Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 91

Alltagsschnipsel

Gestern Abend hat M nach zwei Stunden die Pumpe abgestellt und die Ernährung über den Port gestoppt. Er scheint die Nahrung nicht zu vertragen und kam lange Zeit nicht von der Toilette runter. Eine Stunde nach dem Abstellen war endlich Ruhe im Darm. Heute Morgen sprachen wir dies gleich beim Pflegedienst an. Die Pflegerin meinte, dass wir es heute Nacht mit weniger Kalorien probieren werden. Sie glaubt, Ms Körper ist überfordert. Von einer Unverträglichkeit geht sie nicht aus, da sich dies eher durch Übelkeit und Erbrechen zeigt. (Die Ärztin in der onkologischen Praxis hält eine Unverträglichkeit im Übrigen aber für möglich.) Sollte M heute Abend wieder Huddeleien bekommen, können wir die Nahrung in Zukunft auch tagsüber laufen lassen.

M hatte gestern einen guten bzw. besseren Tag. Er konnte ein wenig arbeiten und sogar ein Playstation-Game zocken. Seit dem Wochenende ist die Stimmung deutlich besser und wieder normal: kein Genöle, kein Gezanke! Ich werte das als gutes Zeichen. Auch heute saß er einen Großteil des Tages an seinem Arbeitsplatz hier zu Hause.

Tagsüber laufen die Ernährung und die Flüssigkeit auch gut. Ich bereite M alles entsprechend vor, sodass er sich die Schläuche, die am Infusionsständer hängen, nur anstecken muss. Das werden wir die nächsten Wochen und Monate beibehalten, damit er langsam wieder zunimmt. Oral kann er auch wieder richtig gut trinken. 

Ls Freunde gehen ab Montag wieder normal in den Kindergarten. Ab Montag ist Corona zumindest in den Thüringer Kindergärten scheinbar offiziell vorbei. Das bedeutet, dass L ihre Freunde mindestens acht Wochen nicht sehen kann. Ich weiß leider nicht, was richtig und was falsch ist. Würde L in den Kindergarten gehen, hätte ich mehr Zeit für M und die Arbeit. Auf der anderen Seite stehen die Krankheiten, die L mit nach Hause bringen könnte … Schwierig!

Die Schmerzen in meinem Nacken werden nur mäßig besser. Letztes Jahr meinte der Physiotherapeut, dass Sport alleine schon lange nicht mehr hilft und ich behandelt werden muss. Wenn ich mal Zeit habe, hole ich mir ein Rezept und lasse mich massieren.

Was heute schön war:

Zeit am Morgen.
L war bereits 07:30 Uhr wach – also kurz nachdem der Pflegedienst wieder weg war. Na gut! Wir standen auf und lasen in Ruhe zwei Bücher im Wohnzimmer, damit M weiterschlafen konnte. L zog sich danach ganz alleine an! Sie kam selbst auf die Idee und holte sich sogar ihre Sachen alleine aus dem Schrank. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wir konnten sogar gemeinsam frühstücken. (Normalerweise stehen wir so spät auf, dass das arme Kind beim Fernsehen essen muss, während ich das Frühstück beim ersten Call verputze.) Das Frühstück endete jedoch mit einer umgeschmissenen Müslischale und einer mit der Hand in der Milchpfütze patschenden L. 😉 Nach dem Essen liefen L und ich mit Prinzi zum Briefkasten.

Spielzeit am Nachmittag.
L und ich spielten heute abwechselnd drinnen und draußen. Für ihr Königin-Klara-Spiel bastelten wir extra eine Krone. Klara wurde fortan mit Majestät oder Eure Hoheit angesprochen. Ich übernahm wieder die Rolle der L, die ungefähr einhundert Mal in Folge ihren Ball in Richtung Wasserfall zu schießen hatte. Zum Glück rettete ihn Königin Klara jedes Mal.

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