… und ärgert mich wieder aufs Neue.
Pünktlich zum Start ins Wochenende fischte ich gestern einen Brief des Nachlasspflegers aus dem Briefkasten. (Ja genau der Briefkasten, um den ich bereits seit zwei oder drei Monaten mit mulmigen Gefühlen herumschleiche.) Ich wurde von ihm aufgefordert, circa viertausend Euro an ihn zu zahlen. Nach erster Einschätzung werde ich um die Zahlung dieses Betrags auch nicht herumkommen. Seine Rechnung klingt einigermaßen logisch, auch wenn ich sie noch nicht zu einhundert Prozent nachvollziehen kann. Bei diesem Betrag handelt es sich um den hälftigen Anteil von Ms und meinem Gemeinschaftskonto, von dem der Nachlasspfleger behauptet, gar nichts zu wissen. Das ist höchst interessant, habe ich ihm doch im vergangenen Jahr einen Kontoauszug von besagtem Konto zukommen lassen und schon mal die Hälfte des zum Zeitpunkt des Todes auf dem Konto befindlichen Betrags an ihn überwiesen.
Ich werde in der kommenden Woche eine Antwort an ihn verfassen, das Geld überweisen und auch das Nachlassgericht bitten, mir mitzuteilen, ob meine Anfechtung der Erbannahme wirksam war. Denn akzeptiert das Gericht diese nicht, bin ich Ms Erbin geworden, muss eine Nachlassinsolvenz einleiten und bleibe dennoch auf weiteren sechzehntausend Euro sitzen. Das möchte ich gern in diesem Jahr geklärt wissen, damit ich mich darauf einstellen kann. Fakt ist: Die Zahlung von viertausend Euro setzt meine Ersparnisse fast auf null. Die Waschmaschine sollte in nächster Zeit also besser nicht kaputt gehen. 😉
Ich verstehe, dass ich für Fehler aus der Vergangenheit auch in diesem Jahr noch bestraft bzw. belangt werde. Auch wenn es mir im Nachhinein für M unendlich leidtut, war unsere Hochzeit einer dieser sehr großen Fehler. Hätten wir im September 2019 nicht geheiratet, könnte ich zum Beispiel für L beim Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Sobald Eltern verheiratet sind und ein Partner verstirbt, geht das leider nicht mehr. L und ich bekommen weder Halbwaisen- noch Witwenrente. Wir sind auf uns alleine gestellt. Das funktioniert an sich auch sehr gut, WENN nicht alle paar Monate der Nachlasspfleger oder das Nachlassgericht mit Forderungen ankommen würden, die ich unmöglich im Wege einer Einmalzahung begleichen kann.
Ich wünsche mir Ruhe. Ich möchte solche Briefe nicht erhalten. Sie tun mir sehr weh. Sie setzen mich psychisch stark unter Druck. Am schlimmsten ist jedoch das Gefühl, dass ich vergangene Entscheidungen, wie eben diese Hochzeit, bereue. Ich will nicht, dass mein Bild von M auf so eine Art und Weise beschmutzt wird oder Risse bekommt. Gestern saß ich weinend auf dem Fußboden im Flur. Die liebe L kam gleich mit einem Taschentuch an und versuchte, mich zu trösten. ❤
In den letzten Tagen haben wir aber auch schöne Sachen erlebt und gemacht. J und ich haben alte Shirts mittels Batik-Textilfarben umgefärbt. Das funktionierte sehr gut, sodass ich für L über eBay-Kleinanzeigen zwei weiße Longsleeves bestellte. Gestern war ich mit ihr im idee. Creativmarkt. L durfte sich zwei Batik-Farben aussuchen. Sobald die Longsleeves ankommen, färben wir sie um.
Am Donnerstag waren L und ich mit ihrem Kindergartenfreund K und seiner Mama auf der EGA. Die beiden Kindern haben bis zum Abend miteinander gespielt. Wir Mütter sonnten uns auf der Bank und unterhielten uns.
Nachdem ich gestern meine Tränen getrocknet hatte, machten L und ich uns auf den Weg in die Boulderhalle. Sie fährt voll darauf ab! Und ich mittlerweile auch. Ich habe vor ein paar Wochen angefangen zu bouldern. Mittlerweile schaffe ich erste Routen der Schwierigkeit 3. Eine Route mit Schwierigkeit 4 habe ich auch schon mal geschafft. L fand schnell eine Freundin, mit der sie spielte. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie elegant und schnell L die Wände hochklettert.








