L wachte für meinen Geschmack viel zu früh auf. Unser Tagesprogramm war ziemlich straff, sodass eine Stunde mehr Schlaf uns beiden gutgetan hätte. Ändern konnte ich es natürlich nicht mehr.
Wir blieben noch gut eine Stunde im Bett liegen, ehe ich Viertel vor neun im Bad verschwand und mich zurechtmachte. Vorher bereitete ich für L und mich zum Frühstück einen Obstsmoothie zu und packte den Rucksack für unsere Fahrt.
Wir fuhren kurz vor zehn in Richtung Südplatz und parkten das Auto in der Nähe von H und D, bei denen wir ab dem späten Nachmittag eingeladen waren. Anschließend nahmen wir die Tram zum Leipziger Hauptbahnhof. Pünktlich fuhr unser ICE nach Erfurt. L und ich bekamen sogar je einen Sitzplatz.
Als letzte Gäste trudelten wir kurz vor zwölf Uhr im Waldkasino ein. Anlass war der 80. Geburtstag meiner Oma. Wir begrüßten die knapp zwanzig Gäste, stellten fest, dass meine Eltern getrennt saßen und verkrümelten uns in die hintere Ecke der Tafel zu meiner Mama. L futterte Spaghetti mit Tomatensoße und ich einen vegetarischen Hamburger. Nach dem Essen gingen L und ich auf den zum Waldkasino gehörenden Spielplatz. Es tat gut, die warme Luft einzuatmen. Meine Tante und ihre Tochter waren auch draußen, sodass wir uns ein wenig unterhalten konnten. Mit den anderen Verwandten war mir das leider aufgrund der Tischkonstellation kaum möglich.


Halb vier fuhren L und ich pünktlich mit dem Zug zurück nach Leipzig. Einen Sitzplatz bekamen wir diesmal nicht. Wir machten es uns so gut es ging auf unseren Jacken auf dem Fußboden bequem und spielten Ls neues Spiel Dobble.

Bei H und D kamen wir mit Einbruch der Dunkelheit an. Ein Freund war bereits da, J kam gegen halb sechs. Die Zeit bis zu Js Ankunft nutzte L, um ihre überschüssige Energie loszuwerden. Sie war überdreht, quasselte ohne Pause und turnte auf allen Möbelstücken herum. Dann war es offenbar auch wieder gut und sie war wieder wie immer.
Wie bereits im letzten Jahr saßen wir sechs um mein Raclette Set herum. Wir hatten Essen für locker zwölf Personen. Es war unglaublich lecker, zumal J Pizzateig mitbrachte. Wir futterten und futterten, bis irgendwann wirklich niemand mehr sein Pfännchen befüllen wollte.
Nach dem vielen Essen spielten wir Andor Junior. Das Spiel bekam L zu Weihnachten von J geschenkt. Nur weil wir unsere Strategie überdacht und angepasst hatten, schafften wir es gemeinsam, den Drachen zu besiegen und die drei Wolfsjungen zu befreien. Das Spiel ist sehr anspruchsvoll, macht aber großen Spaß. L war sehr konzentriert dabei. Danach spielten wir noch einige Runden Dobble. Es eskalierte aber sehr schnell und wir wurden lauter und lauter. L, D und ich kamen kaum noch hinterher, weil die Männer das Spiel viel zu ernst nahmen. Erst als die arme L zu weinen begann, besannen sich alle wieder darauf, dass es sich bei Dobble um ein Kinderspiel handelt.




Kurz nach 22 Uhr machten uns L und ich auf den Weg nach Hause. Mit großer Begeisterung schauten wir den ersten Feuerwerken zu, tranken dabei etwas Kindersekt und knabberten Puffreis. Bis Mitternacht las ich, während L noch ein wenig fernsehen wollte.
Um Mitternacht stießen wir an, wünschten uns für das neue Jahr das Allerbeste, schauten nochmals begeistert aus dem Dachfenster und gingen halb eins rum schlafen.
Ein gesundes, glückliches, frohes und spannendes neues Jahr wünsche ich allen!
