Hanamifest mit Hindernissen

Alltagsschnipsel

Meine ehemalige Kollegin A lud L, J und mich vor einigen Wochen zum von ihr organisierten Hanamifest auf eine schöne Kirschplantage in der Nähe des kleinen Örtchens Burgtonna bei Gotha ein. 

Am letzten Apriltag war es schließlich so weit. Die Wettervorhersage passte, versprach zweistellige Temperaturen kurz vor zwanzig Grad Celsius und eine Regenwarnung erst für den späteren Abend.

Nach dem Aufstehen bereitete ich vegane Sandwichs zu und schaute, welche Knabbereien ich für das große Picknick noch so mitnehmen könnte. Schließlich wurden siebenunddreißig Personen, darunter elf Kinder erwartet. Drei Hunde sollten auch anwesend sein.

J, den L und ich vormittags am Hauptbahnhof einsammelten, fuhr mit dem Fahrrad noch Getränke und Zutaten für eine Bowl, die er im Anschluss zubereitete, ein. 

Mein Bruder, der aufgrund des achtzigsten Geburtstags unseres Opas an diesem Wochenende auch in Erfurt war, kam kurz nach elf Uhr zu Besuch und bastelte mit L eine neue Papierkrone. Gegen Mittag machte er sich auf den Weg in die Stadt. Wir räumten unser Picknick und ein Wikinger-Spiel ins Auto und fuhren los nach Burgtonna.

Am Ende eines sehr holprigen Feldweges trudelten wir halb drei gemeinsam mit drei anderen Fahrzeugen, darunter einem Wohnmobil, an einer schönen Stelle der Kirschplantage ein. Die Kirschblüten standen in voller Pracht. Wir beratschlagten gemeinsam in der Gruppe, ob wir direkt schon hier bleiben wollen (wollten wir) und wo unsere Picknickdecken ausgebreitet werden sollen (direkt zwischen zwei Kirschbäumen). Parallel versuchte ich L zu beruhigen, die große Angst vor einer verspielten Labrador-Hündin hatte.

Währenddessen untersuchte J, ob er (und andere?) im Laufe unseres Aufenthalts auf die (für mich morsch aussehenden) Kirschbäume klettern kann. Er hing sich an einen Ast. Als dieser stabil blieb, umklammerte er ihn auch mit den Beinen. Dann knackte es, der Ast gab nach und fiel gemeinsam mit J etwa zwei Meter in die Tiefe. J knallte mit dem Rücken/der Hüfte/den Rippen auf den Boden und bekam kurzzeitig keine Luft mehr. L verfiel sofort in Panik und weinte. Als dann noch jemand “Ruft den Notarzt” rief, war es bei ihr kurzzeitig vorbei. (Der Notarzt musste letztendlich nicht kommen.) Sie wurde sofort von einer anderen Mama getröstet, die näher bei ihr stand, während ich über J kniete und schaute, nachdem er wieder Luft bekam, ob sein Kreislauf stabil blieb. Ich kümmerte mich sogleich um die entsetzte L, behielt nebenbei den Hund im Auge und schielte immer wieder zu J herüber.

Während mittlerweile alle Menschen anwesend waren, ihre Picknickdecken ausbreiteten, das Buffet aufbauten, es sich gemütlich machten und L mit einem ein oder zwei Jahre älteren Mädchen spielte, fühlte ich mich kurzzeitig verloren. Sollten wir direkt wieder fahren und J in die Notaufnahme bringen? Er hatte große Schwierigkeiten beim Sitzen, Gehen, Liegen und Atmen. Wir entschieden uns, vorerst zu bleiben.

Als es J auch anderthalb Stunden später nicht besser ging, fuhr ich ihn nach Erfurt in die Notaufnahme des Helios Klinikums. L wollte auf dem Fest bleiben und mit ihrer neuen Freundin spielen. Ich versprach ihr, schnellstmöglich zurück zu sein. 

Dieses Versprechen wurde mir jedoch durch einen Unfall erschwert, der sich auf der Bundesstraße, kurz nachdem ich mit J in Richtung Erfurt fuhr, zugetragen haben muss. Nun waren beide Spuren (in Richtung Burgtonna und in Richtung Erfurt) gesperrt und kein Fahrzeug kam mehr durch. Ich wendete (so wie alle anderen auch) und hoffte, das Navi fände eine Alternativroute. Das tat es jedoch nicht. Ich wendete wieder, fuhr kurz vor die Unfallstelle und bog auf einen Feldweg ab (so wie alle anderen auch). So konnte ich den Unfall großzügig umfahren und mit “nur” einer halben Stunde Verspätung wieder bei den anderen auf der Kirschplantage sein. J wurde mittlerweile im Krankenhaus sogar schon geröntgt. (Gebrochen ist glücklicherweise nichts, aber J hat eine starke Rippenprellung davongetragen.)

Den holprigen Feldweg überlebte leider As Auto auf der Hinfahrt zur Kirschplantage nicht. Die Unterseite des Fahrzeugs wurde derart beschädigt, dass Öl auslief. Als ich nach der Notaufnahmefahrt wieder zurückkam, wurde ihr Auto gerade auf ein Abschleppfahrzeug des ADAC geladen. Kurz nach 20 Uhr fuhren L und ich A und ihre Tochter A nach Hause. Unterwegs ließ ich mich auf den neuesten Stand bezüglich unseres ehemals gemeinsamen Arbeitgebers bringen. Ich bin unendlich froh, vor vier Jahren gekündigt zu haben.

Gegen 21 Uhr holten L und ich J, der sicher über eine Stunde auf uns warten musste, vom Krankenhaus ab. Wir steuerten noch eine Nachtapotheke an und lösten Js Rezept ein. Zu Hause angekommen, brachte ich L gleich ins Bett, die sofort einschlief. Auch J schlief bereits, als ich ins Schlafzimmer kam.

Was für ein wilder Tag!

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