Gestern Abend fielen L und mir bereits halb zehn die Augen zu. Seitdem es wieder zeitiger dunkel wird, fordert mein Körper mehr Schlaf ein und reagiert mit verstärkter Müdigkeit ab zwanzig Uhr.
Ausgeschlafen hatte ich heute Morgen bereits Viertel vor sechs, sprich Dreiviertel sechs. Ich las noch ein wenig im Internet herum und fühlte mich zum Hundegebell des Paw Patrol Weckers fit genug um aufzustehen.
Zuerst holte ich einige Kleidungsstücke aus Ls Schrank in ihrem Kinderzimmer, weckte sie anschließend auf, holte dann meine Kleidung aus meinem Schrank und lief mit dieser ins Bad. Während ich Zähne putzte, mich duschte, mein Gesicht wusch, mich anzog und die Haare kämmte, zog sich L im Tempo eines Faultieres an.
Wegen einer blöden Rechenaufgabe gerieten wir wenig später in einen Streit. L fährt bei kleinsten Kleinigkeiten mega schnell hoch und teilt ihren Unmut nölend mit Piepsstimme kund. Es gibt Tage, da kann ich das gut ab. Leider war heute nicht so ein Tag. Mir war das Gemecker schnell zu viel. Ich sagte ihr ein paar Takte und wir schwiegen uns danach eine Weile an.
Ich spürte deutlich, wie sehr mich diese negative Energie stresste und mir Kraft für den neuen Tag nahm. Traurig stellte ich fest, dass es noch nicht einmal sieben Uhr war. Das lief nicht gut. So stelle ich mir jedenfalls meinen Start in den Tag nicht vor.
Meine schlechte Laune wurde durch einen langen Stau am Morgen verschärft. Ich stellte L und mir ein Conni-Hörspiel an und stellte kurz darauf glücklich fest, dass es zügig und kontinuierlich voranging. Unter großem Zeitdruck standen wir zwar nicht, dennoch seufzte ich, als mir das Auto anzeigte, dass ich den Reifendruck überprüfen solle. Auf dem Weg zu Ls Schule kommen wir täglich an einer Tankstelle vorbei. Die Warnung kam glücklicherweise genau zur richtigen Zeit, sodass ich fix an der Tankstelle halten, mich nett mit einem Mann, der ebenfalls seinen Reifendruck überprüfte, unterhalten und anschließend alle vier Reifen mit Luft auffüllen konnte. Ich war überrascht, wie wenig Luft auf jedem der vier Räder noch war.
Als L in der Schule war, machte ich mich auf den Weg ins Büro nach Erfurt. Ein Hörspiel von „Die drei ???“ und mein heiß geliebter Schokocappuccino verbesserten meine Laune schlagartig. Und als auf der ersten von drei Autobahnen die Warnung „Reifendruck überprüfen“ verschwand, das Fahrzeug offenbar verstanden hatte, dass ich das bereits erledigt hatte, konnte ich etwas entspannen.
Im Büro traf ich dennoch erst kurz vor halb zehn ein. Ich nahm an einem kurzen Daily in dem Projekt, das ich als Scrum Master betreue, teil, erledigte davor und danach einige büroorganisatorische Aufgaben und machte mich wenig später auf den Weg zu meinem Arzttermin, auf den ich bereits seit fünf Wochen wartete.
Als ich eine Stunde später mit einem Rezept wieder draußen war, hatte ich mich nicht nur im Wartezimmer nett mit einem Mann unterhalten (und mich über einen anderen amüsiert), sondern auch von der behandelnden Ärztin etwas sehr Harmloses und schnell Behandelbares diagnostiziert bekommen. Mit der mir verordneten Salbe dürften meine Beschwerden, die ich in unterschiedlicher Intensität seit Mitte Juni verspüre, schnell abklingen.
Mir fiel innerhalb von Minuten ein großer, schwerer Stein vom Herzen. Ich hatte vor Wochen nämlich den Fehler begangen und nach meinen Symptomen gegoogelt. Und wie das sooft ist, wenn Doktor Google um Rat ersucht wird, landen die Ergebnisse recht schnell bei einer Krebserkrankung. Dieses Schreckensszenario malte ich mir in allen Einzelheiten über Wochen aus. Ich hatte ja viel Zeit bis zu dem heutigen Arzttermin. Ich spürte nach der harmlosen Diagnose, dass noch ordentlich Luft nach oben ist bezüglich meines Vertrauens in meine Gesundheit. Ms schlimmes Schicksal hin oder her.
Bevor ich ins Büro zurückkehrte, machte ich einen Abstecher ins Tegut, um mir mein Mittagessen zu kaufen. Danach arbeitete ich weiter. Ich war mit meinen büroorganisatorischen Aufgaben am Vormittag nicht fertig geworden.
Die Mittagspause mit einigen im Büro anwesenden Kolleginnen und Kollegen genoss ich sehr. Es ist schön, über lustige, merkwürdige und manchmal auch traurige Dinge zu sprechen.
Bevor ich mich am frühen Nachmittag auf den Weg zurück nach Leipzig machte, begann ich, für zwei unserer ehemaligen Praktikanten ein Praktikumszeugnis zu schreiben. Meine nächsten Arbeitstage plante ich ebenfalls. Mit Zimtschnecken-Tee, einem weiteren Abenteuer von „Die drei ???“ und Musik fuhr ich schließlich gemütlich über die Autobahnen.
Kurz bevor ich das Auto in der Nähe der Schule parkte, rief mich S, die Mama von Ls Schulfreundin L, an und teilte mir mit, dass die Mädels gern noch ein Eis essen gehen würden. Gegen Eis habe ich sowieso nie etwas einzuwenden. Ich stimmte dem tollen Vorschlag zu. Bei einer Kugel Pampelmusen- und Nougateis für mich machten wir es uns im Halbschatten Nahe der Eisdiele gemütlich und quatschten über die ersten zweieinhalb Schulwochen.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, löste ich mein Rezept in der Apotheke ein und ging mit L im Rewe einkaufen. L selbst konnte sich in der Eisdiele nicht entscheiden und hatte noch kein Eis gegessen. Sie suchte sich eines im Laden aus.
Kaum waren wir zu Hause angekommen, rief Ls Oma M bei uns an. Ich erzählte ihr von unseren Erlebnissen der letzten Wochen und L zeigte ihr parallel das halbe Kinderzimmer. Nach dem kurzen Telefonat verräumte ich unseren Einkauf, leerte die Rucksäcke und half L dabei, den Ranzen zu packen.
Vor und nach dem Abendessen, für das ich mir heute besonders große Mühe gab, arbeitete ich. Ich schaute die Kreditkartenabrechnungen und den Kontoauszug des Geschäftskontos durch und übertrug die einzelnen Positionen in unserer Geschäftsjahres-Tabelle.
Den Abend werde ich mit Lesen und einigen Englischübungen in der Duolingo App ausklingen lassen, während L die restliche Zeit bis zum Schlafengehen mit dem iPad hantiert.
