Auf der ersten meiner beiden kurzen Nachtwanderungen verspürte ich leichte Halsschmerzen und hatte ein verschnupftes Nasenloch. Schon gestern Abend fühlte ich mich etwas schlapp. Ich hätte mich in den letzten Tagen doch ein wenig mehr ausruhen sollen. Ich schloss das Fenster im Schlafzimmer. Allmählich wird es zu kalt, um es die ganze Nacht über offen zu haben.
Mit dem Weckerklingeln wurde ich um 06:06 Uhr wach und stand gleich auf. Ich bereitete Ls und mein Getränk vor und packte diese zusammen mit den Brotdosen in die entsprechenden Rucksäcke. Mithilfe der im Thermomix integrierten Waage stellte ich Elli und Waltraud etwa vierhundert Gramm Grünfutter in den Käfig. Etwas Spitzkohl aus der zuletzt gelieferten Kaninchenkiste ist noch übrig. Der dürfte noch für die ein oder andere Mahlzeit reichen. Die nächste Kiste wurde aber bereits auf den Weg geschickt. Gegen halb sieben weckte ich L, die noch sehr müde und dementsprechend nur mittelbegeistert darüber war. Wie jeden Morgen trug ich sie Huckepack ins Badezimmer.
Im Bad kamen wir gut voran und verließen das Haus überpünktlich. (An Tagen, an denen ich ins Büro nach Erfurt fahre, stehe ich zeitiger auf, um die Wohnung zeitiger verlassen und zeitiger auf die Autobahn auffahren zu können.) Glücklicherweise war vor der Haustür kaum Nebel zu sehen. Kein Vergleich mit gestern.
L und ich fuhren im Auto die ersten Meter in Richtung Schule und standen plötzlich bereits an der ersten Ampel sehr lange im Stau. Ich erinnerte mich dunkel, dass ab heute eine Strecke gesperrt ist. Die Auswirkung merkten wir leider sofort. So kamen wir keine einzige Minute zeitiger bei der Schule an.
Anfangs ärgerte ich mich über diesen Umstand. Als allerdings die Nachricht eintrudelte, dass die drei für heute terminierten Mitarbeitergespräche krankheitsbedingt (Corona) nicht stattfinden werden, disponierte ich um. Da ich gern gegen Ende der Woche auf einer Messe mit vor Ort sein möchte und gesundheitlich selbst ein wenig angeschlagen bin, fuhr ich nicht nach Erfurt, sondern begab mich ins Home Office. Meine To-do-Liste war ohnehin ellenlang, da war mir die gewonnene Zeit sehr willkommen.
Nachdem ich L an der Ampel vor der Schule verabschiedet hatte, wollte ich kurz spazieren gehen, wusste aber nicht mehr, ob ich die Parkscheibe ins Auto gelegt hatte. Also kehrte ich direkt um und fuhr nach Hause. Die paar Treppen hinauf zu unserer Wohnung brachten mich ganz schön außer Puste.
Dort aß ich nicht wie üblich mein Müsli am Arbeitsplatz, sondern den Inhalt meiner Brotdose. Den Schokocappuccino gab es ebenfalls aus dem Thermobecher.
Mein Arbeitstag startete mit einem kurzen Austausch mit meinem Kollegen. Daraufhin legte ich in YouTrack zwei neue Projekte und dazugehörige Boards an. Neue Tage für die heute ausgefallenen Mitarbeitergespräche waren zu meiner Überraschung sehr schnell gefunden und ließen sich noch perfekt in die letzten Wochen des Jahres integrieren. Einige finanzbuchhalterische Zuarbeiten mit Scannen und Sichtung von Unterlagen erledigte ich ebenfalls. Morgen muss ich hier allerdings mehr Zeit investieren.
Die traurigen Reste des gestern zubereiteten Kartoffelsalats und einen Joghurt aß ich bereits gegen halb zwölf. Ich hatte schon sehr großen Hunger und fühlte mich etwas unterzuckert. Für ein paar Minuten ruhte ich mich anschließend aus. Meine Ohren rauschten ein wenig und ich fühlte mich erschöpft.
Weiter ging es mit dem Heraussuchen von zig E-Mail-Adressen für Einladungen, die wir zeitnah herausschicken wollen. Das war keine anspruchsvolle, aber unendlich zeitintensive Tätigkeit. Fertig geworden bin ich nicht. Auch hier muss ich mich morgen weiter darum kümmern.
Auf dem Weg zu Ls Schule stand ich an derselben Stelle wieder im Stau. Ich hoffe, die Streckensperrung dauert nur wenige Tage und nicht mehrere Wochen an. Ich kaufte im Supermarkt einige wenige Lebensmittel und holte anschließend L und ihre Freundin EB ab. LK wollte ebenfalls mit zu uns nach Hause kommen.
So hatte ich mit drei Mädels eine lustige Fahrt im Auto mit noch lustigerer Musik gewonnen. Wir hörten zuerst ein Lied, in dem es inhaltlich um Dämonenblut ging („Insane“). Abgelöst wurde dieses von N’Syncs Hit „Bye Bye Bye“. Danach schallten „Sweet Dreams“ und eine Metal-Version von „Barbie Girl“ durchs Auto. Glücklicherweise blieb mir heute „Bauch Beine Po“ erspart.
Die drei Mädels verbrachten die meiste Zeit draußen. Von einer Nachbarin bekamen sie sogar je einen Schokoladenapfel geschenkt. Bei ihr hatte an Halloween leider kein Kind geklingelt. (Wir wohnen in einer schönen, aber sehr kinderarmen Wohngegend. In den meisten Wohnungen leben Singles jeden Alters.) L kam mit ihrem angeknabberten Apfel kurz zu mir in die Wohnung, um mir das alles und die Information mitzuteilen, dass der Apfel nicht vergiftet ist. Danach verschwand sie wieder nach draußen.
Ich kümmerte mich um das Abendessen für die Kaninchen und Ls Frühstück für den morgigen Schultag. Zwischenzeitlich kamen die Kinder wieder und spielten in Ls Kinderzimmer.
Spätestens halb sieben werden EB und LK abgeholt. Für heute stehen nur noch Ruhe, ein leckeres Abendessen, ein Schnulli-Film und meine Englischübungen auf dem Plan. Ich werde definitiv zeitig zu Bett gehen, um morgen hoffentlich wieder fit zu sein.
