Tagebuch – Alltag in der Corona-Zeit – Tag 82

Alltagsschnipsel

Regelbetrieb.
Ab heute dürfte L wieder in den Kindergarten gehen. Die Erzieherinnen und die Leitung haben ein Hygienekonzept erstellt, das sich laut M gut liest. Leider findet das zweiwöchige Wechselmodell mit kleinen Gruppen um die zehn Kinder nicht statt. Der Kindergarten hat von jetzt auf gleich von der Notbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb mit etwas verkürzten Betreuungszeiten umgestellt. Und das ist M und mir im Moment zu heikel. Auch wenn Erfurt keine Neuinfizierten hat und es sich thüringenweit ebenfalls in Grenzen hält, zählt M zur Risikogruppe und darf sich unter keinen Umständen mit dem Virus anstecken. Ob L in den verbleibenden sechs Wochen bis zur dreiwöchigen Schließzeit den Kindergarten besucht, wissen wir auch noch nicht. Es ist und bleibt kompliziert.

Fahrradtour.
M und ich … das ist aktuell ebenfalls kompliziert. Dennoch nutzten wir den Nachmittag und fuhren gemeinsam 10,5 Kilometer mit dem Fahrrad. (M hatte im Helios sein iPad vergessen.) Da mein Fahrrad einen Platten hat und ich mir noch keinen Ersatzreifen besorgt habe, fuhr ich mit dem E-Bike von Ms Mama. (Das mache ich ungern. Lieber hätte ich mein Fahrrad genommen.) Im Park nahmen wir gemeinsam am letzten Call des Tages teil (Leitungsmeeting) und fuhren anschließend in Richtung Krankenhaus. Fahrradfahren im Park ist schön, auf den Radwegen okay, aber auf den geflickten Straßen im Berufsverkehr nicht so meins. Zudem war das Rad von Ms Mama etwas zu groß für mich. M meinte abends, er hätte keinen Spaß gehabt, da ich auch keinen hatte. Was soll ich schon groß dazu sagen?! 

Was heute schön war:

Oma-Tag für L.
L erwachte heute erst 09:15 Uhr. Mit Ms Mama vereinbarte ich gestern, dass sie halb zehn bei uns sein soll (sie wollte mi L in den Egapark gehen). In der Viertelstunde, die uns verblieb, schafften wir es tatsächlich, L anzuziehen, ihre Zähne zu putzen sowie Spielsachen und ein kleines Picknick vorzubereiten. Zehn Minuten nach halb zehn machten sich Ms Mama und L mit einem Toast in der Hand auf den Weg. Das ist doch prima gelaufen!

Aussprache mit M.
M meinte, seine Griesgrämigkeit liege nicht an mir. Sein ganzes mürrisches Verhalten hätte auch nichts mit mir zu tun. Er vermutet, dass ihm die Sozialkontakte fehlen. Ich hoffe, dass wir bald B und S zu uns einladen können – das wäre ein schöner Anfang. Und dann würde M hoffentlich merken, dass er sich vor seinen Freunden, die er über zwanzig Jahre kennt, nicht zu schämen braucht. Unsere Freunde sind toll. Nicht einen einzigen würde ich so einschätzen, dass er sich über Ms Krankheit/Befinden/Zustand lustig macht. Mit unseren Freunden aus Köln haben wir auch lange nicht telefoniert.Wir haben auch über die Fahrradtour gesprochen. Dabei ist mir erneut aufgefallen, dass ich komisch bin – immerhin merke ich es (noch). Es war für mich eine große Überwindung mit dem Fahrrad von Ms Mama zu fahren, denn es ist mir unbekannt/nicht vertraut, etwas zu groß, ziemlich schwer und ein E-Bike. Ich kann mich innerhalb kürzester Zeit in die Situation hineinsteigern und ein Drama daraus machen. Ich frage mich, ob es an mangelndem Selbstvertrauen liegt, Neues/Unbekanntes auszuprobieren?! Oder ob da noch eine andere Komponente beachtet werden muss?! Dieses „Verhalten“ ist jedenfalls tagesformabhängig. An anderen Tagen wäre ich ohne zu Murren auf ein unbekanntes Rad gestiegen und losgefahren.

Telefonat mit J.
Zwei Stunden habe ich mit meiner Freundin aus Dresden telefoniert. Ihr Freund J befindet sich berufsbedingt immer noch in Österreich. Wir konnten heute wieder viele Themen besprechen. Das war schön.

Vorlesezeit.
Zum gestrigen Kindertag bekam L von unseren Vermietern C und A unter anderem das Buch „Pippi feiert Geburtstag“ geschenkt. Die Geschichte las ich L gestern zweimal und heute einmal vor dem Einschlafen vor. Das Buch ist wirklich toll, da es auf jeder Seite tolle Zeichnungen passend zur Textpassage gibt. L mag das Buch auch sehr.

Blue Thunder.
Obwohl ich schon sehr müde war, bin ich am Abend um viertel nach zehn noch mal aus dem Bett gekrabbelt. M und ich haben eine Stunde des Films Blue Thunder geschaut. Ich weiß gar nicht, wann wir das letzte Mal einen Film zusammen geschaut haben. Vielleicht schaffen wir das noch ein paar Mal, ehe nächste Woche die letzte Chemotherapie startet.

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