Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 15

Alltagsschnipsel

Null Minuten! Ich habe heute Nacht kein Auge zubekommen und somit keine einzige Minute Schlaf gefunden. Die Gedanken in meinem Kopf waren einfach zu laut. Ich kam nicht zur Ruhe.

Trotz des Schlafmangels fühlte ich mich heute den Tag über nicht müde. Während ich mich für Ms Trauerfeier und Urnenbeisetzung zurechtmachte, meinte L plötzlich, dass sie nun doch nicht mitkommen wolle. Äh … eine andere Wahl hatte sie leider nicht mehr, denn ausnahmslos alle Personen, die sie heute hätten bespaßen können, erschienen heute mit uns auf dem Hauptfriedhof.

Halb zwölf kam Prinz‘ Betreuungsperson bei uns zu Hause an. Da er die arme Frau ohne Unterlass anknurrte, ansprang und nach ihr schnappte, leinte ich ihn im Garten an und stellte seinen Wassernapf in erreichbarer Nähe ab. Mit einem mittelguten Gefühl stieg ich eine halbe Stunde später gemeinsam mit L in S‘ Auto ein. S war so lieb und fuhr uns hoch zum Friedhof.

Viertel vor eins lief ein Großteil der Gesellschaft in Richtung Halle 2. Die traurigen Klänge der Klaviermusik ließen nicht nur mich in Tränen ausbrechen. L, die zuletzt am Todestag ihres Papas weinte/schrie/um sich schlug, zeigte erstmals wieder ihre wahren Emotionen. Auch sie weinte und wollte nicht mit hinein zur Trauerrede in Halle 2. Mein Bruder erklärte sich bereit, mit ihr draußen zu bleiben. (Ich war ihm unendlich dankbar. Es tat mir jedoch auch sehr leid für ihn.) Dass die Trauerrede auch in den Außenbereich übertragen wurde, war ein kleiner Trost für mich. (Durch COVID-19 durften nur dreißig Personen an der Trauerrede in der Halle teilnehmen.)

Der Trauerredner schrieb und hielt eine sehr gute Rede. Er wechselte zwischendrin in die Ich-Perspektive und erzählte Ms Leben aus seiner Sicht. Alle, mit denen ich sprach, glaubten tatsächlich, M hätte diese Worte vor seinem Tod selbst verfasst/zu Papier gebracht. Dem war nicht so. Ich finde, das zeugt von der guten Arbeit des Redners.

Um 13:30 Uhr liefen wir gemeinsam mit circa einhundert (!!!) zur Beerdigung erschienenen Personen zum Grab. Jeder von ihnen stand eine Weile vor dem Grab und hatte Gelegenheit, sich von M zu verabschieden. Diese traurige Situation wurde ein wenig aufgehellt durch einen Stein, der mitten im Weg befestigt war und den ein oder anderen stolpern ließ. Das wäre ganz nach Ms Humor gewesen. Ich stellte mir jedenfalls vor, wie er uns beobachtete und aus dem Lachen nicht mehr herauskam.


Was heute schön war:

Anteilnahme.
Ich bin gerührt und überwältigt, wie viele Menschen sich heute Mittag von M verabschiedet haben. M kannte wirklich unglaublich viele Personen. 

Double B.
Um 17:00 Uhr stieß ich zu unseren Freunden in Ms Lieblingslocation dazu. In den nächsten drei Stunden unterhielt ich mich mit vielen und erinnerte mich gemeinsam an lustige/schöne Momente mit M. Die alten Schülerzeitungen und Dutzende Fotos lagen auch zum Stöbern bereit. ❤

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