Himmelspost an M

Dies & Das, Persönliches

Mein lieber M,

ich habe kürzlich in einem Bericht gelesen, dass in Deutschland die Zahl der Milliardär*innen angestiegen ist. Milliardär*innen! Diese Vermögen sind so unglaublich weit weg von denen des einfachen Volks. Sicherlich wird es darunter die ein oder andere Person geben, die sich das Geld durch harte Arbeit verdient hat. Die allermeisten werden es dennoch vererbt bekommen haben.

Solche Berichte gehen mittlerweile nicht mehr spurlos an mir vorbei. Sie bestärken mich sogar darin, im Umgang mit dem L und mir zur Verfügung stehenden Geld nichts falsch zu machen. Ich führe seit 2022 eine strenge und centgenaue Finanzplanung, spare wenn möglich jeden Euro, hinterfrage mittlerweile die Notwendigkeit eines jeden Einkaufs und bin dennoch darauf bedacht, das Hier und Jetzt nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Ein kleiner Teufelskreis. Das alles zusammen gestaltet sich nämlich seit einigen Monaten immer schwieriger. Das Geld ist immer weniger wert und es fällt mir zunehmend schwerer, uns guten Gewissens etwas Schönes zu gönnen. Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zu einer knauserigen Frau, die vergessen hat zu leben.

Oft wird gesagt, dass jede Person ihres eigenen Glückes Schmied ist. Dem kann ich nicht zu einhundert Prozent zustimmen. Seit einer Weile überlege ich, mir einen Minijob zu suchen, um ein paar Euro hinzuzuverdienen. Ich merke aber, dass hierfür die Zeit noch nicht gekommen ist. L kann nach wie vor nicht alleine zu Hause bleiben. Zudem bin ich nach meinem Arbeitstag und der Rolle als Vollzeit-Mama ohne Pause oft sehr erschöpft. Ich spüre zwar, dass sich mein Körper und Geist von dem großen Trauma allmählich erholen und ich mir sukzessive wieder mehr zumuten kann und sollte, ich bezweifle aber, dass es richtig ist, mir aktuell noch mehr Arbeit aufzubürden. Im kommenden Jahr möchte ich mich intensiv der Trauerarbeit widmen. So bleibt der Gedanke des Nebenjobs also vorerst ein Zukunftsthema. 

Es ist schwierig, in Zeiten von Instagram, YouTube und TikTok bodenständig, bescheiden und rundum zufrieden zu bleiben. Auch wenn ich nichts davon nutze, bekomme ich durch Erzählungen oder ungefragte Werbung mehr als genug vom vermeintlich schillernden Leben der anderen mit. L mittlerweile ebenso. Tatsächlich prallen viele solcher Einblicke in diese Luxus-Leben bereits erfolgreich an mir ab. Ich bin glücklich und mag mein Leben so wie es ist. Dieser Schnickschnack passt nicht zu mir.
Mich werfen jedoch ungeplant hohe Zusatzausgaben aus der Bahn. Wie jede andere Person, die zur Miete wohnt, zahle ich monatlich für die Nebenkosten, den Strom und einen zweiten Strombetrag für unsere Nachtspeicherheizung. Wenn ich bei den jährlichen Abrechnungen schließlich mit Nachzahlungen von insgesamt eintausend Euro konfrontiert werde, frage ich mich wirklich, was hier schief gelaufen ist. Ich hoffe sehr, dass die Nachzahlungen im kommenden Jahr deutlich geringer ausfallen.

Unsere liebe L lebt nun genauso lange ohne dich wie mit dir. Das ist traurig. Die letzten vier Jahre und dreieinhalb Monate sind sehr schnell vergangen. Viel ist passiert und viel wird in den nächsten Jahren noch geschehen. Ich wünsche mir, gesund zu bleiben und alles miterleben zu dürfen.
Ich bin dankbar, dass es Fotos und Videos gibt. So haben wir beide jederzeit die Möglichkeit, in Erinnerungen zu schwelgen, deine Stimme zu hören und dich niemals zu vergessen. 

Deine Katja

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