Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 109

Alltagsschnipsel

Es kommt immer anders.
Obwohl ich noch sooo müde war, stand ich heute viertel nach sieben auf und ging duschen. Ich bereitete für L und mich Frühstück vor und hing für M einen neuen Nahrungs- und Flüssigkeitsbeutel an den Infusionsständer. Es war mittlerweile kurz vor acht und ich weckte L, denn spätestens zehn Minuten nach halb neun wollte ich mit ihr im Auto auf dem Weg zum Kindergarten sitzen. Doch ich habe die Rechnung ohne L gemacht. Sie wollte nicht. Ich versuchte, mit Engelszungen auf sie einzureden. Keine zwei Minuten später saßen wir weinend beieinander. L weinte, weil sie wegen ihrer verstopften Nase lieber zu Hause bleiben und im Allgemeinen sowieso nicht in den Kindergarten gehen wollte. Ich weinte, weil L wegen ihrer verstopften Nase vermutlich sowieso nach Hause geschickt werden würde (sobald Kinder erste Erkältungssymptome zeigen, dürfen sie nicht mehr in den Kindergarten), es mir immer das Herz bricht, sie so unglücklich zu sehen, und heute der denkbar ungünstigste Tag der Woche für kindergartenfrei war. Wir telefonierten wenig später mit Ms Schwester, die L heute wegen eines wichtigen Termins bei M und mir vom Kindergarten abgeholt hätte. Sie half uns aus der Misere, indem sie L bereits 11:00 Uhr von zu Hause abholte. Tausend Dank!!!

Palliativteam.
Noch während die Pflegerin Ms zwei Verbände wechselte und die darunter befindlichen Wunden reinigte, klingelte es erneut bei uns. Zwischen elf und ein Uhr wollte sich heute eine Ärztin des Palliativteams vorstellen. Sie kam pünktlich und in Begleitung einer Schwester. Leider mussten die beiden circa zehn Minuten auf mich warten, weil L in demselben Moment auch von ihrer Tante abgeholt wurde. Die Ärztin und die Schwester erzählten uns, dass das Palliativteam jederzeit telefonisch kontaktiert werden kann – bei kleinen Fragen, im Notfall und sogar für das Ausstellen von Rezepten. Sie hinterließen uns eine Reihe an Medikamenten für „den Fall der Fälle“ und einen Plan, bei welchen Symptomen was wie eingenommen werden kann/sollte. M und ich freuen uns über die Rufbereitschaft. Dennoch fand ich das Gespräch irgendwie merkwürdig. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, als würde das Wort „baldiger Tod/baldiges Ableben“ unausgesprochen über unseren Köpfen schweben. M sah das glücklicherweise anders.

Eckdaten M.
geschlafen: ausreichend, aber überwiegend außerhalb unseres Bettes
gegessen: nicht der Rede wert 😦
getrunken: ausreichend 
bewegt: Schritte in der Wohnung, kleiner Spaziergang außerhalb unseres Grundstücks

Am Abend hatte M Durchfall. Bitte bitte lass es nur eine einmalige Sache sein!

Was heute schön war:

Tante-Tag für L.
Heute Vormittag holte Ms Schwester L ab und fuhr mit ihr zu sich nach Hause. Dort erschien dann auch Ms Mama, sodass L gut bespaßt wurde und der Tag ohne Kindergarten für M und mich nicht weiter ins Gewicht fiel. ❤

Cleverer Schachzug.
Dass ich M für seine Kraft und Aufopferung der Firma gegenüber bewundere, habe ich in den letzten Tagen schon öfter erwähnt. Hatte ich meist den Kopf schon in Richtung Sand bewegt, blieb M äußerlich cool und arbeitete an Lösungen/weiteren Plänen. Während des Calls ließ M schließlich die Bombe platzen und unterbreitete den Vertretern der Gesellschafterin ein Angebot. Erst dachte ich, es gäbe Verbindungsprobleme, weil keiner etwas sagte oder anderweitig reagierte. Die berühmt berüchtigte Stecknadel konnte jeder fallen hören. Wie clever Ms Vorschlag/Angebot tatsächlich war, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Ich bin sehr auf die Meinung des Aufsichtsrates der Gesellschafterin gespannt. Es bleibt weiterhin spannend. 

Spaziergang mit M.
Nach unserem wichtigen Call machten Prinz, M und ich einen kleinen Spaziergang. Ich zog M zwei Paar Socken an, da er wegen der Wassereinlagerungen in den Füßen derzeit in keine Schuhe passt. M wird täglich schneller und auch das Treppensteigen fällt ihm immer leichter. Heute verließen wir sogar für ein paar Meter unser Grundstück. Ich freue mich sehr!

Telefonat mit J.
Montag ist Telefontag. Ich schnappte mir abends um sieben Prinz und nahm ihn auf einen kleinen Spaziergang mit. Mit J sprach ich heute vor allem über die Vergangenheit, aber auch über zwei aktuellere Themen. Das war echt schön.

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