Tagebuch – Unser Leben ohne M – Tag 7

Alltagsschnipsel

Diese Nacht schlief ich besser. Gegen 03:00 Uhr wurde L unruhig und weinte/jammerte ein wenig vor sich hin. Normalerweise war es Ms Aufgabe, L nachts zu beruhigen. (Ich bin nachts eine ganz furchtbare Mama. Ich behaupte, nichts dafür zu können.) Ich riss mich arg am Riemen, sagte mir gedanklich immer wieder, dass L es nicht absichtlich macht … und hatte Erfolg. Sie trank einen großen Schluck Wasser, kuschelte sich an mich und wir schliefen störungsfrei weiter.

Nun ist M seit einer Woche tot. Eine Woche! Es kommt mir vor wie vorgestern. Allerdings ist in den sieben Tagen unglaublich viel passiert und ich habe so viel (organisatorisches) zu erledigen gehabt, dass der Tod schon Wochen her sein könnte. M fehlt mir sehr. Ich stelle mir tagtäglich vor, er sei ständig um mich herum und sieht/hört meine Entscheidungen, beobachtet unseren Alltag und wartet gespannt auf das Ergebnis unserer Bemühungen bezüglich seiner Firma.

Ich sehne mich nach einer kleinen Auszeit. Ich denke, ich werde im August ein verlängertes Wochenende mit L (und Prinz?) an einem See verbringen. Ich könnte mir hierfür den Leipziger Raum gut vorstellen. Einen längeren Urlaub plane ich für September oder Oktober. Das wäre schön.

Meine beruflichen Aufgaben werden eher mehr statt weniger. Ich beiße die Zähne zusammen und erledige, was ich kann. Das letzte, was ich will, ist der völlige Verlust der Kontrolle von Ms Firma. Ich sehe keine Zukunft hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft.

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
Schon morgens acht Uhr holte Ms Mama L ab. Sie fuhren zunächst mit dem Bus zu ihr nach Hause und später zu Ms Schwester. L übernachtete heute auch wieder bei ihrer Oma. Sie hat den Tod ihres Papas bisher sehr gut verkraftet/weggesteckt.

Helferlein.
Trotz der vielen Aufgaben bin ich nicht alleine. Viele (unangenehme) Sachen erledigen andere für mich. Heute kümmerte S sich um die Rückabwicklung des von M ohne meines Wissens angeschafften Fernsehers. Da er diesen über eine Bank hat finanzieren lassen, müsste ich noch über zwei Jahre Raten abbezahlen. Das kann ich mir Stand heute nicht leisten. S besorgte zudem einiges im OBI Baumarkt und setzte ihre Arbeit in unserer Küche und im Bad fort. ❤

Spontanes Treffen.
Heute wären M und ich gemeinsam auf ein einstündiges Klavierkonzert in die Mehlhose gegangen. Es fühlte sich komplett falsch an, die Eintrittskarten verfallen zu lassen. Es fühlte sich zwar auch komisch, trotzdem richtiger an, hinzugehen. Ich behaupte, M hätte es so gewollt. Er freute sich seit Wochen auf diesen Tag. Die beiden Karten waren zudem mein Geburtstagsgeschenk von ihm. Meine Grundschul-/Orchesterfreundin J sagte spontan zu. So standen wir 18:30 Uhr vor der Mehlhose … und stellten fest, dass das Konzert im Kontor etwa vier Kilometer entfernt stattfindet. Aaaaaaah! Wie ärgerlich! Wir machten uns stattdessen auf den Weg in ein chinesisches Restaurant in der Nähe des Kinos und aßen leckere Sachen zum Abendessen. Anschließend liefen wir gemütlich (zu mir) nach Hause. Auch wenn der Abend anders geplant war, war er doch sehr schön. ❤ (Am Sonntag bekomme ich aber eine zweite Chance: Im Kontor (ich war überzeugt in der Mehlhose) findet ein Klavierkonzert statt, für das M ebenfalls Karten gekauft hatte. Diesmal klappt es ganz sicher!)

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