Unser Osterfest 4/4

Alltagsschnipsel

Die Nacht war sehr gut. L hatte zwar erhöhte Temperatur, schlief aber durch. Auch ich bekam laut Fitbituhr achteinhalb Stunden Schlaf. Ich fühlte mich nach dem Aufwachen tausendmal erholter als gestern Morgen.

Ls Husten kommt wieder direkt aus der Lunge und klingt unheimlich schlimm. Leichten Schnupfen hat sie ebenfalls. Hatte ich Ls Oma M gestern Abend lediglich darüber informieren wollen, dass es sein kann, dass ihr geplanter Kurzurlaub mit L nicht stattfinden kann, musste ich ihn heute endgültig absagen. Das tat mir unfassbar leid. So egoistisch wie das jetzt klingen mag: Vor allem für mich.

Wir frühstückten gemeinsam mit meinen Eltern. Es gab wieder Croissants und meinen Schokocappuccino. 🙂

Nach dem Frühstück ging ich alleine meine Großeltern besuchen. Diese wohnen nur wenige Straßen von meinen Eltern entfernt. Ich lief keine fünf Minuten zu ihnen. L durfte sich bei meinen Eltern derweil ausruhen. Eine gute Stunde blieb ich bei den beiden, unterhielt mich aber die meiste Zeit mit meiner Oma. Natürlich war der Osterhase auch bei ihnen gewesen.

Als ich gegen halb zwölf zu meinen Eltern zurückkehrte, wurde ich bereits von allen sehnsüchtig erwartet. Jeder bekam zunächst sein kleines Ostergeschenk. (Das Verhältnis zwischen meinen Großeltern und meinen Eltern ist aktuell nur so mittel, weshalb es in diesem Jahr keinen gemeinsamen Osterbesuch gab.)

Mittags machten wir uns auf den Weg in den Kressepark. Ich wollte mir unbedingt den neu gestalteten Spielplatz anschauen. Außerdem war es wieder sehr sonnig und die Temperatur lag bereits bei über sechzehn Grad Celsius. Zu Hause sitzen wollte keiner.


Vor dem Mittagessen räumte ich Ls und meine Sachen zusammen. Ich hatte beschlossen, am Nachmittag mit ihr zurück nach Markkleeberg zu fahren. Ursprünglich wollte ich bis kommenden Samstag in Erfurt bleiben. Nach dem Essen schlief ich nochmals für eineinhalb Stunden.

Kurz vor halb vier war unser Auto mit unseren Taschen vollgepackt. Wir dankten meinen Eltern für das schöne Osterfest und fuhren entspannt auf halbleeren Autobahnen zurück nach Hause.

Als wir gegen 17 Uhr zu Hause eintrudelten, schickte ich L ins Bett. Sie sollte sich ausruhen und durfte auf ihrem iPad fernsehen. Ich räumte derweil einen Großteil unserer Taschen aus. Dabei wurde ich immer trauriger. Für die kommenden Tage in Erfurt hatte ich so unendlich viel vorgehabt. Ich wollte mir Sommerräder auf mein Auto montieren lassen, einen Termin bei der Sparkasse wahrnehmen, ein längeres Telefonat mit meiner Freundin J aus Dresden führen, zweimal mit Freunden Abendessen und einmal mit einer Freundin Mittagessen gehen, zwei Freundinnen am Nachmittag besuchen, vielleicht ins Kino gehen … Ls Krankheit hat mich wirklich kalt erwischt. Diese wochenlange Vorfreude auf zwei Tage kindfrei waren mein kleiner Strohhalm, eine Art Rettungsanker. Ich wollte die Zeit nicht nur für Treffen mit Freunden und Freundinnen nutzen, sondern auch für mich. Ich wollte neue Energie tanken und mich nur um mich selbst kümmern. Mit Blick in meinen Kalender und die ausgebuchten nächsten Wochen bezweifle ich sehr stark, dass ich in diesem Jahr nochmals die Möglichkeit erhalten werde, ein oder zwei Tage alleine zu sein. Auch wenn natürlich ein Teil in mir sagte, dass ich die freien Tage mit dem Wissen, dass L krank ist und es ihr nicht gut geht, nicht hätte genießen können, gewann für den Rest des Abends der Teil, der unfassbar enttäuscht und unendlich traurig war. Ich ließ diese Gefühle zu, denn mir war es wichtig, dass sie sich nicht im Körper anstauen. Mein Körper hat seit Ms Tod schließlich immer noch mit genug anderen Emotionen zu kämpfen.

L aß zum Abendessen etwas Pizza, ich ein Stück Kuchen. Ich ließ sie vor dem Schlafengehen noch inhalieren. Ein paar Stöße sind in dem im Februar von ihrer Kinderärztin verschriebenen Asthmaspray noch enthalten. L spürte auch direkt, wie die Medizin in ihrer Lunge ankam. Ich las ihr noch ein Kapitel aus einem Buch von „Die drei !!!“ vor. Das elfte Buch der Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ hatten wir mittlerweile nämlich ausgelesen. Bevor mein Abend endete, absolvierte ich noch meine Schwedischübungen auf Duolingo.

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