Drei Jahre ohne M

Persönliches

Heute ist Ms dritter Todestag. Es ist erschreckend, wie schnell mehr als eintausend Tage ohne ihn vergangen sind. Für mich ist diese Zeitspanne – gesehen auf meine fünfunddreißig Jahre – eher kurz, aber L hat fast ihr halbes Leben ohne ihren Papa verbringen müssen.

Wir haben gut in den Alltag und ins Leben zurückgefunden. L und ich haben unsere ganz eigene Meinung bezüglich Ms „Verbleib“. Das mag ich hier gar nicht ausführlicher beschreiben, da der oder die ein oder andere uns ansonsten für verrückt erklärt. Dennoch glauben wir beide daran, dass M über uns wacht und uns in schweren Situationen beisteht, zumindest aber hin und wieder „ein Auge“ auf uns hat. In unserer Vorstellung ist er selbstverständlich bei Prinzi.

In den letzten Jahren ist sehr viel passiert. Die größte Änderung war vermutlich unser Umzug von Erfurt nach Markkleeberg im letzten Juli.

L beispielsweise …
… ist nun kein Kindergartenkind mehr, sondern geht zur Schule
… hat die erste Klasse ganz toll gemeistert
… hat viele neue Freundinnen und einen Freund gefunden
… durfte sich im Malen und Kindertanz ausprobieren, um festzustellen, dass beides noch nicht das richtige Hobby für sie ist
… ist sehr emphatisch ihren Mitmenschen gegenüber.

Auch ich habe mich verändert. Zum Beispiel …
… fahre ich mittlerweile sehr viel Auto. Ohne zu meckern oder zu zögern, fahre ich über sämtliche Autobahnen des (Aus-)Landes. Das gab es zu Ms Lebzeiten nur unter großem Protest, weil ich einfach zu viel Angst hatte.
… manage ich unseren Alltag und die Freizeit nun komplett alleine. (Ich hatte aber schon immer die meiste Verantwortung.) Ich kümmere mich um nahezu alles, was so anfallen kann, alleine. Egal in welchem Bereich. Eine Ausnahme bildet aktuell das Aufhängen von Lampen und Anschließen elektrischer Geräte. Davor habe ich im Moment noch zu großen Respekt.  

Auch wenn M vielleicht die ein oder andere Entscheidung, die ich beziehungsweise wir gefällt haben, nicht nachvollziehen könnte, bin ich überzeugt, dass er sehr stolz auf L und mich wäre, könnte er uns heute sehen.

Er fehlt mir nach wie vor in sämtlichen Lebenslagen. Ich mag nicht seit drei Jahren verwitwet sein, lieber wäre ich noch immer seine Ehefrau. Auch wenn ich im Alltag gut alleine zurechtkomme, gibt es immer wieder Momente, in denen ich mir wünschte, nicht alle Entscheidungen alleine treffen zu müssen. In der Nachbetrachtung ist es kein Wunder, dass mich vor allem 2021 und 2022 die psychosomatischen Schmerzen und Burnout-Symptome heimgesucht hatten. Es ist einfach ein Kraftakt, für alles verantwortlich zu sein.

Mit den Träumen, die M und ich im Laufe unserer Beziehung hatten und die mit seinem Tod geplatzt sind, komme ich immer besser klar. Ich habe viele davon begraben, akzeptiert, dass sie sich niemals erfüllen können, oder umgewandelt in für L und mich realistische Träume. Dennoch möchte ich nicht leugnen, dass ich ab und an in Selbstmitleid verfalle. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht nach kurzer Zeit aus meiner Trauer wieder herausfände. Das Leben ist immer noch lebenswert.

Ich habe gelernt, dass es unmöglich ist, L sowohl Mama als auch Papa zu sein. Ich habe gelernt, meine Trauer zuzulassen, egal wann und an welchen Orten sie kommt. Ich hatte vor einer Weile beispielsweise eine Phase, da überfiel mich auf der Fahrt ins Büro nach Erfurt der Schmerz, also weinte ich vor mich hin, während ich über die Autobahn fuhr. Im Moment triggert mich Musik sehr stark. Dieser Thematik fühle ich mich noch nicht gewachsen. So gern ich wieder im Orchester spielen würde, so sehr weiß ich, dass der Moment dafür noch nicht gekommen ist.

Egal was die Zukunft für L und mich noch bringen mag, M wird immer in unseren Herzen sein.

 

Ein Gedanke zu “Drei Jahre ohne M

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