Alles neu macht der Ma… März! Ich möchte ab sofort einen Wochenrückblick schreiben. Es passieren so viele kleine und große Dinge in Ls und meinem Alltag. Diese möchte ich gern in erster Linie für mich festhalten, um sie nicht zu vergessen. Gleichzeitig möchte ich aber auch einen tieferen Einblick in unser Leben zu zweit geben.
Montag, 27. Februar 2023
Die Winterferien sind nun auch in Sachsen vorbei. Dennoch brauchte L nicht in die Schule gehen und konnte ausschlafen. Grund hierfür war unser Erstgespräch bei einer Kinderpsychotherapeutin in Leipzig.
Bevor wir uns kurz nach 9 Uhr durch den Stadtverkehr quälten, rief ich in der Uniklinik in Leipzig im Bereich Pneumologie an, um für L, die seit Anfang Februar einen Husten hat, der einfach nicht besser werden will, einen Termin zu vereinbaren. Die Mitarbeiterin meinte, freie Termine gäbe es erst wieder im Oktober und November. Sie nannte mir die Namen der drei übrig gebliebenen Ärzte und Ärztinnen in Leipzig, die im Bereich Pneumologie praktizieren. Ich probierte es daraufhin telefonisch in der erstgenannten Praxis. Die Angestellte gab mir für Anfang Juli einen Termin. Bis dahin werden L und ich schauen, ob durch das Inhalationsspray, das Ls Kinderärztin letzten Freitag verschrieb, eine Besserung eintritt. Beim Abhören der Lunge war eindeutig eine Verengung hörbar. Arme L.
Unser Termin bei der Kinderpsychologin verlief gut. L wurde ein wenig ausgefragt, antwortete aber zögerlich und schüchtern. Die Praxis wird nun den März nutzen, um zu schauen, ob wir hier richtig sind oder ob eine „normale“ Trauerbegleitung, beispielsweise bei der Wolfsträne in Leipzig ausreicht.
Dienstag, 28. Februar 2023
Das Weckerklingeln riss mich mitten aus meinem Traum. Gerädert startete ich somit in den Tag. Das finde ich immer nicht so schön.
L besuchte wieder die Schule. Das zweite Schulhalbjahr startete mit einer Methodenwoche. Den Schülerinnen und Schülern wurden Neuerungen mitgeteilt und der bisherige Unterrichtsstoff wurde wiederholt. L brachte eine Einladung zu einer Kindergeburtstagsfeier mit nach Hause und verteilte ihre eigenen.
Ich fuhr in der Mittagszeit nochmals in die Praxis der Kinderpsychotherapie. Es stand ein Anamnesegespräch über L auf dem Plan, welches eine andere Psychologin als am Tag zuvor mit mir führte. Diese Frau war unglaublich nett. Ihr gehört auch der Therapiehund, der mir ein paar Mal zur Begrüßung über die Hand schleckte und sich anschließend zum Schlafen in eine Ecke verkrümelte. Die Ärztin nahm mir in einigen Punkten meine Sorgen und Ängste. Beispielsweise bei der Thematik Schlaf und Familienbett. Nach dem Termin fühlte ich mich richtig gut. Vielleicht mache ich doch nicht alles falsch in Ls Erziehung.
Mit meiner Freundin J aus Dresden tauschte ich mich telefonisch über die Geschehnisse in den letzten zwei Wochen aus. In ihrem Leben ist im Moment auch so einiges los.
Mittwoch, 1. März 2023
Karneval oder Fasching, wie wir zumindest in Thüringen und Sachsen sagen, ist zwar seit letzter Woche vorbei, dennoch durften die Kinder verkleidet zum Unterricht erscheinen. L ging als Hauskatze. Ihr Kostüm bestand aus mehreren Einzelteilen und ließ sich schnell an- und ausziehen. In der Schule wurde zudem der 100. Schultag gefeiert. Aus der Klassenkasse wurden zur Feier des Tages sogar Pfannkuchen (Krapfen) gekauft.
Mein Arbeitstag war produktiv. Das ist immer ein sehr schönes Gefühl. Am Monatsanfang habe ich viel zu tun. Der alte Monat muss zeitnah buchhalterisch abgeschlossen und erste Rechnungen für den neuen Monat wollen geschrieben werden. Unserer Finanzbuchhalterin stellte ich im Unternehmen online sämtliche Rechnungseingänge und -ausgänge bereit. Um die Auslagen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmerte ich mich auch.
Meine Masseurin hat seit letzter Woche eine neue Angestellte. Diese wiederholte auch diesmal ein nettes Kompliment. Weil ich offenbar sehr jung aussehe, glaubte sie, ich sei noch eine Schülerin und maximal achtzehn Jahre alt. Ein wenig geschockt schien sie schon zu sein, als ich ihr mitteilte, dass ich bereits vierunddreißig Jahre alt bin.
Sie kümmerte sich erneut sehr gut um meine Verspannungen in der Schulter. Ich mag es, wenn Massagen ein wenig schmerzen.
Die Angestellte ist vermutlich in ihren Zwanzigern, kommt aus Thailand und lernt gerade die deutsche Sprache. Aus diesem Grund spricht sie mit mir die meiste Zeit Englisch. Ich bin im Moment wohl die einzige Kundin, mit der sie sich unterhalten kann. Auch wenn ich selbst Unsicherheiten in der englischen Kommunikation habe und mir oft Vokabeln nicht einfallen, möchte ich in Zukunft versuchen, mich mehr mit ihr zu unterhalten. Das wäre für uns beide eine Win-Win-Situation. Trotz ihres Akzents verstehe ich ihr Englisch nämlich ausgesprochen gut.
Ich führe seit Anfang 2022 sehr diszipliniert eine Tabelle, in der meine und Ls Einnahmen und Ausgaben detailliert und vollständig aufgelistet sind. So sehe ich Monat für Monat, wie viel Taschengeld uns für Freizeitaktivitäten, Geburtstagsgeschenke für Dritte, Urlaubsreisen, Kleidung etc. zur Verfügung steht. Würde ich diese Übersicht nicht führen, würden wir vermutlich über unsere Verhältnisse leben. Ende des Monats feiert L ihren ersten von insgesamt zwei Kindergeburtstagen. Das Geld für den Indoorspielplatz in Erfurt hob ich direkt vom Konto ab und legte es an einen sicheren Ort, damit ich es nicht versehentlich für etwas anderes ausgebe. Mein Glück ist, dass ich solche Tabellen sehr mag. Dennoch stimmt es mich manchmal traurig, wie teuer alles geworden ist und wie schnell mir das Geld durch die Finger rinnt. Ungefähr neunzig Prozent des Taschengelds gebe ich für meine L aus, um ihr eine abwechslungsreiche, angenehme Kindheit zu bescheren. Das tue ich sehr gern. Und doch spüre ich Monat für Monat sehr deutlich, dass ein zweites Einkommen fehlt. Jede finanzielle Entscheidung lastet alleine auf meinen Schultern. Ich bin die Gute, wenn ich meinem Kind einen Wunsch erfüllen kann, und die Böse, wenn ich es nicht kann. Ich frage mich sehr oft, wie es anderen Alleinerziehenden ergeht, die finanziell nicht so gut dastehen wie L und ich, denn uns beiden geht es alles in allem immer noch sehr gut.
Weil mich am Vortag zwei Kinderaugenpaare flehend und sehnsüchtig anschauten, holte ich am Nachmittag nicht nur L, sondern auch ihre Schulfreundin L ab. Gemeinsam gingen wir zum nahegelegenen Spielplatz. Es war zwar kalt, aber sonnig und nahezu windstill. Ls Freundin meckerte kurz über die von mir gekauften (zuckerfreien) Knabbereien, griff wenig später aber sehr beherzt in die Tüte. Ihre Mama, die eine Dreiviertelstunde später zu uns stieß, meinte, dass sie solche Knabbereien selbst häufig kauft.
Abends las ich die ersten Kapitel im neuen Buch meiner Lieblingsautorin.
Donnerstag, 2. März 2023
In der Nacht träumte ich, dass meine Kollegin S und ich vollständig bekleidet in einem Schwimmbecken mit vier Delfinen waren und darüber sprachen, was wir mit den Therapiekindern anstellen könnten, wenn die Delfine mal keine Lust auf ihre Aufgabe/Arbeit haben. Es ist immer wieder spannend, was nachts in den Köpfen so vor sich geht.
L ist einfach kein Morgenmensch. In den Winterferien war ich optimistisch. Ich wollte unseren Wecker nach den Ferien eine halbe Stunde nach hinten stellen, damit wir länger schlafen können. L bummelt morgens jedoch so sehr, dass ich gezwungen bin, sie nach wie vor früh zu wecken, wenn wir pünktlich das Haus verlassen wollen. Ein Unterrichtsbeginn um 08:30 Uhr oder 9 Uhr würde zumindest meinem Kind besser bekommen. Auch ich spüre, wie das frühe Aufstehen an meinen Kräften zehrt. In den Ferien schliefen L und ich teilweise nur eine Stunde länger und der Start in den Tag war um so vieles einfacher und besser. Aber alles meckern hilft nichts. In fünfeinhalb Wochen sind ja wieder Ferien.
L und ich besuchten am Nachmittag einen uns bis dato unbekannten Spielplatz in Markkleeberg. Er liegt umgeben von kleinen Einfamilienhäusern in ruhiger Lage. Ich hab L gleich verkündet, dass ich diesen ruhigen, gemütlichen Ort im Sommer öfter mit ihr aufsuchen möchte.
Freitag, 3. März 2023
Am Morgen war ich von Ls Bummelei und ihrem Verhalten, das genau gegenteilig zu meinen geäußerten Bitten war, genervt. Das führte dazu, dass ich mich ihr gegenüber nicht sehr erwachsen und vernünftig verhielt. Sie musste weinen. Das tat mir natürlich sehr leid. Niemand sollte um sieben an einem neuen Tag in Tränen ausbrechen müssen. Ich fühlte mich deshalb viele Stunden des Tages unfassbar schlecht.
Während meiner Autofahrt ins Büro nach Erfurt überfiel mich wie so oft in letzter Zeit meine Trauer um M. Ich lasse den Schmerz bewusst in Form von Tränen aus meinem Körper heraus, finde den Zeitpunkt dennoch ein wenig ungünstig. Immerhin muss ich mich während der Fahrt auf den Verkehr konzentrieren. Gleichzeitig sind die Autofahrten, zumindest wenn ich alleine unterwegs bin, die einzige Möglichkeit für meinen Geist, die Geschehnisse der letzten Jahre zu verarbeiten. Ich bin ja ansonsten nie alleine. Mein Geist und Körper werden schon wissen, warum sie genau diese Alltagssituation zur Trauerbewältigung ausgewählt haben.
Um die Mittagszeit fuhr ich zu meiner Gynäkologin, bei der ich zuletzt im Januar 2021 vorstellig war. Letztes Jahr war so vollgepackt mit Ereignissen, Entscheidungen und Neuerungen, dass ich es nicht geschafft hatte, zur Krebsvorsorge zu gehen. Entsprechend aufgeregt war ich natürlich, als ich das Sprech- und Untersuchungszimmer der Ärztin betrat. Wenige Minuten später konnte ich aufatmen: Ich bin gesund und alles ist so wie es sein soll.
Samstag, 4. März 2023
Am Vormittag machten L und ich uns beizeiten auf den Weg nach Chemnitz, um N, ihren drei Jahre jüngeren Bruder und ihre Großeltern zu besuchen. Kennengelernt hatten wir uns im vergangenen Sommer während Ls und meinem Urlaub in der Nähe des Senftenberger Sees. Die vier bewohnten damals das Nachbarbungalow auf demselben Grundstück.
Wir wurden freudig und aufgeregt begrüßt. L war anfangs wieder sehr zurückhaltend, beobachtend und schüchtern, taute aber nach und nach auf und übernahm schließlich Ns Übermut und wuselte mit ihr durch die Wohnung der Großeltern umher.
Nach dem Mittagessen fuhren wir ins Kuddeldaddeldu, einem wunderschönen Indoorspielplatz mitten im Chemnitz Center, einem riesengroßen Einkaufszentrum. Die drei Kinder hatten sehr viel Spaß. Ich unterhielt mich derweil mit dem Opa und schickte zwischendurch der Mama von Ls Schulfreundin L den Link zu diesem Indoorspielplatz als Anregung. Diese wollen im Sommer 2024 nach Geithain umziehen und fahren dann nur etwa fünfundzwanzig Minuten bis dahin.
Nachmittags kehrten wir in die Wohnung der Großeltern zurück, aßen selbstgebackenen Apfelkuchen und ließen die drei Kinder noch bis zum frühen Abend mit der Verkleidungskiste spielen, ehe L und ich uns auf den Heimweg machten. Im Frühling dürfen wir die vier in ihrem Garten besuchen kommen.
Kurz vor dem Schlafengehen beendete ich das neueste Buch meiner Lieblingsautorin. Lange auf Lesenachschub brauche ich wohl nicht zu warten, denn Anfang Mai will sie bereits die Fortsetzung veröffentlichen.
Sonntag, 5. März 2023
Mit J trafen L und ich uns am Mittag zum asiatischen Buffet in Connewitz. Uns drei lässt der Gedanke, einem Hund aus dem Tierheim ein schönes Leben zu bereiten, seit einiger Zeit nicht mehr los. Auch Js Mitbewohner J und dessen Freundin S könnten sich vorstellen, einen Hund zu haben. J würde den Hund offiziell adoptieren, aber um ihn kümmern und sämtliche Kosten teilen würden sich vier Erwachsene und ein Kind. Besonders hat es uns der Rüde Peppi aus dem Leipziger Tierheim angetan. J will sich in den nächsten Tagen mit dem Tierheim in Verbindung setzen.
