Ich freue mich, heute wieder bei 12 von 12 mitmachen zu können. Seit mindestens drei oder vier Monaten ist der heutige Tag die erste Möglichkeit, Einblicke in Ls und meinen stinknormalen Schul- und Arbeitsalltag nach unserem Umzug nach Markkleeberg festhalten zu können.
Der Wecker auf meinem Telefon klingelte um viertel nach sechs. Ich stand wenige Minuten später auf, drehte meine morgendliche Badrunde, machte L im Schlafzimmer das Licht an, damit sie sich allmählich mit dem Gedanken, auch aufzustehen, anfreunden konnte und beendete meine Tätigkeiten im Badezimmer, ehe ich mich gemeinsam mit L anzog. Anschließend ging ich in die Küche und bereitete für L das Frühstück und Vesper, das sie mit in die Schule nimmt, vor. Ein kurzer Blick auf die Außentemperatur ließ mich direkt dickere Jacken, Mützen und Schals für L und mich hervorkramen. Es waren lediglich drei Grad Celsius.

Obwohl wir nahezu jeden Morgen auf den letzten Drücker das Haus in Richtung S-Bahn-Haltestelle, die nur etwa vierhundert Meter von unserer Wohnung entfernt liegt, verlassen, haben L und ich noch nie eine S-Bahn verpasst. Das darf gern so bleiben.
Kurz vor der Haltestelle begegnete uns eine kleine Katze. Oh mein Gott war die süß. Sie ließ sich sogar von L streicheln und schien generell sehr zutraulich zu sein. Mich beunruhigte ein wenig, dass sie kein Halsband trug und noch so klein war. Hoffentlich gehört sie zu jemandem und findet den Weg nach Hause zurück. L hätte sie am liebsten bei uns aufgenommen. (Ich kann ihren Wunsch gut nachvollziehen.)


Die S-Bahn fuhr pünktlich. (In letzter Zeit fallen öfter S-Bahnen auf unserer Strecke aus. Meist ist ein „kurzfristiger Personalausfall“ der Grund dafür.) L und ich liefen etwa acht Minuten später gemeinsam zur Tram Haltestelle. Gestern wollte L erstmals alleine mit der Tram fahren. (Bis zur Schule muss sie lediglich eine Station fahren und bei den verbleibenden vierzig Metern bis zum Schultor keine Straße mehr überqueren.) Am gestrigen Nachmittag suchten wir in Ls Zimmer ihren Brustbeutel heraus. In diesen packte ich ihren Chip zum Ein- und Auschecken in der Schule, ihre Maske, ihren Schülerausweis und ihren Fahrschein. Auch heute fuhr sie die eine Station ganz alleine. Ich bin einerseits unglaublich stolz auf sie, dass sie nach so kurzer Zeit mutig genug ist, um in einer ihr völlig unbekannten und fremden Stadt mit der Tram zu fahren. Andererseits ist mir doch noch ein wenig mulmig zumute. In meinem Kopf spielen sich dann verschiedenste Szenarien ab. Ich gehe aber davon aus, dass es mir mit der Zeit leichter fällt, sie alleine fahren zu lassen.

Ich lief die wenigen Meter zur S-Bahn-Haltestelle zurück. Gestern wurde mit dem Entfernen der Farbe auf den Treppen begonnen. (Vor einigen Wochen kippten Fußballfans gelbe und blaue Farbeimer aus.) Ich verstehe, dass sich die Deutsche Bahn über die farbigen Treppen ärgert, dennoch weiß ich nicht, ob das Entfernen der Farbe auf den Stufen wirklich Sinn ergibt. Erstens befinden wir uns im Stadtteil Connewitz. Hier herrscht sowieso Anarchie. Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst wieder Farbe auf den Stufen landet. Zweitens ist die Farbe längst getrocknet. Und drittens ist der Anblick farbiger Treppen interessanter als das langweilige Grau.

Das Kätzchen saß immer noch an der Bushaltestelle, als ich die Stufen vom S-Bahnhof herunterkam. Diesmal befand es sich auf dem Schoß einer Schülerin und ließ sich kraulen.
Zu Hause angekommen, schaute ich im Hortportal nach, ob L gut in der Schule angekommen ist (ist sie) und machte mir eine große Kanne Tee. Ich wählte die Sorte Bratapfel aus. Die ist unglaublich lecker. Ich bereitete mir Frühstück inklusive meines heiß geliebten Schokocappuccinos vor, setzte mich vor den Rechner und begann zu arbeiten.
Ich hatte am Vormittag einige Termine, unter anderem mein zweites Daily in einem ganz neuen Projekt, das ich seit Ende letzter Woche als Scrum Master betreue. Auch wenn ich noch sehr unerfahren und deshalb vor jedem Termin super aufgeregt und nervös bin, freue ich mich doch sehr, nun endlich Praxiserfahrung sammeln zu können. Meine Weiterbildung fand ja bereits Mitte Juni statt. Ich bin gespannt, wie sich das Team in den nächsten Sprints entwickeln wird.
Während ich die Termine für die letzten Mitarbeitergespräche in diesem Jahr – ich versuche, diese dreimal jährlich durchzuführen – plante, hörte ich ein vertrautes Klopfen. Ein Blick aus dem offenen Badfenster und auf meinen Fenstersims genügte, um zu sehen, dass der Specht, der seit einigen Wochen hin und wieder dem Dachboden direkt über unserer Wohnung einen Besuch abstattet, erfolgreich bei der Dämmung angekommen ist.


Mittags bestellte ich mir Sushi. Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal eines meiner absoluten Lieblingsgerichte gegessen hatte. Es war also mal wieder höchste Zeit.

Nützlich und wichtig fühlte ich mich, als ich nach dem Mittag einen Call mit dem Product Owner meines ersten und neuen Projekts hatte. Es gibt zwischen unserer Firma und unserem Mutterkonzern offenbar abweichende Aussagen bezüglich seiner Rolle im Projekt. Wir haben somit Klärungsbedarf. Es würde mich freuen, wenn wir schnell eine Lösung, die zur Zufriedenheit aller Teammitglieder beiträgt, finden. Mit meinem zweiten und letzten Schokocappuccino für den heutigen Tag bewaffnet, teilte ich meine Informationen aus dem Call mit meinem Kollegen/Freund M. Wir werden das Thema mit in unser Management Weekly nehmen.
Bevor ich am Nachmittag L von der Schule abholte, kaufte ich ein halbes Dutzend (unglaublich ungesunder) Dinge, unter anderem ein Süßgebäck für L, im nahegelegenen Rewe Markt ein. Wie erwartet war L trotz fast leerer Brotdose und ihrer Aussage nach lecker schmeckendem Mittagessen ausgehungert. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie sie das mitgebrachte Teilchen verschlang. Ich zeigte L einen Spielplatz, den ich kürzlich auf meinem Morgenspaziergang entdeckt hatte. L gefiel er auch, weshalb wir unsere Nachmittagsstunden dort verbrachten. Unterhalten wurde ich zwischenzeitlich von einem kleinen, angeblich vierjährigen Jungen, während L das Klettergerüst ausgiebig erkundete.



Mit einer leicht nöligen, weil vom Tag geschafften und sichtlich müden L lief ich etwa eine Viertelstunde zur S-Bahn-Haltestelle, um den Zug um Viertel vor sechs zu erwischen.
Weil das Eis bei der Eisdiele in der Nähe unserer Wohnung so unglaublich lecker schmeckt, kaufte ich L und mir jeweils die Sorte Nougat-Keks.
Zu Hause angekommen, holte ich die Trinkflasche und Brotdose aus Ls Ranzen, packte die richtigen Hefter für den morgigen Unterricht ein, las die zwei Elternbriefe, die im LernSax eintrudelten, und genoss beim Blick aus dem Dachfenster in der Küche den schönen Abendhimmel, während L eine Portion Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen aß. (Ich war vom Sushi am Mittag noch satt und verzichtete auf ein Abendessen. Das gekaufte Eis passte aber trotzdem noch in meinen Magen.)

Den restlichen Abend bis zum Schlafengehen werden L und ich entspannt ausklingen lassen. Sie darf noch etwas auf dem Tablet gucken. Ich werde meine Französischübungen auf Duolingo absolvieren, ein wenig lesen, vielleicht auch fernsehen und dann ziemlich zeitig schlafen gehen. Morgen klingelt der Wecker ein bisschen eher, denn ich fahre mit zwei meiner Kollegen, die im Leipziger Süden wohnen, ins Büro nach Erfurt. Da will und muss ich fit sein.

Dann viel Spaß in Erfurt. Neben mir sitzt gerade ein Kollege aus Erfurt. 😊
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