Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 37

Alltagsschnipsel

Erbausschlagung ist, wenn man nach wochenlanger Recherche die beste Entscheidung für sich und sein Kind getroffen hat, es sich trotzdem falsch und wie ein Verrat am Verstorbenen anfühlt. 
Kurz nach 09:30 Uhr am Vormittag betrat ich das Justizzentrum in Erfurt, ließ mir Fieber messen, meinen Rucksack durchsuchen und meldete mich anschließend in der Nachlassabteilung. Keine dreißig Minuten später verließ ich das Gebäude wieder.
Es ist gut möglich, dass ich verrückt bin. Aber sowohl in der Geschäftsstelle als auch bei der Rechtspflegerin roch es nach M. Ich kann den Geruch nicht konkret beschreiben, jedenfalls habe ich ihn gelegentlich in der Nase – mal in der Wohnung, mal irgendwo draußen und eben heute im Gerichtsgebäude. (Als ich im Flur auf die Rechtspflegerin wartete, war der Geruch zum Beispiel nicht da.) Sollte M tatsächlich „anwesend“ gewesen sein, will ich nicht wissen, was er nun von mir denkt oder hält. Aber es war die richtige Entscheidung!

Seit Montag hat L ihre Liebe fürs Duschen entdeckt. Sie war in den wenigen Tagen nun schon dreimal unter der Dusche und verlangt regelrecht danach, wieder geduscht zu werden. Ich hätte nichts dagegen, wenn das so bleibt. 🙂

Ich bin traurig über die gestrige Wendung/Erkenntnis. Ich weiß, dass man sich Vertrauen verdienen muss. Und ich bin bereit, mir dieses Vertrauen, das mir sehr offensichtlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht (von allen) entgegengebracht wird, zu verdienen. Traurig und vielleicht enttäuscht bin ich, da genau die Teammitglieder, von denen ich es am allerwenigsten gedacht hätte, nicht bereit sind, für zwei oder drei Monate einen Vertrauensvorschuss zu geben. Niemand von uns hat etwas zu verlieren. Wenn die Zusammenarbeit mit uns oder unserem neuen Partner blöd ist, hat doch jeder das Recht, sich in Ruhe nach etwas anderem umzusehen. Das mache ich doch in diesem Fall ganz genauso. Egal wie oft ich mir darüber den Kopf zerbreche: Ich verstehe es einfach nicht (komplett)! Und deshalb zerbreche ich mir nun auch nicht mehr den Kopf darüber.
Seit gestern stelle ich mir Ms Reaktion diesbezüglich vor. Und er lacht. Ich glaube, er würde mich sogar auslachen, zumindest belächeln. Weil ich so naiv war. Weil ich so bestimmend war. Weil ich meine Interessen über die des Teams gestellt habe. Weil ich das Team falsch eingeschätzt habe. (Ich glaube, diese Liste könnte ich nun endlos fortführen.)

Heute Morgen rutschte mir während der Fahrt zum Kindergarten versehentlich das Schimpfwort „Spacko“ heraus. L schnappte es sofort auf und berichtete mir auf der Hinfahrt und am Nachmittag auf der Rückfahrt freudig von ihrem Freund Spacko, der im Auto vor uns fährt und dies oder jenes tut. Äh … ups.

Um die Mittagszeit trudelten nahezu alle Teammitglieder im Office ein. Der zweite/einzige Geschäftsführer wollte uns alle persönlich sprechen. Was jedoch keiner wusste (einige aber ahnten): Es handelte sich um eine Werbeveranstaltung à la „Kommt doch zur Muttergesellschaft“. Geleitet wurde dies vom Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft. Diese Unverfrorenheit/Unverschämtheit muss ich nun erst mal sacken lassen.

Was heute schön war:

Erinnerung.
Gestern Abend erinnerte sich L daran, wie sie sich gelegentlich gemeinsam mit ihrem Papa (meist unter der Bettdecke) versteckte, um mich kurz darauf zu erschrecken. Diese schöne/lustige Erinnerung teilte sie heute sogar im Kindergarten mit ihren Erzieherinnen. ❤

Besuch.
Am Nachmittag besuchten uns M und seine Mama C. Den ursprünglichen Plan, ins Dreibrunnenbad zu gehen, gaben wir wetterbedingt auf. Stattdessen spielten die Kinder im Kinderzimmer. Gegen 17:30 Uhr schnappten wir uns einen Bollerwagen, liefen zum Spielplatz in der Tettaustraße und später zu dem beim Espachcafé. Der Nachmittag/Abend ging schnell und ohne Langeweile vorbei. Sogar Prinz war ein sehr lieber Spielplatz-Hund.

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