L und ich hatten gut geschlafen. Wir merkten am Morgen aber beide, dass die Luft raus ist und es Zeit für ein paar freie Tage wird. Es war um Viertel nach sechs sehr dunkel draußen. Es war kalt. Es regnete in Strömen. Wir waren müde.
L hatte heute ihren letzten Schultag, der glücklicherweise nicht aus normalem Unterricht, sondern einem kleinen Weihnachtsbeisammensein, Singen in der Kirche und einer Theatervorführung vor der ersten Klasse bestand. Bei letzterer hatte L leider keine Rolle und räumte mit drei oder vier anderen Kindern ihrer Klasse das Klassenzimmer auf.
Ich hatte bereits meinen ersten Urlaubstag und nutzte die kindfreie Zeit, um unseren Koffer für den Erfurt-Aufenthalt zu packen, Wäsche zu waschen, die letzten Geschenke im Auto unter einer sehr großen Decke zu verstauen (L ahnt immer noch nichts) und das Auto zu betanken.
Schon ab zwölf Uhr durften die Kinder aus der Schule abgeholt werden. Als ich pünktlich zur Mittagszeit das Schulgebäude betrat, teilte mir L mit, dass sie gern nach Hause möchte, da sie so unendlich müde sei. (Geplant war eigentlich ein Weihnachtsmarktbesuch gemeinsam mit ihrer Freundin L und ihrer Familie. Diese verspätete sich allerdings.) So kam es, dass L den Rest des Tages mit nur einer kurzen Badewannenpause im Bett verbrachte. Gegen Abend hatte sie eine sehr leicht erhöhte Temperatur. Ich bin gespannt, wie die Nacht und wie es morgen sein wird.
Was heute schön war:
Telefonat mit J.
J aus Dresden und ich telefonierten heute das letzte Mal für dieses Jahr. Wichtigstes Ergebnis war, dass wir uns im kommenden Jahr unbedingt wieder treffen wollen. Wir haben uns zuletzt im September 2022 gesehen. Das ist schon wirklich sehr sehr lange her. Ich werde Ls Oma M bitten, an irgendeinem Wochenende zu uns zu kommen und auf L aufzupassen. Dann kann ich für zwei Nächte zu J fahren. Zeit wird’s.
Couch-Potato.
Ich hatte ab dem Nachmittag nichts weiter zu tun und nutzte diese Gelegenheit, um es mir mit Plätzchen auf der Couch gemütlich zu machen. Per Zufall sah ich, dass es ein LOL Xmas Special gibt. Das schaute ich mir gleich an und wurde wieder gut unterhalten. Danach suchte ich mir ein Buch heraus und begann zu lesen. Schon nach wenigen Seiten stellte ich zufrieden fest, dass mir die Handlung und der Schreibstil gefallen und las bis in den Abend hinein fleißig weiter.
Autor: Katja
Tagebuch – 21. Dezember 2023
AlltagsschnipselEine gute Nacht lag hinter mir. Einzig das Klingeln des Weckers überraschte mich heute Morgen sehr und riss mich mitten aus einem Traum. Ich war noch sehr müde und es fiel mir deshalb auch ungemein schwer aufzustehen.
L erging es sehr ähnlich. Sie ist im Moment leider so demotiviert und traurig, dass sie nicht mehr zur Schule gehen mag.
Mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr war sehr ruhig. Ich überwies unsere Gehälter und stellte mit Blick auf die Bruttogehaltsabrechnungen erneut fest, dass bei einigen Kolleginnen und Kollegen (einschließlich mir) wieder einiges nicht stimmt. Dieses Problem werde ich mit in 2024 nehmen. Erstens sind die Berechnungen ohnehin durch für diesen Monat, zweitens können sie auch erst mit der Lohnbuchhaltung im Januar korrigiert werden. Es besteht somit keine Eile.
Beim Abholen aus der Schule fand ich eine aufgelöste L vor. Morgen dürfen einige Kinder aus ihrer Klasse der Vorschule ein kleines Theaterstück vorführen. Sie war Anfang der Woche bei der ersten Probe einer der Engel. Stolz und voller Freude sagte sie mir in den letzten Tagen mehrfach ihren kurzen Text auf. Nun hat sie wegen einer erneuten Auslosung der Rollen keine mehr. Ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Losverfahren sind leider sehr negativ. Ihrer Freundin L gelang es zum Glück, sie zu trösten und wieder aufzubauen.
Normalerweise sehe ich das Ganze eher gelassen. Manchmal ist es im Leben so, dass sich Dinge ändern und wir lernen müssen, damit umzugehen. Da aber in den letzten Wochen so viel Unschönes für L passiert ist, kann ich ihren Ärger, ihre Wut und ihre Enttäuschung so sehr nachempfinden.
Grund zur Freude hatte sie heute aber dennoch: Auf das Abschreiben der ersten Strophe des Gedichts gab es die Note 1. In der Lernzielkontrolle im Fach Sachunterricht zum Thema Luft bekam sie ebenfalls eine 1 und in der Klassenarbeit in Mathe schrieb sie die Note 2. Die zwei Aufgaben, die sie falsch hatte, korrigierten wir am Abend nochmal. Das ging problemlos innerhalb von fünf Minuten.
Da die Kinder morgen in der Schule unter anderem eine kleine Weihnachtsfeier veranstalten und somit keinen Unterricht mehr haben, bekamen sie alle Schnellhefter, Arbeitshefte und Bücher mit nach Hause. Ich nahm mir am späten Nachmittag die Zeit, um alles in Ruhe durchzusehen. (Immerhin sehe ich einen Großteil der Unterrichtsmaterialien mehrere Wochen lang nicht.)
Ich schnappte mir für die bevorstehenden Weihnachtsferien das Heft zum Erlernen der Schulausgangsschrift (Schreibschrift) und ein Heft zur Rechtschreibung. Ich konnte in den letzten Wochen feststellen, dass zehn bis fünfzehn Minuten Üben am Tag bei L schnell zu Verbesserungen führen. So kann sie ihre Ferien trotz meiner penetranten Nachhilfe genießen. 😉
L meinte, dass die gesamte Klasse spätestens am Ende des Schuljahres, also in einem halben Jahr, die Schreibschrift beherrschen muss. Die Parallelklasse kann bereits alle Buchstaben. Deren Hefte sind also fast vollständig bearbeitet worden.
Mit Blick in Ls Heft stellte ich schnell fest, dass sie bisher im Unterricht nur die vier Buchstaben i, u, n und m geübt hat und das leider auch mehr schlecht als recht. Ich schnappte mir also einen Radiergummi, radierte alle traurigen Versuche weg und ließ sie am Abend die Buchstaben m und n nochmal mit Tintenroller schreiben. Anfangs war sie nicht sonderlich motiviert und sagte immer wieder, dass sie das nicht schaffe oder nicht könne. Nach ein paar Wiederholungen wurden die beiden Buchstaben immer besser und gingen ihr zusehends leichter von der Hand. Und siehe da: Plötzlich hatte L Freude daran und probierte gleich aus, ein erstes kurzes Wort in Schreibschrift zu schreiben. Für einen ersten Versuch ist ihr das auch sehr gut gelungen.
Wenn ich in Deutschland so dürfte wie ich wöllte, würde ich L für ein paar Monate aus der Schule abmelden und sie zu Hause unterrichten. Ich bin derzeit stark davon überzeugt, dass sie unter meiner Aufsicht in Deutsch und Mathe bis zum Sommer alles aufgeholt hätte, was ihr derzeit an Wissen und Können fehlt. Aber leider haben wir ja die unter Strafe gestellte Schul(anwesenheits)pflicht.
Was heute schön war:
Morgenspaziergang.
Aufgrund des starken Windes fiel meine morgendliche Bewegung an der frischen Luft zwar noch kürzer aus als sonst, dennoch waren die paar Schritte ein schöner Start in den Tag.
Weihnachtsvorbereitungen.
Neben einer nicht stillstehenden Waschmaschine, die unsere Kleidung für die nächsten Tage sauber wusch, packte ich heute die letzten Geschenke ein.
Tagebuch – 20. Dezember 2023
AlltagsschnipselIch hatte ganz gut geschlafen, allerdings viel zu kurz. Entsprechend müde und mit Augenringen bis zum Boden stolperte ich ins Badezimmer und machte mich für den Tag fertig.
Mein heutiger vorletzter Arbeitstag in diesem Jahr war ruhig. Ich konnte im Büro in Erfurt noch ein paar Vorbereitungen für 2024 treffen und ein neues Tool einrichten, von dem ich mir im kommenden Jahr mehr Unterstützung und Zuverlässigkeit in unseren Arbeitsprozessen erhoffe.
L wurde am Morgen von ihrer Oma M in die Schule gebracht. Dort schrieb sie die letzten beiden Arbeiten für dieses Jahr. L meinte abends auf meine Nachfrage hin, dass sie jeweils mit Note zwei oder drei rechne. Ich bin gespannt. Dafür bekam sie in Mathe auf die kürzlich gemeinsam mit ihrer Schulfreundin E vorgestellte „Zahl des Tages“ die Note eins.
Nach meiner Mittagspause machte ich mich auf den Rückweg nach Markkleeberg. Ich hörte wieder ein Hörspiel von „Die drei ???“ (das neunundfünfzigste) und hörte anschließend Musik aus den 90er Jahren. Die Autobahnen waren nahezu leer. Dafür war es stellenweise wirklich sehr windig.
Die Thematik Lese-Rechtschreibschwäche schwebt wie ein Damoklesschwert über L und mir. Es bestimmt unsere Gedanken, unseren Alltag nebst Freizeit und mittlerweile auch unsere Lebensfreude. Es macht uns traurig, wütend und hilflos.
Abends im Bett kurz vor dem Schlafengehen fragte mich L: „Warum muss ich auf dieser Welt sein?“
Diese traurige Frage aus dem Mund eines kleinen Mädchens, das ihr ganzes Leben noch vor sich hat, berührte mich zutiefst. Es führte innerhalb von Sekunden dazu, dass mir richtig klar und bewusst wurde, dass es SO wie im Moment nicht weitergehen kann und wird. Es wurde eine Grenze überschritten. Sicherlich ist alles gut gemeint von Ls Lehrerin. Aber der (Leistungs)Druck und die leicht geöffnete LRS-Schublade, die derweil unsere Leben bestimmen, sind viel zu hoch. L zweifelt mittlerweile an all ihren Fähigkeiten. Sie ist total verunsichert bei allem, was sie tut. Sie hasst ihre Schule.
Ich habe bereits ein, zwei Ideen im Kopf, wie es für uns weitergehen wird. So jedenfalls nicht.
Was heute schön war:
Massage.
Bevor ich L aus der Schule abholte, versuchte ich, bei der letzten Massage des Jahres zu entspannen. Da ich ohnehin so müde war, ließen mich meine Gedanken in Ruhe und ich konnte vor mich hin dösen. Die Masseurin gab sich zudem auch die größte Mühe, meine Verspannungen in den Schultern zu lösen.
Sachsen-Therme.
Mit L und ihrer Schulfreundin E verbrachte ich drei Stunden am Abend in der Sachsen-Therme. Die meiste Zeit über verstanden sich die beiden Mädels gut. Ab und an gab es Unstimmigkeiten und lange Gesichter. Jede von uns bekam auch ein leckeres Abendessen im zum Schwimmbad dazugehörigen Restaurant. Ich staunte, weil beide so unglaublich viel in sich reinschaufelten.
Tagebuch – 19. Dezember 2023
AlltagsschnipselIch hatte zum Glück wieder gut geschlafen und dabei einiges geträumt.
Nachdem ich eine etwas traurige L am Morgen in die Schule gebracht hatte, fuhr ich mit dem Auto ins Büro nach Erfurt und hörte dabei zunächst ein Abenteuer von „Die drei ???“, anschließend Weihnachtsmusik und zum Schluss Hits aus den 80er und 90er Jahren.
Mittags machte sich Ls Oma M mit dem Zug auf den Weg nach Leipzig. Sie holte am Nachmittag L von der Schule ab und wird bis morgen Vormittag bei ihr sein. Abends kam eine positive Rückmeldung. L hatte nur leichte Sehnsucht nach mir und ist schnell eingeschlafen.
Erst Viertel nach elf lag ich abends im Bett, erledigte im Halbschlaf meine Sprachübungen auf Duolingo und schlief kurze Zeit später ein.
Was heute schön war:
Büro.
Da aufgrund unserer bevorstehenden Weihnachtsfeier zahlreiche Kolleginnen und Kollegen im Büro anwesend waren, hatte ich heute einen lustigen Arbeitstag. Neben büroorganisatorischen Aufgaben widmete ich mich den letzten Weihnachtsvorbereitungen. Nach dem Mittagessen erhielt ich mit drei weiteren Kollegen eine halbstündige Führung durch das Rechenzentrum. Das war sehr spannend.
Weihnachtsfeier.
Kurz nach siebzehn Uhr zogen wir los in Richtung Domplatz zum Erfurter Weihnachtsmarkt. Dort standen wir bei ein oder zwei Tassen Glühwein oder Kinderpunsch in der Nähe des Riesenrades und unterhielten uns in kleineren Gruppen über verschiedenste private Themen.
In einem türkischen Restaurant wartete wenig später ein super leckeres Drei-Gänge-Menü auf uns. Schon nach der reichhaltigen Vorspeise verspürten die Ersten von uns ein Sättigungsgefühl. Das hielt aber niemanden davon ab, auch bei der Hauptspeise und dem Dessert ordentlich zuzulangen. Wir hatten einen sehr schönen Abend.

Tagebuch – 18. Dezember 2023
AlltagsschnipselEine unglaublich schlechte Nacht lag hinter mir. Mit mehreren Unterbrechungen schlief ich bis halb fünf, wälzte mich anschließend über eine Stunde im Bett herum und gab schließlich Viertel vor sechs auf.
L wollte gar nicht in die Schule gehen. Mittlerweile liegt es nicht mehr ausschließlich am frühen Aufstehen oder an einem weniger gemochten Unterrichtsfach, sondern eindeutig an dem unnötigen Druck, der von allen Seiten auf sie einprasselt. Ich kann das sehr gut nachempfinden.
Gestern Abend schrieb ich eine E-Mail an die Grundschule, die sich bei uns in der Nähe befindet. Heute Mittag erhielt ich einen sehr lieben Anruf der Direktorin.
Leider hat sie weder in Klassenstufe eins noch in zwei einen Platz für L frei. Unser Gespräch verwandelte sich schnell in eine kleine Beratung zur Lese-Rechtschreibschwäche-Thematik. Sie meinte, dass eine Wiederholung der oder Zurückversetzung in Klasse eins eher unüblich sei. L soll die zweite Klasse beenden, unbedingt den LRS-Test machen und je nach Ergebnis in eine LRS-Klasse auf einer anderen Schule wechseln. In diesen Klassen, die es nicht in allen Bundesländern zu geben scheint, wird die dritte Klasse in zwei Jahren absolviert. Im ersten Jahr wird sich um die Buchstaben und das richtige Schreiben gekümmert und im zweiten geht es normal mit dem Stoff der dritten Klasse weiter.
L ist nicht begeistert. Ich habe auch nach wie vor Bauchschmerzen.
Am späten Nachmittag hatte L ihre vierte Ballettstunde und war wieder sehr glücklich danach.
Was heute schön war:
Hautarzttermin.
Nachmittags ging ich mit L zur Hautärztin, die nach einem Vierteljahr erneut auf Ls Leberfleck am Rücken schaute. Dieses hat sich nicht verändert, ist also weder dunkler noch größer geworden. In einem halben Jahr sollen wir wieder vorbeikommen.
Wohnungsputz.
Mit Hilfe unseres Staubsaugerroboters Miro räumte ich heute unsere Wohnung auf und säuberte sie. Es war bitternötig. Das Ganze ging schneller vonstatten als erwartet. Mit dem Ergebnis bin ich auch sehr zufrieden.
Tagebuch – 17. Dezember 2023
AlltagsschnipselIch hatte gut geschlafen und wachte an diesem dritten Adventssonntag kurz vor acht Uhr morgens auf. L schlief noch eine gute Stunde länger.
Bis in den frühen Nachmittag hinein bummelten wir gemütlich und entspannt in den Tag. L zog sich ihren kuscheligen Jumpsuit an, ich lief in einer Mischung aus Schlafanzug und Leggings herum.
Was heute schön war:
Weihnachtsvorbereitungen.
Mit dem wohl zeitintensivsten Projekt in der Weihnachtszeit wurde ich mittags fertig. Wunderbar. Jetzt können die Weihnachtsfeiertage kommen.
Spontanbesuch.
Nach sehr langem Hin und Her gepaart mit schlechter Laune fuhren L und ich am Nachmittag zum Haus ihrer Schulfreundin E. Während die beiden Mädchen überwiegend tanzten und sangen, unterhielt ich mich mit Es Mama A zum Thema Lese-Rechtschreibschwäche. Sie ist Schulbegleiterin und -coach.
Da sie L nun schon einige Male gesehen hatte, konnte sie mir ihre Gedanken und Einschätzung zur für mich immer noch sehr nervenaufreibenden Thematik mitteilen. A meinte, dass L mit Blick auf ihr Alter – sie ist eine der Jüngsten in der Klasse – teilweise jetzt schon, umgeben von den vielen starken Charakteren, untergeht. Die Kinder in ihrer Klasse sind äußerst selbstbewusst. Unabhängig von einer noch zu diagnostizierenden LRS könnte es Sinn ergeben, L nochmal ein Jahr wiederholen zu lassen. Mir fiel daraufhin wieder ein Gespräch mit der Kinderpsychologin ein, die mir mitteilte, dass Ls emotionales Alter aufgrund ihres Traumas deutlich unter ihren sieben Jahren liegt.
L selbst wünscht sich einen Schulwechsel zum Halbjahr, und zwar zurück in Klasse 1.
Tagebuch – 16. Dezember 2023
AlltagsschnipselNach dem Aufstehen gegen neun Uhr, einem gemeinsamen kleinen Frühstück mit zwei leuchtenden Kerzen auf dem Adventskranz und der alltäglichen Runde im Bad, fuhr ich L mit dem Auto zum Jump House in Leipzig. Sie fühlte sich wieder fit genug und sah auch so aus, um den Geburtstag ihres Schulfreundes K zu feiern.
Abgeholt wurde sie einige Stunden später von A, denn sie und ihre Schulfreundin E haben ausgemacht, dass die für gestern zu heute geplante Übernachtung nun von heute zu morgen stattfinden soll. Ich bin gespannt.
Heute war ein Tag des unverhofften Geldsegens. Ich stehe immer noch leicht unter Schock.
Zuerst fragte mich mein Bruder zum Stand der Weihnachtsgeschenke aus. Nachdem ich ihm sagte, dass sowohl für unsere Eltern als auch L bereits gesorgt ist und wir vor einigen Jahren ausgemacht hatten, uns gegenseitig nichts mehr zu schenken, überwies er mir per Paypal seinen Anteil für Ls Geschenke. Und der war mindestens doppelt so hoch wie erhofft. Danke liebster Bruder. Mir fällt es immer sehr schwer, Geld von anderen anzunehmen, vor allem wenn es nicht abgesprochen oder zu viel ist.
Und deshalb durchlebte ich wenig später eine Achterbahn der Gefühle, als ich einen absurd hohen Geldbetrag einer mir unbekannten Person auf meinem Paypal-Konto sah. Zuerst war ich baff. Dann überprüfte ich, ob es sich nicht doch um eine Phishing-Mail oder Fake handelte. Als ich das auch ausschließen konnte, wurden meine Augen feucht und mein Herzschlag beschleunigte sich. Kurz überlegte ich, das Geld zurückzuzahlen. Gleichzeitig erinnerte ich mich aber auch daran, wie wichtig es mir ist, Geschenke annehmen zu üben. Keinesfalls wollte ich diesen lieben Menschen mit meiner Reaktion auf das Geschenk vor den Kopf stoßen. Ich entschied mich somit für eine Dankesnachricht via Paypal.
Liebe Leserin, für den Fall, dass du dich beim Betrag vertippt haben solltest, melde dich gern bei mir. Ansonsten bleibt mir nur ein weiteres Mal Danke zu sagen. ❤
Vor mir lagen nun einige kinderfreie Stunden. In meinem Kopf befanden sich tausende Ideen, von denen sehr viele mit Arbeit verbunden waren. Ich könnte zum Beispiel die gebackenen Plätzchen verzieren, die Wohnung aufräumen und säubern, Wäsche waschen und aufhängen oder mich um die restlichen Weihnachtsvorbereitungen kümmern. Ich entschied mich für die beiden letztgenannten Punkte.
Zwischendrin trudelte eine Mail von Ls Lehrerin ein, in der sie allen Eltern mitteilte, dass sie Corona hat.
Vielleicht wird Ls letzte Woche vor den Ferien doch entspannter als gedacht. Die Klassenarbeit in Mathe und die Lernzielkontrolle (ich mag das Wort so gar nicht) im Fach Sachunterricht können meiner Meinung nach auch noch im kommenden Jahr (nachge)schrieben werden.
Ich lag abends bereits gemütlich im Schlafanzug im Bett und machte einige Französischübungen in der Duolingo App, als A mich per Whatsapp Nachricht fragte, ob ich erreichbar bin. Das war ich. Und so telefonierte ich wenig später mit einer in Tränen aufgelösten L, die wieder nach Hause wollte.
A war so lieb und fuhr L zu mir, obwohl ich auch angeboten hatte zu fahren und sie dadurch insgesamt eine Dreiviertelstunde unterwegs war.
L war merklich enttäuscht von sich. Da werde ich in den kommenden Tagen entgegensteuern müssen. Ich sagte ihr, dass ich stolz auf sie bin. In ihrem Alter habe ich noch lange nicht versucht, bei anderen zu schlafen.
A teilte mir wenig später noch mit, dass L sich auch in der vor zwei Wochen stattgefunden Lesenacht in der Schule in den Schlaf geweint hatte. (Mir erzählte sie, sie sei innerhalb von einer Minute eingeschlafen.) Meine arme L.
Sie möchte es nach Weihnachten gleich nochmal probieren. E freut sich schon darauf. Und diesmal bekommt L auch ein Shirt von mir mit.
Was heute schön war:
Sushi.
Bevor ich am Vormittag nach Hause fuhr, hielt ich an der Tankstelle und betankte das Auto. Danach huschte ich fix in den Marktkauf und holte mir für das Mittagessen zwei kleine Packungen vom Eat Happy Sushi. Das war wieder sehr lecker.
Weihnachtsvorbereitungen.
Ich nutzte die Gunst der Stunde und packte in Ls Abwesenheit unter anderem ihre Geschenke ein. Anschließend teilte ich die Päckchen nach den an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag anstehenden Besuchen auf.
Kinobesuch.
Am späten Nachmittag hatte ich eine fast dreistündige Verabredung mit Napoleon im Kino. Zugegeben, diese war sehr brutal und blutig, dennoch konnte ich während des Films gut entspannen. Ich liebe historische Filme (und Bücher).
Seit ich Joaquin Phoenix als Joker sah, wollte ich ihn unbedingt nochmal in einer anderen Rolle sehen. (Am Abend zu Hause stellte ich fest, dass ich bereits mehr als zwei Filme mit ihm gesehen habe.)
Ich glaube, gelesen zu haben, dass es insgesamt sechs Stunden Filmmaterial gibt. Sobald Apple dieses zur Verfügung stellt, schaue ich mir den Film (oder dann die Serie?) “Napoleon” erneut an. Manche Schnitte im Film waren nämlich zu überhastet. Stellenweise hatte ich auch den Eindruck, hier und da fehlt etwas wichtiges in der Handlung.
Weihnachtsmarkt.
Nach meinem Date schlenderte ich über den Leipziger Weihnachtsmarkt, kaufte und futterte ein Knoblauchbrot, trank den ersten (und vermutlich für dieses Jahr letzten) alkoholischen Glühwein mit Heidelbeergeschmack und ließ mir am Süßigkeitenstand einen Schoko-Apfel einpacken, den ich zu Hause gleich aß.
Tagebuch – 15. Dezember 2023
AlltagsschnipselEine weitere schlafreiche Nacht lag hinter mir. Da L auch heute zum Auskurieren zu Hause blieb, konnte ich bis halb acht schlafen.
Mein Arbeitstag war sehr produktiv. Ich schaffte viel und bin optimistisch, kaum eine oder sogar gar keine Altlasten mit ins neue Arbeitsjahr zu nehmen.
Vormittags ließ ich L ein paar Matheaufgaben rechnen. Immerhin wird sie die gestern verpasste Klassenarbeit nächste Woche nachschreiben. Nachmittags übten wir beide für Deutsch.
Auch wenn heute Ls Ich-habe-keine-Lust-Tag war, war ich mit ihren Arbeitsergebnissen zufrieden.
Den Abend verbrachte ich in meinem Buch lesend und mit den Sprachübungen.
Was heute schön war:
Waffelfrühstück.
L hatte Appetit auf Waffeln zum Frühstück. Ich hatte auch nichts dagegen einzuwenden und bereitete uns welche zu. Ich finde es schön, dass unser Waffeleisen in letzter Zeit so oft zum Einsatz kommt.
Telefonat mit J.
Wir schafften es heute, fast drei Stunden lang miteinander zu telefonieren. Während ich J prima bei ihren Erlebnissen der letzten Wochen zuhören konnte, vervollständigte ich parallel dazu eine Arbeitstabelle mit wichtigen Zahlen.
Über die aktuelle Entwicklung im Leben einer gemeinsamen Bekannten freuten wir uns sehr, auch wenn die Betreffende sicherlich noch lange daran zu knabbern haben wird. Wir sind uns sicher, dass ihr Leben bald wieder bunter sein wird.
Kinobesuch.
Die Kinowerbung ging mir heute erstmals extrem auf den Kranz. Sie dauerte dreißig Minuten ohne (Eis)Pause. Bei Kinderfilmen ist es tatsächlich anders und von der Länge her noch angenehm.
L und ich schauten gemeinsam den Film “Wonka”, auf den L so gar keine Lust hatte. (Eigentlich wäre sie zu Besuch bei ihrer Schulfreundin E gewesen und ich alleine in den Film gegangen. Aber dann wurde L krank und ich kaufte kurzerhand eine Kinokarte nach.)
Nach dem schönen Familienfilm musste L zugeben, dass ihr die Geschichte gefallen hat. Der Film war somit nicht so schlimm wie zunächst befürchtet.

Weihnachtsmarkt.
Nach der Kinovorstellung liefen L und ich über den Leipziger Weihnachtsmarkt. Wir waren auf der Suche nach den Karussells von unserem letzten Besuch. Mir gelang es tatsächlich nicht, diesen Teil des Marktes wiederzufinden. Wir liefen somit planlos umher. Als wir plötzlich den Hauptbahnhof in der Ferne sahen, wusste ich, dass wir komplett falsch waren. Um den beginnenden Unmut des Kindes im Keim zu ersticken, kaufte ich ihr eine Bratwurst.
Wir schlenderten weiter durch die Innenstadt. Ich stellte fest, dass sehr viele Restaurants bis auf den letzten Platz belegt waren. Das ließ mich ein wenig grübeln. Offenbar geht es den allermeisten Deutschen wirklich gut genug, um ab und an ein Restaurant zu besuchen. Als wir kurz darauf ein tolles Sushi Restaurant mit Fließbandtisch entdeckten, trafen L und ich eine Abmachung. Wir wollen dieses Restaurant zum einen auch mal besuchen. Zum anderen wollen wir ab dem kommenden Jahr ab und an auswärts essen gehen. Wir leben jetzt. Wir essen beide gerne. Warum sollten wir uns nicht auch gelegentlich etwas Gutes tun dürfen?!
Ohne Karussellfahrten, aber satt und glücklich, machten wir uns gegen Viertel nach acht (Viertel neun) mit der S-Bahn wieder auf den Heimweg.
Tagebuch – 14. Dezember 2023
AlltagsschnipselErneut war es mir vergönnt, wunderbar und lange zu schlafen. Bereits halb neun gestern Abend machten wir das Licht aus. Ich wachte heute Morgen gegen halb acht auf, L schlief noch eine ganze Ecke länger.
Erstmals waren wir beide aber Viertel nach sechs (Viertel sieben) wach. L fühlte sich sehr schlapp und war immer noch blass, weshalb ich sie für den heutigen und morgigen Tag vom Schulbesuch abmeldete. Wir legten uns danach nochmal schlafen.
Neben der Klassenarbeit in Mathe, die sie vermutlich nächste Woche nachschreiben wird, verpasste sie leider auch den heute stattfindenden Theaterausflug mit ihrer Klasse. (Als L allerdings im Laufe des Tages merkte, in welches Stück sie gegangen wäre (Eine Weihnachtsgeschichte), war sie nicht mehr ganz so traurig. Sie fürchtet sich vor Ebenezer Scrooge und den drei Weihnachtsgeistern.)
Durch Ls erneuten krankheitsbedingten Ausfall fuhr ich somit am Vormittag nicht ins Büro nach Erfurt. Das war schon echt doof, denn zum einen war ich länger nicht dort, zum anderen hatte ich dringende To-dos auf dem Plan stehen, die größtenteils von meinem Kollegen/Freund M abgefangen werden mussten. Er schlug sich aber tapfer und berichtete am Abend stolz, dass er alle Weihnachtsvorbereitungen treffen konnte. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem.
Vermutlich soll L bereits nächste Woche in der Schule im Beisein der Lehrerin, die eine Zusatzausbildung im Bereich Lese-Rechtschreibschwäche hat, den Test zur Feststellung einer Rechtschreibschwäche absolvieren. Mmh. Das war am Montag im Gespräch mit der Lehrerin aber nicht so vereinbart worden. L signalisierte mir sehr deutlich, dass sie diesen Test nicht machen möchte. Nächste Woche nicht. Nächstes Jahr nicht. Überhaupt nicht.
Da mein krankes Mädchen heute sowohl wieder essen konnte, ohne sich zu erbrechen, und gegen Nachmittag sehr fit war, nutzte ich den glücklichen Umstand und bat sie, mir doch zwei Sätze zum Thema ihrer Wahl zu schreiben. Im Vorfeld gab ich ihr ein, zwei Tipps, die sie in Zukunft beim freien Schreiben beachten soll.
Tja, und siehe da: L schrieb lesbare und existierende Wörter und somit einen lesbaren und normalen altersgerechten Text. Bis auf ein Wort war sogar alles richtig geschrieben.
Es gibt also zwei Ls. Die in der Schule, die nach eigener Aussage “oft mit den Gedanken nicht bei der Sache ist”, und die zu Hause, der es viel Spaß macht, mit mir in ruhiger Umgebung wenige Minuten am Tag konzentriert zu üben. Spannend.
L bat mich nach unserer kurzen Übung erneut, bei der Grundschule um die Ecke anzufragen, ob sie so schnell wie möglich dorthin gehen darf. Ihr geht es sogar noch nicht mal um die nervenaufreibenden und sehr anstrengenden letzten viereinhalb Wochen, sondern vielmehr darum, dass an ihrer jetzigen Schule alle Kinder mit Ausnahme eines halben Dutzend blöd sind.
Nach dem Einkauf am frühen Nachmittag stellten wir auf dem Parkplatz des Supermarktes fest, dass ein schwarzer Wagen sehr ungünstig neben uns geparkt hatte. Ich fragte mich, wie der Fahrer aussteigen konnte. L konnte auf ihrer Seite jedenfalls nicht ins Auto einsteigen. Für den Fall, dass ich noch Kratzer im Lack meines Autos finde, machte ich ein Foto (siehe Titelbild). Ein wenig dumm dreist ist es schon, sein Auto so zu parken.
Was heute schön war:
Produktivität.
Nicht nur mein Arbeitstag, der neben einigen Meetings und Anfragen auch aus Planungen zum Jahresende bestand, war heute produktiv, sondern auch privat kam ich bei den Weihnachtsvorbereitungen sehr gut voran.
Weihnachtsbäckerei.
Am Abend entschieden L und ich, endlich ein paar Plätzchen zu backen. Beim ersten Blech half mir L noch sehr begeistert mit. Bei den noch folgenden drei Blechen hatte sie sich bereits ins Kinderzimmer verkrümelt. In der gesamten Wohnung duftete es herrlich weihnachtlich.
Tagebuch – 13. Dezember 2023
AlltagsschnipselEndlich! Endlich konnte ich wieder durchschlafen.
In den letzten Tagen hatte mein Gehirn erste Anzeichen von Vergesslichkeit. Schlafmangel oder -störungen sollten echt nicht unterschätzt werden.
Heute Vormittag standen einige Meetings auf dem Plan. Davor und danach konnte ich konzentriert an Finanzthemen arbeiten.
Nach dem Mittagessen und eine Viertelstunde vor Start der Retrospektive in einem der Projekte, die ich als Scrum Master leite, rief die Schule an. L, die über Bauchschmerzen klagte, möge bitte abgeholt werden. Mit einem blassen Kind fuhr ich wenig später im Auto nach Hause. Unterwegs erbrach sie sich ins Auto. Über den weiteren Tag verteilt, musste sie noch zweimal spucken.
Was heute schön war:
Morgenspaziergang.
Ein paar Minuten am Morgen lief ich an der milden Luft in der Nähe von Ls Schule umher, ehe ich mich ins Homeoffice begab.
Retrospektive.
Unkompliziert konnte ich mit Zustimmung des gesamten Teams die letzte Retrospektive um eine halbe Stunde nach hinten verlegen.
Es war schön, mit allen erneut die Themen zu erörtern, die nicht optimal laufen und verbessert werden können. Allerdings blieb es in der Kernaussage dabei: Die äußeren Umstände überwiegen. Gewünscht wurden sich mehr Entwicklungskapazitäten und ein Jahresauftakt. Letztgenanntes dürfte sich leicht erfüllen lassen.
Badewanne.
Am späten Nachmittag wärmte ich mich im warmen, duftenden Wasser in der Badewanne auf und entspanne ein paar Minuten.
