Ein Wochenende im Juni

Alltagsschnipsel

Hinter J und mir liegt ein sehr arbeitsreiches Wochenende. Alle Objekte, die in circa einem Monat nicht mit in die neue Wohnung oder den neuen Keller umziehen sollen, wurden gesichtet und sortiert und anschließend entweder behalten (vielleicht ein Prozent) oder an den Straßenrand zur morgigen Abholung durch die Stadt Erfurt gestellt. Und das alles bei durchgängigen Temperaturen von fünfunddreißig Grad Celsius. 

Das Erreichte fühlt sich unglaublich gut an. Vor allen Dingen mental. Ich bin so viel Ballast losgeworden, so viele Habseligkeiten, von denen ich die meisten noch nie gesehen oder schon lange vergessen hatte. Ich spüre, dass mir dieses Loslassen sehr sehr guttut.


Freitag, 17. Juni 2022

L schlief bis morgens halb sieben in ihrem eigenen Bett und kam nur für die letzte halbe Stunde bis zum Weckerklingeln zu mir ins Bett gekrochen. Das freute mich sehr.

Nach einem angenehmen Arbeitstag und Ls zweiter Schwimmstunde begann für uns am Nachmittag das Wochenende. Unsere Vermieter C und A kamen in der Nacht von ihrem einmonatigen Albanien-Aufenthalt zurück. Da gab es viel zu erzählen. Beide waren überrascht, wie groß L geworden ist. L wiederum zeigte den beiden ihren Schulranzen und half beim Ernten der Erdbeeren und des Salats und beim Gießen der Beete.

Am Abend machten J, L und ich einen langen Spaziergang in die Stadt. Seit langer Zeit fand wieder das Krämerbrückenfest in Erfurt statt. Am Vortag lag bei der Kinderpsychologin ein Prospekt mit allen Veranstaltungen aus. Ich entdeckte, dass meine alte Bigband im Innenhof des Café Nerly einen Auftritt hatte und hörte mir zweieinhalb Songs an. Leider hatte L keine Lust, länger zuzuhören und wurde etwas unausstehlich. J gefiel ihr Verhalten gar nicht und sagte ihr ein paar Takte. Zu dritt einigten wir uns darauf, in Zukunft mehr Kompromisse zu finden und in den Alltag zu integrieren. Diese Vorgehensweise empfahl mir auch Ls Kinderpsychologin. Umso erfreulicher, dass wir gleich am Freitagabend eine erste Umsetzung ausprobieren konnten. Ls Laune besserte sich schnell wieder und wir spazierten genauso gemütlich zurück nach Hause wie wir in die Stadt gelaufen waren. 


Samstag, 18. Juni 2022

Erst gegen sieben Uhr wechselte L an diesem Morgen von ihrem in mein Bett. Wir schliefen zu dritt gemeinsam noch bis halb neun. Das ist nun die zweite Nacht, die sie so lange allein in ihrem Bett verbrachte. Solche Tage zeigen mir, wie es in Zukunft vermehrt aussehen kann. Eine beruhigende und schöne Vorstellung.

Nach einem leckeren Frühstück machten sich L, J und ich in den Keller. Während J fleißig Unmengen an Gerümpel, das definitiv entsorgt werden soll, ins Freie trug, sortierte ich die Dinge in unserem Kellerabteil um. Einige wenige Dinge will ich noch vor dem Umzug durchsehen, einiges ist bereits umzugsbereit und alles andere wurde im Laufe des Vormittags ebenfalls nach draußen gebracht.

Mittags bereitete L ein kleines Essen für J und mich vor. ❤ Sie legte auf einen Teller den am Vortag gepflückten Salat, ein paar Tomaten und je eine halbe Möhre. Sie war unglaublich stolz auf sich. (Und ich auch auf sie.)

J hatte in seinem Trainingsplan einen entspannten Lauf um die fünfundvierzig Minuten stehen. Ich hatte L versprochen, mit ihr zur Toggo Tour, einem Kinderfest, auf den Theaterplatz zu fahren. Da es unglaublich heiß war, blieben wir nur anderthalb Stunden. Ein paar Stände konnten wir dennoch besuchen. Ein Softeis von unserem Eisverkäufer des Vertrauens gab es ebenfalls.

Am späteren Nachmittag fanden wir drei uns wieder zu Hause ein. Wir packten unsere Schwimmtasche und fuhren ins Nordbad. Hier war ich seit vielen Jahren nicht mehr. L, die durch ihre beiden Schwimmstunden sehr motiviert und mutig war, hatte den bisher größten Spaß ihres Lebens im Wasser. Wir plantschten gemeinsam im Nichtschwimmerbereich und übten ihre Beinbewegung. Es war eine willkommene Abkühlung an diesem heißen Tag. J schwamm mehrere Bahnen im Sportbecken. Pommes bzw. Nudeln mit Tomatensoße und ein Eis holten wir uns natürlich auch. Erst halb zehn am Abend waren wir wieder zu Hause. 



Sonntag, 19. Juni 2022

Irgendwann in der Nacht kam L zu uns ins Bett gekrabbelt. Keiner wurde davon wach, was sehr erfreulich war, und wir schliefen bis halb neun.

Unser Tag begann wie bereits gestern mit einem leckeren Frühstück. Danach begaben J und ich uns in den Raum oberhalb der Garage. Ich stellte entsetzt fest, dass dort doch mehr Unrat lag als erwartet. J war etwas angefressen. Es waren bereits am Vormittag wieder weit über dreißig Grad. Etwa anderthalb Stunden räumten wir diesen Raum leer. J trug im Anschluss alle Möbel direkt an den Straßenrand und ich sortierte und sichtete die Dinge, die im Garagenraum lagerten. Auch hier trennte ich mich von mindestens achtundneunzig Prozent. Ein befreiendes Gefühl. Drei Stunden später waren wir endlich fertig – total verschwitzt und unglaublich schmutzig.

Nach einer erfrischenden Dusche gab es Nudeln mit selbstgemachter Soße für J und mich und Tomatensoße für L. Damit J und ich uns ein bisschen ausruhen konnten, durfte L ein paar Folgen „Pipi Langstrumpf“ gucken.

Nachdem wir J gegen 17 Uhr zum Bahnhof fuhren, machten L und ich uns nochmals auf den Weg zum Kinderfest am Theaterplatz. L konnte noch mal auf einer Hüpfburg hüpfen und ein paar Sticker und andere Kleinigkeiten einsammeln.

Auf dem Rückweg hielten wir noch beim Friedhof. Ich hatte diese Woche Friedhofsdienst und wollte bei den Temperaturen die armen Pflanzen wässern. Aus der Ferne grummelte es bereits verdächtig. Das Grab sah sehr gut aus. Wir hatten außer dem Entfernen einzelner Nadeln auf dem Grab und dem Gießen der Pflanzen wirklich nichts weiter zu tun.

Kurz vor 19 Uhr waren wir schließlich zu Hause. Ich räumte noch Ls Kinderzimmer auf (das sah aus!) und hing die Wäsche auf. Danach machte ich es mir auf dem Bett mit einem Buch gemütlich, während L nochmal ein bisschen fernsehen durfte. Halb neun ging es ab in die Betten.

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