Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 1

Alltagsschnipsel

Unsere erste Nacht zu dritt, die wir nicht bei uns unten in der Wohnung, sondern im Gästezimmer bei C und A verbrachten, verlief ruhig und störungsfrei. L schlief vierzehn (!) Stunden, ich um die acht. Als ich 06:30 Uhr rum erstmals erwachte, dachte ich sofort an M und musste wieder weinen.

Wir aßen halb zehn gemeinsam Frühstück. Ich konnte heute bereits schneller/besser essen. Gestern war mir immerzu schlecht. Das war heute zum Glück schon wieder anders.

Noch im Schlafanzug flitzte ich um zehn durchs Treppenhaus und ließ erst Ms Mama, kurz darauf auch Ms Papa in unsere Wohnung herein. Im Bad kleidete ich mich anschließend an. (Ich wählte wieder schwarz. Ich habe noch keine Meinung zu meiner Farbwahl in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten … Die Anzahl meiner schwarzen Kleidungsstücke ist zudem auch überschaubar.) L wollte lieber oben bei C und A bleiben.

Als Ms Schwester mit dem kleinen Baby kam, setzten wir uns im Esszimmer zusammen und klärten vorab die für uns wichtigen Punkte. Viertel vor elf betrat der Bestatter unsere Wohnung. Zweieinhalb Stunden organisierten wir gemeinsam die Trauerfeier und Urnenbeisetzung, die am 22. Juli stattfinden werden. Ms Eltern verloren hin und wieder den Fokus und schweiften thematisch ab. Da ich sie nun allerdings schon über acht Jahre kenne, atmete ich tief ein und ließ es gut sein. Immerhin haben sich die beiden nicht die Köpfe eingeschlagen. 

Wir aßen zu siebt oben Abendbrot. Das war sehr schön, auch wenn ich schauen sollte, dass sich Ls Tischmanieren wieder denen eines vierjährigen Kindes anpassen. Aktuell erinnert sie mich an ein Baby mit ersten eigenständigen Versuchen der Nahrungsaufnahme.

Am späten Abend las R den drei Kindern, darunter auch L, eine Gutenachtgeschichte vor. ❤

Was heute schön war:

Telefonat mit einem Investor.
Ich werde kämpfen! Für meinen M! Als halb elf ein potenzieller Investor anrief und zumindest optimistisch klingende Neuigkeiten verkündete, kullerten bei mir kleine Freudentränen. Auch wenn ich noch nicht weiß, was auf mich zukommt, weiß ich es dennoch sehr zu schätzen, dass er alles daran setzen will, Ms Lebenswerk zu retten. Am Freitag treffen wir uns für mögliche Wege in eine bessere (?), zumindest andere berufliche Zukunft.

Zuwachs.
Am Nachmittag trudelten R und seine zwei Jungs T und J bei uns ein. L war fünf Minuten schüchtern und versteckte sich hinter meinem Rock, taute aber schnell durch den ihr gereichten Smarties-Keks auf und ward dann viele Stunden bis zum Abendessen nicht mehr gesehen. Sie hatte wirklich großen Spaß mit den beiden und spielte/lachte/erzählte viel mit ihnen.

Besuch.
Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J besuchte mich heute Nachmittag wieder. ❤ Wir gingen mit Prinzi spazieren, der sich tatsächlich darüber zu freuen schien, und quatschten anschließend bei uns im Garten über Gott und die Welt. Ich danke ihr sehr!

Telefonat mit M.
Mein lieber Bruder ist immer für mich da. Sowas ist nicht selbstverständlich. Ich danke ihm sehr für das einstündige Telefonat am Abend. Wir haben ausschließlich über meinen M gesprochen bzw. ging es immer um Themen rund um sein Leben.

2 Gedanken zu “Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 1

  1. Avatar von Beamtenseele

    Mein Beileid!
    Was ist passiert? Vor einigen Tagen hast du noch optimistisch geschrieben dass er immer fitter wird? Ging es jetzt auf einmal so schnell?
    Fühl dich ganz feste gedrückt!

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    1. Avatar von Martin

      Vielen Dank. Das ist wahr, dass ich bzw. M optimistisch war. Allerdings war sein Körper bereits sehr geschwächt. Sein Lebenswille war hingegen ungebrochen. Es ging am Morgen des 7. Juli (unerwartet) sehr schnell.

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