Einen großen Vorteil hat unser Umzug in eine größere Stadt definitiv gehabt: In Leipzig und Umgebung gibt es Psychologinnen, die sich mit tiefenpsychologischer Psychotherapie und Traumabehandlung bei Kindern auskennen. In Erfurt gibt es tatsächlich niemanden auf diesem Gebiet.
Als L nach unserem wunderbaren Tag im Zoo am Abend schlimme Sachen äußerte und ich fast zwei Tage brauchte, um mit ihrer Aussage klarzukommen, habe ich beschlossen, mich um eine Behandlung für sie und somit auch irgendwie für mich, denn Kinder und Eltern werden gemeinsam therapiert, zu bemühen. Es geht so einfach nicht weiter. Sie tut mir unendlich weh mit ihren Äußerungen. Ich selbst kann nicht einschätzen, ob sie das Gesagte ernst meint oder ob sie weiß, dass ich darauf anspringe. Im Moment hat L „nur“ drei Jahre aufzuarbeiten. Je älter sie wird, desto schwieriger und schlimmer könnte eine Therapie emotional für sie werden.
L muss unbedingt trauern. Denn das hat sie nicht getan. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es in den letzten zwei Jahren so wirklich getan habe. Ich fühle mich aber zum jetzigen Zeitpunkt psychisch stabil, wenn ich von den hin und wieder auftretenden Stresssymptomen, die in Richtung Depression gehen, einmal absehe. Aber auch hier bin ich schon deutlich weiter gekommen und höre noch genauer hin, was mir mein Körper mitteilt.
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Sie haben es geschafft! Sie haben mich so stark verunsichert, ja fast schon in den Wahnsinn getrieben, dass ich nun intensiv schaue, irgendwie noch mehr Geld beiseite zu legen oder ungenutzte, aber noch gut erhaltene Gegenstände und Dinge zu verscherbeln. Ich rede von den steigenden Nebenkosten, die uns Bürgerinnen und Bürger vor allem ab nächstem Jahr überrollen sollen.
Ich führe seit Anfang dieses Jahres sehr streng eine Finanztabelle. Aufgelistet habe ich dort alle monatlichen Ausgaben und die Einnahmen. Sicherlich gibt es bei den Ausgaben Kleinigkeiten, die sich noch einsparen ließen, wie z. B. mein Spotify Abonnement, Netflix, Amazon Prime oder Kindle Unlimited. Alles genannte nutze ich aber sehr häufig, genauso wie mein Duolingo Abonnement. Fest steht: Ich würde lieber diese Kleinigkeiten einsparen, als an Ls oder meinen Altersvorsorge-Fond zu gehen. Ls Fond läuft seit ihrer Geburt. Ich habe aber erst vor zwei Jahren damit angefangen, Geld für das Alter beiseite zu legen. Das nun wieder einstampfen zu müssen, träfe mich (vermutlich später) hart. Ich hoffe irgendwie immer noch auf ein Wunder. Vielleicht wird es ja auch gar nicht soooo teuer wie überall angedeutet. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
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Es war die absolut richtige Entscheidung, aus der Wohnung, in der M vor über zwei Jahren starb, auszuziehen. Dass L und ich nicht innerhalb Erfurts umgezogen, sondern vor etwas über einem Monat hier in Markkleeberg gelandet sind, hätte ich mir vermutlich niemals träumen lassen. Und doch ist es jetzt so. Und es fühlt sich sehr gut und richtig an.
L schläft in ihrem neuen Zimmer wesentlich ruhiger und länger durch als zuvor. Sie kommt im Laufe der Nacht zwar immer noch in mein Bett gekrochen, aber oftmals nur eine Stunde vor dem Aufstehen. Das ist unglaublich. Zudem spielt sie hin und wieder längere Zeit am Stück in ihrem Kinderzimmer, ohne mich mit in ihr Spiel einzubinden. Das ist definitiv auch ungewohnt und neu für uns beide.
Im Ferienhort der neuen Schule hat es ihr sehr gut gefallen. Das ein oder andere Kind aus ihrer neuen Klasse besuchte im August ebenfalls die Einrichtung, sodass sie vor dem gestrigen ersten Schultag schon drei oder vier Kinder näher kennenlernen konnte. Ich genieße es sehr, morgens und nachmittags mit der S-Bahn und Tram statt mit dem Auto fahren zu können. Für mich wirkt es entschleunigend. Zusätzlich lernt L, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten hat und wie sie von A nach B kommt. Und ich komme endlich wieder auf mindestens zehntausend Schritte am Tag.
Ich bin gespannt, wie sich unser Leben und der Alltag in den kommenden Wochen gestalten und entwickeln wird. Ich bin zuversichtlich, dass es uns auch im Herbst und Winter sehr gut gefallen wird. Für L wünsche ich mir, dass sie sich mit einigen Kindern in ihrer Klasse so intensiv anfreundet, dass sie Spielkameraden und Spielkameradinnen mit nach Hause nehmen mag oder selbst nach der Schule oder am Wochenende zum Spielen eingeladen wird. (Ich gebe zu, dass ich davon auch sehr stark profitieren würde. 😉 )








