Die Erinnerung lebt weiter

Dies & Das, Persönliches

Heute vor zwei Jahren um vier Uhr morgens ist M gestorben. 

Es ist unfassbar, wie schnell diese zwei Jahre vergangen sind und was in dieser Zeit alles passiert ist und sich verändert hat. Und trotzdem fühlt es sich an, als läge sein Tod nur wenige Wochen hinter uns.

In Ls und meinem Leben ist M in Erzählungen nach wie vor präsent. Ich berichte ihr in passenden Momenten lustige Erlebnisse, die ihrem Papa widerfahren sind, oder sage ihr, wie stolz er auf sie wäre. Er wäre auf jeden Fall sehr stolz auf L, wenn er wüsste, wie viel Spaß ihr der Schwimmkurs macht oder wie mutig sie zwei Nächte ohne mich mit ihren Kindergartenfreunden auf dem Possen übernachtet hat. Wir reden mehrmals wöchentlich über ihn oder lassen ihn zumindest in unsere Unterhaltung mit einfließen.

Ich habe den Eindruck, dass L das sehr freut. Sie zeigt es mal mehr, mal weniger. Sie selbst sagt, dass sie nicht traurig ist und auch mit mir allein eine glückliche Kindheit hat. Das beruhigt mich natürlich. Ihre Erzieherinnen im Kindergarten haben in den letzten zwei Jahren ebenfalls nichts Auffälliges an ihrem Verhalten entdecken können. Selbst die Kinderpsychologin, die ich ein halbes Dutzend Mal aufgesucht hatte, sieht aktuell keinen Therapiebedarf bei ihr.

Mir selbst geht es die allermeiste Zeit gut bis sehr gut. Es liegt sicherlich auch daran, dass ich sehr oft einen sehr vollen Alltag zu bewältigen habe und nicht immer die Zeit zum Trauern oder Nachdenken finde. Hin und wieder habe ich Flashbacks, zum Beispiel von dem Morgen vor zwei Jahren, als M starb. Diese Bilder werden für ewig in meinem Kopf sein. Auch die Tage und Wochen vor Ms Tod waren sehr intensiv. Ich spüre dann einen sehr stechenden und tiefen Schmerz in meinem Herzen, weil es mir immer noch so unendlich leid für ihn tut, wie sehr er zum Schluss leiden musste.

Mir hat wenige Monate nach Ms Tod J sehr geholfen, mich mit Ms Tod zu beschäftigen und aus meiner kleinen Katja-Blase herauszufinden. Nun ist er ein fester Teil meines und auch Ls Leben. Wie wichtig er für uns geworden ist, zeigt auch der bevorstehende Umzug nach Markkleeberg. Es ist richtig und wichtig, dass L und ich die Wohnung, die so viele traurige und schmerzhafte Erinnerungen bei uns hinterlassen hat, zu verlassen und einen kleinen Neustart zu wagen. Wir freuen uns beide wirklich sehr darauf.

Heute trafen L und ich uns am späten Nachmittag mit Ls Opa, Ls Oma, Ls Tante, Ls Onkel und Ls Cousin auf dem Erfurter Hauptfriedhof an Ms Grab. (Ich brachte eine verschnupfte Nase mit. Meine Schnelltests sind aber negativ.) Wir alle hatten Blumen dabei. Eine neue wunderschöne Laterne, auf der M und Prinzi zu sehen sind, ziert nun ebenso wie Ls Teddy das Grab. Alles sieht richtig schön sommerlich und farbenfroh aus.

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