Mitten aus meinen Träumen riss mich heute Morgen Punkt sechs Uhr der Telefonwecker. Ich blieb kurz liegen, checkte verpasste Nachrichten und schaute, ob unsere S-Bahn fährt. Das tat sie nicht. Mit L hatte ich bereits am Dienstag vereinbart, dass wir in solch einem Fall lieber die S-Bahn zehn Minuten später als zwanzig Minuten zeitiger nehmen werden.
Ich stand in Ruhe auf, füllte Ls Trinkflasche mit Inhalt und packte diese und ihre Brotdose in den Schulrucksack. Danach kümmerte ich mich um das Frühstück für Elli und Waltraud. Die beiden folgten mir wieder aufgeregt in die Küche und konnten es kaum abwarten. Während die Kaninchen ihre Köpfchen schon in den Futternapf steckten, kehrte ich im Weg liegendes Einstreu auf.
Zwanzig nach sechs wurde es Zeit, L zu wecken. Ein Blick in die Mobilitätsapp zeigte, dass die spätere S-Bahn pünktlich abfahren wird.
L ist noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Jeden Tag tut ihr etwas anderes weh. Für mich ist es jedes Mal aufs Neue schwierig abzuschätzen, ob es sinnvoll ist, sie besser zu Hause zu lassen. Da sie aber fit wirkte, stand das heute außer Frage. Ich versprach ihr aber, sie von der Schule abzuholen, sollte es den Tag über schlimmer werden.
Nach unserer Badrunde blieb genug Zeit, um die Türchen unserer Adventskalender zu öffnen. L las mir die Texte bei zweien wieder sehr schön vor. Ich freute mich über eine neue Teesorte und zwei Stück Lindt-Schokoladenkügelchen.
Dick eingepackt verließen wir kurz nach sieben Uhr schließlich die Wohnung und kamen pünktlich am S-Bahnhof an. Die S-Bahn ließ auch nicht lange auf sich warten. Wir quetschten uns zu den anderen Fahrgästen und fuhren (zum Glück nur) drei Haltestellen. Ich bekam eine Unterhaltung zweier Oberschülerinnen, die kurz vor dem Abitur stehen, mit und war dankbar, meine Schulzeit und den Prüfungsstress schon lange hinter mir zu haben. Gerade als ich L auf Nachfrage erklärte, was im Chemieunterricht einmal auf sie zukommen wird, vernahmen wir das laute, aggressive Gebrüll eines Mannes. Wir wechselten vorsichtshalber die Straßenseite. L hatte richtig große Angst vor dieser Person. Ich musste ihr daraufhin gut zureden.
Kurz vor der Schule verabschiedete ich mich von L. Sie lief die letzten einhundert Meter alleine in die Schule und ich machte mich zurück auf den Weg zum S-Bahnhof und nahm kurz darauf die Bahn zurück nach Hause.
Bevor ich in meinen Arbeitstag im Homeoffice startete, bereitete ich mir mein Beerenmüsli mit Apfelstückchen und Milch, einen LaVita-Saft, eine Tasse Schokocappuccino und eine Kanne Tee vor.
Den Vormittag verbrachte ich mit der Nachbereitung der letzten und Vorbereitung der nächste Woche anstehenden Mitarbeitergespräche. Meine Retrospektive, die ebenfalls in der kommenden Woche stattfinden wird, stellte ich auch fertig. Es ist schön, mal wieder etwas als Scrum Master in dem verkorksten Projekt zu tun zu haben. In Slack und im E-Mail-Postfach warteten ebenfalls Aufgaben für mich. Eine Rechnung wollte auch noch geschrieben werden.
Den heutigen Spruch in meinem Tee-Adventskalender, ich solle frische Luft schnappen, um den Kopf freizubekommen, nahm ich mir zu Herzen und nutzte meine Mittagspause, um fehlende Lebensmittel im ein Kilometer entfernten Supermarkt einzukaufen.
Danach bereitete ich mir mein Mittagessen zu. Das frisch erworbene Brot sah so gut aus, dass ich ein paar Scheiben davon aß.
Am späten Nachmittag wartete ich am vereinbarten Treffpunkt in der Nähe der Schule auf L und fuhr mit ihr in der Tram zur Klavierstunde. Während der kurzen Fahrt berichtete sie mir von ihrem Schultag. Den Wochenplan hat sie nicht geschafft. Wir werden diesen am Wochenende beenden. Dafür ist sie mit dem Abschreiben des Gedichtes fertiggeworden. Darauf soll es eine Note geben.
Zum Klavierunterricht kamen wir wieder zu spät. Selbst mit Auto ist es eine Herausforderung, pünktlich zu erscheinen. Der Lehrer weiß aber Bescheid. Beim Eintreffen im Musikraum konnten wir dem Spiel des Jungen lauschen, der vor L Unterrichtet hat. Er spielt sehr schön.
Meine liebe L hatte nicht geübt, spielte dafür aber dennoch ganz gut. Vielleicht findet sie irgendwann die Motivation, ab und an zu Hause zu üben.
Als wir kurz vor achtzehn Uhr wieder zu Hause waren, bereitete ich uns Abendessen zu. Parallel kümmerte ich mich um Ls Brotdose für den morgigen Schultag.
Nach dem Essen waren Elli und Waltraud dran. Ich reinigte ihren Käfig und das Gehege und stellte frisches Grünfutter bereit.
Da unser Weihnachtsbaum seit Sonntag im Schlafzimmer steht, fasste ich mir ein Herz und schmückte ihn endlich mit zahlreichen Kugeln in drei verschiedenen Farben und sonstigem Baumschmuck. Ich liebe es, den Baum früh in der Weihnachtszeit aufzustellen. Umso länger kann ich mich an ihm erfreuen.
Nun wurde es Zeit, unsere Schuhe gründlich zu putzen und vor die Tür zu stellen.
Den Abend werde ich nun gemütlich mit einer Wärmflasche lesend ausklingen lassen. Einige Übungen in Italienisch stehen auch noch an.
Ich hoffe, es ist mir am späten Abend oder in der Nacht möglich, heimlich die Nikolausgeschenke in, zwischen oder auf unsere Schuhe zu legen. Noch ist L nicht zu einhundert Prozent davon überzeugt, dass es den Nikolaus nicht gibt. Aus diesem Grund habe ich auch für mich ein kleines Geschenk organisiert.
