12 von 12 im Oktober

Alltagsschnipsel

Ich freue mich, heute wieder bei 12 von 12 mitmachen zu können. Seit mindestens drei oder vier Monaten ist der heutige Tag die erste Möglichkeit, Einblicke in Ls und meinen stinknormalen Schul- und Arbeitsalltag nach unserem Umzug nach Markkleeberg festhalten zu können.

Der Wecker auf meinem Telefon klingelte um viertel nach sechs. Ich stand wenige Minuten später auf, drehte meine morgendliche Badrunde, machte L im Schlafzimmer das Licht an, damit sie sich allmählich mit dem Gedanken, auch aufzustehen, anfreunden konnte und beendete meine Tätigkeiten im Badezimmer, ehe ich mich gemeinsam mit L anzog. Anschließend ging ich in die Küche und bereitete für L das Frühstück und Vesper, das sie mit in die Schule nimmt, vor. Ein kurzer Blick auf die Außentemperatur ließ mich direkt dickere Jacken, Mützen und Schals für L und mich hervorkramen. Es waren lediglich drei Grad Celsius.


Obwohl wir nahezu jeden Morgen auf den letzten Drücker das Haus in Richtung S-Bahn-Haltestelle, die nur etwa vierhundert Meter von unserer Wohnung entfernt liegt, verlassen, haben L und ich noch nie eine S-Bahn verpasst. Das darf gern so bleiben.

Kurz vor der Haltestelle begegnete uns eine kleine Katze. Oh mein Gott war die süß. Sie ließ sich sogar von L streicheln und schien generell sehr zutraulich zu sein. Mich beunruhigte ein wenig, dass sie kein Halsband trug und noch so klein war. Hoffentlich gehört sie zu jemandem und findet den Weg nach Hause zurück. L hätte sie am liebsten bei uns aufgenommen. (Ich kann ihren Wunsch gut nachvollziehen.)

Die S-Bahn fuhr pünktlich. (In letzter Zeit fallen öfter S-Bahnen auf unserer Strecke aus. Meist ist ein „kurzfristiger Personalausfall“ der Grund dafür.) L und ich liefen etwa acht Minuten später gemeinsam zur Tram Haltestelle. Gestern wollte L erstmals alleine mit der Tram fahren. (Bis zur Schule muss sie lediglich eine Station fahren und bei den verbleibenden vierzig Metern bis zum Schultor keine Straße mehr überqueren.) Am gestrigen Nachmittag suchten wir in Ls Zimmer ihren Brustbeutel heraus. In diesen packte ich ihren Chip zum Ein- und Auschecken in der Schule, ihre Maske, ihren Schülerausweis und ihren Fahrschein. Auch heute fuhr sie die eine Station ganz alleine. Ich bin einerseits unglaublich stolz auf sie, dass sie nach so kurzer Zeit mutig genug ist, um in einer ihr völlig unbekannten und fremden Stadt mit der Tram zu fahren. Andererseits ist mir doch noch ein wenig mulmig zumute. In meinem Kopf spielen sich dann verschiedenste Szenarien ab. Ich gehe aber davon aus, dass es mir mit der Zeit leichter fällt, sie alleine fahren zu lassen.


Ich lief die wenigen Meter zur S-Bahn-Haltestelle zurück. Gestern wurde mit dem Entfernen der Farbe auf den Treppen begonnen. (Vor einigen Wochen kippten Fußballfans gelbe und blaue Farbeimer aus.) Ich verstehe, dass sich die Deutsche Bahn über die farbigen Treppen ärgert, dennoch weiß ich nicht, ob das Entfernen der Farbe auf den Stufen wirklich Sinn ergibt. Erstens befinden wir uns im Stadtteil Connewitz. Hier herrscht sowieso Anarchie. Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst wieder Farbe auf den Stufen landet. Zweitens ist die Farbe längst getrocknet. Und drittens ist der Anblick farbiger Treppen interessanter als das langweilige Grau.


Das Kätzchen saß immer noch an der Bushaltestelle, als ich die Stufen vom S-Bahnhof herunterkam. Diesmal befand es sich auf dem Schoß einer Schülerin und ließ sich kraulen.

Zu Hause angekommen, schaute ich im Hortportal nach, ob L gut in der Schule angekommen ist (ist sie) und machte mir eine große Kanne Tee. Ich wählte die Sorte Bratapfel aus. Die ist unglaublich lecker. Ich bereitete mir Frühstück inklusive meines heiß geliebten Schokocappuccinos vor, setzte mich vor den Rechner und begann zu arbeiten.

Ich hatte am Vormittag einige Termine, unter anderem mein zweites Daily in einem ganz neuen Projekt, das ich seit Ende letzter Woche als Scrum Master betreue. Auch wenn ich noch sehr unerfahren und deshalb vor jedem Termin super aufgeregt und nervös bin, freue ich mich doch sehr, nun endlich Praxiserfahrung sammeln zu können. Meine Weiterbildung fand ja bereits Mitte Juni statt. Ich bin gespannt, wie sich das Team in den nächsten Sprints entwickeln wird.

Während ich die Termine für die letzten Mitarbeitergespräche in diesem Jahr – ich versuche, diese dreimal jährlich durchzuführen – plante, hörte ich ein vertrautes Klopfen. Ein Blick aus dem offenen Badfenster und auf meinen Fenstersims genügte, um zu sehen, dass der Specht, der seit einigen Wochen hin und wieder dem Dachboden direkt über unserer Wohnung einen Besuch abstattet, erfolgreich bei der Dämmung angekommen ist.


Mittags bestellte ich mir Sushi. Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eines meiner absoluten Lieblingsgerichte gegessen hatte. Es war also mal wieder höchste Zeit.


Nützlich und wichtig fühlte ich mich, als ich nach dem Mittag einen Call mit dem Product Owner meines ersten und neuen Projekts hatte. Es gibt zwischen unserer Firma und unserem Mutterkonzern offenbar abweichende Aussagen bezüglich seiner Rolle im Projekt. Wir haben somit Klärungsbedarf. Es würde mich freuen, wenn wir schnell eine Lösung, die zur Zufriedenheit aller Teammitglieder beiträgt, finden. Mit meinem zweiten und letzten Schokocappuccino für den heutigen Tag bewaffnet, teilte ich meine Informationen aus dem Call mit meinem Kollegen/Freund M. Wir werden das Thema mit in unser Management Weekly nehmen.

Bevor ich am Nachmittag L von der Schule abholte, kaufte ich ein halbes Dutzend (unglaublich ungesunder) Dinge, unter anderem ein Süßgebäck für L, im nahegelegenen Rewe Markt ein. Wie erwartet war L trotz fast leerer Brotdose und ihrer Aussage nach lecker schmeckendem Mittagessen ausgehungert. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie das mitgebrachte Teilchen verschlang. Ich zeigte L einen Spielplatz, den ich kürzlich auf meinem Morgenspaziergang entdeckt hatte. L gefiel er auch, weshalb wir unsere Nachmittagsstunden dort verbrachten. Unterhalten wurde ich zwischenzeitlich von einem kleinen, angeblich vierjährigen Jungen, während L das Klettergerüst ausgiebig erkundete.


Mit einer leicht nöligen, weil vom Tag geschafften und sichtlich müden L lief ich etwa eine Viertelstunde zur S-Bahn-Haltestelle, um den Zug um Viertel vor sechs zu erwischen.

Weil das Eis bei der Eisdiele in der Nähe unserer Wohnung so unglaublich lecker schmeckt, kaufte ich L und mir jeweils die Sorte Nougat-Keks.

Zu Hause angekommen, holte ich die Trinkflasche und Brotdose aus Ls Ranzen, packte die richtigen Hefter für den morgigen Unterricht ein, las die zwei Elternbriefe, die im LernSax eintrudelten, und genoss beim Blick aus dem Dachfenster in der Küche den schönen Abendhimmel, während L eine Portion Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen aß. (Ich war vom Sushi am Mittag noch satt und verzichtete auf ein Abendessen. Das gekaufte Eis passte aber trotzdem noch in meinen Magen.)


Den restlichen Abend bis zum Schlafengehen werden L und ich entspannt ausklingen lassen. Sie darf noch etwas auf dem Tablet gucken. Ich werde meine Französischübungen auf Duolingo absolvieren, ein wenig lesen, vielleicht auch fernsehen und dann ziemlich zeitig schlafen gehen. Morgen klingelt der Wecker ein bisschen eher, denn ich fahre mit zwei meiner Kollegen, die im Leipziger Süden wohnen, ins Büro nach Erfurt. Da will und muss ich fit sein.

Ein Wochenende im Oktober

Alltagsschnipsel

An diesem Wochenende wollte uns mein Bruder in Markkleeberg besuchen. Doch leider sprang er vergangene Woche erneut auf den Coronazug auf und hatte auch am Donnerstag noch einen deutlich positiven Schnelltest, weshalb aus seinem geplanten Aufenthalt bei uns leider nichts wurde. L und ich besuchen ihn aber Ende des Monats zu seinem dreißigsten Geburtstag.


Freitag, 7. Oktober 2022


Ich machte zeitiger Feierabend, denn es war sonnig warmes Herbstwetter. So verregnet und kalt der September war, so golden ist bisher der Oktober. Einfach wunderbar. Ich holte L ab und überraschte sie mit einem zweiten Besuch im Hüpfburgenland. Sie freute sich sehr darüber.


Als wir am Abend zu Hause ankamen, aß ich noch eine Kleinigkeit zum Abendessen. L bekam im Hüpfburgenland eine Portion Pommes mit Dinonuggets.

Ich war so unfassbar müde, dass ich mich kurz nach halb neun bereits im Bett zur Seite rollte und wegdöste. L schaute derweil ihre Folge zu Ende. Wir machten uns danach noch gemeinsam bettfertig und schlümmelten beide gegen 21 Uhr ein.


Samstag, 8. Oktober 2022


Nach zehn Stunden Schlaf wachte ich am Samstagmorgen mit dem Gefühl, ausgeschlafen zu sein, auf. (Das „frühe“ Aufstehen in der Woche gefällt weder L noch mir. Die Anführungszeichen habe ich gesetzt, weil ich natürlich weiß, dass sehr viele Menschen sehr viel früher als wir aufstehen müssen und vermutlich nicht so herum jammern. Aber viertel nach sechs ist für uns beide einfach zu früh.) Kurze Zeit später erwachte auch L.

Die Kinder lernen bereits lesen. Deshalb bekamen wir Freitag ein Arbeitsblatt mit ersten Leseübungen mit nach Hause. L las mir die Silben und Wörter ganz prima vor. Zur Belohnung las ich ihr anschließend ein paar Kapitel aus ihrem Simsala-Buch vor.

Gegen um neun standen wir auf und machten uns nach langer Zeit mal wieder Pfannkuchen zum Frühstück. Ich beschloss, in die Badewanne zu gehen und ließ L derweil etwas fernsehen.

Zur Mittagszeit waren wir mit meinen Eltern, die uns für eine Nacht besuchen kamen, in der Leipziger Innenstadt verabredet. L und ich holten sie bei ihrem Hotel ab und fuhren gemeinsam mit der S-Bahn zu uns nach Hause. Meine Eltern konnten so erstmals unsere neue Wohnung in Augenschein nehmen. Ihnen gefällt die Helligkeit, die Raumaufteilung und der Schnitt sehr gut. Wir aßen noch eine Portion Nudeln mit Tomatensoße zum Mittag und statteten dem Markkleeberger See einen Besuch ab. L und ich waren das letzte Mal Ende August zum Baden hier. Danach hatte es sich einfach nicht mehr ergeben. Wir spazierten ein wenig um den See herum und gingen zum Spielplatz.


Bevor wir zum Abendessen ins italienische Restaurant gingen, checkten meine Eltern im Hotel ein. Wir begleiteten sie mit aufs Zimmer und trafen danach J, der mit uns Abendessen wollte. Ls Kinderpizza war fast genauso groß wie meine eigene. Wir schafften nicht alles und ließen uns den Rest einpacken. Die hausgemachte Limonade war unglaublich lecker. Ich war rundum gesättigt und zufrieden.

L und ich waren gegen 20 Uhr wieder zu Hause. Ich las ihr noch zwei Kapitel vor, ehe es für sie schlafen ging. Ich duolingote noch ein bisschen vor mich hin, las in meinem Buch weiter und schlief irgendwann auch ein.


Sonntag, 9. Oktober 2022


Heute Morgen waren L und ich zeitiger wach als gestern, fühlten uns aber dennoch ausgeschlafen. Wie bereits gestern Morgen nutzten wir den entspannten Start in den Tag zum Lesen. Erst las L mir etwas vor, dann ich ihr.

Wir haben bis in den frühen Nachmittag hinein vor uns hingebummelt. Es gab ein leckeres Frühstück, später die Pizzareste von gestern und viel Zeit zum Spielen.

Wegen der wunderbaren Sonne wollte ich wenigstens ein paar Minuten vor die Tür gehen. L hatte zum Glück auch Lust, schnappte sich ihr Skateboard und begleitete mich zur Eisdiele schräg gegenüber unserer Wohnung. Wir holten uns zwei Eis (Keks-Erdbeere und Haselnuss) und fanden die Sorten beide richtig lecker. Ich nutzte den Aufenthalt im Freien, um L anhand von zuvor gesammelten Eicheln das Zerlegen der Zahlen 4 und 6 zu erklären.


Als wir wieder zu Hause waren, ging L in die Badewanne. Danach aßen wir Abendbrot, packten den Schulranzen und schauten gemeinsam den Film „Gregs Tagebuch 3“.

Hallo Oktober!

Dies & Das

Im Oktober werde ich …

… Besuch von Ls Oma M haben
… mit L den Kinofilm „Die Schule der magischen Tiere 2“ ansehen
… ein weiteres Mal mit L zur Kleinmesse in Leipzig gehen
… vielleicht einen Indoorspielplatz besuchen
… einige Thai-Massagen genießen 
… Besuch von meinem Bruder und meinen Eltern haben 
… mit L zweimal nach Erfurt fahren
… und einmal bei meinen Eltern und bei Ls Oma M übernachten 
… mit L das Erfurter Oktoberfest besuchen 
… L in den Herbstferien für zwei Tage in den Ferienhort schicken
… an einem Teamfrühstück im Büro teilnehmen 
… mit L und J für eine Woche nach Albanien fliegen 
… und dort U, E, K und M besuchen 
… mit L an der Geburtstagsfeier meines Bruders teilnehmen 
… und deshalb für zwei Nächte nach München fahren 
… vielleicht mit L an Halloween um die Häuser ziehen

Gedanken- und Alltagsschnipsel im September

Alltagsschnipsel

Was hatte ich mich darauf gefreut und wie war ich motiviert, nach zwei Jahren an zwei aufeinanderfolgenden Orchesterproben teilzunehmen … und dann wurde ich genau an diesem Wochenende krank. In Erfurt waren L und ich dennoch und quartierten uns dieses Mal bei meinen Eltern ein. Abgesehen von meiner täglich schlimmer werdenden Erkältung hatten wir eine schöne Zeit. Wir besuchten den Egapark und waren auf der Geburtstagsfeier von Ls Kindergartenfreund K.


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Wie schnell doch die Tage vergehen. Gerade erst fand Ls Schuleinführung statt, nun ist schon ihr erster Unterrichtsmonat vorbei. 

L geht sehr gerne zur Schule. Ihre Lehrerin, ihren Erzieher und auch ihre Klassenkameradinnen und -kameraden findet sie nett. Anschluss hat sie sehr schnell gefunden. Sie erzählt mir immer von fünf, sechs Mädchen aus ihrer Klasse, mit denen sie Zeit verbringt. Außerhalb der Schule haben wir uns auch schon mit zwei Kindern und ihren Eltern getroffen, eine dritte Anfrage steht bereits im Raum.

Das Konzept und der Schulalltag machen nach wie vor einen sehr guten Eindruck auf mich. Für mich steht an erster Stelle, dass L eine schöne Schulzeit hat. Ich möchte natürlich trotzdem, dass sie lesen, schreiben und rechnen lernt, aber sinnlosen Druck will und werde ich auf ihr nicht abladen. Dafür haben mir die letzten Corona-Jahre zu sehr verdeutlicht, welchen Stellenwert unsere Kinder in Deutschland haben. Wir Erwachsenen werden ja auch nicht mehr verglichen, ob wir Dies oder Jenes besser können. 

Es freut mich, dass L in den wenigen Wochen seit Schulbeginn bereits so viel gelernt hat. L setzt sich bisher jeden Abend, denn eher sind wir selten zu Hause, freiwillig mit einem Blatt Papier an den Tisch und zeigt mir, wie schön sie ihre Ziffern oder Buchstaben schreiben kann. Sie erzählt mir sehr viel von ihrem Schulalltag und übt mit mir ganz unbewusst weiter, indem wir zum Beispiel die Treppenstufen zählen oder schauen, aus wie vielen Silben verschiedenste Wörter bestehen. Das Schulgeld ist also gut investiert.


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Mitte September gingen L und ich gemeinsam mit ihrer Schulfreundin und ihren Eltern in den Leipziger Zoo. Dort wurde zu Ehren des 60. Geburtstags von Pittiplatsch ein tolles Kinderfest veranstaltet. Ich nutzte diesen zweiten Besuch und kaufte für L und mich je eine Jahreskarte. Wir werden im laufenden Jahr nun öfter die Tiere besuchen oder die schönen Spielplätze ausprobieren.


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Vorfreude ist die schönste Freude! Da es L im Sommer so gut in Hohenbocka gefiel, reservierte ich uns für den nächsten Sommer erneut ein Ferienbungalow. Das nächste Mal möchten wir unbedingt das größere Bungalow ausprobieren.

Mein Bruder wird im Oktober 2023 heiraten. Nach einem kurzen Blick auf die Hotelkosten entschied ich mich, nicht lange zu fackeln und reservierte uns mithilfe von J eine Airbnb-Wohnung für drei Nächte, die sich ganz in der Nähe der Hochzeitslocation befindet.


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Seit dem 9. September ist die Kleinmesse in Leipzig. L geht unglaublich gern auf den Rummel. An einem Mittwoch Mitte des Monats war das Wetter sonnig und warm, sodass wir beschlossen, dem Rummel einen Besuch abzustatten. Sooo unglaublich viel machten L und ich gar nicht und trotzdem war es faszinierend zu sehen, wie sich das Geld innerhalb kürzester Zeit in Luft auflöste. Gemeinsam mit Ls zwei Schulfreundinnen wollen wir Anfang Oktober nochmals die Kleinmesse besuchen.

Kinderfreie Stunden

Alltagsschnipsel

Über eine Woche war ich stark erkältet mit allem Drum und Dran. Obwohl ich gerne bei „12 von 12“ mitmache, hab ich mich diesmal dagegen entschieden, denn außer Fotos von Taschentüchern aus zwölf unterschiedlichen Blickwinkeln hätte ich nicht viel von meinem Alltag zu zeigen gehabt. Um meine und auch die Gesundheit meiner Kollegen/-innen zu schonen, verzichtete ich auf meine Büroanwesenheit und blieb die ganze Woche zu Hause. Mir geht es schon deutlich besser, auch wenn sich der Husten hartnäckig hält. L, mit der ich sehr viel Kontakt hatte, blieb glücklicherweise komplett verschont und konnte den Unterricht besuchen.

Da mein Arbeitgeber in Thüringen sitzt, hatte ich gestern (Brückentag) und heute (Feiertag) frei, während L in die Schule gehen durfte. Diese freie Zeit verbrachte ich mit J, den ich zuletzt am 8. September gesehen und mit meiner Erkältung angesteckt hatte.


Montag, 19. September 2022


Gut geschlafen hatte ich nicht. Mich beschäftigte die Nachtspeicherheizung zu sehr. Als ich nach dem Aufstehen um kurz nach sechs Uhr feststellte, dass ausschließlich im Wohnzimmer warme Luft in den Raum geblasen wurde, dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, wie das auch in den anderen Räumen funktioniert: Das Thermostat auf eine höhere Stufe drehen. Weil das ja klar ist. Mein Plan ist, den Räumen eine Grundwärme jenseits von arschkalt zu geben und in Zukunft nur noch die Räume (stärker) zu beheizen, in denen wir uns aufhalten. Alle zukünftigen Ersparnisse werden wohl ausschließlich in die Nebenkostenabrechnung fließen. Aber bei wem wird das schon groß anders werden.

L und ich waren am Morgen super in der Zeit. Da es regnete, nahm sie ihren Kinderregenschirm mit in die Schule und versprach, ihn gleich in den Spind zu räumen. Verabschiedet wurde ich bereits mehrere Meter von der Schule entfernt. Ich staune jeden Tag, mit welchem Mut und welcher Freude sie den Unterricht besucht. Als kleines Ritual gehe ich den Weg zurück zur S-Bahn-Haltestelle immer zu Fuß. Die morgendliche frische Luft tut mir jedesmal gut, ich sammle gleichzeitig die ersten Schritte des Tages und stärke (hoffentlich) nebenbei mein Immunsystem.

Wieder zu Hause angekommen, machte ich es mir am Küchentisch bequem. Ich trank meinen geliebten Schokocappuccino, aß ein mit veganem Käse und veganer Salami belegtes Toastbrötchen und löste ein schwieriges Sudoku-Rätsel. Nachdem ich die noch anzubringenden Deckenlampen auf meinem Bett verteilt hatte, nahm ich ein warmes Bad. (Wer weiß, wie lange das noch möglich sein wird.) Als J gegen 9 Uhr ein erstes Lebenszeichen von sich gab, machte ich mich allmählich auf den Weg zu ihm. Ich war bei seinem Anblick ein wenig erschrocken, weil er um die Augen noch sehr erkältet aussah. Wir kuschelten und machten noch mal ein kleines Vormittagsschläfchen. Da es ihm nicht sonderlich gut ging, traf ich mich alleine mit H und D zum Mittagessen auf der KarLi. Wir entschieden uns für ein vietnamesisches Restaurant. Ich futterte eine Portion Reis mit Tofu, Gemüse und Erdnusssoße. Das Essen war unglaublich lecker. Da noch Platz im Magen war, besuchten wir im Anschluss die Eiskrämerei ein paar Häuser weiter, bei der ich eine Kugel Mandarinensorbet verspeiste.

H und D begleiteten mich am frühen Nachmittag mit zu mir nach Hause. H war so lieb und brachte in fast allen Räumen die Lampen an. Bisher kamen L und ich mit der Stehlampe, dem Licht im Flur und einer kleinen Schreibtischlampe im Wohnzimmer gut zurecht, doch nun ist es sowohl abends zeitiger als auch morgens zur Aufstehzeit noch dunkel. Es war somit Zeit, das Projekt „Lampen anbringen“ voranzutreiben.

Etwas später als geplant holte ich L aus dem Hort ab. (Das Anbringen der Lampen dauerte doch länger als erwartet.) Sie hatte wieder einen unglaublichen Hunger, weshalb wir direkt um halb sechs Abendbrot aßen. L wünschte sich Grießbrei. Über die angebrachten Lampen beziehungsweise vielmehr das Licht, welches wir nun nutzen können, freute sie sich wie ein Schnitzel. Faszinierend, dass so kleine Dinge solch eine Freude in ihr auslösen können. 🙂

Da Ls Tag wirklich sehr lang war, durfte sie noch ein wenig fernsehen, ehe wir beide zeitig schlafen gingen.


Dienstag, 20. September 2022


Ich wachte nach einer wunderbaren Nacht so ausgeschlafen wie ein Mensch morgens um sechs Uhr sein kann auf. Ich duschte kurz, zog mich an und bereitete Ls Frühstück und Vesper für die Schule vor. L machte sich parallel ebenfalls fertig für die Schule. Obwohl ich eine Viertelstunde vor Verlassen des Hauses noch mal in der App nachschaute, ob unsere S-Bahn auch fährt, wurde direkt am Gleis mitgeteilt, dass es erneut zu einem kurzfristigen Personalausfall kam. Die S-Bahn fuhr somit nicht. Zum Glück fuhr nur zehn Minuten später die nächste Bahn, sodass L immer noch pünktlich in der Schule eintrudelte.

Durch die Verzögerung hatte ich etwas mehr Zeit für meinen Morgenspaziergang. Über kleinere Umwege und Seitenstraßen lief ich zurück zum S-Bahnhof und erfreute mich an der aufgehenden Sonne. Unterwegs entdeckte ich zwei schöne Spielplätze, die zwar zu den angrenzenden Wohnhäusern gehören, jedoch nicht eingezäunt sind. L und ich werden das bei Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen. Wie gestern auch schon machte ich es mir zu Hause in der Küche mit meinem Frühstück und den Sudoku-Rätseln gemütlich und startete in aller Ruhe in den Tag.



Als J sich meldete, packte ich die letzten zwei Stücke Pflaumenkuchen in eine Brotdose und machte mich damit auf den Weg zu ihm. Um die Augen herum sah er heute schon deutlich besser aus, auch wenn er sich selbst nicht so fühlte. Der Vormittagsschlaf fiel sogar noch ein wenig länger aus als der gestrige. Mittags kochte J für uns eine Portion Reis mit Tofu und Gemüse.

Kurz vor 16 Uhr kaufte ich ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt in der Nähe der Schule ein, ehe ich L kurz darauf abholte. Als wir wieder zu Hause waren, bereitete sie eine kleine Hausaufgabe für nächste Woche vor. Danach spielte sie im Wohnzimmer. Ich wurde nicht mit in ihr Spiel einbezogen, was wirklich so gut wie nie vorkommt. Ich nutzte die Zeit und löste weiter ein Sudoku-Rätsel. 🙂

Unser Abendprogramm war ähnlich dem gestrigen: Essen, etwas fernsehen und relativ zeitig schlafen gehen. Morgen nehme auch ich wieder am Arbeitsleben teil.

Ein Wochenende im September

Alltagsschnipsel

Freitag, 2. September 2022

Um kurz vor 16 Uhr hielt ich nach anderthalbstündiger Autofahrt auf dem Parkplatz eines Supermarkts ganz in der Nähe von Ls Schule und fand wenig später ein auf dem Pausenhof mit einer Klassenkameradin spielendes und glückliches Schulkind vor. L hatte mir wieder viel von ihrem heutigen Schultag zu erzählen. Ich freue mich sehr und bin so unglaublich erleichtert, dass die erste Schulwoche gut verlief und sie Anschluss zu vielen Kindern ihrer Schule gefunden hat.

Wir holten wenig später die Pfandflaschen aus dem Auto, brachten sie zum Leergutautomaten und kauften ein paar Lebensmittel für das Wochenende ein. Hier trafen wir einen Erzieher aus Ls Schule und wünschten ihm ein schönes Wochenende. (In den Grundschulklassen wird im Tandem unterrichtet. Es sind während des Unterrichts immer eine Lehrerin/ein Lehrer und eine Erzieherin/ein Erzieher anwesend. Ich mag das Konzept sehr.)

Zu Hause angekommen, ging L in die Badewanne, während ich nach Verräumen des Einkaufs noch für etwa anderthalb Stunden weiterarbeitete. 

Den restlichen Abend verbrachten wir beide mit entspannenden Tätigkeiten wie lesen, Sprachübungen in der Duolingo App und fernsehen. Auch ich ging zwischenzeitlich noch mal in die warme Badewanne, da mir plötzlich unglaublich kalt war. Lange wach waren L und ich an diesem Abend nicht. Gegen halb zehn schliefen wir beide tief und fest.


Samstag, 3. September 2022


Und weil wir am Vorabend so zeitig schliefen, war es auch nicht verwunderlich, dass ich am Samstagmorgen bereits um Viertel vor sieben wach wurde. Das war aber nicht weiter schlimm, da ich tatsächlich ausgeschlafen war. L wachte nur wenig später um kurz nach sieben auf.

Wir blieben noch eine ganze Weile im Bett liegen und spielten ein von L erdachtes Spiel mit einigen ihrer zahlreichen Kuscheltiere. (Ich merkte bereits um diese Zeit, dass mir Ls Stimme in den Ohren dröhnte, ich am liebsten nicht ununterbrochen vollgelabert werden wollte und sehr gerne meine Ruhe hätte.) Irgendwann standen wir auf und frühstückten eine Kleinigkeit. Danach spielte L weiter und bezog mich in ihre Welt mit ein. 

Ihrer Oma M hatte ich am Freitag versprochen anzurufen. Ein paar Minuten lang telefonierten wir gemeinsam. L war deutlich anzuhören, dass sie so gar keine Lust auf dieses Telefonat hatte.

Da wir nachmittags bei Ls Schulfreundin eingeladen waren, machten wir uns mittags auf den Weg zu Rossmann, um eine Kleinigkeit als Mitbringsel zu kaufen. Ich fand schnell, was ich suchte. L, die ihr Taschengeld mitnahm, brauchte hingegen eine ganze Weile, ehe sie das circa zweihundertste Kuscheltier kaufte. Als wir wieder zu Hause waren, futterten wir Nudeln. Anschließend machte ich Mittagsschlaf, während L ein wenig fernsehen durfte.

Auf dem Weg zur Schuleinführungsparty begleitete mich ein nöliges Kind, das mir mehrfach zu verstehen gab, wie wenig Lust sie auf die Feier ihrer Schulkameradin hat. Sogar in der S-Bahn war ihr Schniefen und Geheul deutlich hörbar. Klein beigeben wollte ich nicht. So viele Menschen in Leipzig kennen L und ich noch nicht. Mit der Mama von Ls Klassenkameradin verstehe ich mich gut. Von daher wollte ich wenigstens für eine oder zwei Stunden bei dieser Feier vorbeischauen. Natürlich auch in der Hoffnung, neue Leute kennenzulernen.

Und wie das bei L öfters der Fall ist, verwandelte sich mit Betreten des Gartens ihre schlechte Stimmung in das genaue Gegenteil. Sie spielte mit den zahlreichen Kindern und wollte auch nach sieben Stunden nicht nach Hause gehen. 🙂 Mir gefiel die Gartenparty mit den vielen wunderbaren Menschen und dem leckeren Essen auch sehr sehr gut. Es war die richtige Entscheidung, mit L dorthin zu gehen. Erst um kurz nach 22 Uhr fuhr unsere S-Bahn zurück nach Hause.


Das einzige, was in den knapp sieben Stunden unserer Anwesenheit nicht so schön war, waren meine von Stunde zu Stunde schlimmer werdenden krampfartigen Rückenschmerzen. Als wir abends zur S-Bahn liefen, waren sie bereits so stark, dass mir davon übel war. Ein wenig erinnern mich diese alle vier bis sechs Wochen für einen, maximal zwei Tage auftretenden Schmerzen an Migräne – nur eben mit dem Unterschied, dass ich keine Kopf-, sondern Rückenschmerzen habe.


Sonntag, 4. September 2022


Am heutigen Sonntag schliefen L und ich aus. Als ich auf die Uhr schaute, war es bereits acht Uhr. Obwohl ich sehr gut geschlafen hatte, war ich noch unglaublich müde. Aus diesem Grund beschloss ich, mit L weder in den Zirkus, auf den sie ohnehin keine richtige Lust hatte, noch ins Hüpfburgenland oder Kino zu gehen. Wir machten bis zum Nachmittag nichts.

Meine krampfartigen Rückenschmerzen vom Vortag waren wieder verschwunden. Nachdem ich vormittags nochmals geschlafen und anschließend gelesen hatte, erledigte ich ein paar Dinge im Haushalt. Zu dieser unglaublichen Müdigkeit in den letzten Tagen verspüre ich ebenfalls einen starken Hunger, weshalb es eine größere Menge Essen zum Mittag gab. Kurz darauf kam mein Kollege und Freund H, der sich etwas abholen wollte. Wir unterhielten uns noch eine Stunde lang über verschiedenste Themen.

Als sich H wieder auf den Heimweg machte, puzzelten L und ich gemeinsam, ruhten uns im Anschluss nochmals aus und telefonierten nachmittags mit meinen Eltern. L verzog sich kurze Zeit später in ihr Zimmer. So konnte ich ein paar Minuten lang ungestört mit meiner Mama sprechen.

Da es sommerlich warm war und die Wettervorhersage für die nächste Woche bereits in Richtung Herbst kippen soll, überredete ich L zu einem kurzen Nachmittagsspaziergang. So richtig wollte sie erst nicht, stimmte dann aber zu, mich zu begleiten, wenn wir auf einen Spielplatz gehen würden. Klar, wieso auch nicht. Wir fanden einen richtig schönen Spielplatz nur etwa zwanzig Gehminuten von unserer Wohnung entfernt. Ich fühlte mich hier auf Anhieb wohl und auch L spielte gleich drauf los. Ich machte währenddessen einige Sportübungen.


Als wir abends halb sieben zurückkehrten, gab es Abendessen und einen Film für L. Gegen 21 Uhr machten wir schon das Licht aus, denn morgen beginnt Ls zweite Schulwoche und wir müssen wieder früh aufstehen.

Hallo September!

Dies & Das

Im September werde ich …

… mehrmals mit meiner Freundin J und meinem Bruder telefonieren 
… wieder häufiger Klavier üben 
… mit L die Schuleinführungsfeier von Ls Klassenkameradin besuchen
… mit L in den Zirkus gehen
… einige Thai-Massagen genießen
… erstmals seit zwei Jahren mit meinem Alt-Saxophon wieder an zwei Orchesterproben teilnehmen 
… und deshalb mit L zwei Nächte bei meinen Eltern schlafen 
… Ms Grab pflegen
… am ersten Elterninformationsnachmittag in Ls Schule teilnehmen 
… eventuell Besuch von meinen Eltern bekommen 
… mit L zum Puppentheaterfest gehen
… an unserem Open Space Friday im Büro teilnehmen 
… mindestens einmal wöchentlich ins Büro nach Erfurt pendeln 
… eventuell Jahreskarten für den Leipziger Zoo kaufen
… vielleicht den Belantis Freizeitpark mit L und ihrem Kindergartenfreund K besuchen

Gedanken- und Alltagsschnipsel im August

Alltagsschnipsel, Dies & Das

Einen großen Vorteil hat unser Umzug in eine größere Stadt definitiv gehabt: In Leipzig und Umgebung gibt es Psychologinnen, die sich mit tiefenpsychologischer Psychotherapie und Traumabehandlung bei Kindern auskennen. In Erfurt gibt es tatsächlich niemanden auf diesem Gebiet.

Als L nach unserem wunderbaren Tag im Zoo am Abend schlimme Sachen äußerte und ich fast zwei Tage brauchte, um mit ihrer Aussage klarzukommen, habe ich beschlossen, mich um eine Behandlung für sie und somit auch irgendwie für mich, denn Kinder und Eltern werden gemeinsam therapiert, zu bemühen. Es geht so einfach nicht weiter. Sie tut mir unendlich weh mit ihren Äußerungen. Ich selbst kann nicht einschätzen, ob sie das Gesagte ernst meint oder ob sie weiß, dass ich darauf anspringe. Im Moment hat L „nur“ drei Jahre aufzuarbeiten. Je älter sie wird, desto schwieriger und schlimmer könnte eine Therapie emotional für sie werden.

L muss unbedingt trauern. Denn das hat sie nicht getan. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es in den letzten zwei Jahren so wirklich getan habe. Ich fühle mich aber zum jetzigen Zeitpunkt psychisch stabil, wenn ich von den hin und wieder auftretenden Stresssymptomen, die in Richtung Depression gehen, einmal absehe. Aber auch hier bin ich schon deutlich weiter gekommen und höre noch genauer hin, was mir mein Körper mitteilt.


***


Sie haben es geschafft! Sie haben mich so stark verunsichert, ja fast schon in den Wahnsinn getrieben, dass ich nun intensiv schaue, irgendwie noch mehr Geld beiseite zu legen oder ungenutzte, aber noch gut erhaltene Gegenstände und Dinge zu verscherbeln. Ich rede von den steigenden Nebenkosten, die uns Bürgerinnen und Bürger vor allem ab nächstem Jahr überrollen sollen.

Ich führe seit Anfang dieses Jahres sehr streng eine Finanztabelle. Aufgelistet habe ich dort alle monatlichen Ausgaben und die Einnahmen. Sicherlich gibt es bei den Ausgaben Kleinigkeiten, die sich noch einsparen ließen, wie z. B. mein Spotify Abonnement, Netflix, Amazon Prime oder Kindle Unlimited. Alles genannte nutze ich aber sehr häufig, genauso wie mein Duolingo Abonnement. Fest steht: Ich würde lieber diese Kleinigkeiten einsparen, als an Ls oder meinen Altersvorsorge-Fond zu gehen. Ls Fond läuft seit ihrer Geburt. Ich habe aber erst vor zwei Jahren damit angefangen, Geld für das Alter beiseite zu legen. Das nun wieder einstampfen zu müssen, träfe mich (vermutlich später) hart. Ich hoffe irgendwie immer noch auf ein Wunder. Vielleicht wird es ja auch gar nicht soooo teuer wie überall angedeutet. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


***


Es war die absolut richtige Entscheidung, aus der Wohnung, in der M vor über zwei Jahren starb, auszuziehen. Dass L und ich nicht innerhalb Erfurts umgezogen, sondern vor etwas über einem Monat hier in Markkleeberg gelandet sind, hätte ich mir vermutlich niemals träumen lassen. Und doch ist es jetzt so. Und es fühlt sich sehr gut und richtig an.

L schläft in ihrem neuen Zimmer wesentlich ruhiger und länger durch als zuvor. Sie kommt im Laufe der Nacht zwar immer noch in mein Bett gekrochen, aber oftmals nur eine Stunde vor dem Aufstehen. Das ist unglaublich. Zudem spielt sie hin und wieder längere Zeit am Stück in ihrem Kinderzimmer, ohne mich mit in ihr Spiel einzubinden. Das ist definitiv auch ungewohnt und neu für uns beide.

Im Ferienhort der neuen Schule hat es ihr sehr gut gefallen. Das ein oder andere Kind aus ihrer neuen Klasse besuchte im August ebenfalls die Einrichtung, sodass sie vor dem gestrigen ersten Schultag schon drei oder vier Kinder näher kennenlernen konnte. Ich genieße es sehr, morgens und nachmittags mit der S-Bahn und Tram statt mit dem Auto fahren zu können. Für mich wirkt es entschleunigend. Zusätzlich lernt L, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten hat und wie sie von A nach B kommt. Und ich komme endlich wieder auf mindestens zehntausend Schritte am Tag.

Ich bin gespannt, wie sich unser Leben und der Alltag in den kommenden Wochen gestalten und entwickeln wird. Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch im Herbst und Winter sehr gut gefallen wird. Für L wünsche ich mir, dass sie sich mit einigen Kindern in ihrer Klasse so intensiv anfreundet, dass sie Spielkameraden und Spielkameradinnen mit nach Hause nehmen mag oder selbst nach der Schule oder am Wochenende zum Spielen eingeladen wird. (Ich gebe zu, dass ich davon auch sehr stark profitieren würde. 😉 )

Ls Schuleinführung

Alltagsschnipsel

Heute war es soweit! L feierte mit ihrer Familie und ihrem Freund K ihren Schulstart. Ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben, zumal sich auch in nächster Zeit noch sehr viel in ihrem Alltag ändern wird.

Aufgewacht bin ich um sieben, obwohl der Wecker erst vierzig Minuten später geklingelt hätte. Ich stellte schnell fest, dass es in der Nacht weder das angekündigte Gewitter noch den Regen gab. Auch um diese Zeit regnete es nicht. 

Davon motiviert stand ich auf, erledigte letzte organisatorische Dinge für Ls Party am Nachmittag, frühstückte mit mir selbst (und bereitete L wenigstens etwas Essen zum Mitnehmen vor (sie hat morgens kaum bis nie Hunger)) und machte mich schick. L tat mir Letzteres gleich. Mit Zuckertüte, die ich in einer 120 Liter Mülltüte vor L versteckte, und dem Schulranzen machten wir uns auf den Weg zum Veranstaltungsort.


Viertel vor neun waren wir auf dem Schulhof eines Markkleeberger Gymnasiums, in dessen Aula die Feierstunde und Übergabe der Zuckertüten stattfand. Ich übergab so heimlich wie möglich Ls Zuckertüte an die Erzieher und unterhielt mich anschließend mit zwei Müttern, während L sich zu den Mädchen ihrer Klasse gesellte.

Die Feierstunde begann um halb zehn mit einigen einleitenden Worten der Schuldirektorin. Danach marschierten die beiden ersten Klassen ein und setzten sich in die vorderen Reihen. Es folgte ein halbstündiges Programm der jetzigen vierten Klassen, welches wundervoll und sehr liebevoll gestaltet war. Die Kinder spielten Theater, musizierten und sangen und stellten auf diese Weise den neuen ersten Klassen einige Unterrichtsfächer vor. Im Anschluss daran wurden schließlich die Kinder, aufgeteilt nach ihren Klassen, auf die Bühne gerufen und bekamen ihre Zuckertüte überreicht.


Als L und ich halb elf die Aula verließen, warteten bereits meine Eltern, mein Bruder und seine Freundin auf uns. Mein Bruder teilte mir sehr stolz und glücklich mit, dass er und J sich vor kurzem verlobt haben. Im nächsten Jahr wird bereits die Hochzeit stattfinden. Ich freue mich sehr für die beiden. ❤ Wenig später kam auch J.

Mittlerweile wurde aus dem Nieselregen, der direkt nach der Feierstunde einsetzte, ein immer stärker werdender Regen. Da wir seit Jahren keine aktuellen Familienfotos mehr haben, schenkte mein Bruder unseren Eltern zu Weihnachten ein Fotoshooting. Heute war der auserwählte Tag, an dem besagte Fotos durch eine professionelle Hobbyfotografin gemacht werden sollen. Sie kam gegen Viertel nach elf ebenfalls zur Schule und schoss viele Fotos in verschiedenen Konstellationen. Wir nutzten eine zehnminütige Regenpause und liefen in Richtung eines der vielen Seen in Markkleeberg. Unterwegs begann es wieder stark zu regnen, weshalb wir ein Waldstückchen nutzten, die Regenschirme aufspannten und weitere Fotos machen ließen. Da der Regen nicht aufhören wollte und die Fotografin mittlerweile weit über einhundert Fotos hatte, beendeten wir das Shooting an dieser Stelle. (L bekam während des Regens einen Schrei- und Heulanfall, weil sie Angst hatte, eine Flut könne kommen. Das beschleunigte unseren Entschluss, das Shooting zu beenden.) Auf die Fotos bin ich wirklich sehr gespannt.

Ziemlich nass kamen L, J und ich ein paar Minuten später am Auto an. Meine Eltern, mein Bruder und seine Verlobte fuhren noch mal ins Hotel. Wir drei fuhren zunächst zu J, zogen uns wärmere und vor allem gartengeeignete Kleidung an, packten noch Dies und Das zusammen und fuhren schließlich in S‘ Garten, um die letzten Vorbereitungen für Ls Gartenparty zu treffen. Mit Eintreffen im Garten hörte es sogar wieder auf zu regnen. Das beruhigte vor allem meine Nerven, da ich bereits vor drei Tagen eine schlaflose Nacht nur wegen der Wettervorhersage für den heutigen Tag hatte.

Zuerst kam Ls Kindergartenfreund K mit seinen Eltern an, kurz darauf folgten unsere ehemaligen Vermieter C und A. Wenig später trafen auch Ls Tante, Ls Onkel und ihr kleiner Cousin M mit Oma M ein. Meine Eltern, mein Bruder und J kamen auch noch rechtzeitig, um Kaffee und Kuchen zu genießen. Während wir Erwachsenen uns mit Kuchen vollstopften, kümmerten L und K sich um Ls Geschenkeflut, denn anders kann ich diese Unmenge nicht bezeichnen: L bekam so unglaublich viel geschenkt, dass ich glaubte, Geburtstag UND Weihnachten seien auf einen Tag gefallen. Ich muss zugegen, dass wirklich unglaublich viele schöne und nützliche Sachen verschenkt wurden. Tausend Dank an alle, die L entweder eine Zuckertüte oder ein Päckchen überreichten. ❤


Irgendwann am Nachmittag war es auffallend ruhig. Zu ruhig. Und tatsächlich: Nach einem kurzen Blick ins Gartenhaus und in den Garten stellten wir fest, dass L und K verschwunden waren. Sie spazierten Hand in Hand in der Nähe der und auf der Bundesstraße herum. Es blieb nicht aus, dass wir mit ihnen schimpfen mussten. Das Gartentor schlossen wir nach Rückkehr der Kinder vorsichtshalber ab. (Ich wäre entspannter gewesen, hätten sich die Kinder im Vorfeld bei einem Erwachsenen abgemeldet. Dann hätte sie vielleicht auch jemand begleiten können. Wenn L nicht hin und wieder äußern würde, dass sie sich von einem hohen Turm stürzen will, wäre ich vermutlich auch entspannter gewesen. Aber mit solchen Aktionen kriegt sie mich momentan leider sehr schnell.) Ich bin unglaublich froh, dass den Kindern nichts passiert ist.

Da ein Großteil der Gäste am Abend nach Erfurt zurückfahren wollte, zündeten wir bereits gegen 17 Uhr den Grill an. Gerade als die Holzkohle soweit war und wir das erste Grillgut auf das Gitterrost legen konnten, begann ein Nieselregen, der kurze Zeit später wieder von einem Starkregen abgelöst wurde. Gestört hat es uns allesamt nicht. (Thüringer grillen sowieso bei Wind und Wetter. 😀 )


Gegen 19 Uhr verabschiedeten wir die Gäste. L und K fiel es besonders schwer, sich voneinander zu trennen. Wir versprachen ihnen aber, dass sie sich hin und wieder sehen können, wenn sie mögen. An mir soll es jedenfalls nicht liegen.

S, J und ich räumten das nötigste im Garten auf und verpackten die Lebensmittel. Morgen werden L und ich uns um den Rest kümmern. Gerade als wir alles in die Autos geladen hatten, erschien ein Gartennachbar und zeigte uns seine niedlichen Hasen und Tauben. Auch die Hündin Tina lernten wir kennen, ehe es viel später als geplant erst zu J und dann zu uns nach Hause ging.

Während L mit ihren drei Kuscheltier-Starterpokémon Glumanda, Bisasam und Schiggy spielte, kümmerte ich mich um die Lebensmittel. Einiges musste nur in den Kühlschrank, anderes ins Gefrierfach.

L und ich schauten danach nur noch zwei Folgen Biene Maja und schliefen nach diesem ereignisreichen und aufregenden Tag schnell ein.

Die Dinosaurier sind los!

Alltagsschnipsel

Neben vielen unterschiedlichen Tieren sind im Leipziger Zoo aktuell Dinosaurier in Lebensgröße ausgestellt. Beides wollten J und ich uns auf jeden Fall anschauen.

Aufgrund von ganztägigem Regen verschoben wir den geplanten Zoobesuch mit vier weiteren Personen von gestern auf heute und hatten bei angenehmen Temperaturen auch wirklich großes Glück. L hatte nur beim allerersten Dinosaurier, der direkt hinter dem Einlass stand, ein wenig Angst (vor allem als dieser sich zu bewegen begann), war bei allen weiteren jedoch freudig, neugierig und interessiert.


Zuerst statten wir dem Aquarium einen Besuch ab. Es waren wirklich sehr schöne Fische und Meerestiere zu sehen. Weniger schön waren die Menschenmassen um uns herum. Es war schier unmöglich, sich in Ruhe alles anzuschauen und die farbenfrohen Fische auf sich wirken zu lassen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Menschen auf einem Haufen gesehen hatte.


Im Gondwanaland, das wir uns im Anschluss anschauten, war ich noch nie. (Das könnte daran liegen, dass ich seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr im Leipziger Zoo war.) Hier gefiel es mir sehr sehr gut. Und L offenbar auch. Sie war am meisten an den Informationstafeln interessiert. Ich denke, wenn sie in Kürze lesen kann, hat sie sogar noch mehr Spaß. L meinte, bei unserem nächsten Besuch würde sie sich sogar in ein Boot setzen und damit durchs Gondwanaland fahren. Das wäre wirklich schön, denn das möchte ich unbedingt machen.


Meine Stimmung kippte kurzweilig beim „normalen“ Zoobesuch. Grund hierfür waren die zahlreichen Menschen. Stellenweise standen wir in einer langen Schlange mitten auf einem Weg. Es ging nicht vor und zurück. Mich nervte ein wenig der von mir mitgebrachte Bollerwagen, da ich ständig das Gefühl hatte, im Weg zu stehen oder diesen zu blockieren. So konnte ich unter anderem die liebevoll gestalteten Affengehege und die sich darin befindlichen Affen nicht richtig anschauen. Und ich hatte auch keine Lust, mir irgendwelche Tiere anzuschauen. Ich wollte nur weg aus den Menschenmengen. Gegen 16 Uhr wurde es aber allmählich leerer im Zoo und meine Stimmung hellte sich wieder auf.


Mir hat der Zoobesuch trotz meines kleinen Stimmungstiefs großen Spaß gemacht. Ich überlege, ob ich für L und mich je eine Jahreskarte organisiere. Ab dem 4. Besuch lohnt sich diese bereits. Und alles (in Ruhe) gesehen haben wir heute nicht. So wäre es uns jederzeit möglich, auch mal abends oder auch nur für ein paar Stunden am Nachmittag herzukommen. Denn für die zahlreichen Spielplätze, die der Zoo für die Kinder bietet, hatten wir kaum Zeit.

L hatte im Übrigen auch Spaß, wie sie mir am Abend versicherte. (Das ist bei ihr nicht immer selbstverständlich.) J und ich vermuteten das allerdings auch an ihrem Verhalten den ganzen Tag über. Sie verhielt sich wie alle anderen Kinder um uns herum auch.