Tagebuch – 3. & 4. April 2023

Alltagsschnipsel

Die letzten beiden Nächte waren sehr gut. Ich bekam genug Schlaf und fühlte mich an den jeweiligen Morgen ausgeruht und fit für den bevorstehenden Tag. Es gab keine Störungen oder sonstigen Unterbrechungen. So muss das sein und genau so soll es bitte auch weiterhin bleiben.

L hat seit einigen Abenden wieder Lust, mir zehn Minuten aus einem Buch für Erstleser vorzulesen. Das freut mich sehr, kann ich so ihre Fortschritte hören.

Seit gestern ist die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeiterfassung auch in unserem Unternehmen angekommen. Das warf vor allem am Vormittag zahlreiche Fragen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf. Immerhin tracken wir die Zeiten in einem neuen, uns allen noch völlig unbekannten Tool. Ebenfalls gestern erhielten wir für besagtes Tool Einladungsmails und konnten uns registrieren.
In unserem Unternehmen arbeitet sich niemand kaputt. Zudem herrscht bei uns Vertrauensarbeitszeit. Aus diesem Grund handhaben wir das Tracking sehr entspannt. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, denen die Zeiterfassung unwichtig ist, sollen ihre Stunden so eintragen, dass sie am Ende der Woche auf ihre Stundenanzahl gemäß Arbeitsvertrag kommen. Ist das Tracking jemandem wichtig, so möge er oder sie die Zeiterfassung gewissenhaft und minutiös führen. Ein Großteil tendiert zur erstgenannten Variante.

Heute Morgen fuhr ich mit meinem Kollegen A ins Büro nach Erfurt. Die entspannte Autofahrt über unterhielten wir uns angeregt über verschiedenste Themen. Das Wetter war auf der Hin- und Rückfahrt optimal. Die Sonne schien, es war nicht allzu windig und die Autobahnen waren frei. Viel später als sonst kam ich zum Glück nicht bei Ls Schule an.

Mit nicht mal einer Hand voll Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen führen mein Kollege/Freund M und ich in diesem Monat sogenannte Zwischenstandsgespräche. Wir wollen gemeinsam schauen, ob sich der- oder diejenige arbeitstechnisch in die richtige Richtung entwickelt, ob es Probleme gab, die angesprochen werden müssen, ob Punkte auf der Zielvereinbarung bereits erfüllt wurden oder verändert werden sollten etc.
Heute Vormittag fand ein erstes dieser Gespräche statt. Schon seit einer Weile beschleicht mich das ungute Gefühl, dass M und ich zu nachgiebig und gutmütig sind. Das betrifft auch Gehaltsforderungen. Am Ende des heutigen Gesprächs fragte der Mitarbeiter allen ernstes, ob er eine Gehaltserhöhung zwischen dreihundert und fünfhundert Euro NETTO erhalten könne, weil er mit seinem jetzigen Gehalt nicht gut durch den Monat kommt. (Anmerkung: Für Thüringer Verhältnisse zahlen wir für die Rolle eines Entwicklers/einer Entwicklerin überdurchschnittlich gut.) Ich musste schlucken. Ich glaube M auch. Wir werden nun Wege suchen und sicher auch finden, ihm ein wenig Unterstützung zukommen zu lassen, aber es ist vollkommen ausgeschlossen, ihm eine Gehaltserhöhung zu bewilligen. Erstens erhielt er bereits im vergangenen Jahr fünfhundert Euro mehr Bruttogehalt, zweitens sprechen seine Arbeitsergebnisse aktuell eher dagegen.
Diese Thematik wird mich definitiv noch eine Weile beschäftigen, zumal er nicht der einzige mit so merkwürdigen und komplett realitätsfremden Forderungen war.

Was in den letzten beiden Tagen schön war:

Buch.
Ich hatte gestern Abend mit einem Fantasybuch begonnen, das mich vom Schreibstil und vom Inhalt her sofort fesselte. Sechzig Prozent des Buches habe ich bereits gelesen. Wenn die Autorin auf den letzten Seiten nicht kompletten Käse zusammengeschrieben hat, bin ich zuversichtlich, das Buch in Kürze ausgelesen zu haben.

Retrospektive.
Heute nach dem Mittagessen fand meine vierte Retrospektive in der Rolle als Scrum Master statt. Das gesamte Team versammelte sich im Konferenzraum im Erfurter Büro. Zu Beginn wollte ich wissen, wie viel Interesse jede/r Einzelne auf Retrospektiven im Allgemeinen hat, denn in der Vergangenheit hatte ich hin und wieder den Eindruck, dass sie als Zeitverschwendung betrachtet wird. Ich bin froh, das sich niemand als Gefangene/r sieht. Dennoch war mein Eindruck vollkommen richtig, denn zwei der insgesamt fünf Teammitglieder (wir sind ein sehr kleines Team) trauert der Arbeitszeit hinterher. Ich muss nun für mich bewerten, was ich in Zukunft mit dieser Information anfangen werde. Nichtsdestotrotz konnten wir mithilfe der darauffolgenden Methoden wichtige Erkenntnisse, die zur Verbesserung unserer Arbeitsweise führen werden, herausarbeiten. Gelacht wurde ebenfalls viel.


Sushi.
L und ich kauften uns für das heutige Abendessen im Supermarkt Sushi von Eat Happy. Das war wieder äußert lecker.

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