Gedanken zum Toilettenstuhl.
Ich hasse ihn. Nicht den Stuhl selbst, sondern vielmehr die Tatsache, dass er seit einer halben Woche von M regelmäßig/ausschließlich benutzt wird und natürlich entleert/gesäubert werden muss. Als der Lieferant den Stuhl im Garten abstellte, meinte er, dass ich ihn ja nicht entleeren müsse. (Er dachte vermutlich, dass dies vom Pflegedienst übernommen werden würde.) Mir war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass niemand den vollen Behälter unter dem Stuhl entleeren würde, wenn ich es nicht täte. Meine Methoden wie Luftanhalten oder an etwas Schönes denken haben bisher nicht ausgereicht. Es ist und bleibt einfach super eklig. Bei jedem zweiten oder dritten Mal muss ich erbrechen. M ist nach wie vor nicht in der Lage, es selbst zu tun. (Er würde es aber gern selbst machen.)
Pflegetätigkeiten.
Wenn ich morgens erwache und aufstehe, gehe ich zuerst zum Infusionsständer und schaue, ob Tee gekocht und anschließend in den Flüssigkeitsbeutel umgefüllt werden muss, ob schon ein neuer Nahrungsbeutel angehängt gehört und ob die Schlauchsysteme getauscht werden müssen. Anschließend helfe ich M bei seinen Medikamenten. Ich zerkleinere mithilfe des Mörsers die Tabletten, gebe das Pulver in eine Spritze und fülle diese mit Wasser. M verabreicht sich daraufhin den Inhalt über die Magensonde. Dies wiederholen wir circa zehn Mal. Nun bringe ich M frische Kleidung und helfe ihm beim Anziehen, denn das schafft er aktuell nicht alleine. Zwischendurch säubere ich die Couch/räume seinen Platz auf und bin immer auf Zuruf da, um ihm aufzuhelfen/etwas zu bringen. Denn auch das schafft M derzeit nicht alleine. Am Nachmittag bereite ich ihm im Garten einen gemütlichen Platz vor, gehe mit ihm je nach Tagesform mal mehr, mal weniger Schritte durch den Garten und bringe ihn meist anderthalb oder zwei Stunden später wieder in die Wohnung. Je nachdem wie müde ich am Abend bin, helfe ich ihm erneut bei der Einnahme der Medikamente. An manchen Tagen vertraue ich aber einfach darauf, dass er alle Tabletten ordnungsgemäß einnimmt. Ich gehe jedoch niemals ins Bett, bevor ich nicht nochmals den Infusionsständer überprüft und M mit der Essenseinnahme genervt bzw. ihn daran erinnert habe.
Eckdaten M.
geschlafen: gut und ausreichend, bis 06:00 Uhr auf der Couch, danach Wechsel zu uns ins Bett mit kurzer Unterbrechung durch den Pflegedienst (die Pflegerin kam 06:43 Uhr)
gegessen: 835 kcal Nahrungsbeutel
getrunken: ausreichend
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten
Heute litt M wieder unter Kieferschmerzen. Es gibt aktuell so viele offene Baustellen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo wir anfangen sollen, uns Hilfe zu suchen. Ich bewundere M für seinen (Über-)Lebenswillen. Abends kochte er wieder für L und mich. ❤
Gerade als ich L bettfertig machen wollte, stellten wir fest, dass Ms Narbe/Wunde am Hals blutete. Es tropfte bereits aus dem Verband auf sein T-Shirt. Ich rief das Palliativteam an. Gegen viertel nach neun trafen eine Ärztin und ein Pfleger ein. Es handelte sich glücklicherweise „nur“ um eine Sickerblutung, die vermutlich den ganzen Tag über lief. Da kein Blut tropfte oder floss, wurde ein neuer Verband angelegt. Kaum war die Ärztin fertig, war es wieder da: das ungute Gefühl und das Wort „Tod“, das über unseren Köpfen schwebte. Die Ärztin fragte uns, ob wir irgendwann mal zum Thema Verbluten bzw. zur Tumorblutung aufgeklärt wurden. (Nein, wurden wir nicht.) Bei letzterem sei die Hauptschlagader betroffen und niemand könne M dann noch helfen. Ich soll, falls das Blut schwallartig aus seinem Hals spritzt, dunkle Handtücher holen, um bei M nicht noch mehr Panik zu verbreiten, und einen Druckverband anlegen. Ist M dann doch „beunruhigt“, soll ich ihm ein Beruhigungsmittel SPRITZEN. (Ich wurde ausführlich in alle Einzelheiten, den Aufbau der Spritze und in den Vorgang selbst unterwiesen.) Den Notarzt können wir rufen, aber „manchmal ist es auch ausreichend, wenn jemand bis zum Ende da ist.“ Mit diesen beruhigenden und ermutigenden Worten brachte ich schließlich L ins Bett. (M amüsierte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten über die Panikmache. Er hält eine Tumorblutung für ausgeschlossen, da am Hals kein Tumor ist.)
Was heute schön war:
Parkspaziergang.
Am späten Vormittag liefen L, Prinzi und ich zum Briefkasten, um die von M geliehenen und mittlerweile geschauten Blu-rays zurückzuschicken, und anschließend in den Park. Begleitet hatte uns diesmal Ls Puppe Lotta oder Mia (der Name wechselt des Öfteren) im Puppenwagen. Obwohl L auf einem „Geheimweg“ Kontakt zu Brennnesseln hatte und wir wegen des Kühlakkus umgehend nach Hause gehen mussten, war es ein schöner Ausflug.
Entschleunigung.
Es war bis 20:30 Uhr ein schöner, ruhiger und entspannter Sonntag, an dem wir „nichts“ machten.



