Mein Weg durch die Trauer 

Trauerarbeit

Mein Nikolausgeschenk an mich waren im Dezember letzten Jahres die Coaching-Karten „Der Tod, ich und das Leben“ von Melike Bilbey, die zur Trauerbewältigung und (für mich ganz wichtig) auch für die Einzelarbeit genutzt werden können. Mithilfe dieser Karten möchte ich nun einen ersten Schritt gehen, um vergangene Erlebnisse nebst dazugehöriger Verhaltensweisen und Reaktionen zu reflektieren und tiefsitzende Traumata zu verstehen und allmählich aufzulösen.

Unterteilt sind die Karten in die vier Kategorien Wahrnehmen, Erinnern, Stärken und Schöpfen. Auf jeder Karte steht eine Frage, die es zu beantworten gilt. Im Januar habe ich mich mit folgenden Fragen beschäftigt:

Wahrnehmen 
Was würde dir jetzt gut tun?
Eine einfache Frage und dennoch schwierig zu beantworten. 
Betrachte ich den Augenblick, würde mir in den Wintermonaten ein wärmeres Klima gut tun. Dann hätten es Viren und Bakterien schwerer, über mich herzufallen. Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, den Winter irgendwann in wärmeren Regionen zu verbringen. Aktuell ist das aus verschiedenen Gründen noch nicht möglich. 
Mir würde es ebenfalls für mein Seelenheil gut tun, wären die Zukunftsaussichten für den Fortbestand der Menschheit positiver. Die Geschehnisse in der Welt machen mir große Angst. Da hilft es auch nur bedingt, auf den Konsum von Nachrichten zu verzichten und Social Media zu meiden. Es fühlt sich immer häufiger so an, als könnte ich nur hilflos dabei zusehen, wie der Abgrund und damit das Ende der Welt näher kommt. Umso wichtiger ist es für mich geworden, in meiner Bubble zu bleiben und dort mein Bestes zu geben. Ich bin jeden Tag aufs Neue bemüht, in meinem Umfeld niemanden durch mein Handeln zu schaden und mich mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun. Ich möchte L und allen Kindern ein gutes Vorbild sein und mein Leben im Kleinen verbessern.

Erinnern
Welche Themen haben den geliebten Menschen beschäftigt?
Ms Gedanken kreisten beinahe unaufhörlich um seine Firma und die Arbeit. Direkt nach seinem Studienabschluss machte er sich selbstständig. Als wir uns kennenlernten, war er ein Einzelkämpfer. Doch im Laufe der Jahre kamen immer mehr Mitarbeiter hinzu. Schließlich auch ich. Wir hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen, auf das wir hinarbeiteten, und große Träume. Wir waren ein gutes Team und zogen an einem Strang.
Im Gegensatz zu mir wollte M schon immer mehr vom Leben und war auch bereit, alles für die Verwirklichung seiner Träume zu geben. Er arbeitete oft bis spät in die Nacht hinein, kannte keine Feiertage oder Wochenenden. Selbst im Krankenhaus ließ er es sich vor, während und nach wichtigen Behandlungen und Therapien nicht nehmen, die wichtigsten Aufgaben zu erledigen und Pläne zu schmieden.
Der Verrat des vorherigen Mutterkonzerns hatte seinem fragilen Gesundheitszustand ordentlich zugesetzt. Bis acht Stunden vor seinem Tod kämpfte er noch Seite an Seite mit seinen Kolleg*innen für den Erhalt seiner Firma. 
Diese Motivation war für mich schließlich ausschlaggebend, alles dafür zu tun, um seinen Lebenstraum nicht sterben zu lassen. Wir stehen heute in anderer Teamkonstellation vor ähnlichen und neuen Herausforderungen und haben nach wie vor einen weiten Weg vor uns. Die Firma gibt es allerdings noch.
Auch seine Freund*innen aus Schul- und Studienzeiten waren M immer sehr wichtig. Noch viele Jahre nach den jeweiligen Abschlüssen traf sich ein Großteil seines Freundeskreises mindestens einmal wöchentlich im Stammlokal in Erfurt. Für so viele treue und liebe Freund*innen und den Zusammenhalt untereinander habe ich ihn immer beneidet.

Stärken
Welche Aktivität in der Natur tut dir gut?
Am allermeisten mag ich Spaziergänge oder Wanderungen. Besonders gern unternehme ich diese zwischen Frühjahr und Herbst. Wenn die Gedanken in meinem Kopf unaufhörlich kreisen, hilft mir auch eine Laufrunde sehr. Danach fühle ich mich immer ganz wunderbar.
Im Winter bin ich sehr gern draußen, wenn es geschneit hat. Ich liebe das Geräusch von knirschendem Schnee unter meinen Füßen. Rodeln macht mir auch großen Spaß. 
Im Sommer gehe ich gern mit L im See baden.

Schöpfen
Was hast du aus dieser Zeit wertvolles gelernt?
Ich habe für mich und mein zukünftiges Leben einiges aus den Jahren 2019 und 2020 mitgenommen.
Ich weiß nun, dass es gut und wichtig ist, Ziele vor Augen zu haben, sich in Themen hineinzuknien und an der Verwirklichung dieser mit großem Einsatz zu arbeiten. Dennoch ist Arbeit nicht alles im Leben. Freizeit und Erholungsphasen dürfen keinesfalls zu kurz kommen. Auch eine ungesunde Lebensweise schadet dem Körper dauerhaft.
Ich habe verinnerlicht, dass Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig sind und lebensrettend sein können. Wie eine Art Mantra hat sich bei mir eingebrannt, dass umgehend ein Arzt konsultiert werden sollte, wenn Schmerzen, offene Wunden im Mund-/Rachenraum oder auch ein Unwohlsein nach zwei Wochen nicht wieder von selbst verschwunden sind.

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