Vier Jahre ohne M

Persönliches

“Die Zeit heilt nicht alle Wunden, sie lehrt nur, mit dem Unbegreiflichen zu leben.”

Rainer Maria Rilke


Dank Dresden-J und meiner eigenen Wahrnehmung in den letzten vier Jahren kann ich der obigen Aussage nur zustimmen. Die Zeit heilt rein gar nichts, wenn man nicht an sich arbeitet.

Durch einen sehr vollen Alltag bin ich bisher nicht allzu weit in der Verarbeitung meiner Trauer um M gekommen. Es vergeht nach wie vor kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke oder mit L über ihn spreche. Ich tue sehr viel für einen gesunden Körper und Geist, ernähre mich weitestgehend gesund, treibe Sport und versuche, lang anhaltende Stressphasen zu vermeiden. Dennoch stehe ich erst am Anfang. Und das ist okay. Ein Schritt nach dem anderen.

Gerade in den letzten Monaten fehlte M mir sehr. Zwar bin ich an den (schulischen) Herausforderungen rund um L gewachsen und stärker geworden, dennoch fehlt mir eine Schulter zum Anlehnen und das Gefühl, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. M hätte L anders motivieren und aufbauen können, als ich es tue und bisher getan habe. Ich mache so viel falsch in der (V)Erziehung unseres Kindes und muss mich öfter daran erinnern, innezuhalten, durchzuatmen und positiv denkend zu bleiben. Ich tue mein Bestes und will für L nur das Beste. Das wird reichen müssen. Ich bin kein ganzes Dorf, sondern nur eine Einzelperson.

M ist nun fast halb so lange nicht mehr bei mir wie unsere Beziehung insgesamt andauerte. Wir hatten noch so viel vor. Es fällt mir nach wie vor nicht leicht, gemeinsame Träume und Hoffnungen ziehen zu lassen und zu akzeptieren, dass mit nur einem Einkommen derselbe Lebensstandard nicht gehalten werden kann. Ich bin sparsam. Aber ich möchte auch leben und etwas von der Welt sehen. Das muss doch irgendwie zusammenpassen.

Für das kommende Jahr möchte ich weiter an mir arbeiten. Ich will tiefer in die Trauerarbeit einsteigen, gelassener hinsichtlich Ls schulischer Demotivation werden und mit einem ersten kleinen Projekt versuchen, L und mich finanziell stabiler aufzustellen. Das Leben ist zu kurz für ständiges Aufschieben, miese Laune und graue Haare.

M, du fehlst uns! L und ich sind uns aber sicher, dass du oft ein Auge auf uns wirfst und uns von wo auch immer beschützt.

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