Mein lieber M,
das Jahr neigt sich nun mit schnellen Schritten seinem Ende entgegen. Nur noch vier Arbeits- und Schulwochen liegen vor L und mir, ehe es in den wohlverdienten und bereits sehnsüchtig erwarteten Weihnachtsurlaub geht.
In letzter Zeit sagt L öfter, dass sie ihr Leben liebt und sich hier bei mir wohl fühlt. Solche Äußerungen freuen mich ganz besonders, zweifle ich doch regelmäßig an meinen Fähigkeiten als Mama. Offenbar scheine ich nicht alles falsch zu machen.
Im kommenden Jahr möchte ich mit der Trauerarbeit beginnen. Ich fühle, dass die Zeit dafür gekommen ist. Bestandteil dieses Prozesses wird auch die Analyse meiner Persönlichkeit sein. Ich möchte für mich festlegen, wer und wie ich sein will.
Ein Auslöser zu diesem Entschluss sind Ls Bemerkungen, ich sei viel zu lieb und nett für diese Welt. Diese Aussage brachte mich ins Grübeln. Wenn eine Achtjährige, der ich durch mein Handeln und meine Worte anderen Menschen gegenüber ein gutes Vorbild sein will, feststellt, dass ich mir zu viel gefallen lasse, wird etwas Wahres dran sein. Ich höre diese Worte nicht zum ersten Mal, jedoch haben sie für mich eine ganz andere Gewichtung, wenn sie von L kommen.
Natürlich möchte ich auch in Zukunft weiterhin nett zu meinen Mitmenschen sein. Aber es schadet sicher nicht, wenn ich lerne, mich besser durchzusetzen, meinen Standpunkt zu verteidigen und mit mehr Nachdruck meine persönlichen Ziele zu erreichen.
Seit dem 12. November liegt mein geliebter Renault Megane, der kürzlich erst vier Jahre alt wurde, lahm. Das Getriebe ist defekt. Die Werkstatt teilte mir nun mit, dass eine Reparatur des Dienstwagens alles in allem achtzehntausendfünfhundert Euro kostet. Ich bin gespannt, wie sich die Firma entscheiden wird. Streng genommen liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor.
Von jetzt auf gleich ist es natürlich nahezu unmöglich, ein Ersatzfahrzeug aufzutreiben. L und ich sind also wieder auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Wir büßen zwar unseren Komfort ein, die Welt geht davon aber nicht unter. Nur für den anstehenden Weihnachtsbesuch im Dezember wünsche ich mir sehnlichst ein Fahrzeug.
Deine Katja
