Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 105

Alltagsschnipsel

Meine Nacht war nur so mittel. Ich habe gestern Abend erst kurz vor Mitternacht das Telefon beiseite gelegt und konnte dann nicht gleich einschlafen. (So etwas kommt selten bis nie vor.) Der Tag war einfach zu stressig. Die Gedanken drehten und drehten sich im Kreise. Irgendwann hörte ich Prinz durch die Wohnung tippeln. Als es nach fünf Minuten nicht besser wurde, stand ich auf und öffnete ihm die Wohnungstür. (Ich bin immer wieder dankbar, dass er nachts einfach raus in den Garten kann, ohne dass wir mitgehen müssen.) Ein paar Stunden später wachte ich nassgeschwitzt auf, schloss die Tür (Prinz schlief derweil im Wohnzimmer) und sah, dass es allmählich hell wurde. Da war es kurz vor vier Uhr. Zum Umziehen war ich zu faul. Um sieben klingelte der Wecker. Ich quälte mich kurz vor halb acht aus dem Bett. L war auch schon wach. Überraschenderweise störte mich die Müdigkeit heute nicht.

Gegen 13:30 Uhr erfuhren wir endlich, dass M heute entlassen wird. Ich ließ zu Hause alles stehen und liegen, machte dem schlafenden Prinz einen Film an, damit er glaubt, ich sei noch da, und fuhr ins Helios Klinikum. Ich packte Ms Sachen zusammen und nahm das Gepäck mit zum Auto. M fuhr nach Erhalt des Arztbriefes, auf den er ZWINGEND warten musste, mit dem Taxi nach Hause, ich holte L aus dem Kindergarten ab. Sowohl die dritte Blutkultur (Portbereich) als auch die Herzsonographie waren unauffällig. Wir bekamen etwas Nahrung und Medikamente mit, sodass wir nun in Ruhe alles organisieren und für zu Hause liefern lassen können. Einen groben Tagesplan bzw. -ablauf habe ich für M erstellt, damit wir schnell Routine bekommen.


Ls Euphorie von vergangener Woche ist wieder vorbei. Sie will lieber zu Hause bleiben. Kindergarten ist okay, aber mehr auch nicht. Ich kann sie verstehen. Das Autofahren im Berufsverkehr mit den zig Baustellen stresst und nervt mich. Ich kann zwar mittlerweile konzentrierter und mehrere Stunden am Stück arbeiten, hab aber gefühlt viel weniger Zeit (für mich). Ich habe die Zeit zu Hause mit Prinzi, L und M wirklich sehr genossen. Ich wusste auch vor der Pandemie schon, dass ich zu Hause am glücklichsten bin, doch jetzt merke ich es noch viel deutlicher. Meine Gedanken und Lebenspläne drehen sich auch um ein zukünftiges Arbeiten – in welcher Form, Art und Weise auch immer – von zu Hause aus. L darf morgen jedenfalls zu Hause bleiben.

M war keine zehn Minuten (!) nach seinem zwölftägigen Krankenhausaufenthalt zu Hause, als wir um 18:00 Uhr ein wichtiges berufliches Telefonat führen mussten. Zum Glück führte einer der drei am anderen Ende einen einstündigen Monolog, sodass meine unglaubliche Wut auf diese Menschen unentdeckt blieb. Die Krönung des heutigen Abends war die kurze Info von ME, dass wir gegen 21:00 Uhr weiter telefonieren müssen. Ja, dachte ich mir, und wer bringt L ins Bett, die gern erst gegen 22:00 Uhr einschläft? Wann darf sich M ausruhen? Wann habe ich Feierabend und eine Pause? Soll ich ernsthaft mit einem erschöpften M und selbst am Rande des Nervenzusammenbruchs um 22:00 Uhr ein produktives Gespräch führen?!

Was heute schön war:

Ls Liebe.
Es ist so schön zu hören, dass L mich lieb hat. (Natürlich behauptet sie an manchen Tagen, wenn sie wütend ist, das Gegenteil, aber ich weiß, dass es nicht stimmt.) Sie zeigt mir dafür einfach viel zu oft, dass sie mich mag. Ich hoffe, dass sie ebenfalls weiß, wie lieb ich sie habe.

Prinz.
Als ich mittags überstürzt die Wohnung verließ, schlief Prinz. Er bekam mein Fortgehen nicht mit – vermutlich Dank des Films. Als L, Ms Gepäck und ich drei Stunden später wieder zu Hause waren, schlief Prinzi immer noch an derselben Stelle. ❤

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