Mein lieber M,
es ist Weihnachten. L und ich begehen die besinnlichen Tage mittlerweile das fünfte Mal ohne dich. Wir verbringen das Fest in Erfurt und haben uns für mehrere Tage bei meinen Eltern einquartiert. Unsere beiden Kaninchen Elli und Waltraud haben wir mitgenommen.
Bis vor wenigen Tagen musste ich ein Antibiotikum einnehmen, da ich mir eine bakterielle Infektion, vermutlich eine Seitenstrangangina eingefangen hatte. Der Winter ist für Erkältungen und Infekte jedweder Art voll meine Zeit. Ich erkenne mit Blick auf die Vorjahre zumindest allmählich ein Muster.
Von uns beiden warst immer du der Autofanatiker. Dich wird es somit freuen zu hören, dass L und ich bald einen vollelektrischen Nissan Ariya nutzen dürfen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich das Laden im Alltag gestalten und in den Tagesablauf integrieren wird.
In den letzten Wochen ist mir vermehrt aufgefallen, wie geizig ich in Bezug auf mich selbst geworden bin. Ich liebe es, die Wünsche meiner Mitmenschen zu erfüllen oder ihnen eine kleine Freude zu bereiten. Geht es aber um mich selbst, werde ich komisch und hinterfrage eine Ausgabe fast schon krankhaft oft. Es kostet mich ungemeine Überwindung, mir etwas zu gönnen, und sei es nur ein Paar Socken, weil das alte durchlöchert ist.
Ab sofort will ich dieses Verhalten beobachten. Die Devise lautet: Sparsamkeit ja, Geiz nein.
Um gleich mit diesem neuen Vorsatz zu beginnen, upgrade ich mein Duolingo Abonnement ab Januar auf die höchste Stufe. Ich kann dann mit einer KI sprechen und verliere so hoffentlich sukzessive meine Hemmungen davor, mich mit Leuten in einer anderen Sprache zu unterhalten.
Seit Heiligabend ist mein Blog zehn Jahre alt! Viel ist in dieser Zeit passiert. Schönes wie trauriges. Ein Jahrzehnt voller Erinnerungen. Hier festgehalten.
Deine Katja
Persönliches
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
das Jahr neigt sich nun mit schnellen Schritten seinem Ende entgegen. Nur noch vier Arbeits- und Schulwochen liegen vor L und mir, ehe es in den wohlverdienten und bereits sehnsüchtig erwarteten Weihnachtsurlaub geht.
In letzter Zeit sagt L öfter, dass sie ihr Leben liebt und sich hier bei mir wohl fühlt. Solche Äußerungen freuen mich ganz besonders, zweifle ich doch regelmäßig an meinen Fähigkeiten als Mama. Offenbar scheine ich nicht alles falsch zu machen.
Im kommenden Jahr möchte ich mit der Trauerarbeit beginnen. Ich fühle, dass die Zeit dafür gekommen ist. Bestandteil dieses Prozesses wird auch die Analyse meiner Persönlichkeit sein. Ich möchte für mich festlegen, wer und wie ich sein will.
Ein Auslöser zu diesem Entschluss sind Ls Bemerkungen, ich sei viel zu lieb und nett für diese Welt. Diese Aussage brachte mich ins Grübeln. Wenn eine Achtjährige, der ich durch mein Handeln und meine Worte anderen Menschen gegenüber ein gutes Vorbild sein will, feststellt, dass ich mir zu viel gefallen lasse, wird etwas Wahres dran sein. Ich höre diese Worte nicht zum ersten Mal, jedoch haben sie für mich eine ganz andere Gewichtung, wenn sie von L kommen.
Natürlich möchte ich auch in Zukunft weiterhin nett zu meinen Mitmenschen sein. Aber es schadet sicher nicht, wenn ich lerne, mich besser durchzusetzen, meinen Standpunkt zu verteidigen und mit mehr Nachdruck meine persönlichen Ziele zu erreichen.
Seit dem 12. November liegt mein geliebter Renault Megane, der kürzlich erst vier Jahre alt wurde, lahm. Das Getriebe ist defekt. Die Werkstatt teilte mir nun mit, dass eine Reparatur des Dienstwagens alles in allem achtzehntausendfünfhundert Euro kostet. Ich bin gespannt, wie sich die Firma entscheiden wird. Streng genommen liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor.
Von jetzt auf gleich ist es natürlich nahezu unmöglich, ein Ersatzfahrzeug aufzutreiben. L und ich sind also wieder auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Wir büßen zwar unseren Komfort ein, die Welt geht davon aber nicht unter. Nur für den anstehenden Weihnachtsbesuch im Dezember wünsche ich mir sehnlichst ein Fahrzeug.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
ich habe kürzlich in einem Bericht gelesen, dass in Deutschland die Zahl der Milliardär*innen angestiegen ist. Milliardär*innen! Diese Vermögen sind so unglaublich weit weg von denen des einfachen Volks. Sicherlich wird es darunter die ein oder andere Person geben, die sich das Geld durch harte Arbeit verdient hat. Die allermeisten werden es dennoch vererbt bekommen haben.
Solche Berichte gehen mittlerweile nicht mehr spurlos an mir vorbei. Sie bestärken mich sogar darin, im Umgang mit dem L und mir zur Verfügung stehenden Geld nichts falsch zu machen. Ich führe seit 2022 eine strenge und centgenaue Finanzplanung, spare wenn möglich jeden Euro, hinterfrage mittlerweile die Notwendigkeit eines jeden Einkaufs und bin dennoch darauf bedacht, das Hier und Jetzt nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Ein kleiner Teufelskreis. Das alles zusammen gestaltet sich nämlich seit einigen Monaten immer schwieriger. Das Geld ist immer weniger wert und es fällt mir zunehmend schwerer, uns guten Gewissens etwas Schönes zu gönnen. Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zu einer knauserigen Frau, die vergessen hat zu leben.
Oft wird gesagt, dass jede Person ihres eigenen Glückes Schmied ist. Dem kann ich nicht zu einhundert Prozent zustimmen. Seit einer Weile überlege ich, mir einen Minijob zu suchen, um ein paar Euro hinzuzuverdienen. Ich merke aber, dass hierfür die Zeit noch nicht gekommen ist. L kann nach wie vor nicht alleine zu Hause bleiben. Zudem bin ich nach meinem Arbeitstag und der Rolle als Vollzeit-Mama ohne Pause oft sehr erschöpft. Ich spüre zwar, dass sich mein Körper und Geist von dem großen Trauma allmählich erholen und ich mir sukzessive wieder mehr zumuten kann und sollte, ich bezweifle aber, dass es richtig ist, mir aktuell noch mehr Arbeit aufzubürden. Im kommenden Jahr möchte ich mich intensiv der Trauerarbeit widmen. So bleibt der Gedanke des Nebenjobs also vorerst ein Zukunftsthema.
Es ist schwierig, in Zeiten von Instagram, YouTube und TikTok bodenständig, bescheiden und rundum zufrieden zu bleiben. Auch wenn ich nichts davon nutze, bekomme ich durch Erzählungen oder ungefragte Werbung mehr als genug vom vermeintlich schillernden Leben der anderen mit. L mittlerweile ebenso. Tatsächlich prallen viele solcher Einblicke in diese Luxus-Leben bereits erfolgreich an mir ab. Ich bin glücklich und mag mein Leben so wie es ist. Dieser Schnickschnack passt nicht zu mir.
Mich werfen jedoch ungeplant hohe Zusatzausgaben aus der Bahn. Wie jede andere Person, die zur Miete wohnt, zahle ich monatlich für die Nebenkosten, den Strom und einen zweiten Strombetrag für unsere Nachtspeicherheizung. Wenn ich bei den jährlichen Abrechnungen schließlich mit Nachzahlungen von insgesamt eintausend Euro konfrontiert werde, frage ich mich wirklich, was hier schief gelaufen ist. Ich hoffe sehr, dass die Nachzahlungen im kommenden Jahr deutlich geringer ausfallen.
Unsere liebe L lebt nun genauso lange ohne dich wie mit dir. Das ist traurig. Die letzten vier Jahre und dreieinhalb Monate sind sehr schnell vergangen. Viel ist passiert und viel wird in den nächsten Jahren noch geschehen. Ich wünsche mir, gesund zu bleiben und alles miterleben zu dürfen.
Ich bin dankbar, dass es Fotos und Videos gibt. So haben wir beide jederzeit die Möglichkeit, in Erinnerungen zu schwelgen, deine Stimme zu hören und dich niemals zu vergessen.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
es ist Herbst geworden. Die Tage werden sukzessive kürzer. L und ich merken das vor allen Dingen morgens, wenn es beim Aufwachen noch stockdunkel ist. Abends stört es uns beide bisher nicht, auch wenn wir zeitiger müde werden und uns früh in die Betten kuscheln.
Wenn auch spät im Jahr bin ich dennoch glücklich, alleine und gemeinsam mit L die ein oder andere kleine Runde auf dem Fahrrad unternommen zu haben.
Für das kommende Jahr will ich unsere Fahrräder unbedingt zeitiger startklar machen. Wir haben hier so viele schöne Fahrradwege, die stellenweise direkt hinter unserem Wohnhaus beginnen. Es wäre doch zu schade, diese nicht zu erkunden.
Die Drei-Tages-Fahrt, an der L Anfang des Monats teilgenommen hat, lief wesentlich besser als das Schwimmlager im Frühjahr. Am ersten Abend hat sie laut eigener Aussage sehr viel geweint und wollte nach Hause, dafür floss am zweiten Abend keine einzige Träne. Das ist ein großer Fortschritt.
Unabhängig davon merke ich, dass L einen Entwicklungssprung gemacht hat. Schule und Schulaufgaben sind ihr wichtiger geworden. Sie hängt sich gerade richtig ins Zeug. Bisher brauchten wir seit Schulbeginn abends und an den Wochenenden nicht viel nacharbeiten, aber in den wenigen Situationen, in denen es erforderlich war, teilte sie es von sich aus mit und arbeitete konzentriert, zügig und ohne Schreianfall. Ich behaupte auch, ihre Rechtschreibung ist (fast) auf dem Stand der anderen Klassenkamerad*innen angekommen.
Schade ist allerdings, dass Ls wenige Schulbücher kaum genutzt werden. Die Seiten sind wie schon in Klasse zwei so gut wie leer. Ich frage mich wirklich, was die Kinder den lieben langen Tag im Unterricht lernen, denn auch bei den anderen sind die Hefte leer.
Aktuell bin ich auf der Suche nach einer guten Balance zwischen Sparen und am (gesellschaftlichen) Leben teilhaben. Mal wieder.
Nichtsdestotrotz besuchen L und ich Dresden-J im Oktober für eine Nacht. Ich habe sie das letzte Mal vor über zwei Jahren gesehen. Es wird wirklich Zeit, das zu ändern. In Ls Herbstferien werden wir auch die ein oder andere schöne Unternehmung machen. Da wird das Sparbuch wohl oder übel ein wenig geschmälert werden müssen.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
die Optimierung meiner Finanzplanung trägt erste Früchte: L und ich gehen wieder sparsamer durchs Leben, gönnen uns hier und da aber dennoch kleine Alltagsfreuden, wie beispielsweise ein leckeres Eis. Ich habe zudem drei Abonnements gekündigt. Zwei davon enden noch am Ende dieses Monats. Somit haben wir dadurch ein paar Euro mehr im Monat zur anderweitigen Verfügung zurückgewonnen. In der Rückschau betrachtet, waren die drei Abonnements in den letzten Monaten wirklich reine Geldverschwendung.
Unsere L fährt Mitte September auf Klassenfahrt. Diesmal ist es nur eine Drei-Tages-Fahrt mit zwei Übernachtungen. Der Ort ist lediglich zwanzig Autominuten von unserer Wohnung entfernt. Sie hat große Lust mitzufahren. Ich wünsche ihr sehr, dass die Erlebnisse diesmal durchweg positiv sind und die negativen Erinnerungen an das Schwimmlager überschrieben werden.
Weil ich so gerne plane, mache ich mir bereits erste Gedanken zu unserem Sommer 2025.
Meine Eltern wollen im Juli eine Woche an die Ostsee fahren. In dieser Zeit passen wir auf die beiden Rosellasittiche auf. Elli und Waltraud werden wir dann mit nach Erfurt nehmen. Für diese Juli-Woche werde ich ebenfalls Urlaub beantragen. So können L und ich jeden Tag etwas Schönes in unserer alten Heimat unternehmen und Freunde und Familie treffen.
Ob wir im kommenden Sommer überhaupt verreisen werden, glaube ich derzeit nicht. Mir gefällt momentan der Gedanke sehr, die Region zu erkunden. Leipzig und sein Landkreis haben noch so viel zu bieten, das L und ich noch nicht gesehen haben. Das würde ich im nächsten Jahr gerne ändern.
Nach über vier Monaten Bearbeitungszeit und etlichen Rückfragen kam Anfang des Monats mein Einkommenssteuerbescheid für 2023. Ich freute mich sehr über die nette Erstattung. Einen Teil des Geldes werde ich nutzen, um Ls Klassenfahrt zu bezahlen. Der Restbetrag ist bereits auf das Sparbuch gewandert.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
L und ich sind zurück aus Italien. Wir hatten zwei wunderschöne, entspannte Wochen, bei jeder Mahlzeit einen herrlichen Blick auf den Gardasee und drei große Pools, die wir nach Belieben abwechselnd besuchen konnten und sogar oft ganz für uns alleine hatten.
An die engen italienischen Straßen habe ich mich schnell gewöhnt. Ich kann gut nachvollziehen, weshalb die Italiener*innen kleinere Fahrzeuge bevorzugen.
Sowohl auf unserer Hin- als auch auf der Rückreise kamen wir jeweils in ein Unwetter mitten auf der Autobahn mit Starkregen und sogar einem Gewitter über uns. Ich bin stolz auf mich, die Strecken ganz alleine unfallfrei gefahren zu sein.
Sollten L und ich im nächsten Jahr ein paar Tage im Sommer wegfahren, möchten wir in Deutschland bleiben. Vielleicht finden wir sogar eine kleine Unterkunft, zu der wir Elli und Waltraud mitnehmen können. Wir haben die beiden nämlich sehr vermisst.
Von den Italiener*innen in unserer Apartmentsiedlung wurde ich indirekt angespornt, weiterhin beim Erlernen von Fremdsprachen (über die Duolingo App) am Ball zu bleiben. Viele sprachen entweder ein sehr gutes Deutsch oder Englisch. Mir hingegen fiel es sehr schwer, vernünftige Sätze in Englisch, geschweige denn in Italienisch hervorzubringen. Mir war es stellenweise sehr unangenehm, wie holperig meine Sätze aus meinem Mund kamen und wie gering mein Wortschatz ist.
Im Urlaub merkte ich, wie zufrieden ich mit meinem Leben bin und spürte eine tiefe Dankbarkeit. Nicht bei jedem Arbeitgeber lässt sich das Familien-/Privatleben so gut vereinbaren mit der beruflichen Tätigkeit und auch nicht überall ist man so offen für sämtliche Weiterbildungsvorschläge. Schon nach einer Woche wurde mir klar, dass ich gar nicht so weit von zu Hause hätte wegfahren müssen. Das Schöne findet sich auch direkt vor unserer Haustür. Aus diesem Grund möchte ich L ab sofort etwas mehr von Deutschland zeigen.
Ich bin emotional und geistig noch absolut nicht bereit für den Start des neuen Schuljahres. L kommt nun in die dritte Klasse, dabei war vorgestern doch erst ihre Einschulung. Es ist erschreckend, wie schnell die ersten beiden Schuljahre verstrichen sind.
Ich möchte ein paar Dinge im neuen Schuljahr ändern. Zu allererst meine Einstellung. Nicht ich besuche die Grundschule, sondern L. Ich werde ihr weiterhin helfen wo ich kann, für Tests und Klassenarbeiten mit ihr üben, privat die Thematik rund um die Lese-Rechtschreibschwäche fördern und sie zum Lesen ermutigen. Hier kommt aber ein großer neuer Punkt hinzu: Ich mische mich mit wenigen Ausnahmen nur in Ls Schulalltag ein, wenn sie mich explizit darum bittet. Ich möchte, dass L versteht, dass sie sich anstrengen und immer ihr Bestes geben soll, dass Schule allerdings „nur“ EIN Teil ihres Lebens ist und nicht der einzige Lebensinhalt.
Und sind wir mal ehrlich? Was soll denn schlimmes passieren? Notfalls wiederholt sie eben das Schuljahr, wenn ihr der Unterrichtsstoff um die Ohren fliegt. Davon geht die Welt nicht unter.
Seit ein paar Tagen äußert L vermehrt den Wunsch, in ihrem eigenen Bett zu schlafen. Was für andere Kinder von acht Jahren längst eine Selbstverständlichkeit ist, ist bei uns schon lange ein sehr großes Thema. Vor vielen Jahren schlief L in ihrem eigenen Bett, damals mit einer Einschlafbegleitung. Nun ist ihr Leben allerdings ein wenig anders verlaufen als das der meisten Kinder. Ihr emotionales Alter liegt derzeit bei etwa vier Jahren. Ihr Urvertrauen, welches mehrfach erschüttert wurde, muss sich erst wieder aufbauen. Ich unterstütze sie dabei, wo ich nur kann.
Nach einigen gescheiterten Versuchen klappte es nun gestern mithilfe ihrer Schulfreundin CE. Die beiden Mädchen schafften es, gemeinsam in Ls Bett einzuschlafen. CE hat schon öfter bei Freundinnen übernachtet. Für L war das ein wichtiger Schritt. Ich bin sicher, dass sie sehr stolz auf sich ist, es nach all der Zeit wieder geschafft zu haben. Ich bin schon auf die nächsten Abende gespannt.
Aufgrund von zahlreichen Hasskommentaren und einer toxischen Stimmung zwinge ich mich seit einigen Tagen wieder zu einer kompletten Facebook-Abstinenz. Ich merkte in den vergangenen Wochen, wie mich die angezeigten Artikel und dazugehörigen Kommentare in meiner Denkweise beeinflusst und verändert haben. Ich sah die Welt plötzlich nahezu durchgängig als einen bösen und sehr schlechten Ort an. So möchte ich allerdings nicht leben. Es gibt sehr viele positive Dinge. Ich muss nur genauer hinsehen und mich von anderen Menschen, die nicht so denken und ihren Mitmenschen rein gar nichts gönnen, fernhalten.
Deine Katja
Vier Jahre ohne M
Persönliches“Die Zeit heilt nicht alle Wunden, sie lehrt nur, mit dem Unbegreiflichen zu leben.”
Rainer Maria Rilke
Dank Dresden-J und meiner eigenen Wahrnehmung in den letzten vier Jahren kann ich der obigen Aussage nur zustimmen. Die Zeit heilt rein gar nichts, wenn man nicht an sich arbeitet.
Durch einen sehr vollen Alltag bin ich bisher nicht allzu weit in der Verarbeitung meiner Trauer um M gekommen. Es vergeht nach wie vor kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke oder mit L über ihn spreche. Ich tue sehr viel für einen gesunden Körper und Geist, ernähre mich weitestgehend gesund, treibe Sport und versuche, lang anhaltende Stressphasen zu vermeiden. Dennoch stehe ich erst am Anfang. Und das ist okay. Ein Schritt nach dem anderen.
Gerade in den letzten Monaten fehlte M mir sehr. Zwar bin ich an den (schulischen) Herausforderungen rund um L gewachsen und stärker geworden, dennoch fehlt mir eine Schulter zum Anlehnen und das Gefühl, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. M hätte L anders motivieren und aufbauen können, als ich es tue und bisher getan habe. Ich mache so viel falsch in der (V)Erziehung unseres Kindes und muss mich öfter daran erinnern, innezuhalten, durchzuatmen und positiv denkend zu bleiben. Ich tue mein Bestes und will für L nur das Beste. Das wird reichen müssen. Ich bin kein ganzes Dorf, sondern nur eine Einzelperson.
M ist nun fast halb so lange nicht mehr bei mir wie unsere Beziehung insgesamt andauerte. Wir hatten noch so viel vor. Es fällt mir nach wie vor nicht leicht, gemeinsame Träume und Hoffnungen ziehen zu lassen und zu akzeptieren, dass mit nur einem Einkommen derselbe Lebensstandard nicht gehalten werden kann. Ich bin sparsam. Aber ich möchte auch leben und etwas von der Welt sehen. Das muss doch irgendwie zusammenpassen.
Für das kommende Jahr möchte ich weiter an mir arbeiten. Ich will tiefer in die Trauerarbeit einsteigen, gelassener hinsichtlich Ls schulischer Demotivation werden und mit einem ersten kleinen Projekt versuchen, L und mich finanziell stabiler aufzustellen. Das Leben ist zu kurz für ständiges Aufschieben, miese Laune und graue Haare.
M, du fehlst uns! L und ich sind uns aber sicher, dass du oft ein Auge auf uns wirfst und uns von wo auch immer beschützt.
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
in diesem Monat wurde mir aufgrund unvorhergesehener Zusatzausgaben deutlich vor Augen geführt, dass L und ich in letzter Zeit ziemlich verschwenderisch gelebt haben. Aus diesem Grund möchte ich nach unserem Sommerurlaub damit beginnen, unsere Finanzen noch besser im Blick zu behalten, beispielsweise die Sparbuchrate erhöhen und überwiegend Freizeitaktivitäten wählen, die uns nicht schon Mitte des Monats in ein finanzielles Ungleichgewicht bringen.
Unseren Herbsturlaub habe ich bereits storniert. Da es L und mir ohnehin schwer fallen wird, Elli und Waltraud in die Tierpension zu geben, ist das überhaupt nicht schlimm. Wir machen es uns einfach zu Hause gemütlich und erkunden die sächsische Gegend. Auch im kommenden Jahr werde ich sehr genau abwägen, ob wir uns einen Urlaub leisten wollen.
Umso mehr werden wir den diesjährigen Sommerurlaub in vollen Zügen genießen, der ebenfalls auf der Kippe stand. Der rebellische Teil in mir sah es überhaupt nicht ein, den vor anderthalb Jahren geplanten Urlaub zu stornieren. Meine Vorfreude war einfach zu groß. Und Dank der unvorhergesehenen Großzügigkeit meines Umfelds ist es sogar möglich, dass wir ihn sorgenfrei antreten können. Ich wurde nämlich zum Geburtstag sehr reich beschenkt. Ein Großteil des Geldes ist zwar auf dem Sparbuch gelandet, ein kleiner Teil ermöglicht es uns aber nun, ein paar Tage in der Ferne auszuspannen und abzuschalten. Ich empfinde große Dankbarkeit und Demut und weiß, dass nichts hiervon selbstverständlich ist.
Von Ls Ergotherapiestunden und der Ergotherapeutin bin ich nach wie vor sehr begeistert. L geht auch gerne hin. Spielerisch und ohne dass L es merkt, wird ihr in so vielen Dingen geholfen, die ich in unserem Alltag gar nicht so fördern, geschweige denn mit einem professionellen Blick von Außen erkennen kann. Ich bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
ich habe mein jährliches Ziel, zehn Bücher zu lesen, Mitte des Monats erreicht. Ich hatte Ende letzten Jahres überlegt, die Anzahl zu erhöhen, mich allerdings dagegen entschieden. Ich möchte mich selbst ungern unter Druck setzen. Lesen soll weiterhin Spaß bereiten.
L und ich sind hinsichtlich ihrer diagnostizierten Lese-Rechtschreibschwäche auf einem guten Weg. Es kamen in den letzten Wochen einige (kleinere) Nebenbaustellen hinzu, die wir nun sukzessive teilweise mit fachmännischer Unterstützung angehen werden. Wir haben einen Plan, den wir verfolgen und gegebenenfalls immer wieder an die Umstände anpassen werden.
Das Sparbuch schrumpft unaufhörlich. Ungeplante, aber sehr wichtige Ausgaben (für L) kamen in den letzten Wochen vermehrt hinzu. Ich habe mich bereits dazu entschlossen, den im letzten Jahr gebuchten Herbsturlaub 2024 zu stornieren. L und ich werden stattdessen in der Region schöne Tagesausflüge unternehmen. Wer kein Geld hat, sollte auch keines für unnötigen Luxus ausgeben. Ein klein wenig hoffe ich in diesem Jahr auf Weihnachtsgeld. Das würde unsere aktuelle finanzielle Situation sicherlich etwas entspannen.
Deine Katja
Himmelspost an M
Dies & Das, PersönlichesMein lieber M,
wir haben jetzt Kaninchen! Seit Mitte April wohnen nun die beiden Zwergwidder-Mädels Elli und Waltraud bei uns.
Seit Prinzis Tod vor mittlerweile dreieinhalb Jahren überlegten L und ich immer mal wieder, ob wir Haustiere bei uns einziehen lassen wollen. Unsere Wahl ist nun auf zwei Kaninchen gefallen, denn diese ermöglichen es uns, dennoch problemlos die geliebten Freizeitaktivitäten wahrnehmen zu können.
Du weißt, dass ich ein Faible für Tiere aus dem Tierheim habe. Von daher stand für mich von vornherein fest, dass wir zunächst schauen, ob es Kleintiere in den umliegenden Tierheimen gibt. So sind wir auf Elli und Waltraud gestoßen.
Beide Kaninchen haben lediglich ein vom Tierarzt geschätztes Alter. Elli dürfte drei Jahre alt sein, Waltraud bereits sieben. L und ich haben im Vorfeld darüber gesprochen, was das mit Blick auf die Lebenserwartung bedeutet, und waren uns dennoch einig, die Tiere bei uns aufzunehmen. Waltraud macht bisher einen sehr fitten Eindruck. Bei ihr haben wir vermutlich sogar den Original-Impfpass des Ersthalters vorliegen. Dieser wirft aber einiges an Fragen auf. Zum Beispiel ist das Geburtsjahr nicht eindeutig zu lesen und hinsichtlich des Namens und Geschlechts sind Änderungen zu erkennen. Waltraud könnte somit auch erst fünf Jahre alt sein.
Ellis Geburtsdatum stand von vornherein fest. Sie wurde am 1. Juli 2020 geboren. Bei Waltraud durfte sich L einen Geburtstag ausdenken. Sie feiert nun ihren am 11. Oktober. Als Geburtsjahr haben wir dennoch 2016 genommen.
Die beiden Kaninchen erhalten bei uns ausschließlich Frischfutter. Ich habe eine wunderbare Auflistung von einem Tierarzt im Internet gefunden, die ich seitdem zu Rate ziehe. Auf dieser ist haarklein beschrieben, was Kaninchen permanent fressen dürfen, was lediglich hin und wieder als Snack gegeben werden darf, was zu kalziumreich und was sogar schädlich für sie ist.
Elli und Waltraud haben einen ganz unterschiedlichen Charakter. Waltraud ist sehr neugierig und erkundungsfreudig, lässt sich aber (noch) nicht gern streicheln. Elli kommt immer sofort angelaufen, futtert für ihr Leben gern und lässt sich streicheln und knuddeln, ist aber beim Erkunden ihrer neuen Umgebung noch recht zögerlich. Es macht Spaß, die beiden zu beobachten. L und ich freuen uns über jeden noch so kleinen Fortschritt.
Erinnerst du dich noch an den vor vier Jahren abgeschlossenen Kredit für unser Wohnmobil? In exakt einem Jahr werde ich endlich die letzte Rate zahlen und mich dann sehr glücklich von dem Strafkredit, wie ich ihn seit deinem Tod liebevoll nenne, verabschieden. Ich bin schon jetzt voller Vorfreude.
Sollte ich jemals wieder in die Verlegenheit kommen, mir einen Kredit anzulachen, wünsche ich mir, dass ich außer einer jahrelangen Rückzahlung auch etwas davon habe. Und sei es „nur“ ein schöner Urlaub.
Nachdem nun bei L eine mittelschwere Lese-Rechtschreibschwäche diagnostiziert wurde, habe ich mir zu ihrem Wohle für ihren weiteren Lebensweg einen ersten Plan überlegt. Dieser sieht auch nach Rücksprache mit ihrer Klassenlehrerin so aus, dass sie ganz normal mit in Klassenstufe drei gehen wird. Parallel dazu wird L ab Mai eine auf LRS spezialisierte Ergotherapie besuchen. Ich überlege, ob ich für L bereits einen Nachteilsausgleich bei der Schule beantrage. Sie könnte beispielsweise laut Ergotherapeutin in Lernzielkontrollen und Klassenarbeiten in derselben Zeit weniger Aufgaben erhalten, um so genügend Zeit zu haben, ihre Ergebnisse zu kontrollieren.
Unsere L hat bereits drei von vier Nächte im Schwimmlager (erfolgreich) überstanden. Ich kann dir gar nicht sagen, wie unglaublich stolz ich auf sie bin. Alle, die L kennen, wissen wie schwer es ihr fällt, von mir über Nacht getrennt zu sein. Dass sie so wunderbar durchhält, freut mich sehr. Für L bedeutet das einen riesengroßen Schritt in die richtige Richtung. Auf ihre Eindrücke und Erlebnisse bin ich schon sehr gespannt.
Deine Katja
