mit L in den Obi Baumarkt und kauften Zubehör zum Umtopfen meiner Zimmerpflanzen und einen Dampfreiniger. Während L draußen spielte oder unserer Vermieterin C bei der Ernte half, topften J und ich vierzehn Pflanzen um. ❤ (Wir konnten die Pflanzen vor Dankbarkeit jubeln hören.) Zur Belohnung gab es Sushi.

Besuch.
L und ich wollten heute Nachmittag Ms Schwester und Baby-M besuchen. Allerdings war ich zu sehr in Sorge um Prinz und wollte ihn nicht alleine zu Hause lassen. Also kamen Ms Schwester und M zu uns nach Hause. So konnten L und ich die beiden mal wieder sehen. ❤

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tage 90 bis 93

Alltagsschnipsel

Prinzi ist zwar seit Wochen geistig wieder voll dabei, jedoch geht es ihm körperlich zusehends schlechter. Seine Wunde am/beim Hüftknochen ist nach wie vor da und sieht unverändert (schlimm) aus. Auf der anderen Seite entsteht nun auch so eine Wunde. Mein armes Hundi. 😦
Autofahrten machen ihm von Tag zu Tag weniger Spaß. Mindestens einmal, eher zweimal täglich verrichtet er sein großes Geschäft in der Hundebox im Auto. Dieses kommt mir immer mehr wie eine große Kloake vor.
Wenigstens hat sich in der Nacht eine Art Routine eingestellt. Maximal zweimal stehe ich für höchstens zehn Minuten auf und begleite Prinz in den Garten. Er macht dort sein kleines Geschäft und schläft (zum Glück) schnell in der Wohnung wieder ein.

Seit Dienstag ist M dreizehn Wochen tot, seit gestern exakt drei Monate … Wahnsinn!
Ich interessiere mich aktuell sehr stark für den Verbleib der Seele/der Energie. Sogar namhafte Wissenschaftler haben diesbezüglich eine Meinung/forschen nach. (Hokuspokus ist ja nicht so meins.) Erste Erkenntnisse sind unglaublich spannend und auch irgendwie gruselig. Darüber muss ich nachdenken.

Was in den letzten vier Tagen schön war:

Telefonat mit A.
Den Dienstag Abend nutzte ich für ein anderthalbstündiges Telefonat mit A. Er und K machen gerade Urlaub an der Nordsee. Ich freute mich sehr, dass wir Zeit fanden, miteinander zu quatschen. Irgendwann im nächsten Jahr fahren L und ich zu Besuch nach Bonn.

Telefonat mit meinem Bruder.
Mittlerweile brauchen wir feste Termine, wenn wir telefonieren wollen. Entweder ist er ausgebucht oder ich habe Termine/Verabredungen. Gestern Mittag schafften wir es tatsächlich, uns auf den neuesten Stand zu bringen. M plant, Anfang November für eine Woche nach Erfurt zu kommen.

Besuch.
Gestern gegen 16:30 Uhr besuchte uns Ms Papa für eine halbe Stunde. Er schenkte L zehn Euro für den Rummelbesuch. L war darüber sehr glücklich und hat ihren Opa sogar freiwillig umarmt. ❤

Rummel.
Weil L und ich bisher erst (😃) dreimal dort waren, trafen wir uns Mittwoch am späten Nachmittag mit meinen Eltern beim Domplatz und besuchten zum vierten Mal den Erfurter Altstadtherbst. Obwohl Familientag war, war leider nicht allzu viel los. Prinz schlief in der Zeit friedlich bei unserem Vermieter A, der so lieb war, ihn mit zu sich hochzunehmen.

Telefonat mit J.
Gestern Abend telefonierte ich mit J aus Dresden. Sie wird von Freitag bis Sonntag in Erfurt sein und einen Großteil des Samstags mit L, Prinzi und mir verbringen.

Verteidigung.
Mein Kollege R verteidigte heute Vormittag seine Masterarbeit. Ich steckte so gar nicht in der Materie/hatte mich im Vorfeld nicht mit der Thematik beschäftigt, konnte seinem Vortrag aber problemlos folgen und spürte beim Anblick der mathematischen Formeln ein angenehmes Kribbeln. (Da schlägt mein Herz tatsächlich höher und erinnert sich an die guten alten Zeiten, als das Lösen von Gleichungen für mich noch wichtig war.) Ab Mitte Oktober ist R endlich fester Bestandteil unseres Teams. ❤

Arbeit.
Diese Arbeitswoche war bisher wieder äußerst produktiv. Es macht mir unglaublich viel Spaß, Neues anzustoßen/in die Wege zu leiten, an den vielen (internen) Meetings teilzunehmen und Stück für Stück die Fortschritte zu sehen. Auch wenn noch viel zu tun ist, sind wir auf einem guten Weg.

Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tage 87 bis 89

Alltagsschnipsel

Verstehe einer die innere Uhr bei Kindern. In der Woche muss ich L nahezu täglich wecken und mit Engelszungen auf sie einreden, damit wir spätestens um acht gemeinsam eine Kleinigkeit am Frühstückstisch essen können. Und am Wochenende? Da ist sie plötzlich um sieben wach und will bespaßt werden. (Ich weiß, dass ich auf einem hohen Niveau jammere.)

Freitag Nachmittag setzte L sich und mich einem Trigger aus. Wir hörten gemeinsam in ihrem Kinderzimmer zweimal das Hörspiel „Der König der Löwen“. Wir blieben beide an der Stelle stark/stabil, als Mufasa, Simbas Papa, starb. Im Vorfeld sprach L allerdings viel von diesem bevorstehenden Ereignis. Sie wollte das Hörspiel erst an dieser Stelle abbrechen, entschied sich aber schnell dagegen. Ich baute die ganze Zeit über Lego und hing meinen Gedanken/Erinnerungen an M nach. Es ist noch nicht so lange her, als M, L und ich gemeinsam die Neuverfilmung schauten. Auch wenn es schmerzte, war es eine gute Idee von L, dieses Hörspiel zu hören. Nur so können wir nach und nach Ms Tod aufarbeiten.

Was in den letzten drei Tagen schön war:

Teamfrühstück.
Am Freitag stand ich etwas eher auf, um bei den Vorbereitungen des ersten Teamfrühstücks helfen zu können. Obwohl L nur so mittel begeistert war, zeitiger in den Kindergarten gehen zu müssen, und Prinz sein großes Geschäft (wie immer) in der Hundebox im Kofferraum des Autos verrichtete, war ich (über)pünktlich halb neun im Office. Von um neun bis um elf saßen wir zu zwölft (von vierzehn Mitarbeitern) im Konferenzraum beisammen, aßen leckere Dinge, erzählten (viel Unsinn) und lachten (über diesen Unsinn). So entspannt saßen wir wirklich ewig nicht beisammen. ❤ Wir werden ab sofort immer zum Anfang eines Monats ein Teamfrühstück veranstalten.


Lego.
Ich nutzte das Wochenende, um am Lego Technic-Fahrzeug weiterzubauen. Die Teile in der Kiste sind mittlerweile sehr überschaubar. Ich werde sicherlich nicht mehr ewig brauchen. 


Wohnungsputz.
Wie schon oft erwähnt, gehört Wischen oder Putzen im Allgemeinen mit zu meinen meist gehassten Tätigkeiten. Die schöne Lebenszeit! Umso glücklicher bin ich jedes Mal, wenn ich mich doch überwinden konnte, den Swiffer oder Staubsauger zu benutzen. So war es auch am Samstag Vormittag. Ich wischte oder saugte in jedem unserer Zimmer und putzte das Bad. Miro, der Staubsaugerroboter, saugte im Schlafzimmer.

Goldener Herbst.
Samstag Mittag war es wunderschön draußen. Es duftete nach Herbst, die Sonne schien und es war angenehm warm. L, Prinzi und ich besuchten einen Spielplatz im Stadtpark. Wir spielten Paw Patrol und nutzten die Rutsche als Zentrale.
Auch heute Nachmittag schien die Sonne. L, Prinzi und ich spazierten durch den Luisenpark.


Grillnachmittag.
Mein Papa hat sich vor Kurzem einen Elektrogrill gekauft. Gestern Nachmittag probierten wir ihn bei meinen Eltern zu Hause aus. Prinzi schlief die meiste Zeit, L kletterte unaufhörlich auf dem Sessel herum und ich saß an Ort und Stelle und machte gar nichts. 🙂

Rummel.
Zum Abschluss des Wochenendes besuchten L und ich heute Nachmittag den Erfurter Altstadtherbst – zum dritten Mal in dieser Woche. Der Rummel war zum Glück wieder gut besucht.