Gedanken- und Alltagsschnipsel im Oktober

Alltagsschnipsel

Dass L in ihrem neuen Schulalltag und in der Klassengemeinschaft gut angekommen sein muss, zeigt mir unter anderem die Tatsache, dass sie mittlerweile einen Teil ihres Schulweges alleine bestreiten will. Zuerst lief sie ohne mich die restlichen dreißig Meter von der Tram Haltestelle zur Schule. Nun fährt sie sogar schon alleine mit der Tram. (Um zur Schule zu kommen, fahren wir drei Stationen mit der S-Bahn und eine mit der Tram.) Dank der modernen Technik brauche ich mir auch nicht den ganzen Tag über den Kopf zu zerbrechen, ob sie gut angekommen ist. Ein kurzer Blick auf die Anwesenheitszeit im Hortportal genügt zur Beruhigung meiner Nerven. Ich bin sehr stolz auf sie. Mein großes Mädchen.


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Anfang Oktober kam Oma M uns in Markkleeberg besuchen. Sie schaute sich unsere Wohnung an, spazierte mit uns in der Nachbarschaft herum, lud uns zum Mittagessen ins Restaurant ein und begleitete uns ins Kino. 


L war an diesem Wochenende etwas überdreht und verfiel in alte, nervige Verhaltensmuster. Ich vermute, sie kommt nicht gut damit klar, wenn andere Menschen als ich dauerhaft in ihrer Nähe sind und sie keine wirkliche Rückzugsmöglichkeit hat. (Oma M übernachtete zwei Nächte bei uns.) Als meine Eltern die Woche darauf zu Besuch kamen, verhielt sie sich so wie immer. Schade, dass mein Bruder nicht kommen konnte. Er hätte nämlich auch bei uns übernachtet. Ich beobachte das weiter.


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Ich weiß, dass es verrückt klingt. Aber ich bin schon seit Anfang Oktober in Weihnachtsstimmung. Ich habe bereits einige Weihnachtsgeschenke gekauft, mir für die Adventszeit kleine Überraschungen für andere ausgedacht, den Inhalt meines Kartons für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ organisiert, Winterteesorten ausprobiert und zahlreiche Weihnachtsbücher gelesen. In den vergangenen Jahren begann die Vorfreude bei mir ähnlich zeitig.


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Zuletzt hatte ich Anfang September diese krampfartigen Rückenschmerzen aus der Hölle. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, dass es sich hierbei sehr wahrscheinlich um psychosomatische Schmerzen handelt, sprich kein Arzt der Welt wird eine (körperliche) Ursache feststellen können. Ich habe in den letzten Wochen nicht nur akzeptiert, hin und wieder solche Schmerzen zu haben, sondern auch bewusst darauf geachtet, nach jeder Anstrengung eine Pause einzulegen, damit solche Signale gar nicht erst auftreten. Meine Freundin J ist der Ansicht, das tief in mir schlummernde Trauma versucht auf diesem Wege, meinen Körper zu verlassen. Ihre Aussage finde ich sehr spannend. (Und irgendwie auch gruselig.)

Als ich im September zwei Wochen aufgrund einer Erkältung krank war, konnte ich mir nicht vorstellen, mit L die Einschlafbegleitung auf dem Boden vor ihrer Tür fortzuführen. Ich wollte ja selbst liegen, schlafen und mich ausruhen. Aus diesem Grund warf ich den gesellschaftlichen Druck über Bord und ließ sie wieder in meinem Bett schlafen. Bis heute. Und was soll ich sagen? Sie schläft ruhiger. Ich schlafe ruhiger. Wir bekommen beide ausreichend viel Schlaf. Ich habe das Gefühl, dass Ls Mama-Akku wieder aufgeladen ist, denn sie benimmt sich seit Wochen wie ein Kind ihres Alters. (Klar streiten wir hin und wieder oder L zischt beleidigt ab, aber das passiert wieder auf einem normalen und vor allen Dingen nachvollziehbaren Level.) All die Punkte, die mich so beschäftigt und belastet hatten, treten aktuell nicht mehr auf. L sagt sogar mehrmals wöchentlich von sich aus, dass wir auch mal wieder Einschlafbegleitung machen müssen, denn schließlich fährt sie in Klassenstufe 2 ein paar Tage mit ihrer Klasse weg und da will sie das geübt haben. 

Ich habe wirklich den Verdacht, wir tun unseren Kindern absolut nichts Gutes, indem wir den Ist-Zustand ignorieren und mit allen Mitteln versuchen, einen So-muss-es-sein-Zustand aufzuzwingen. 

Mir ist es gerade egal, was andere sagen könnten. Für L und mich fühlt sich dieses Vorgehen gerade sehr gut und richtig an. Und nur darauf kommt es aktuell an.


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Der Oktober war wunderbar golden. ❤

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