Ich fand die halbe Nacht nicht richtig in den Schlaf. Das letzte Mal schaute ich um fünf Uhr morgens auf die Uhr. Zum Glück habe ich noch einige Tage frei und muss nicht zeitig aufstehen.
Meine Gedanken kreisten unaufhörlich um L. Ihr gestriges Verhalten, ihre Ängste, ihre schulischen Probleme … das alles ist im Moment sehr viel für mich. Ich würde ihr so gern helfen. Ich tue zwar, was ich kann, dennoch merke ich selbst, dass sich mein Verhalten ihr gegenüber stark verändert hat. Ich bin sehr streng mit ihr geworden. Obwohl ich weiß, dass es kontraproduktiv ist, sie auf Teufel komm raus zu irgendetwas zu zwingen, ist es jeden Tag ein bisschen mehr dazu gekommen. Ich weiß mir derzeit nicht anders zu helfen. Arme L.
Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, denn ich hatte bis zum Aufwachen um halb neun einige Albträume.
Unser heutiges Frühstück fiel klein aus, denn wir waren bereits elf Uhr zum Mittagessen verabredet. Mein Onkel W, der kürzlich seinen zweiten Schlaganfall überlebt hat, feierte seinen sechsundsechzigsten Geburtstag und lud zu diesem Anlass einen Teil der Familie zum Essen ein.
Als wir wenige Stunden später gut gesättigt wieder zu Hause waren, machte ich ein kleines Mittagsschläfchen und begann anschließend mit dem neuen Buch meiner Lieblingsautorin. L ruhte sich ebenfalls aus, schaute allerdings ein paar Videos auf dem iPad.
Am Nachmittag nahm ich mir Zeit, um Ls Playmobilhaus weiter aufzubauen. Die untere der drei Etagen ist nun fertig. L, deren Husten trotz Medizin von Tag zu Tag stärker wird, spielte währenddessen mit den in den Sets enthaltenen Playmobilfiguren und den Möbeln.
Zum Abendessen kostete ich die Meerrettichsoße, die es bei meinen Eltern traditionell an Heiligabend zum Mittagessen gibt. Die Zeit bis zum Schlafengehen ließ ich entspannt mit meinem Buch (und einigen wenigen Übungen in der Duolingo App) ausklingen.
