Himmelspost an M

Dies & Das, Persönliches

Mein lieber M,

ich mache mir derzeit einige Gedanken um die Entstehung des Patriarchats und die Entwicklung der Gleichstellung zwischen Mann und Frau. 
Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass Frauen erst vor etwa zwölftausend Jahren in ihre teilweise jetzt noch für sie vorgesehene Rolle gedrängt wurden. Davor waren sie den Männern gleichgestellt. Passieren konnte das, da die Menschheit sesshaft wurde und der Ackerbau an Bedeutung gewann. Es galt nun immer mehr, Territorien vor anderen zu verteidigen. Und da Männer körperlich stärker als Frauen sind, war die Verteidigung fortan ihre Aufgabe. Frauen benötigten ihren Schutz. Erschwerend kam für die Frauen hinzu, dass sie nun jährlich schwanger wurden und durch diese körperlichen Strapazen nicht mehr so leistungsfähig waren wie zu Zeiten, als sie nur alle sechs bis acht Jahre ein Kind zur Welt brachten.
Unsere Gesellschaft hat noch einen weiten Weg vor sich. Im Moment müssen wir mit einem Rückschritt klarkommen, der sich durch die von Männern gemachte Politik in der Welt abzeichnet. Ich wünsche allen kommenden weiblichen Generationen von ganzem Herzen, dass sie ihre Selbstbestimmung und Freiheit sukzessive zurückgewinnen und den Männern wieder komplett gleichgestellt werden. Immerhin machen wir Frauen derzeit einundfünfzig Prozent der Weltbevölkerung aus. Ich hoffe, dass ich zumindest die Fortschritte noch erleben darf.

Jahrzehntelang war ich davon überzeugt, dass es keine nennenswerten Unterschiede mehr zwischen den alten und den neuen Bundesländern gibt. Nun merke ich beim Lesen auf anderen Blogs, dass die Menschen in den alten Bundesländern ganz anders aufgewachsen sind. Die Frauen, denen ich folge, sind teilweise deutlich älter als ich und könnten beinahe meine Großmütter oder Mütter sein. Vergleiche ich ihr Selbstbewusstsein, ihre Bildung und die offenbar seit Geburt bestehenden Unmengen an Möglichkeiten mit den älteren Frauen in meinem Umfeld, liegt ein Unterscheid wie Tag und Nacht vor. 
Ich fürchte, auch das Zusammenwachsen der alten mit den neuen Bundesländern zu einem Deutschland wird noch viele Jahre dauern. Wenn man die sozialen Medien und die dort vermeintlich herrschenden Meinungen meidet, bin ich überzeugt, dass das gelingen kann. Mir selbst standen und stehen grundsätzlich alle Möglichkeiten offen. Und das Problem, dass es weniger gut situierte Menschen schwerer haben, besteht ohnehin in ganz Deutschland. Und in der Welt. 

Meine persönliche Zukunft beschäftigt mich im Moment sehr. In etwa zehn Jahren ist L bereits volljährig und wird ihre eigenen Wege gehen. Unterstützt werden soll sie dabei von einem Startkapital, für das ich seit ihrer Geburt monatlich in einen Fond einzahle. Um ihr das weiterhin zu ermöglichen und selbst im Alter nicht mittellos dazustehen, möchte ich zukünftig noch sparsamer leben und mich einschränken. Wie genau ich es schaffe, meine Reiselust in Verbindung mit dem Fernweh nach anderen Ländern und Kulturen und ein sparsames Leben unter einen Hut zu bekommen, weiß ich noch nicht. Ich werde sicherlich einen Weg finden. 
Blicke ich in meine eigene Zukunft, sehe ich mich an einem schönen Ort in einer bescheidenen kleinen Unterkunft leben. Alleine. Ohne Partner. Die Vorstellung, jemals wieder mit einem Partner zusammenzuwohnen, ist mir sehr fremd geworden. Zu sehr genieße ich die Freiheiten. Allerdings ziehe ich die Möglichkeit in Betracht, mit einer Gruppe von Menschen zusammenzuleben. Vielleicht nicht unbedingt in ein- und derselben Wohnung, aber zumindest an einem gemeinsamen Ort.

Seit Anfang des Monats unterrichtet ein neuer Lehrer Ls Klasse. Bisher macht er einen kompetenten und sehr guten Eindruck auf uns. Die Kinder mögen ihn. L erzählt ebenfalls nur Positives über ihn. Ich wünsche den Kindern sehr, dass sie mit ihm noch viel Spaß haben und dabei eine Menge lernen werden.

Deine Katja  

Hinterlasse einen Kommentar