Mein Tag begann gegen acht Uhr. Aufgestanden bin ich zeitnah nach dem Aufwachen, weil L mit schlechter Laune erwachte und anfing, mich zu hauen. (Ich weiß nicht, was in solchen Momenten in ihrem Kopf vorgeht.) Sie weiß allerdings, dass ich das nicht will und schon gar nicht toleriere. Ich flüchtete also aus der Situation. Ich duschte, bereitete das Frühstück für L und mich vor und ließ Prinz kurz für sein kleines Geschäft in den Garten. L war wieder die Alte und so konnten wir in Ruhe frühstücken und uns dabei unterhalten – so als ob nie etwas gewesen wäre. Verstehe einer die Kinder!
Nach dem Frühstück zog ich L an und flocht ihr einen Zopf. Sie spielte anschließend eine gute Stunde alleine (!) mit ihrer Puppenstube in ihrem Zimmer. Solche Momente sind noch sehr selten. Ich freue mich jedenfalls, dass sie statt fernzusehen eine andere Beschäftigung wählte. M lag währenddessen auf der Couch und schlief bei laufendem Fernseher. Darauf konnte ich wegen des bevorstehenden Termins leider keine Rücksicht nehmen. Ich half ihm beim Mörsern und der Einnahme der Medikamente. Unterbrechen musste ich diese Tätigkeit für ein berufliches Daily.
Ehe wir eine Dreiviertelstunde später alle (außer Prinz) im Auto auf dem Weg zu Ms Mama, die mittlerweile seit genau einem Jahr krankgeschrieben ist, saßen, war es noch recht turbulent. L und ich spazierten mit Prinz ein paar Meter durch die Gegend in der Hoffnung, er würde noch sein großes Geschäft verrichten. Fehlanzeige! Ich betete stumm, dass er es während unserer Abwesenheit nicht in der Wohnung hinterlässt. (Spoiler: Ich hatte Glück!) M zu motivieren, von der Couch aufzustehen, frische Kleidung anzuziehen und zwanzig (dreißig?) Meter zum Auto zu laufen, war auch mit einiger Anstrengung verbunden.
Wir hielten kurz bei Ms Mama, verabschiedeten uns von L und fuhren zur onkologischen Praxis weiter, die sich in der Parallelstraße befindet. Wir hatten sehr großes Glück und ergatterten den letzten Parkplatz. Mit nur zehn Minuten Verspätung betraten wir 11:10 Uhr die Praxis. (Das ist wirklich gut. Wir kamen aus Gründen schon mal über eine Stunde zu spät.) Wir mussten nicht lange im Wartezimmer sitzen, als wir zur Ärztin gerufen wurden. Viel Neues konnte sie leider zur Wiederaufnahme der Immunchemotherapie nicht sagen, da sie DRINGEND die Meinung/Einschätzung der Charité-Ärzte und die Auswertung des CT benötigt. Während M Blut abgenommen wurde, klemmte ich mich hinters Telefon und kontaktierte das Helios Klinikum. Die Mitarbeiterin war sehr nett und kompetent und sorgte dafür, dass ich am Nachmittag die CD mit dem CT hätte abholen können, hätte ich denn Zeit dafür gehabt. Morgen fahre ich gleich vormittags/mittags ins Krankenhaus. Ms Blutergebnisse lagen zwischenzeitlich auch vor: Er bekommt morgen Mittag eine Bluttransfusion.
Eckdaten M.
geschlafen: durchgeschlafen von 22:00 Uhr bis 04:30 Uhr
gegessen: etwas mehr als gestern
getrunken: okay, hätte aber mehr sein können
bewegt: Schritte in der Wohnung und im Garten
Was heute schön war:
Oma-Tag für L.
L ist immer noch leicht verschnupft, kann aber (nach Einschätzung der Oma) eventuell morgen wieder in den Kindergarten gehen. Ms Mama erklärte sich trotzdem bereit, Zeit mit ihr zu verbringen. Die beiden statteten den Tieren im Zoopark einen Besuch ab. L durfte auch wieder bei ihrer Oma übernachten. So hatte ich heute mehr Zeit für M und Prinzi.
Zukunftspläne.
Am frühen Nachmittag kamen unsere Kollegen/Freunde M und S zu uns nach Hause. Den urlaubsbedingt ortsabwesenden M schalteten wir per Videocall hinzu. Bei Muffins, Kaffee und Bier sprachen wir über das vergangene Geschäftsjahr und diskutieren über die gestern in der Versammlung vorgeschlagenen Varianten und somit über die Zukunft der Firma. Dieses Treffen bzw. Gespräch war trotz des nervenaufreibenden Themas zur Abwechslung entspannt und frei von jeglichem Druck.

Schierke Feuerstein.
Bevor M und S uns am Abend wieder verließen, stießen wir gemeinsam mit einem Schnaps an. Ich trank einen doppelten. Die nächste Stunde war sehr lustig (für mich). Ich hatte zuletzt etwas Sekt und Fruchtsecco zu meinem Geburtstag in der letzten Woche getrunken und diese Getränke kaum gemerkt. Der auf Ex konsumierte Schnaps hingegen versetzte mir einen ordentlichen Schwips. Das war schön und nötig. Wiederholen werde ich das so schnell trotzdem nicht.

Sushi.
Ich bin süchtig. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Die letzten Tage waren aber auch so stressig und anstrengend, dass ich mich auch heute mit leckerem Sushi belohnen musste.
Telefonat mit meinem Bruder.
Wir zogen das morgige Telefonat spontan vor und redeten über anderthalb Stunden nahezu ausschließlich über Berufliches. M nahm hin und wieder auch an dem Gespräch teil. (Es betrifft ihn ja genauso wie mich.) Ich denke, mein Bruder kann unsere Situation nun besser verstehen.
Filmabend.
Gegen 22:30 Uhr schafften M und ich es endlich, den Film „Star Wars Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers“ zu schauen. Vor drei Wochen hatten wir uns das bereits vorgenommen. Dazu gab es karamellisiertes Popcorn (für mich). Leider verschlief M nahezu den gesamten Film. (Normalerweise ist es immer andersherum.)
